Das habe ich mich neulich wieder gefragt, als mir eine Stellenanzeige für eine W3 Professur in Internationale Beziehungen an der TU Darmstadt auffiel. Dort wird eine Position im „aussertariflichen Angestelltenverhältnis“ mit Vergütung in „Anlehnung an die W-Besoldung“ versprochen. Nur Bewerber die zuvor schon Professorenstatus hatten, „können in einem solchen weiterbeschäftigt werden“. Die typische Diskriminierung gegenüber Erberufenden. Doch ist das der schleichende Anfang vom Ende des verbeamteten Professors? Und wenn ja, ist das ein Problem?
Ob und inwiefern dieses Beispiel aus Darmstadt eine Ausnahme ist und bleiben wird oder gerade in Deutschland Schule machen, kann ich von der Insel her kaum beurteilen. Ich kann jedoch wenig überzeugende Gründe für das Festhalten am Beamtenstatus finden. Sicher, würde der Status für Hochschullehrer abgeschafft, müssten die Universitäten beim Gehalt deutlich zulegen, um das gleiche Kaliber von Bewerbern anzuziehen. Schliesslich gilt es die Einbussen bei der Arbeitsplatzsicherheit und bei den Rentenbeiträgen zu kompensieren – also kurzfristig mehr Geld oder relativ schlechtere Bewerber – zumindest in den wirtschaftsnahen Fächern. Aber dieses Argument ist doch arg selbstbezogen und losgelöst von der tieferen Frage, ob dies die beste Regelung aus der Sicht des Gemeinwohls ist.
Die Hauptfrage schein mir zu sein, ob gute Wissenschaft nur durch Beamte möglich ist. Zwar leidet die Freiheit des Wissenschaftlers - sprich neugiergeleitete Forschung und Mut zur Wahrheit/Kritik – an einer schwachen und zeitlich stark befristeten Stellung, aber gute Wissenschaft wird auch in Großbritannien gemacht, wo es zwar Dauerstellen, aber kein Beamtenverhältnis oder Tenure (mehr) gibt. Doch hier locken auch Universitäten mit hervorragenden Ruf, gelebter Internationalität und hoher Flexibilität bei Gehalt und Lehrverpflichtungen. Würden also deutsche Universitäten zunehmend Abschied vom Beamtenstatus nehmen, müssten sie sich neben der oft hervorrangenden Ausstattung auch mehr Gedanken um alle anderen Dinge machen, die Wissenschaft attraktiv macht.
Der Beamtenstatus verleitet zur Bequemlichkeit und Inflexibilität bei der Schnürung von attraktiven Kondition für Bewerber, gerade jenen Ausländern, denen sich der Mythos des deutschen Beamten nicht erschliesst und die vielleicht nach einigen Jahren wieder das Land verlassen wollen. Dass der Beamtenstatus und hier insbesondere die Pensionsansprüche ein großes Hindernis für den Wechsel deutscher Professoren ins Ausland sind, wird immer mal wieder problematisiert. Vielleicht wäre eine Debatte über die Notwendigkeit von Wissenschaftsbeamten ganz heilsam. Vielleicht bliebe am Ende sogar mehr Geld für Dauerstellen im Mittelbau übrig? Ich bezweifle jedoch, dass dies die Intention der TU Damstadt war.


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Kommentare (20)
Ich kann Dir einen guten Grund nennen, warum Professoren Beamte sind: Weil sie so bestmöglich vor (arbeitsrechtlicher) Willkür geschützt sind. Denn nicht immer passen ihre Forschungsergebnisse allen Beteiligten. Ich kenne genug Fälle, in denen Ministerialbeamte einen echten Hass auf einen oder mehrere Profs geschoben haben, weil die Ergebnisse der in Auftrag gegebenen Studie so gar nicht ins Konzept des Ministeriums passten. Oder weil sie Dinge aufdecken, die nicht gerade angenehm für den Minister sind. Oder weil die Forschungsergebnisse nett und international anerkannt, aber irgendwie doch nicht “verwertbar” sind – schnell wird ein fachlich exzellenter Prof dann zum Einsparmodell.
Ein verbeamteter Prof hat in Kombination mit seiner Freiheit von Chefs und Vorgesetzten so als Einzelperson die grösstmögliche Beweglichkeit, die er als Angestellter kaum hätte – die werden bekanntlich erst nach 15 (!) Jahren im Amt ähnlich unantastbar. Da der Leidensweg der jungen Forscher ohnehin sehr prekär ist, sollte man Professoren (im Gegensatz zu Lehrern) die letztendliche Verbeamtung (die ja bei Neuberufungen mittlerweile auch auf fünf Jahre befristet ist und erst nach positiver Evaluation entfristet wird) durchaus lassen.
