An dieser Stelle veröffentlichen wir eine Pressemitteilung des Instituts für Internet-Marketing “ProfNet” vom 26.06.2011. Welche Meinung haben Sie zu dieser Forderung? Diskutieren Sie mit!
Münster – Der ProfNet Hochschulservice hat alle 114 promovierten Mitglieder des aktuellen Deutschen Bundestages mit persönlichen E-Mails aufgefordert, ihre Dissertation elektronisch oder als Buch einzureichen
und im Internet für alle Wähler zu publizieren.Damit will ProfNet neben der wissenschaftlichen Qualitätsanalyse auch einen Beitrag zur Rehabilitierung der Politiker auf der Website www.profnet.de/poldiss leisten. Auf verschiedenen gewerblichen oder politisch motivierten Websites werden augenblicklich die Dissertationen der Politiker nach Plagiaten durchsucht. Alle Politiker stehen dabei unter Generalverdacht. Das Thema wird die Politik und die Hochschulen auf Jahre beschäftigen und schädigen. Prof. Kamenz: „Das Thema sollten wir wissenschaftlich in kurzer Zeit gemeinsam erledigen und die etwa 90 % der guten und wissenschaftlichen Dissertation den Wählern öffentlich zur Verfügung stellen.“
Der ProfNet Hochschulservice will Plagiate in Deutschland vollständig durch ein Web 2.0-basiertes, unabhängiges und kostengünstiges Internetsystem abschaffen. Dabei sollen die wissenschaftlichen Analysen der Politiker-Dissertationen mit Hilfe der Internet-Nutzer und aller Professoren den öffentlichen Druck auf die Politiker und Hochschulen erzeugen, Plagiate in Deutschland endlich abzuschaffen. Dazu werden auf der Website www.profnet.de/poldiss alle Dissertationen aller jetzigen und ehemaligen Politiker in den nächsten Monaten präsentiert. Der ProfNet Hochschulservice hat ein System entwickelt, mit dem mit geringem Aufwand Plagiate in Deutschland vollständig abgeschafft werden können.


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Kommentare (6)
Die einzige nachweislich wirksame Methode, mittels derer das Versprechen Realität würde, dass (Zitat) “Plagiate in Deutschland vollständig abgeschafft werden”, dürfte darin bestehen, alle nicht lückenlos beaufsichtigten schriftlichen Leistungen in eben diesem Deutschland vollständig abzuschaffen.
Denn solange es Prüfungen gibt, wird es Personen geben, die Wege finden, die Anforderungen zu unterwandern. Und womöglich auch Unternehmen, die ein (Zitat) “kostengünstiges” Verfahren anbieten, welches alle Probleme löst und – edel, edel – (Zitat) “neben der wissenschaftlichen Qualitätsanalyse auch einen Beitrag zur Rehabilitierung der Politiker” leistet. Was würde man mehr wollen? Vielleicht ein ultimatives, ebenso kostengünstiges System zum Ideenmanagement in der Wissenschaft? Oder DAS ultimative System zur Lehrveranstaltungsevaluation, welches nicht nur alle methodischen Probleme löst (auch die unlösbaren), sondern zum echten Schnäppchenpreis zu haben ist?
Diese und weitere überaus verlockende Angebote desselben Anbieters bewegen sich in Größenordnungen von wenigen 1.000 bis 100.000 Euro (pro Jahr, Langfristverträge möglich).
