Studentinnen und Studenten wissen, dass es mehrheitlich wissenschaftliche Nachwuchskräfte sind, die für Durchführung und Organisation der Lehre verantwortlich und damit für die Qualität der Hochschulbildung insgesamt wesentlich sind. Professorinnen und Professoren wissen, dass Promotionen, Habilitationen und andere Forschungsleistungen von Nachwuchskräften wesentlich zur Produktivität des Forschungssystems beitragen. Ein nachwuchsfreundliches Klima sollte für eine Universität, an der Forschung und Lehre denselben Ort haben, also im Sinne aller und damit selbstverständlich sein. Was klare und strukturierte Aufstiegsperspektiven, frühe selbstständige Lehr- und Forschungstätigkeit und halbwegs attraktive Arbeitsbedingungen auch für den Nachwuchs bedeuten würde.
In der politischen Rhetorik immerhin ist das schon angekommen: So lobt Edelgard Bulmahn, MdB, Bundesministerin a.D. die großen Fortschritte im Bereich der Eigenständigkeit von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, etwa den Paradigmenwechsel durch das Emmy-Noether-Programm, eine Veränderung der Struktur der Förderung, die stärker auf frühe Eigenständigkeit zielt sowie die Einführung der Juniorprofessur als eigenständiger Karriereweg und Möglichkeit der selbstständigen Lehre und Forschung.
Die Realität sieht in Deutschland immer noch anders aus: Der wissenschaftliche Nachwuchs fährt permanent auf Sicht, hangelt sich von Befristung zu Befristung. Tenure-Track-Optionen, die in Dauerberufungen nach nachvollziehbaren Kriterien münden, sind die Ausnahme. Die Studien des HIS bestätigen regelmäßig, dass der Nachwuchs seine Entwicklungsmöglichkeiten längst – und zunehmend! – als unsicher empfindet. Der Anteil an befristeten Beschäftigungsverhältnissen an bundesdeutschen Hochschulen ist enorm. Das Risiko tragen allein die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Stipendiatinnen und Stipendiaten. Denn Fahren auf Sicht bedeutet für jeden einzelnen auch: Lieben auf Zeit.
Anders als in der freien Wirtschaft, wo die viel beschworene Generation Praktikum von Mitte Zwanzig bis Anfang Dreißig in der Falle von Praktikums- und Volontariatsverträgen steckt, zieht sich die Ungewissheit an der Hochschule bis durch die nächste Dekade. Gänzlich fehlende Planungssicherheit erschwert nicht nur Familiengründung, sondern auch eine Etablierung in einem zweiten Beruf, einen Plan B, den der Nachwuchs im Glückspiel Wissenschaft dringend haben sollte.
Besonders ärgerlich ist die Situation, weil sie nicht nur auf Kosten einzelner geht, sondern längst auch auf Kosten des Systems: Die aktuellen Skandale um Promotionen, die den Kriterien nicht entsprechen und nicht ausreichend geprüft wurden, zeigen die hohe Bedeutung klarer und nachvollziehbarer Standards für die Promotionsphase, wie sie etwa Graduiertenschulen leisten können. Fehlende Geschlechtergerechtigkeit könnte von einem funktionierenden System ebenfalls besser aufgefangen werden. Dass unbefristete Beschäftigung inzwischen die Regel ist, liegt am niedrigen Grundfinanzierungsanteil der bundesdeutschen Hochschulen, der für die einzelnen Einrichtungen einen Unsicherheitsfaktor bedeutet. Drittmittel sind in vielerlei Hinsicht ein wichtiges Instrument, sie funktionieren aber nur in Kombination mit einer soliden Grundfinanzierung der Hochschulen und einem Tarifvertrag für die Wissenschaft, der den Tarifpartnern Vertrags- und Verhandlungsoptionen eröffnet.
Dass es bereits jetzt anders geht, zeigen die außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, die einen höheren Anteil an unbefristet beschäftigtem Mittelbau. Sie wissen, dass nur so die Qualität ihrer Forschung gewährleistet ist. Weitblick und Perspektive statt Fahren auf Sicht und Lieben auf Zeit.




