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„Ist das von Ihnen oder steht da bloß Ihr Name drauf?“

Kommentare: 23

In der Wissenschaft gibt es keine Plagiate. Niemals. Zumindest nicht oft. Also jedenfalls nicht so oft, wie man denkt. Oder vielleicht einfach nur – oft nicht?

Es ist schon so eine Sache mit der Autorenschaft. Ab wann ist ein Plagiat ein Plagiat? Und ab wann ist ein Autor ein Autor, eine Autorin eine Autorin? Veröffentlichungen spielen in allen wissenschaftlichen Disziplinen eine Hauptrolle: Vom Posterabstract im Tagungsband über den wissenschaftlichen Zeitschriftenartikel und das Buchkapitel bis hin zur voluminösen Monografie – sie sind in jeder Disziplin das, worauf geschaut wird. Und als Faustregel gilt: Je öfter der eigene Name, am besten an erster Stelle (oder immerhin an zweiter oder aber letzter Stelle) draufsteht, desto besser.

Was Autoren zu Autoren macht… und was nicht.

An sich sind die Regeln klar, was eine Autorenschaft begründet und was nicht, und zwar auch über alle Disziplinen hinweg: Wer in wesentlichem Maße zum Inhalt eines Manuskripts beigetragen hat, dem kommt eine Autorenschaft zu und dessen Name gehört in die berühmte erste Zeile. Allen anderen – nicht. Aber ob sich auch wirklich alle daran halten? Alle, bis auf diesen einen peinlichen Fall neulich?

Allzu aussagekräftige Daten liegen zu diesem heiklen Thema bislang nicht vor. Zu Recht wird in erster Linie auf Vertrauen und auf Selbstkontrolle gesetzt, und auf das wissenschaftliche Ehrempfinden, auf dessen Grundlage die Beteiligten schon selber entscheiden mögen, was ein wesentlicher Beitrag ist und was nicht. Trotzdem – fragen lohnt sich.

So geschehen in einer Studie, in der es ums Promovieren und um das subtile Verhältnis zwischen den Promovierenden und ihren Vorgesetzten und Betreuenden (zumeist in Personalunion) ging. Gefragt wurde nach den beiden möglichen Missverhältnissen zwischen Autorschaft und nicht-Autorschaft, die sich aus dieser Konstellation ergeben können: Jemand denkt mit, forscht mit und schreibt mit – doch auf der Veröffentlichung steht am Ende nur der Name des oder der Vorgesetzten, nicht der eigene. Oder: Zwar hat die betreuende Person bei dem betreffenden Schriftstück weder gedacht noch geforscht noch geschrieben – steht am Ende aber trotzdem wie selbstverständlich in der Reihe der Autorinnen und Autoren. Wegen der Ehre, aus Dankbarkeit oder weil vielleicht doch die eine oder andere Idee irgendwie mit eingeflossen sein mag, man weiß ja nie.

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Sind dies Einzelfälle, bedauerliche Missverständnisse oder ist das Wissenschaftsalltag?

Einerseits: Die meisten Promovierenden geben an, dass in ihrem Arbeitsbereich bislang bei keiner einzigen Publikation Autorenschaften unterschlagen oder aber ungerechtfertigterweise zugesprochen wurden. 75,1 Prozent und 71,4 Prozent sind klare Mehrheiten. So weit, so gut.

Andererseits: Neun Prozent wurden bereits bei einer Veröffentlichung trotz ihrer inhaltlichen Mitwirkung nicht als Autorin oder Autor genannt, weitere 8,4 Prozent geben sogar mehrere solcher Publikationen an. Sieben Prozent berichten einmalig über die inhaltlich unverdiente Aufnahme ihrer oder ihres Vorgesetzten in die Autorenliste, bei 14,9 Prozent geschah dies schon mehrfach.

Was tun? Alle gemeinsamen Publikationen von Vorgesetzten und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anzweifeln? Bei allen Einzelpublikationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern das gesamte Team kontaktieren und nachfragen, ob auch wirklich niemand sonst mitgearbeitet hat?

