Die Anzahl der Habilitationen ist 2007 insgesamt zurückgegangen, jedoch stieg der Frauenanteil an, und das besonders im Bereich der Sprachwissenschaften.
Im Jahr 2007 haben sich an deutschen Hochschulen insgesamt 1.881 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen habilitiert.
Während die Habilitationen insgesamt um sechs Prozent unter dem Stand vom Vorjahr (1.993) lagen, übertrafen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die von Frauen erreichten Habilitationen um drei Prozent den Vorjahreswert.

Interessant: Im Zehn-Jahres-Vergleich haben die Habilitationen insgesamt um zwei Prozent abgenommen, die Habilitationen von Frauen stiegen dagegen um 56 Prozent. Damit lag der Frauenanteil bei den Habilitationen um neun Prozentpunkte über dem Stand von 1998.
2007 entfielen 24 Prozent der Habilitationen aller Fachrichtungen auf Frauen. Der Frauenanteil bei den Habilitationen lag in Mathematik/ Naturwissenschaften einschließlich Informatik mit 16 Prozent und in den Ingenieurwissenschaften mit 21 Prozent unter dem Durchschnitt.
Überdurchschnittlich hoch waren dagegen die Frauenanteile bei den Habilitationen in Veterinärmedizin (46 Prozent) sowie in Sprach- und Kulturwissenschaften und Kunst/Kunstwissenschaften mit jeweils 38 Prozent.
Quelle: Forschung und Lehre, Juli 2008


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Kommentare (9)
Muss man da nicht auch die Relation der Studierenden einbeziehen? Ich meine wenn z.B. in Sprachwissenschaften seit langem ein Trend besteht, dass immer mehr Frauen das Fach studieren, dann ist doch eine Steigerung der Frauenquote bei den Habils nur eine natürliche, verzögerte Reaktion… (und nicht unbedingt ein Effekt von sagen wir mal besserer Kinderbetreuung oder sonst was.)
Kommentar zu Robin:
Ja, in der Tat. Und es fehlt bezeichnenderweise auch eine Zahl in dem Beitrag, wieviele von den neu habilitierten Frauen es nun auf eine Professur geschafft haben. In Forschung+Lehre 11/06 stand ja auch ein erhellender Artikel, dass sich z.B. die Ingenieure karrieretechnisch weit mehr um ihre wenigen weiblichen Studierenden, Promovierenden, Habilitierenden bemühen als die Sprach- und Kulturwissenschaftler.
Ferner verstehe ich überhaupt nicht (selbst Prof.in in den Geisteswissenschaften), warum beim Thema Frauenförderung an Unis, bei dem Deutschland im internationalen Vergleich weit zurueck liegt, stets auf Kinderbetreuung etc. hingewiesen wird. Rund die Hälfte der habilitierten Frauen in D hat keine Kinder! Was Not täte, wären überwachte Berufungskommissionen, die oft gut qualifizierte Frauen einladen, aber nicht auf die Liste setzen, weil sie eine “Gefahr” für einen vorab ausgekungelten Kandidaten sind. Leider ist dies mehr die Regel, denn die Ausnahme. Auch die Rolle der Gleichstellungsbeauftragten ist in vielen Fällen eine Farce, worauf der Hochschulverband dankenswerterweise auch hingewiesen hat. “Gefühlt” scheinen jedoch Frauen gefördert zu werden, zumindest werden derartige Ausnahmen, wenn eine Frau auf einen höheren Listenplatz gehoben wird (was ja auch vorkommt), weit mehr von der Vielzahl der männlichen Kollegen kolportiert als die weit gängigere, umgekehrte Variante. Durch derartige “soft factors” und Gerüchte von der angeblichen “Frauengefahr” für die männlichen Bewerber bleibt die Professorinnenrate in Deutschland erschreckend niedrig. Zieht man noch davon die Juniorprofessorinnen ab, wird die Zahl noch schlechter.
Aus meiner eigenen Tätigkeit in Berufungskomm. kenne ich auch den Satz von Kollegen: “Aber wir haben doch schon 2 Frauen an der Fakultät!” Hier müsste man ansetzen, denn es ist bezeichnend, dass man so einen Satz überhaupt ungestraft als Professor einer deutschen Uni sagen darf. Ich kenne das aus dem Ausland (UK, Niederlande, USA, Österreich) voellig anders. Dort wird viel weniger darüber geredet, und das Thema hat eine gewisse Selbstverständlichkeit. Es gehört zum Aushängeschild einer Uni, Frauen und Ausländer zu haben und damit ein diverses Kollegium jenseits des mainstreams. – Will man also mit der (auch im letzten Forschung+Lehre beschriebenen Spezial) “Frauenförderung” die Geburtenrate unter Akademikern erhöhen (Kindergartenplätze!) oder doch klugen Frauen generell (auch denen ohne Kindern) bessere Chancen auf eine Professur ermöglichen? Die Rhetorik lässt einen zweifeln.