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Kommentare (26)
… ich wünsche mir immer noch einen Generalstreik, an dem sich alle auf kurze Sicht (sagen wir, 2 oder max. 3 Jahre) befristeten Kräfte an den Hochschulen, inklusive der Lehrbeauftragten, beteiligen würden. Sei es als hypothetisches Szenario für Planspiele oder sei es auch in real. Wie viele Wochen würde das Geschäft wohl noch so einigermaßen funktionieren, bis es zusammenbricht?
Ich bin auch erstaunt, wie leidensfähig all die Nachwuchswissenschaftler in dem deutschen Hochschulsystem sind. Die lassen sich wie Kälber oder Lämmer an der Leine ziehen und erdulden stillschweigend alle Unverschämtheiten des Systems. Ich habe mich schon lange gewundert, dass hier nicht einfach gestreikt wird. Man stelle sich mal vor, dass wirklich ALLE prekär beschäftigten einfach die Arbeit verweigern würden. Dann würde die schon mal die Lehre zusammenbrechen, weil ja die Herren Professoren an den Unis nur zur Vorlesung kommen, aber alle Übungen, Klausuren, etc. von Assistenten, bzw. kostenlos von Doktoranden durchgeführt, ausgearbeitet und korrigiert werden. Von der Forschung ganz zu schweigen. Welcher Professor forscht denn wirklich noch viel? Jedenfalls diejenigen, die ich kenne, warten nur, bis wieder einer der 10 Postdocs oder Doktorananden mit einem Paper ankommt; dann werden von ihm zwei oder drei Korrekturen vorgeschlagen und schon steht sein Name als Hauptautor mit drauf, obwohl er nicht viel mehr macht, als den fertigen Entwurf zu korrigieren. Nach den Standards ist das eigentlich unzulässig, aber so funktioniert es eben, dassd EINE Perso z.B. 350 Publikationen haben kann. Es steht eben nur der Name mit drauf, aber wenn es Preise zu vergeben gibt, bekommt nicht der Doktorand den Preis, der die Arbeit gemacht hat, sondern natürlich der LEhrstuhlinhaber, der mit auf der Veröffentlichung stand. Ja, wenn die ganze Heerschar von befristet ausgehaltenen Nachwuchswissenschaftlern an deutschen Unis sich all das gefallen lassen, fürchte ich fast, dass sie es nicht anders verdient haben.
Ja, Arbeit verweigern. Probieren wir es doch einfach aus! Wäre es nicht möglich einen Generalstreik zu organisieren? Alle Nachwuchswissenschaftler, deren Leidensfähigkeit über Gebühr strapaziert ist, antworten bitte entsprechend auf diesen Kommentar.
Hier bleiben doch viele Aspekte unberücksichtigt.
z.B.: Viele Unbefristete tun fast nichts mehr; sie sind
unkündbar, denn wissenschaftlicher Erfolg ist kaum
messbar und Nichttun nicht nachweisbar.
Ich habe in den letzten drei Jahren praktisch keinen
Urlaub, Wochenende o.ä. gehabt, auch weil ich für
einen Drittmittelbeschäftigen die ganze Arbeit
machen musste (er war ein genialer Blender, der
andere arbeiten liess, und auch trotz expliziter
Arbeitverweigerung war eine Kündigung ausgeschlossen.)
(Ich führe die Hälfte der Übungen übrigens selbst durch, und schreibe für meine Leute grössere Teile
der Paper)
Ja, es gibt geniale Blender, aber auf allen Ebenen. Und wenn explizite Arbeitsverweigerung keine Kündigung ermöglicht, dann stimmt ja auch etwas nicht. Im Arbeitsrecht an Hochschulen gibt es offensichtlich katastrophale Lücken. Die Konjunktur von Drittmittelprojekten zur Stellenbeschaffung ist ein Resultat der problematischen Beschäftigungspolitik an Hochschulen. Drittmittelstellen sind für viele Nachwuchswissenschaftler die einzige Alternative, um überhaupt wissenschaftlich tätig bleiben zu können.
Also Befristung ist und bleibt ein Problem. Interessanterweise ist die Befristung von Professorenstellen mittlerweile auch im Voranschreiten.
Es stimmt einfach nicht, dass der unbefristete Arbeitsvertrag die Lizenz zum faulenzen ist. Einen solchen Vertrag bekommt Mann/Frau erst nach vielen, vielen, vielen Jahren und da sollte klar sein, wie der Kandidat/die Kandidatin tickt.