Zwischen Selbstkontrolle und Generalverdacht

Ein hilfreicher Weg könnte darin bestehen, die Promovierenden, die sich ja gerade erst aufgemacht haben, um die Kunst der Wissenschaft zu erlernen und diese noch nicht vollständig beherrschen können, frühzeitig mit den Regeln eben dieser Kunst vertraut zu machen. Anhand von Beispielen, sowohl den klaren und eindeutigen wie auch den Grenzfällen: Wer Daten sammelt oder eingibt, gewinnt nicht dadurch schon die Autorenschaft. Wer einen Text stilistisch oder orthographisch Korrektur liest, auch nicht. Wer die entscheidende Idee zur Interpretation der Befunde hatte, und sei es nur einzige gewesen, hingegen schon. Und wer ganze Absätze schreibt, erst recht. Irgendwo dazwischen ist ein Grenzbereich, und es gilt, den jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern alsbald ein klares Gefühl für die Trennlinie zwischen Autorenschaft und Plagiatentum zu vermitteln.

Darüber hinaus braucht es eine Ermutigung für diejenigen, die im Zweifel sind. Wer würde ernsthaft erwarten, dass Promovierende, in mehrfacher Hinsicht abhängig, die ehrwürdige Kommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis anrufen und damit riskieren, ein Vertrauensverhältnis zu zerstören oder, schlimmer noch, vielleicht zu Unrecht jemand Honoriges anzuschwärzen, oder noch viel schlimmer – zu Recht?

Gesucht: Anlaufstelle, vertraulich, unabhängig und neutral.

Gefragt sind statt dessen niedrigschwellige Beratungsangebote, vielleicht anonym, in jedem Fall vertraulich, unabhängig und neutral. Die allerorts entstehenden Graduiertenzentren, Vertrauensdozentinnen und -dozenten ebenso wie die bislang allzu wenig etablierten Ombudspersonen wären ideale Anlaufstellen für genau solche Anliegen. Mit präventivem Auftrag, mit dem Mandat zum Schlichten und im Fall des Falles – zum Veröffentlichen. Denn am Ende gewinnen alle, wenn Autor Autor bleibt und Plagiat Plagiat.

… diese Nachricht zum Downloaden und Weitersenden.

Die nächste Nachricht aus Schmidts kleiner Elfenbeinwelt erscheint voraussichtlich am 15. April 2011 zum Thema “Krise”.

Kommentare (23)

  • 15.03.2011 um 09:57 Uhr von Christian

    Grade für uns “Anfänger” ist dies ein heikles Problem. Ähnliche Fragen stelle ich mir auch grade. Vor allem auch im Rahmen interdisziplinärer Zusammenhänge. In manchen Fachkontexten ist das Auftreten von Zweit- bis X-Autor gängig, in anderen wieder nicht.

    Eigentlich fände ich tatsächlich im Sinne einer Transparenz wichtig, dass alle, die mit dem Produkt befasst worden sind auch genannt werden können und zwar ohne Dünkel und Probleme.

  • 15.03.2011 um 20:43 Uhr von Raphael

    Ich kenne es so, dass genannte Autoren im wahrsten Sinne des Wortes mitgeschrieben haben sollten, und natürlich wie oben gesagt inhaltlich wesentlich mitgewirkt haben sollten. Zweithelfer sehe ich oft in Acknowledgements gewürdigt, seltener als “echte” Referenz (“private communication”).

    Natürlich sind die Maße hier schwammig. Ist jemand Autor, wenn er den entscheidenden Knoten beim Kaffeetrinken gelöst, sonst aber nicht mitgewirkt hat? Ist jemand Autor, der “nur” die Fleißarbeit erledigt hat?