Ich werde gleich einmal im Impressum nachschauen, ob academics.de womöglich den Besitzer gewechselt hat und sich neuerdings als “Promotionsforum” für Startups mit neuen Ideen und altbekannten Gründern versteht. Und da fällt mir ein – thema31 könnte auch mal eine Pressemitteilung mit den neuesten Geschäftsideen herausgeben. Denn thema31 wird, Sie wussten es noch nicht, für nur 1.000 Euro (einmalige Investition) mittels eines neuentwickelten Verfahrens der teilnehmenden Beobachtung eruieren, ob die Anzahl der Studierenden auf der Anwesenheitsliste mit der Zahl der tatsächlich Anwesenden übereinstimmt – und damit gleichzeitig die Qualität sichern und 90% der Studierenden rehabilitieren. Welche genau, wird gegen Aufpreis ermittelt. Und für nur 10.000 Euro findet thema31 multimediabasiert heraus, ob der Rektor in seinem Dienstzimmer wirklich am Exzellenzantrag arbeitet oder beim Surfen im Internet schon wieder eingenickt ist, so wie neulich. Das 100.000-Euro-Angebot von thema31 wird derzeit noch entwickelt, alles Top Secret, wir verraten noch keine Details – nur so viel sei gesagt: Es ist etwas mit Plagiaten. Und mit Dissertationen. Und natürlich mit Web 2.0. Aber ohne Politiker… Logisch, oder?
Affig ist das. Wie wäre es, wenn mal die Promotionsarbeiten der Herren Professoren geprüft würden? Dafür fehlt dann natürlich wieder die unabhängige Stelle, denn eine Uni wird nicht gegen das eigene Personal “ermitteln”. Oder Mediziner? Jeder weiß ja, dass deren Dissertationen in der Regel bei 60 Seiten über ein mäßig wissenschaftliches Thema lauten. Müssen dann enttarnte Mediziner die Appobation niederlegen?
Ich halte diese Nieschenjagd von ProfNet für rechtswidrigen Rufmord. Entweder die kümmern sich um alle Promotionen oder keine. Alles andere ist affig.
Der Ansatz der öffentlichen Prüfung einer Doktorarbeit ist weder eine Neuigkeit noch ein unlauteres Mittel. Jeder, der sich der Eingangsvoraussetzung in den „Wissenschaftshimmel“ stellt, verfasst eine Arbeit für die Öffentlichkeit. Theorien werden erst durch den Diskurs mit Dritten zur Wissenschaft.
Nachdem ich eine Vorlesung von Frau Professor Debora Weber-Wulff gehört habe, glaube ich allerdings nicht daran, dass es geeignete Plagiatssoftware gibt, wie ich meine, dass es der ProfNet Hochschulservice anbieten möchte.
Bestes Tool scheint nach wie vor die (interessierte) Öffentlichkeit und Google zu sein. Mit letzterem habe ich auch die Onlinebibliothek gleich mit verfügbar. Also meine Meinung, veröffentlichen ja, Software kaufen (noch) nein.
Die Idee mag ja nicht schlecht sein. Gerade ProfNet und der Betreiber Prof. Kamenz sind in der Vergangenheit aber immer wieder mit zumindest zweifelhaften Aktivitäten aufgefallen. Es darf daher ernsthaft bezeweifelt werden, ob es sich hier um ein ernsthaftes Aufklärungsinteresse handelt oder ob es eher um kommerzielle Interesses eines einschlägig bekannten Instituts geht.
Reichlich dubios erscheint mir das auch. Herr Kamenz ist für die meisten Doktorarbeiten nicht vom Fach (außer seinem eigenen), und vor allem kann er die Doktorarbeit rechtlich verbindlich weder anfechten noch bestätigen. Das kann nur die Fakultät bzw. Promotions- oder Ethikkommission der Uni, die den Titel verliehen hat.
Jeder Promovierte, der eine nachträgliche und rechtlich verbindliche (Plagiats-)Prüfung wünscht, muss sich also an seine alte Fakultät und Kommission wenden. Und selbst das schützt nicht vor wiederholter Prüfung, wie die Fälle Mathiopoulos und Wöller zeigen.
Umgekehrt, welche Konsequenzen hätte es, wenn ein Politiker (oder sonst jemand) seine Arbeit von Herrn Kamenz prüfen lässt?
a) Kamenz findet keine Plagiate: Damit ist der Promovierte noch längst nicht rehabilitiert.
b) Kamenz findet Plagiate – was dann? Er kann und darf nicht entscheiden, wie schwerwiegend das ist, er darf nicht den Titel entziehen oder bestätigen etc.
Mit anderen Worten: Das Ganze ist völlig belanglos, Geld- und Zeitverschwendung.
Ich finde das großartig, denn gerade denen sollte man auf die Finger schauen!
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