Als Wissenschaftler hat man es zu Zeiten eines Fußballgroßereignisses wie der Europameisterschaft besonders schwer. Es gibt eine ganze Reihe von Begleiterscheinungen, die ablenken und den wissenschaftlichen Alltag durcheinander bringen.
Besonders gemein sind dabei Spielansetzungen am Nachmittag wie gestern, die dazu führen, dass man sich praktisch schon nach der Mittagspause aus der Wissenschaft verabschieden kann, um wichtige Vorbereitungen (z.B.: Aufstellungen durchspielen, neueste Informationen über den Mannschaftszustand einholen, Tippspiel aktualisieren, Grillzubehör und Getränke besorgen) für das Spiel zu treffen. Der erhöhte Alkoholkonsum vor, während und nach den Spielen wirkt sich dann nicht selten auch auf die wissenschaftliche Spritzigkeit am nächsten Tag aus. Falls ich mich aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen entschlossen habe eine Publikation während eines Fußballgroßereignisses zu schreiben, dann sind die Tage nach wichtigen Spielen allenfalls zum routinemäßigen Verfassen des Methodenteils geeignet.
Die für Wissenschaftler allerdings größte Ablenkung während einer WM oder EM besteht wahrscheinlich in der Notwendigkeit tägliche, analytische Fachgespräche führen zu müssen, um in der Lage zu sein die Spiele vom Vortrag wirklich zu verstehen, also wissenschaftliche Wahrheitsfindung zu betreiben. Wie gut, dass es im deutschen Fernsehen nur so von Fußballexperten wimmelt, die uns das Spiel erklären und so bei der Wahrheitsfindung helfen können.




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Kommentare (3)
Welchen Ansatz würden Sie verfolgen, um das gestern Gesehen ansatzweise zu verstehen?
Waren es psychische Blockaden? Angszustände vor einem möglicherweise zu starken Gegner? Biochemische Prozesse, die den Körper der deutschen Nationalelf in Slow-motion versetzt haben? Oder stand Jupiter im falschen Haus?
Den beschriebenen “Folgen” des derzeitigen Fußballgroßereignisses – insbesondere an Spieltagen mit Beteiligung der heimischen Mannschaft – zum Trotz:
Erhalten wir hiermit nicht auch eine unglaublich große Inspirations- und Motivationsquelle?
Täglich kommen neue Fragestellungen, neue Methoden, neue Lösungsansätze, an der (fast) jeder der Gesellschaft beteiligt ist. Sind es nicht solche neuen Horizonte, die uns zu neuen Wegen führen?
Der Wissenschaftler ist zu Fußballgroßereignissen doch erstmals gegenüber anderen Berufsgruppen privilegiert! Als einziger kann er es sich überhaupt leisten, schon den Nachmittag zur Vorbereitung zu nutzen und den Folgetag mehrheitlich der Spielanalyse zu widmen. Natürlich immer unter dem jeweiligen wissenschaftlichen Deckmäntelchen.
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