  • 17.03.2011 um 12:11 Uhr von Linda

    Ich habe es erlebt, daß selbsterarbeitete und geschriebene Beiträge von anderen übernommen wurden und sie die Autorenschaft zugesprochen bekamen, teils auch nur fürs Korrekturlesen. Eine Begründung war beispielsweise, daß ich ja nicht mehr im Institut wäre. Ein Bewusstsein dafür, wie man hier gehandelt hat, besteht nicht, es wird als normal angenommen…

  • 17.03.2011 um 13:18 Uhr von Jörg

    Das Problem ist, daß niemand ernsthaft (d.h. mit den entsprechenden Konsequenzen) hinterfragt wie es einige Leute schaffen gleichzeitig ein Institut zu leiten, als DFG-Gutachter tätig zu sein, Editor bei mindestens fünf Journals zu sein, einmal monatlich auf eine Tagung zu fahren, ein dutzend Vortäge im Jahr zu halten (und natürlich dafür alle Präsentationen selbst erstellt zu haben), eine Handvoll großer Drittmittelprojekte zu managen, UND regelmäßig an den Datameetings der Arbeitsgruppe teilzunehmen, die wissenschaftliche Betreuung der Mitarbeiterprojekte zu übernehmen und bei 20+ Veröffentlichungen im Jahr so intensiv mit den Daten und ihrer Interpretation vertraut zu sein, daß eine Seniorautorschaft nach internationalen Standards begründet ist.

    In der Realität sieht es in manchen solcher Fälle ja wohl eher so aus, daß viele Aufgaben (Begutachtung von Manuskripten, Erstellung von Vortragspräsentationen, kritische Beurteilung von Forschungsdaten und deren Publikation) an die Postdocs und Assistenten übertragen werden, ohne daß diese dafür ihren fairen Anteil an der wissenschaftlichen Reputation zu erhalten.

    Schlimmer noch, wenn sich nach der Veröffentlichung herausstellt, daß mit den Daten etwas nicht stimmt und das Paper eventuell sogar zurückgezogen werden muss, wird die Schuld oft allein auf den Doktoranden übertragen, während der verantwortliche Seniorautor die Hände in Unschuld wäscht.

    Diesem Elend ein Ende zu setzen wäre die Aufgabe der DFG und der Leitung der Universitäten/Forschungseinrichtungen, die es sich aber leider mit den vermeintlichen Leistungsträgern der Wissenschaft und ihrem Prestige nicht verscherzen wollen. Daher muss ich den jungen Nachwuchswissenschaftlern leider mitteilen, daß ich wenig Aussicht auf Besserung sehe.

  • 17.03.2011 um 14:40 Uhr von Raphael

    Linda, das ist definitiv kriminell. Buchstäblich.

    Jörg, mir wurde das von Betroffenen als Win-Win beschrieben. Der Juniorforscher profitiert schließlich immens von Ansehen und Drittmittelquote des Chefs. Deswegen mucken wohl so wenige auf. Und naja, abhängig ist man ja doch auch. Außerdem ist das beschriebene Extrem wohl (hoffentlich?) die Ausnahme und das Mittel liegt irgendwo im Spektrum.

  • 17.03.2011 um 15:16 Uhr von Jörg

    Raphael, selbstverständlich ist das eine Win-Win Situation im Hinblick auf eine erfolgreiche Karriere, deshalb ziehen diese Arbeitsgruppen ja auch sehr gute Leute an. Die Frage muss aber erlaubt sein, was das für die wissenschaftliche Ausbildung des Nachwuchses bedeutet.
    Wollen wir wirklich, daß viele unserer exzellenten Absolventen lernen, daß man als Jasager am besten Karriere macht, und daß es völlig in Ordnung ist die Arbeit anderer als die eigene auszugeben (Chef) bzw. vom Ruhm und den Verbindungen des Chefs zu profitieren ohne sich eigenständig als junger Wissenschaftler zu beweisen (Nachwuchs)?
    Mal ganz von den Auswirkungen auf die Psyche abgesehen: Eine solche Praxis widerspricht wissenschaftlichen Grundprinzipien und – schlicht gesprochen – stinkt zum Himmel.