Der Fehler steckt im System, zu denen auch die Ordinarien gehören. Die Befristung ist die beste Grundlage für pflegeleichte, nicht renitente Mitarbeiter. Die Zeit, die für die Suche nach einer/m neuer/n Arbeitsstelle/Wohnung/Kindergartenplatz etc. sinnlos vergeudet wird, könnte sinnvoll für Forschung verwendet werden!Kaum wurde eine Stelle gefunden, schon muß sich nach einer Anschlußstelle umgesehen werden. Und motivierend ist das auch nicht gerade. Ob nun gut oder nicht -der Vertrag läuft aus und es muss nach einer neuen Arbeitsstelle gesucht werden. Kein Wirtschaftsunternehmen würde so mit seinen Mitarbeitern umspringen. Aber im Wissenschaftsbereich wird auf Teufel komm’ raus promoviert, so dass immer genügend Bewerber vorhanden sind. Da muss sich niemand Gedanken um die Mitarbeiter machen.
Wer wirklich forschen will, braucht keine Stelle auf Lebenszeit, wohl aber muss das Wechseln von einem Ort zum anderen, von einem Vertrag in den nächsten, von freiberuflicher Dozentur zurück in einen wissenschaftsfernen Tarifvertrag und in ein noch absurderes Arbeitsrecht auch gelingen. Das ist zur Zeit in D. überhaupt nicht der Fall. Wir vergeuden die 30-50 Jährigen mit gusto, die vorher super qualifiziert wurden- aus Steuergeldern. Die behauptete Balance von Forschung & Lehre wird weiter ausgehöhlt. Die Universitätsreform mit ihrem Baukastensystem nützt leider nur denjenigen, die gerade studieren! An Aufstiegs- und Rückkehrmöglichkeiten im sog. Mittelbau, der die meiste Arbeit tut, wurde offenkundig von allen Experten zuletzt gedacht. Dual Career und Kindergärten sind nette Nebenziele der 80er Jahre, die nun endlich als “familienfreundliche Uni” Gestalt annehmen sollen. Besser wäre es jedoch gewesen, die Forschung (genauer: Ihre Akteure) an den deutschen Universitäten zu halten, und damit meine ich natürlich die Forschung all jener, die unterhalb der Professur noch stehen oder stehen bleiben werden.
Ich fürchte, eines der Hauptprobleme ist, dass Doktoranden und wissenschaftliche Mitarbeiter wissen, worauf sie sich einlassen und diesen Umstand als Risikofaktor im Wissenschaftsbetrieb und damit als gegeben hinnehmen, statt sich flächendeckend zu organisieren. Welche Möglichkeiten Nachwuchswissenschaftler_innen im Falle einer gezielten Organisation hätten, haben sie im Fall Guttenberg bewiesen.
Es gibt als Alternative zu einem Streik die Möglichkeit sich über soziale Netzwerke zu organisieren. Auf facebook engagiert sich z.B. die Gruppe “25% akademische Juniorpositionen”.
Lieber Professor mit 80 Wochenstunden,
erstens wünsche ich dir, dass du alsbald auf maximal 60 reduzierst. Kümmert sich denn niemand um dich, dass du mal ausgeschimpft wirst für so viel offensichtliche Selbst-Ausbeutung? In meiner Ex-Hochschule ist gerade ein ebenfalls sehr engagierter Hochschullehrer tot umgekippt – davon hat die Welt nichts. Zweitens bist du doch ein gutes Gegenbeispiel dafür, dass “fehlende” Befristung keineswegs zu Faulheit führt. Oder bist du auch befristet? Willkommen im Club… Drittens – in der “Realität” (also außerhalb der Elfenbeinwelt) ist die unbefristete Stelle trotz Macken nach wie vor das typische Arbeitsverhältnis, und allzu deutliche Symptome von flächendeckender Faulheit kann ich dort nicht erkennen.