Danke, John, aber nur ein scheinbar gutes Argument:
1) Wer schützt eigentlich den Mittelbau vor der Willkür von Professoren? Wird dort keine kritische Wissenschaft betrieben? Sollte dann nicht auch der Mittelbau verbeamtet werden?
2) Mit der gleichen Begründung könnte man auch andere Berufsgruppen vor arbeitsrechtlicher Willkür schützen, z,B. Journalisten, Sozialarbeiter oder Ärzte. Dann sind wir schnell bei einer unbezahlbar hohen Beamtenquote. Vielleicht sind Richter und Polizisten doch nicht in der gleichen Kategorie wie Wissenschaftler?
3) Ein verschwindend kleiner Anteil dessen was Germanisten, Physiker und Historiker so treiben hat irgendweine aktuelle politische Relevanz, dass darüber ein Ministerialbeamter einen Konflikt vom Zaun bricht. Und selbst dann sind die Einflussmöglichkeiten doch wohl eher gering, selbst wenn der Wissenschaftler Angestellter ist. Wenn es wirklich ein Problem der politischen Einflussnahme geben sollte (was ich bezweifle), sollte man vielleicht lieber die rechtliche Autonomie der Hochschulen stärken?
4) Im letzten Absatz des Beitrags wird klar worum es eigentlich geht: Der Beamtenstatus als Entlohnung für den langen Leidensweg. Verständlich aus individueller Sicht, würde auch gern lieber Beamter als Angestellter sein, aber wissenschaftspolitisch nicht sinnvoll. Da doch lieber weniger/keine Beamte und mehr und frühere unbefristete Verträge wie in anderen Ländern, in denen trotz fehlendem Beamtenstatus kritische Wissenschaft und Zivilcourage längst nicht ausgestorben sind.
Netter Versuch, jedoch greift Deine Argumentation vielerorts leider zu kurz:
Zu 1) Erstens gab (und gibt) es diesen Schutz: durch die Verbeamtung der Assistenten. Somit waren (und sind) die formal “echten” Wissenschaftler (die mit Promotion, denn erst dann darf man sich Wissenschaftler nennen) entsprechend geschützt. (Und Juniorprofessoren sind es als Beamte heute immer noch.) Zweitens ist das Endziel einer Wissenschaftskarriere nun mal die Professur – also sollen diese Leute den Ton angeben, Forschung initiieren und durchführen und ein Team leiten. Folglich brauchen sie den meisten Schutz. Du lässt also bei Deiner Argumentation den historischen Kontext aus (Akademische Räte/Assistenten) und schaust gleich auf den gegenwärtigen Ist-Zustand, der viele Assistentenstellen eliminiert und simple Mitarbeiterstellen draus gemacht hat.
Zu 2) Diese Diskussion findet doch statt, immer und immer wieder, und das ist auch gut so. Und ich finde es gut, dass Professoren einen besonderen Schutz geniessen, ebenso wie Richter, Amts(!)ärzte und andere. Die Bezahlung der Beamtenquote passt hier nicht ins Thema, denn Journalisten will niemand verbeamten und damit besonders alimentieren. Man kann sie auch, wenn das das Hauptthema ist, anders schützen, bspw. durch gesetzliche Regelungen (was im Übrigen auch schon geschieht). Doch damit schürt man sicherlich wieder Deine vielgescholtene Unbeweglichkeit, ob das Label nun “Beamter” heisst oder “Grundgesetzlich besonders geschützte und durch zahlreiche Gesetze und Verordnungen besonders geschützte Berufsgruppe”. Denn die Unbeweglichkeit kommt doch nicht durch die Entfristung oder die fehlenden Sozialabgaben – entfristete Arbeitsverträge gibt es in der Wirtschaft ebenfalls und hohe Abgaben kann man durch höhere Gehälter ausgleichen. Nein, die vermeintlich zu bekämpfende Unbeweglichkeit kommt eher durch wenige Immobile, die sich auf ihrer Professur und hinter ihrem Schutzschild ausruhen. Das wird zum Glück immer schwerer, aber diese Leute haben den Ruf versaut, nicht die zahlreichen fleissigen Professorinnen und Professoren, die fantastische Arbeit leisten. Dass man nach dem Weggang aus Deutschland ebenfalls wieder Probleme bekommt, hier Fuss zu fassen, ist ein anderes Thema.