  • 17.03.2011 um 16:19 Uhr von Brigitte

    Ich glaube hier herrschen enorme Unterschiede in den Gepflogenheiten der einzelnen Disziplinen. Ich habe oft erlebt dass der Senior Author schlicht als Sponsor und Auftraggeber gewürdigt wird und dies auch allgemeiner wissenschaftlicher Konsens in der Disziplin ist. Niemand würde erwarten, dass ein Senior Author überhaupt weiß, was so genau in dem Paper steht.

    Davon unabhängig habe ich gerade die Funktionssammler als unglaublich produktiv und kreativ erlebt. Wenn in einer Kaffeerunde der Professor ein Paper in Auftrag gibt, weil er eine gute Idee auf einer Konferenz gesammelt hat, zwischendurch Feedback zum Fortschrittsbericht in einer anderen Kaffeerunde gibt und später Korrektur liest, dann ist eine Senior authorship, aus meiner Perspektive, schon gerechtfertigt. Ohne diesen entscheidenden Auftrag hätte der Doktorand an dem Thema schließlich nicht einmal gearbeitet.

    Wissenschaftlicher Beitrag folgt einer Zipf-Verteilung. Einige wenige leisten sehr viel (unter anderem weil sie durch mehr Drittmittel und hervorragende Mitarbeiter multipliziert werden). Die meisten leisten sehr wenig und können sich nicht vorstellen, wie das an der Spitze gehen soll. Insgesamt machen diese aber das Gros der Arbeit.

    Die Grenze für mich ist, wenn Erstautorenschaften gestohlen werden und noch viel schlimmer, wenn Texte komplett ohne Hinweis kopiert werden. Das ist dann nur noch Plagiatismus.

  • 17.03.2011 um 17:43 Uhr von Paul

    In meiner Laufbahn während und nach meiner Promotion habe ich die unterschiedlichsten und zT absurdesten Praktiken bzgl Autorenschaft erlebt, wovon einige bereits erwähnt wurden. Hierzu zählte auch, dass sich ein Institutsleiter grundsätzlich als erster Autor auf alle wissenschaftlichen Publikationen aus seinen Haus setzen lies, unabhängig davon, ob der Inhalt in seinem Fachbereich lag oder nicht. Meiner Erfahrung nach ist es ist eine individuelle Charakterfrage des “Seniorautors”.

    Das Funktionssammler besonders kreativ seien und als Ideengeber fungieren die ihren Doktoranden in einer Kaffeepause eine Idee oder gar Auftrag für ein Paper erteilen habe ich noch nie erlebt. Deren Kreativität habe ich eher in strategischen als in wissenschaftlichen Fragen wahrgenommen. Ideen für Inhalte und Projekte werden eher von Post-Docs, Abteilungs- und Gruppenleitern geliefert.

    Ich sehe es daher eher wie Jörg, dass seitens der Fördereinrichtungen DFG, EU, Bund sowohl Handlungsbedarf als auch die Mittel bestehen. Immerhin haben sie die Möglichkeit die Autorenschaft kritsch zu hinterfragen ohne ihre Karriere zu gefährden. Etwas entsprechendes von Doktoranden zu erwarten halte ich trotz Ombuds- und Vertrauensleute für reichlich weltfremd.

  • 17.03.2011 um 18:47 Uhr von Boris Schmidt

    “Reichlich weltfremd”? Dieser Kelch geht womöglich an den Autor… Ich nehme diese Trophäe an – ja, meine Gedanken haben durchaus manchmal den Geschmack von Weltfremdheit. Schließlich geht es an dieser Stelle darum, die aktuell geltenden Regeln des Spiels zu verändern.

    Ich denke, dass die beiden bislang diskutierten Handlungsoptionen durchaus zusammenpassen: DFG, Bund, Länder und Co. können ja über die bestehenden, bereits existierenden “So sollte es sein”-Regeln hinaus auch Mechanismen schaffen, Prozesse und Einrichtungen fördern (z.B. via Graduate Schools), welche die Einhaltung dieser Regeln sicherstellen und die eher seltenen, aber beachtlichen und individuell folgenreichen Verstöße aufdecken (besser: vermeiden, frühzeitig intervenieren) helfen.