Es kann sein, dass als “erste Anstellung” in der Wissenschaft eine Befristung gut und richtig und der Selbstfindung dienlich ist, sagen wir, in den ersten 5 Jahren oder einfach: Bis zur Promotion. Danach fehlen mir dann aber wirklich die Argumente, die für weitere Befristung sprächen. Außer dass Hochschulen keine langfristigen budgetären Verpflichtungen eingehen möchten und dass ein spezieller gesetzlicher Dreh solche Befristungen erlaubt. Ein paar “Außreißer”, “Rohrkrepierer”, “Faulenzer” etc. gibt es immer. Auch bei den Unbfristeten, auch bei den Professorinnen und Professoren. Aber ist das wirklich Grund genug für Befristung bis zur Rente? – Ich schließe mich Thomas Klein an: Das Arbeitsrecht an deutschen Hochschulen weist katastrophale Lücken auf.
Bin jetzt bei 25& akademische Juniorpositionen dabei. Danke für den Tipp!
25% natürlich.
Nicht einmal hier wird Klartext geredet: Wir haben Tausende promovierter oder auch habilitierter Harz-IV-Empfänger und wundern uns über die Flucht unserer Wissenschaftler ins Ausland. Hier ist man habilitiert, aber ohne Ruf mit Mitte 40 noch Nachwuchswissenschaftler.
“Wir werden dabei insbesondere die jüngeren Wissenschaftler gegen die entwürdigenden Abhängigkeiten verteidigen, in die sie zu geraten drohen.”
So stand es z.B. mal im Gründungsaufruf vom Bundes Freiheit der Wissenschaft.
Wann das war? 1970!
Es wird sich wohl nur etwas ändern, wenn endlich mal strukturiert Lobbyarbeit gemacht wird. Die Probleme sind hinreichend bekannt und eigentlich herrscht auch erschreckend weit Einigkeit; was man sieht, wenn man zum Beispiel die Diskussionen über die Karrierewege für wissenschaftliche Mitarbeiter an Hochschulen in dem Fachgespräch des Bildungsausschusses des Deutschen Bundestages im November letzten Jahres verfolgt (http://dbtg.tv/cvid/1441841).
In der Facebook-Gruppe “25% akademische Juniorpositionen” sind mittlerweile 750+ Mitglieder.
Ich denke nun darüber nach diese Gruppe unabhängig von facebook noch weiter sichtbar zumachen (da sicher nicht jeder dort einen account hat).
Rückmeldung für Ideen diesbezüglich gerne auch direkt an mich (siehe Link im Namen).
Ah, mir war nicht klar, dass URLs automatisch gelinkt werden.
Daher nun noch mal den Link zur facebook-Gruppe hier nachgetragen:
http://www.facebook.com/akademischeJuniorposition
Ich würde gerne jubeln. Allerdings, 750+ von irgendwas um und bei 150.000 ist vermutlich weniger als der Stimmenanteil der FDP in ihren derzeit schlimmsten Wahlkreisen. Und das dürfte verdammt wenig sein.
Jenseits der selbst Betroffenen (und damit per se Verdächtigen) sehe ich Wenige, die sich für die Belange dieser zahlenmäßig und funktional höchst bedeutsamen Gruppe (ca. 5-mal so viele wie alle Professorinnen und Professoren zusammen!!!) einsetzen. Ich würde mir wünschen, dass (a) ein paar Hochschulen gemeinsam sagen “Wir machen das in unseren Häusern anders, nämlich so und so!” (und dabei denke ich nicht an glanzvoll-symbolische Graduierteneinrichtungen, sondern an die harten Fakten – Dauer von Verträgen, Anteil Unbefristete, gernau auch Tenure-Geschichten), (b) eine der in Frage kommenden Gewerkschaften oder meinetwegen auch alle zusammen eine längerfristige Aktion starten, die sich auch auf Tarifverträge auswirkt, darunter: gewisse TV-L-Entwürdigungen zu korrigieren, (c) eine Partei hingeht und dies als ein Thema im Bereich “Bildung, Forschung, Wissenschaft” aufnimmt. Denn es sind zwar “nur” 150.000 Leute pro Zeiteinheit – da aber die Fluktuation massiv ist und alle ca. 10 Jahre die Leute komplett wechseln, sollte die Gruppe mittelfristig hochinteressant auch für Parteien sein. Oder aber (d) aus 750+ werden, sagen wir, 7.500+ und dann 75.000+ und dann machen alle zusammen eine Woche lang Streik. Wie man dies anzettelt, weiß ich leider nicht – der Leidensdruck setzt zumeist erst nach plus minus 5 Jahren ein, d.h. später als die meisten überhaupt erleben. Dank siehe oben, Titel dieses Blog-Beitrags.