Zu 3) Dass Du den politischen Einfluss bezweifelst, ist Dein gutes Recht. Ich denke jedoch, dass es unumstritten ist, dass gerade Grundlagenforschung nur schwer vermittelbar ist und derzeit viele Hochschulen auf Vermarktbarkeit und Stromlinienförmigkeit getrimmt werden. Folglich ergeben sich für viele Professoren, die “andere Dinge” als die gewünschten Tasks erledigen, dass sie ohne Verbeamtung längst abgesägt worden wären. Dass die Autonomie der Hochschulen gestärkt wird, ist doch nicht absehbar – es sei denn, sie passen sich den Rahmenvorgaben der Politik an. Da es aber meines Erachtens eher wenige wirklich faule Profs gibt, wäre so eine Aktion vergleichbar mit dem berühmten Kanonenschuss auf Spatzen. (Zudem wurde doch auch hier bereits etwas getan: Die fünfjährige Befristung von neuberufenen W2-/W3-Professoren.)
Zu 4) Nein, siehe meine Ausführungen zu Punkt 1. Es geht nicht um finanzielle Belohnung, sondern um echte wissenschaftliche Freiheit. Irgendwann sollte man als Wissenschaftler doch mal frei und ungestört forschen können. Jeder Mitarbeiter einer Forschungs- und Entwicklungsabteilung fliegt raus, wenn seine Auftragsforschung dem Vorstand nicht passt – wollen wir das in der universitären Welt haben?
Die paar Professoren, die wirklich stinkfaul sind und seit ihrer Habil keine einzige Forschungsleistung mehr vollbracht haben, fallen jedoch – wenn du fiskalisch argumentieren willst – gar nicht ins Gewicht. Da sollte man sich eher fragen, warum Lehrer verbeamtet werden und inwiefern das Ausspielen des Beamtenstatus´ als Standortvorteil durch einige Bundesländer noch etwas mit der ursprünglichen Intention des Beamtenwesens zu tun hat.
Vielen Dank, John, für die ausführliche Replik.
Stimme mit Dir überein, dass die Stromlinienförmigkeit von Wissenschaft durch Hochschulleitungen und Dekanate durchaus ein Problem sein kann – ein Grund den Du nun stärker in den Vordergrund stellst als den Versuch politische Einflussnahme auf Wissenschaftler. Wer die Debatte über die Exzellenzinitiative (siehe Blog) verfolgt muss jedoch zum Schluss kommen, dass auch beamtete Professoren dabei mitmachen, selbst wenn sie von der wissenschaftlichen Sinnhaftigkeit keinesfalls überzeugt sind.
Mir scheint der Vergleich zur Wirtschaft ein wenig zu hinken. Angestellte Professoren im öffentlichen Dienst werden kaum einer Hire-und-Fire Logik ausgesetzt sein, sondern de-facto über eine deutlich höhere Arbeitsplatzsicherheit verfügen. Zudem gibt es dann noch das Arbeitsrecht. Einen Professor wegen missliebiger Forschung zu entlassen, scheint mir schwer möglich. Vor Resourcenentzug und anderen Schikanen seitens der Dekane bzw Uni-Leitungen schützt auch der Beamtenstatus nicht.
Ich kann deinem Argument nur vehement widersprechen, was die priviligierte Stellung von Professoren angeht. Zitat: „Zweitens ist das Endziel einer Wissenschaftskarriere nun mal die Professur – also sollen diese Leute den Ton angeben, Forschung initiieren und durchführen und ein Team leiten. Folglich brauchen sie den meisten Schutz.“ Wenn man sich das durchschnittliche Erstberufungsalter von 40plus ist offensichtlich das der größte und meiner Ansicht auch beste Anteil der Wissenschaft in Deutschland von Menschen betrieben wird, die noch nicht Professor sind. Und hier ist das größte Hindernis für wissenschaftliche Kreativität nicht der fehlende Beamtenstatus, sondern die Unterordnung zu einem Lehrstuhlinhaber der helfend, aber eben auch extrem willkürlich und eigennützig handeln kann. Es hilft doch einem Assistenten oder Juniorprof wenig Beamter auf Zeit zu sein, wenn er/sie weiss dass die Entfristungen an einem oder wenigen Seniorprofs hängt! Insofern ist die Kluft zwischen Angestellten/Befristeten und Beamten/unbefristeten zentral für Debatten über wie man frühere wissenschaftliche Eigenständigkeit erreichen kann. Und da bei Reformen letztendlich alles auch am Geld hängt, gehört für mich der teure Beamtenstatus auch in das Diskussionsgefüge.
Ich habe mich anscheinend doch nicht präzise genug ausgedrückt: Die Einflussnahme der Hochschulleitung ist doch politischer Natur, da die Landesregierungen massgebliche Rahmenbedingungen vorgeben. Und wer sich als Unipräsident oder Wissenschaftspolitiker heutzutage einen Namen machen will, richtet seine Hochschule entsprechend aus. Wer als Prof da freiwillig mitmacht, kann das ja gerne tun. Das halte ich nicht für verwerflich. Wenn sich jedoch jemand dieser Neuausrichtung entziehen will und er dann eingeschüchtert oder gar gefeuert wird, dann ist das verwerflich.