Das Schlimme daran ist erstens, daß man im Ausland schon mit dem Finger auf deutsche Universitäten zeigt wegen des mangelnden Diversity-Ansatzes (denn wir berufen auch zu wenig Ausländer), und, zweitens, daß man offensichtlich die habilitierten Frauen hier noch für so dumm haelt, dass sie diese Rhetorik nicht durchschauen.
Zu Nicole: Ich kann nur jedes Wort meiner Vorrednerin unterschreiben und mit mehr als einem ! versehen. Genau diese Dinge habe ich selbst bereits diverse Male beim “Vorsingen” erleben müssen. Ganz dramatisch, wie oben angedeutet: Um ein ‘Drehen der Liste’ von ‘ganz oben’ zugunsten der meist einzigen Frau zu vermeiden, wird diese dann gar nicht auf die Liste genommen, was bei folgenden Bewerbungen den anderen Männern weitere Wettbewerbsvorteile verschafft. Hinzu kommt noch, dass oft gar nicht gewünscht wird, jemanden zu berufen, der eventuell mehr oder Spannenderes ‘draufhat’ als ein Gutteil der Kommissionsmitglieder selbst. Und das sind oft die Frauen, die eher unkonventionell, sprich interdisziplinär und angewandt forschen als die Männer und oft auch nicht so geradlinige Lebensläufe durch die Institution Universität vorweisen können.
Bin selbst kinderlose habilitierte Geisteswissenschaftlerin, nun frisch gebackene Arbeitslose, trotz (oder gerade wegen?) breit gestreuten Forschungsfeldern, diversen Auslandsaufenthalten, Mehrsprachigkeit und tiefergehenden Computer-und Medienkenntnissen.
Gleichzeitig sehe ich in der – als PD natürlich unbezahlten – Lehre, dass und wie sehr mein Land mich (und durch Meinesgleichen gut ausgebildete Lehrer mit Kontextwissen) braucht, denn das Bildungs- und Sprachniveau fällt mehrheitlich rapide – was allenthalben beklagt und bejammert wird. Aber Geld für Stellen in den Geistes- und Kulturwissenschaften, Basis und Garant des Erhalts unser Gesellschaftsordnung, wird von den Regierungen nicht in die Hand genommen.
Ich bin wider besseres Wissen aus dem Ausland zurückgekehrt, da ich in meinem Heimatland leben möchte – das ein Vermögen für meine Ausbildung bezahlt hat.- Vermutlich werde ich aber künftig in einem ganz anderen Job meine Brötchen verdienen.
In Sachen Frauen und Beruf liegt D weltweit bekanntlich weit abgeschlagen, ist faktisch ein Entwicklungsland.
Unserer Generation hatte man immer wieder Hoffnung gemacht, durch die massenhaften Emeritierungen der 68er würde es über die Jahre zu einem Einstellungsschub kommen. Davon ist nichts zu sehen, im Gegenteil. So wird der Verteilungskampf unter den Kollegen erst recht zum Kampf der Geschlechter. Neuerdings werden schlecht bezahlte, meist befristete Dozentenstellen mit riesigem Lehrdeputat geschaffen, um die selbstverbockten neuen Studiengänge wenigstens einigermaßen bespielen zu können. Werden das die Endstationen für jene hoch qualifizierten Frauen sein, die sich nicht rechtzeitig für den Ausstieg entscheiden? Wir werden sehen.
In einer Berufungskomission an einer Uni hatten wir leider sehr wenige Bewerberinnen. Dennoch wurden zwei Damen eingeladen. Bei beiden gab es sprachliche oder didaktische Probleme bei der Probevorlesung. In einem Fall hätte ich darüber hinweggesehen, aber der studentische Vertreter wollte gerne Lehre auf FH-Niveau. Die Gleichstellungsbeauftragte glänzte überwiegend durch Abwesenheit. Dennoch kam eine Dame auf einen hinteren Listenplatz. Die thematische Ausrichtung der Bewerberinnen und Bewerber spielte offenbar eine große Rolle. Inwieweit für die einzelnen Komissionsmitglieder die wiss. Leistungen eine Rolle spielten, erschloss sich mir nicht immer.
Vielleicht zur Abwechslung mal eine männliche Perspektive.