Bin auch für strukturierte Lobbyarbeit. Ich kann in der Gesellschaft für Medienwissenchaft, die zu einem großen Teil aus Wissenschaftlern aus dem Mittelbau besteht, einen Aufruf zur Mitgliedschaft in der Gruppe “25% akademische Juniorpositionen” aufrufen.
@Boris Schmidt: Verdi ist eine in Frage kommende Gewerkschaft. Verdi ist ist diesbezüglich auch bereits tätig geworden.
Besonders frustrierend ist es doch, wenn man sieht, dass anderswo bereits Lösungen bestehen. Z.B. in der Schweiz, wo Promovierende anständig bezahlt werden und somit nicht gezwungen sind, als wissenschafltliche Mitarbeitende und Lehrende zugleich ein finanziell prekäres Leben zu führen. In der deutschen Realität müssen sich Dozierende (Promovierende) auf die gleichen Wohnheimplätze bewerben wie Studierende!
Blicken wir nach Skandinavien: Hier erhalten Promovierende feste Stellen für 4-5 (!) Jahre. Bei Elternzeit Lohnfortzahlung von 80%, diese kann z.B. in Dänemark auf die ersten 12 Lebensjahre der Kinder gesplittet werden. Und: Die Elternzeit wird hinten an die Promotionszeit angehängt. Ich habe Kolleginnen in Dänemark, die während der Elternzeit von ihren Betreuern (auch den männlichen) unterstützt wurden und so von zu Hause aus das eine oder andere Paper geschrieben haben oder auf Konferenzen gefahren sind – auf eigenen Wunsch. So gelingt das, was wir uns in Deutschland bisher kaum vorstellen können: Familiengründung und wissenschaftliche Karriere in Kombination sind bereits der Normalfall.
Doktorierende in Skandinavien erhalten häufig auch ein eigenes Budget, z.B. zur Finanzierung von Summer Schools,Konferenzbesuchen oder Weiterbildungen. Hier findet eine ganz andere Wertschätzung statt. Promovierende sind nicht in der \”Ausbildung\” sondern angestellte Mitarbeitende mit eigenem Entwicklungsplan.
Warum fällt es uns so schwer, auch mal funktionierende Lösungen aus Nachbarländern zu übernehmen?
Akademiker aller Sparten vereinigt Euch
Natürlich ist die Misere innerhalb der Hochschulen eine Schande für Deutschland. Nicht aber nur für Deutschland, denn auch im Ausland ist es oftmals nicht besser. Hierzu muß eigentlich nur der Artikel unter
http://www.zeit.de/2009/42/C-US-Wissenschaftler
sehr genau gelesen werden. Und nicht nur innerhalb der Hochschulen ist die Situation beschämend. In der freien Wirtschaft sieht es auch nicht besser aus.
Ich habe einmal an einer Euresveranstaltung in Saarbrücken teilgenommen. Der werte (un)symphatische Herr aus Frankreich sagte uns zum Thema Auswandern, daß westwärts des Rheintals nur die erste Geige erwünscht wäre, denn die zweite hätten sie schon. Und in Luxemburg mußte ich mir anhören, daß es in Europa mittlerweile in allen Bereichen einen regelrechten Wanderzirkus gibt. Was sich nun auch damit bestätigt, daß sehr viele gut ausgebildete Griechen, Italiener, Spanier und Portugiesen nun nach Deutschland drängen. Was die britischen Inseln betrifft, so herrscht hier eine Art Gegenseitigkeit vor. Die einen finden den englischen Sprachraum etwas besser, die anderen halt den deutschen. Wobei ich zum deutschen Sprachraum auch Österreich und die Schweiz zähle, da diese, siehe die Streiks an den Unis, ja auch so ihre Probleme haben. Und auf die vielen hochqualifizierten Leute im arabischen Raum bin ich noch garnicht eingegangen. Ebenfalls nicht auf die Kanadier, die Australier und die Neuseeländer, welche bei Akademikern ja auch Einwanderungsbeschränkungen haben und viel lieber traditionelle Handwerksberufe wollen. Auch hier sagte mir mal jemand bezüglich Australien: „Die Situation ist dort so ähnlich wie in Deutschland. Die warten dort nicht auf Sie!“