    Ohne die Beteiligung der Nachwuchswissenschaftler/-innen, denen solches widerfährt (oder die meinen, dass ihnen gerade Unrecht getan wird, nicht jeder Fall ist ja eindeutig) wird das aber nicht gehen. Wie soll jemand nach einer etwaigen Autorschaft gefragt werden, wenn er/sie ja nun gerade nicht draufsteht, obwohl er/sie müsste? Der Weg führt m.E. anders herum: Diejenigen, die sich unfair behandelt fühlen, müssen dies äußern können und dürfen. Und schon bin ich wieder bei Ombudspersonen und Vertrauensleuten… Direkt in der Hochschule, nicht bei der DFG oder sonstwo… oder?

  • 17.03.2011 um 22:32 Uhr von Boris

    Ein Erlebnis von besonderer Qualität auf diesem Gebiet kann ich vom benachbarten Ausland erzählen: Es geschah vor einigen Jahren: Eine besonders ehrgeizige 25-jährige Doktorandin(!) fing ca. 2 Jahre vor ihrer Promotionsverteidigung an, einen Post-Doc anzusprechen, ob sie denn nicht regelmässig auf seinen Publikationen als Zweitautor draufstehen könne, obwohl sie überhaupt nichts beigetragen hatte. Sie tat dies, um sich für eine – einer Juniorprofessur vergleichbaren – Stelle später einmal bewerben zu können. Als Gegenleistung versprach sie, den besagten Post-Doc auf ihre späteren Publikationen regelmässig als Zweitautor zu berücksichtigen. Tatsächlich stand die inzwischen promovierte Frau dann auf 4 gut- bis hochrangigen Publikationen als Zweitautorin drauf, obwohl sie überhaupt nichts dazu beitrug. Als dann der Post-Doc, sozusagen als “Gegenleistung” auch auf ihre Publikationen als Mitautor drauf wollte, und das, obwohl er wissenschaftlich nachweisbar dazu beigetragen hatte, sagte die nun frischgebackene Doktorin doch eiskalt, dass sie seine wissenschaftliche Leistung “beim besten Willen nicht erkennen könne” und lehnte alles ab!

    Kurz vor der Professur hat es sie dann aber doch erwischt: Nach einer Universitätsfeier fuhr sie betrunken am Steuer nach Hause. Und jemanden über den Haufen. Statt junge dynamische Universitätsgrandezza nun schwedische Gardinen. Jetzt hat sie sehr viel Zeit, das Geschehene zu verarbeiten.

  • 18.03.2011 um 11:45 Uhr von Peter

    Es gibt ja Autoren, die 30 oder mehr papers im Jahr veröffentlichen.

    Es ist schwer zu glauben, dass solche Autoren einen wesentlichen Beitrag bei mehr als einem Dutzend Artikeln beigetragen haben. Allerdings haben ja etliche Profs entsprechend viele Wasserträger (z.B. erfahrene postdocs oder sehr gute Doktoranden), die im Prinzip die papers schreiben. Wenn allerdings ein Prof dann nur noch querliest und allenfalls kleinere Fehler korrigiert, ist schon kaum mehr als Autorschaft akzeptabel.

    Es ist eine sehr gute Sache, dass die DFG und andere Förderer in Anträgen nur noch eine begrenzte Zahl von Publikationen akzeptieren, damit dieses unsägliche Sammeln von Pseudoautorschaften aufhört.

  • 18.03.2011 um 11:57 Uhr von Boris Schmidt

    nur protokollarisch: Nicht jeder Boris ist ein Schmidt. Unabhängig davon, glaube ich auch daran, dass das Leben eine unerklärliche Tendenz hat, irgendwie und irgendwann einen Ausgleich herzustellen. Sei es, dass “die Guten” irgendwann doch gewinnen oder dass “die Bösen” über welchen Stein auch immer stolpern…