Ich bin auch Geisteswissenschaftler, stehe kurz vor meiner Habilitation. Seit Jahren bekomme ich mit, wie Frauen immer stärker gefördert werden: Frauenbeauftragte, Frauenstipendien, Mentorinnenprogramme, sogar Stellen, die nur an Frauen vergeben werden dürfen. Einige Universitäten versteigern sich dazu, bei Stellenausschreibungen einen Passus aufzunehmen, nach dem Frauen bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt werden. (Ich weiß, dass dies EU-konform ist; aber das macht die Sache nicht besser.)
Auch in der Praxis bekomme ich mit, wie sich der Wind gedreht hat. Als vor kurzem an unserem Institut eine Stelle frei wurde, beschied uns unser Präsident, wir sollten möglichst eine Frau einstellen. Auch die Professurenausschreibungen, die ich in den letzten Jahren beobachtet habe, gingen mehrheitlich an Frauen.
Fakt ist, dass seit Jahren die Frauenanteile in allen möglichen universitären Bereichen steigen – oder, anders ausgedrückt, der Männeranteil sinkt. Dass manche Frauen angesichts dieser Tatsachen (massive Förderung auf der einen und tatsächliche Verschiebung der Verhältnisse auf Kosten der Männer auf der anderen Seite) immer noch jammern, sorry, dafür habe ich kein Verständnis. Mein Albtraum ist es immer, dass ich mich mal auf eine Stelle bewerbe, auch in die Runde der Kandidaten komme, sich das Berufungsgremium aber aus lauter Opportunismus für eine Frau entscheidet.
Ich wäre sehr dafür, dass wir wieder zurückkehren zu einer Haltung, nach der die am besten geeignete Person die Stelle bekommt, egal, welches Geschlecht oder welche Herkunft sie hat (und natürlich, dass sich unsere allgemeine Situation auf dem Arbeitsmarkt verbessert – aber dies ist ein anderes Thema). Ich glaube, dass dieser ganze Geschlechterstreit am Ende doch beide Geschlechter nur zu Verlierern macht.
Ich beziehe mich mich mal auf die Aussage “Habilitatinen haben 2007 zurückgegangen” und mich mich eines bissigen Kommentars nicht erwehren: Offensichtlich dringt die Tatsache der Brotlosigkeit von Wissenschaft langsam aber sicher durch, und führt wohl endlich zum Umdenken bei den Betroffenen, die sich nach der Promotion umorientieren. Ich war selber nach der Promotion in einem Fach abseits des wissenschaftlichen Mainstreams 2 Jahre arbeitslos bis ich ein Zweitstudium (im Übrigen auf eigene Kosten und ohne Förderung) zum Lehrer durchgeführt habe. Jetzt habe ich zwei Studienabschlüsse als promovierter Wissenschaftler und starte demnächst mein Referendariat … froh darüber für mich eine echte Alternative, die ich mir auch tatsächlich aus eigenem Antrieb gesucht habe, gefunden zu haben. Aber es hätte vieles leichter sein können und ein fader Beigeschmack bleibt dennoch mit Mitte 30 im Referendariat von gerade mal 200 Euro über Hartz 4 zu leben (Günstiger Nebeneffekt meiner Biographie, u.a. Promotionsstipendium auf Hartz 4 NIveau und zum Ende hin finanziert durch Arbeitslosengeld: Sparen habe ich gelernt, sodass ich mir fast fürstlich bezahlt vorkomme)
zu Jack+Steve:
Der Blog hier spiegelt gut die Stimmung an den deutschen Universitäten. Und ebenfalls die Tatsache, die ich oben andeutete, was Rhetorik alles für Eindrücke hinterlassen kann und wie sie Geschlechterkampf evoziert. Dies ist wenig förderlich, weshalb ich persönlich mich für diversity anstatt für Mann/Frau-Verhältnisse einsetze. Vielleicht ein paar Fakten:
1. Selbstverständlich sollte gelten, dass zuerst die Qualifikation eine Rolle spielen sollte bei Berufungen und nicht das Geschlecht.
2. Selbstverständlich gilt faktisch aber auch, daß weder bei Männern (die in toto noch fast 90% aller C3/4 und W2/3Professoren stellen, ohne Jun.prof.), noch bei Frauen, darauf in zahlreichen Verfahren Rücksicht genommen wird. Vielmehr greifen soziologisch andere Netzwerke und ihre Machtverhältnisse.
3. Ist gut erforscht, dass Frauen weit weniger Zugang zu hierarchisch wichtigen Netzwerken haben als Männer. Dies gilt im übrigen nicht nur für Universitäten.