Vielfach wird hier in den Kommentaren nun zu Aktionen aufgerufen. Bedauerlicherweise ist dies aber nicht das erste Mal. Bereits lange vorher wurde immer wieder von den verschiedensten Leuten versucht, Betroffene unter einem Dach zu sammeln sowie dann Aktionen und Maßnahmen zu koordinieren als auch durchzuführen. Die Deutschlandweite Initiative Akademiker und Arbeitswelt (DIAA) ist dafür das beste Beispiel. Hier können unter anderem unter
http://www.diaa.de/diaa/erfahr.htm
anonymisierte Berichte betroffener Akademiker veröffentlicht werden. Neben zwei Berichten hier (dem dritten und vierten) habe ich persönlich auch noch so einige andere Berichte in der Zeit Online kommentiert, sowie zwei Artikel geschrieben. Nachzulesen unter
http://community.zeit.de/user/dr-jens-romba
Den Aufruf dort inklusive Forderungskatalog und Linkliste kann sich ein jeder auch unter
http://www.mister-wong.de/user/DrJensRomba/
herunterladen. Dort ist im übrigen auch ein offener Brief an das Bundesarbeitsministerium zu finden, inklusive dem Link zur veröffentlichten Antwort.
Neben den vielen verschiedenen Veröffentlichungen, Links und Kommentaren wird es aber auch endlich einmal Zeit, wirklich aufzustehen und die Öffentlichkeit sowie die Politik aufzurütteln, ihnen derart die Realität um die Ohren zu hauen, daß diese sie weder schönreden noch negieren können.
In meinem Aufruf habe ich bereits so Einiges über die DIAA und Möglichkeiten für ein Engagement geschrieben. Wie genau sieht es nun mit den Kommentatoren hier aus? Wie genau mit den Tausenden promovierter oder auch habilitierter Harz-IV-Empfänger (Kommentar von Futti)? Im Prinzip wäre es jetzt endlich an der Zeit, diese Leute zu aktivieren und auch selber aktiv zu werden.
Nun wie genau steht es mit Euch? Und wer kennt noch diverse Leidensgenossen, die er einmal ansprechen könnte?
Dr. Jens Romba
Ich habe hier gestern einen Kommentar gepostet, den hier heute jedoch nicht lesen kann. Was ist aus diesem Kommentar geworden?
Dr. Jens Romba
Wie Graduiertenschulen und Institute die Probleme lösen sollen, sehe ich nicht. Eher verstärken sie sie noch, werden doch gerade in solchen Programmen die Leute so schnell es geht durch eine verschulte Promotion geprügelt, ohne jemals Kontakt mit unversitärem (Forschungs)Leben zu haben.
Man sollte auch nicht übersehen, dass Leute auf Stipendien nicht sozialversichert sind. Trotzdem erlegt man ihnen mittels Hiwiverträgen teilweise Lehrverpflichtungen auf. Meiner Meinung wird hier Hinterziehung von Arbeitnehmeranteilen begangen; aber was wird nicht alles opportun, wenn die Länder immer weniger Geld locker machen?
Unerwähnt bleiben im Beitrag Regelungen, die, wenn man nach einer gewissen Anzahl Jahren nicht auf einer Professur sitzt, faktisch bedeuten, dass man nicht mehr (unbefristet) als Forscher eingestellt werden kann. Arbeitslosigkeit trotz ultimativer Qualifikation mit Mitte 35, weil potentielle Arbeitgeber einen nicht einstellen dürfen — geht es noch? Davor wird man von einer Planstelle auf die nächste geschoben, weil man zwar jahrelang das Gleiche tut, die Obrigkeit aber verhindern will, dass lästige Gesetze zum Schutz der Arbeitnehmer eine Verdauerung der Stelle nötig machen.
Übrigens halte ich es für völlig überflüssig, das Schreckgespenst der “Geschlechtergerechtigkeit” in diesen Topf zu rühren. Unabhängig vom Geschlecht werden alle Wissenschaftler gleich schlecht behandelt.