  • 18.03.2011 um 13:00 Uhr von Paul

    Die These vom Ausgleich deckt sich mit meinen Erfahrungen.
    Zurück zu Ombudsmann und Vertrauensleuten: Auf der einen Seite sehe ich das “ohne Kläger kein Richter” Problem und somit auch eine Notwendigkeit zur Handlung seitens der Urheber. Andererseits dürfte sich aber jeder Nachwuchswissenschaftler mit befristeten Arbeitsvertrag fragen wie vertrauensvoll und unabhängig die jeweiligen Ombudsleute bzw. die Vetrauenspersonen denn tatsächlich sind. Hat hier nicht jeder das Karriereaus im Falle einer Indeskretion vor Augen? Es käme auf einen Versuch an. Allerdings müsste auch die Wirksamkeit einer solchen Maßnahme überprüft werden.

    Nach wie vor bin ich aber der Meinung, dass die Fördereinrichtung den wirksameren Hebel in der Hand haben. Der Argumentation von Peter kann ich sehr gut folgen. Gutachter in Fördereinrichtungen sollten und können kritisch hinterfragen wie glaubwürdig einorm lange Listen von Publikationen von Antragstellern sind.

    Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, wenn Institutsleiter oder Lehrstuhlinhaber in welcher Form auch immer (z.B. als Dritt- oder Viert-Autor) gewürdigt werden. Wenn aber, wie oben beschrieben, die Erst-Autorenschaft wie selbstverständlich beansprucht wird, dann ist das schon reichlich dreist. Derartiges offensichtliches Fehlverhalten kann meines Erachtens aber seitens der Fördergremien und Entscheidungsträger auch ohne die Hilfe von Doktoranden erkannt werden. Denn das ein Institutsleiter und Lehrstuhlinhaber noch nebenher im großen Umfang wissenschaftliche Publikation eigenhändig verfasst glaubt doch hoffentlich niemand. Dem Doktoranden stellt sich daher die aus meiner Sicht berechtigte Frage, dass wenn im jeweiligen Fachbereich eine derartige Praxis auch seitens der Träger akzeptiert wird, warum sollte er sich an eine Vertrauensperson wenden und damit ein schwer kalkulierbares Risko eingehen?

  • 19.03.2011 um 20:40 Uhr von Raphael

    Ich will Missbrauch in diesem Kontext nicht in Schutz nehmen, ganz im Gegenteil. Wir müssen uns aber die Frage stellen: Wie kann eine objektive, externe Kontrolle aussehen?

    Müssen die Autoren jedes Paper vor einem Gremium wie eine Abschlussarbeit verteidigen?
    Muss jeder Wissenschaftler Buch führen darüber, wann er was für welches Projekt gearbeitet hat?
    Obliegt es einer irgendwie gearteten Stelle, potentielle Übeltäter zu identifieren? (Wie?)

    Ich behaupte, dass bürokratischer Aufwand und/oder Kollateralschäden weder den Wissenschaftlern noch ihrer Arbeit helfen. Zählen am Ende nicht die Ergebnisse?

    Krasse Fälle sollten natürlich zur “Anzeige” gebracht werden; dafür muss es Strukturen geben. Solange aber alle Beteiligten mit der Situation einverstanden sind, muss man vorsichtig sein.