4. So versucht man sich also in Deutschland an dem Modell, gezielt Frauen zu fördern – wie schon erwähnt, sehe ich dies nur auf Stipendienebene, aber nicht, wenn es “ernst” wird. Da greifen alte Netzwerke.
5. Scheint niemand in Deutschland zu interessieren, welche Vorbilder Frauen abgeben – und zwar für weibliche Studierende. Ich selbst arbeite in einem FAch, das 60% Frauen studieren, aber wir haben nur 6% Professorinnen deutschlandweit in diesem Fach.
6. Jede Woche lese ich Zeitungsartikel über die Grundschulsituation, dass die Grundschullehrerinnen fast alles Frauen sind und dass unsere Jungs daher kein ordentliches Rollenvorbild bekommen. Frage: Gilt die umgekehrte Relation für STudentinnen nicht? Wieso liest man darüber so wenig? Am Geld kann es nicht liegen, denn die Einstiegsprofessur W2 Ost liegt kaum über dem Grundschullehrergehalt West. Es scheint eher was mit dem symbolischen Kapital einer Professur zu tun zu haben und altem Elitedenken. Frauen durften sich an deutschen Universitäten ja erst vor 90 Jahren habilitieren.
Ich stimme “M” in jedem Punkt zu, dass es um einen härteren Konkurrenzkampf geht und Argumente wie “FRauenförderung” benutzt werden, um bestimmte alte Strukturen zu verfestigen. Die Sicht von Steve finde ich typisch für eine, die vor der Habilitation entsteht – und die Rhetorik der Wiss.politik aufsaugt. Danach sieht es anders aus. Wie “M” richtig schreibt, werden Frauen bei Vorsingen regelrecht verheizt: es gibt weniger, dafür singen sie öfter vor, bekommen aber dennoch seltener hochdotierte Professuren.
Mir schiene es sinnvoll, wenn man sich als Mann wieder daran erinnert, dass man vor der angeblichen Frauenförderungsoffensive “Mann gegen Mann” kämpfte, und bestimmte Machtstrukturen von Cliquen und alten Schulen. Man(n) möge bei älteren Professoren einmal nachfragen. Dies findet auch heute noch statt; aber anstatt dass junge habilitierte Männer eine Chance darin sehen, dass sie in überwachsten Berufungskommissionen auch selbst eine größere Chance haben auf Gerechtigkeit, wird hier nun ein seltsamer maskuliner Schulterschluss praktiziert (von Ausnahmen immer abgesehen) – ohne Argumente im Sinne der Gerechtigkeit (dass es naemlich nach Qualifikation gehen sollte) oder gar der studentischen Interessen (Vorbildfunktion/role models) überhaupt ins Auge zu fassen.
Ich persönlich glaube, daß man Frauenförderung nicht “von oben” betreiben kann, sondern daß es eines Bewußtseinswandels bedarf. Man könnte damit anfangen einzusehen, daß Frauen 52% der Gesellschaft hier stellen, in vielen Fächern auch die Mehrheit der Studierenden und Promovierenden, Professorinnen dagegen im Schnitt noch bei 10% liegen, und dass “Jammern” (siehe Steve oben) daher durchaus berechtigt ist – für alle Beteiligten.
Zu Nicole:
Sie schreiben: “Ferner verstehe ich überhaupt nicht (selbst Prof.in in den Geisteswissenschaften), warum beim Thema Frauenförderung an Unis, bei dem Deutschland im internationalen Vergleich weit zurueck liegt, stets auf Kinderbetreuung etc. hingewiesen wird. Rund die Hälfte der habilitierten Frauen in D hat keine Kinder!”
Deutschland liegt sowohl bei der Frauenförderung an Unis, als auch bei der Kinderbetreuung weit zurück. Die Tatsache, daß nach unterschiedlichen Schätzungen 30-40% der Akademikerinnen kinderlos bleiben und daß dieser Anteil bei den habilitierten Frauen schon auf 50% ansteigt, zeigt zweierlei: Frauen, die Mütter sind, machen bei uns selten Karriere und Frauen, die den Karriereweg gehen, haben es schwer, auch Mutter zu werden. Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen, auf die ich hier nicht ausführlich eingehen möchte. Hier gibt es noch viel zu erkämpfen, damit Frauen, wie den Männern, das ganze Leben offensteht ! Bessere Kinderbetreuung wird hier nicht alle Hindernisse beseitigen, ist aber auf jeden Fall ein Beitrag dazu.
zu M:
Ach, wäre ich nur eine Frau, dann wüßte ich, warum ich keine Professur gekriegt habe. So aber muß ich vielleicht auch nach Gründen forschen, die bei mir liegen könnten.
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