An alle und insbes. Boris Schmidt:
Letzterer schreibt: Nach der Promotion “fehlen mir dann aber wirklich die Argumente, die für weitere Befristung sprächen. Außer dass Hochschulen keine langfristigen budgetären Verpflichtungen eingehen möchten”
Das ist aber der springende Punkt:
Nehmen wir doch mal an, das von Euch allen ersehnte Wunder würde passieren und alle Nachwuchswissenschaftler wären von Stund an auf Lebenszeitstellen. Dann könnte in den nächsten 30-40 Jahren kein Nachwuchswissenschaftler mehr eine Stelle in der Wissenschaft bekommen, auch keine befristete, außer der Staat würde seinen Etat hierfür alle 10 Jahre um 150000 Stellen aufblähen (ich verwende Boris Schmidts Schätzung). Es dürfte klar sein, daß das unmöglich ist.
Es kann also nur darum gehen, wie und wann (in welchem Lebensalter) man den Adepten der Wissenschaft sagt, daß sie sich anderweitig ernähren müssen. Sicher, mit ca. 30 hat man in der Wirtschaft ungleich bessere Chancen als 10 Jahre später. Andererseits, ich möchte diese 10 Jahre an der Uni nach der Promotion nicht missen.
1
Werter Herr Hensgen,
1. Hochschule und Wissenschaft basieren auf dem Unmöglichen und streben dieses an. Ihre Diagnose, “dass das unmöglich ist”, ist möglicherweise im magischen Universum der Elfeneinbeinwelt also kein Hinderungsgrund sondern eher ein Ansporn, nach Wegen zu machen, etwas doch möglich zu machen. Ihrer “unmöglichen Schätzung” (150.000 zusätzliche Stellen alle 10 Jahre) stimme ich ausdrücklich nicht zu, auch wenn sie laut Ihrer Aussage auf Zahlen basieren soll, die ich publiziert habe.
2. Daueraufgaben, die auf unabsehbare Zeit zu erledigen sind, gehören mit Dauerstellen besetzt. Was derzeit in vielen Arbeitsverträgen an Klauseln zu finden ist, um eine sachlich nicht zu begründende Befristung doch zu begründen (“… wird als zeitweilige Aushilfe eingesetzt…”, “… Aufgabe gilt zum x.x.xx als erledigt…” etc.), ist ein Witz, über den nicht mehr jede(r) lachen kann. Über Lehrbeauftragte rede ich jetzt gar nicht erst (ich meine die Sorte, die regelmäßig Unterricht machen und fast zum Inventar gehört).
3. Vielleicht ist der Skandal weniger in den bloßen Fakten zu finden, sondern in der Verpackung. “Qualifikationsstelle” und “nur eine Zwischenstation” und “vielleicht eines Tages Professur” klingen für viele prima. “Das muss so!” ebenfalls. Und “das ist überall auf der Welt so!” ebenfalls. Wenn es denn wahr wäre. Jedenfalls stimmen wir in einem Punkt überein: Es muss (auch) darum gehen, mehr Transparenz zu schaffen und diejenigen, die sich irgendwann gegen Hochschule entscheiden, auf die “Welt da draußen” rechtzeitig und angemessen vorzubereiten. Das ist das Mindeste, was ich von einem Arbeitgeber erwarten würde, der jährlich dermaßen viele halb angefangene berufliche Lebenswege dem Rest der Gesellschaft übergibt, eben weil es keine weiterführenden Beschäftigungsmöglichkeiten gibt.
Was mich interessieren würde: Gibt es Modellrechnungen, wie man das gegebene Geld anders verteilen könnte, um längerfristige Perspektiven bieten zu können? Längerfristig muss ja nicht immer lebenslänglich sein, aber wäre vermutlich länger als 1 Semester. Vielleicht gibt es ja Umschichtungsmöglichkeiten, deren Auswirkungen sich in Szenarien untersuchen ließen. Beispielsweise 10% weniger Stellen für Promovierende (per definitionem ja eher kurzfristig), dafür dann für bestimmte Funktionsbereiche eher in den Postdoc-Bereich. Vor wenigen Jahrzehnten gab es ja in Deutschland (hier: BRD) durchaus Karriereoptionen jenseits der Professur, und viele andere Länder kennen Tenure-Systeme, und ganz viele andere Länder kennen keine Habilitation – und trotzdem sind diese Länder nicht bankrott, und einigen von ihnen gelten als wissenschaftliche Weltklasse. Irgend etwas müssen die da ja richtig machen…
Werter Herr Schmidt,
nur zur Klarstellung zu Ihrem Punkt 1 Satz 2: Ich habe die Schätzung Ihres Beitrags vom 3.2. 23:39h verwendet.