  • 20.03.2011 um 13:07 Uhr von Hans Wurst

    In den Richtlinien der DFG zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis steht auch so etwas drin, dass erfahrene Wissenschaftler die Nachwuchswissenschaftler zu guter wissenschaftlicher Praxis anleiten sollten. Für mich klingt das wie “haltet den Dieb”, denn ich kenne es in der Praxis eigentlich nur so, dass Doktoranden voll idealistisch in die Forschung einsteigen und dann frustriert wieder aufgeben, weil der Chef nur die Karriere im Blick hat, und das um jeden Preis und mit allen Mitteln. Es sind Doktoranden, die an ihrer Arbeit zweifeln, während der Professor sagt: “Schreiben Sie nicht ‘Methode A’ funktioniert nicht – schreiben Sie lieber ‘Methode A’ liefert schon recht vielversprechende Ergebnisse, die aber noch verbessert werden müssen.”
    Dann sind da die Doktoranden, die gelernt haben, dass ihre Artikel leichter auf Tagungen und in Zeitschriften angenommen werden, wenn der Professor als Autor auf dem Artikel steht.
    DFG, EU und BMBF werden diese Probleme nicht lösen können, denn ihr Geschäft sind blumig formulierte Anträge, über deren Annahme alteingesessene Akademiker entscheiden, die damit die zukünftige Ausrichtung der Wissenschaft festlegen.
    Meiner Meinung nach bedarf es der Unabhängigkeit der Doktoranden von ihren Vorgesetzten. Es wäre schon ein Fortschritt, wenn es genügend Doktorandenstellen gäbe. Dann könnte ein Doktorand jederzeit seinem Professor adjeu sagen, wenn er beispielsweise dessen Autorenschaftsregeln ablehnt. Gebt den Doktoranden die Möglichkeit, zu tun, was sie für sinnvoll halten, sie wissen von alleine, was recht ist. Schafft die Anreize zu unredlichem Verhalten aus der Welt, dann braucht ihr auch keine Kontrollen.

    Ich werde jetzt den Rest des Sonntags damit verbringen, Gutachtervorschläge in meine Artikel einzuarbeiten.

  • [...] Link zu „Ist das von Ihnen oder steht da bloß Ihr Name drauf?“ [...]

  • 31.03.2011 um 10:43 Uhr von Dj Set

    Ja das ist mir auch bekannt das Autoren einfach andere Artikel übernommen haben, das geht so natürlich NICHT!

  • 07.04.2011 um 15:07 Uhr von xian

    Nicht nur in Deutschland ist Betrug, was Plagiatismus nun mal ist, zur Staatsaffäre geworden, sondern auch in Dänemark, wo eine hübsche Professoren sich wohl ihren Weg in die Wissenschaft gefuscht und geflirtet hat. Das scheint mehr und mehr zu einer dubiosen Affäre zu werden, wo die Regierung eine externe Untersuchungskommission strikt ablehnt, weil sie dadurch Nachteile sieht. Ferner, was passiert mit einem Professor der Universiät Göttingen, der aus meinem preisgekrönten Geschäftsplan abgeschrieben hat, den er wohl von einem Kollegen aus der MH Hannover erhalten hatte und für die Uni Göttingen dafür ein Patent anmeldete? Und Oppermann wusste davon. Es ist immer leicht Politiker abzusetzen, aber diese Seilschaften an den Unis dürfen sich alles erlauben. Man fühlt sich blöd oder betrogen oder als eine vom Recht/Grundgesetzt ausgeklammerte Person!

  • 26.07.2011 um 11:06 Uhr von Forschen ohne Geld? | Dr. Ulrike Kammann

    [...] Sie auch diesen interessanten Beitrag zur [...]

  • 11.09.2011 um 14:27 Uhr von redzack

    Netter Kommentar

  • 07.10.2011 um 02:35 Uhr von La Jolla and San Diego CA Homes For Sale

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  • 10.11.2011 um 12:46 Uhr von Martina

    Was ist mit Software-Technologien wie CopyScape? Genau wie das kopieren mit der heutigen Technologie einfacher wird so wird auch die algorhytmische Prüfung von Einzigartigkeit einfacher.

  • 13.01.2012 um 12:50 Uhr von Dr. Lippe-Heinrich

    In einer Zeit, die es aufgrund der zahlreichen Restriktionen und Sparzwänge an den Unis kaum noch erlaubt die Doktoranden individuell zu betreuen, wird zunehmend auch auf externes Coaching zurückgegriffen werden. Insbesondere, wenn es sich um Promovenden handelt, die berufsbegleitend promovieren. Hierfür habe ich, auf der Grundlage mehrjähriger Beratungs- und Coachingarbeit, einen neuen Ansatz zum “Akademischen Coaching und Laufbahnplanung” entwickelt.
    Nachzulesen im Onlineportal “Bildung und Karriere”, in insgesamt acht Beiträgen unter “www.experto.de”

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