Ich verstehe. Vielen Dank für die Aufklärung. Die zitierte Schätzung von 150.000 Personen bezieht sich auf die ungefähre Zahl der Personen, die gegenwärtig im akademischen Bereich deutscher Hochschulen jenseits der Professur beschäftigt sind, incl. Stipendiatinnen und Stipendiaten, excl. Lehrbeauftragte. Sie umfasst somit auch diejenigen, die überhaupt kein Interesse haben, über die Promotion hinaus an der Hochschule oder in der Wissenschaft zu bleiben, wie auch diejenigen, die nach kurzem oder langem Aufenthalt unpromoviert verschwinden (bei ca. 50% Promotions-Abbruchquote eine relevante Zahl).
Die Personengruppe, auf die sich nach meinem Verständnis dieser Blogbeitrag von Susanne Krones richtet, ist eine – sehr kostbare – Teilmenge hiervon: Jene, die können und die wollen – aber nicht dürfen oder aber in solcher Weise müssen, dass sie am Ende nicht mehr können und/oder nicht mehr wollen. Aus dem Bauch heraus, reden wir für genau diese Personengruppe über einen Bedarf an Dauerstellen (in Vollzeitäquivalenten), der in etwa in der Höhe der Anzahl an Professuren in Deutschland liegt.
Da fällt mir gleich noch eine Modellrechnung ein: Wie hoch mögen wohl die gesamtwirtschaftlichen Kosten aufgrund all dieser Befristungsregelungen bzw. des fehlenden Muts zum Dauervertragsangebot sein, inklusive der Kosten für Bewerbungs-Marathons, Einarbeitungszeiten, nachlassende Kräfte in den letzten 3 Monaten vor Vertragsende/-verlängerung, Konsumzurückhaltung bei herannahmendem Vertragsaus, administrative Bemühungen zur Verwaltung dieser Vertragsstückeleien, Leistungszurückhaltung oder Verzicht auf kritische Auseinandersetzung aus Sorge, dies könnte die Vertragsverlängerung kosten, ALG I und II-Zahlungen an Hochqualifizierte, Behandlungs- und Rehakosten für psychische Ausfälle, Frührentnereien und Burnouts etc. ec. etc. Nur die schlichten monetären Kosten, ohne das m.E. entscheidende Thema “Verantwortung” oder den Anspruch “staatliche Institutionen als Vorbild für die Gesellschaft” überhaupt zu berücksichtigen.
Ich würde mich nicht wundern, wenn das “Sparen” an langfristigen Beschäftigungsverhältnissen am Ende keinen Cent spart, sondern tüchtig kostet, und zwar viel mehr als Geld.
Bitte auch nicht vergessen, dass die Verdauerung einer Stelle nicht direkt bedeutet, dass derjenigen bis zur Rente darauf sitzt. Klar, solche Fälle würde es geben, aber wie in der freien Wirtschaft auch wird es genauso Leute geben, die sich (nach oben oder quer) verändern wollen.
An meinem Fachbereich kann man sich schon keine Doktoranden im Sinne eines wissenschaftlichen Mitarbeiters leisten (viele haben nur noch Stipendiaten). Die (notwendige!) Lehrarbeit wird von denselben auf Hiwistellen erledigt. Abgesehen davon, dass das schon Betrug des Systems ist, zeigt das, dass Geld fehlt. PostDocs hat hier kaum jemand, und die wenigen sind auf Drittmitteln da. Diese Mittel gibt es immer nur für wenige Jahre (1-3); wer sollte die Stelle also unbefristet ausschreiben können?
Bevor wir also über Sinn und Unsinn einer verdauerten akademischen Subprofessorstelle unter welchen Bedingungen reden, müssen wir dafür sorgen, dass sowas überhaupt (wieder) möglich ist — und das heißt, langfristig Gelder für grundständige Forschunge und Lehre zur Verfügunge zu stellen.
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