Ich denke auch nicht, dass der Vergleich mit der Wirtschaft hinkt, denn erstens richten sich ja heutzutage anscheinend alle an der Wirtschaft aus und zweitens das ist auch das Hauptberufsfeld, wenn man nicht in der Wissenschaft bleibt. Die Vergleichbarkeit ergibt sich so beinahe zwangsläufig, auch wenn es einem nicht gefällt. Ich sehe bei Neuberufungen und -einstellungen sehr wohl eine Hire-and-fire-Mentalität, die sich zwar anders darstellt, letztlich aber auf dasselbe hinausläuft. Die projektorientierte Arbeit und das Streichen von Planstellen gehören meines Erachtens bereits dazu. Keine Projektbewilligung? Kein Job! Es gibt viele Ausprägungen, die oft genug von “Fachleuten” aus der Wirtschaft gestaltet werden, die nun in der Wissenschaft ihr Unwesen treiben. Da sind deutliche Parallelen erkennbar. Und ich denke, dass es durchaus noch heftiger werden wird.
Der Beamtenstatus schützt, und dabei muss ich bleiben, sehr wohl vor Schikane. Man kann den Profs alles nehmen: Kostenstellen, Mitarbeiter, etc. – aber sie selbst sind und bleiben unabhängig. Und das finde ich gut. Sicher, das kann man eben auch über Gesetze regeln und Angestellten einen ähnlich unantastbaren Status verpassen, aber dann wären wir ja wieder beim Ausruhen. Es kommt also meines Erachtens auf den Grad der Unantastbarkeit an und die daraus resultierende Quote derer, die sich dann auf ihren Pfründen ausruhen.
Und auch hinsichtlich der Professuren bleibe ich dabei: Selbstverständlich ist das Endziel einer Wissenschaftskarriere, quasi die Krönung, immer eine Professur. Was denn sonst? Ein Leben als akademischer Rat? Ggf. mit “grosszügiger” Ernennung zum apl. Prof? Nur weil ein Prof nicht mehr immer selbst am Kernreaktor, im OP oder mit dem Klemmbrett in der Fussgängerzone steht, ist er doch als Forscher aktiv; ein Chef delegiert nunmal. Ich halte die Diskussion rund um Gutsherren-Ordinarien ehrlich gesagt für heillos übertrieben, denn die Argumentation mit dem bösen Chef halte ich für nicht besonders tragfähig: Irgendeinen “Chef” wird es immer irgendwo geben, und wenn es eben ein Gremium, ein Ausschuss, der Rektor, Präsident, Ministerialdirigent oder Minister ist. Ich habe in über 15 Jahren im Wissenschaftsbetrieb gerade mal zwei echte Gutsherren kennengelernt, und beide waren – so fair sollte man sein – extrem fit in ihrer Disziplin, wenn eben auch menschlich nahezu unausstehlich.
Die Lösung ist jedoch greifbar: Es gibt doch das Juniorprofessoren-Modell, also eine Adaption US-amerikanischer Verhältnisse, was ich nur befürworten kann! Also: Für Promovierte nur noch Juniorprofessuren, mit Tenure Track und ohne Lehrstuhlinhaber “über ihnen”. Dafür mit Verbeamtung und der Chance auf eine W2-, besser W3-Stelle im Anschluss. Evaluation anhand festgelegter Kriterien (Impact, Lehre, etc.). Wenn aber weiter gekürzt, gestrichen und nun auch noch zunehmend am Beamtenstatus gesägt wird, wird die Wissenschaft noch unattraktiver und es wird noch mehr zweit-, dritt- und viertklassige Bewerber geben, die in leitenden Positionen in der Wirtschaft nicht den Hauch einer Chance hätten. Ich sehe den Verlust des Beamtenstatus´ eher als Problem denn als Lösung. Damit würde man mehr zerstören als retten.
Geht sie jetzt wieder los, die Jagd auf die Priviligierten? John hat vollkommen Recht: der Schutz des feien Handelns wird wesentlich durch die Verbeamtung geschützt. Das ist vielleicht das einzige wirkliche Privileg, was beamteten Wissenschaftlern zusteht.
Ansonsten ist es vielleicht in Zeiten neoliberalen Reformismus ein etwas zurückgebliebenes Modell. Beamtet sein, heißt nicht etwa, Arbeitskraft gegen Arbeitsloh zu tauschen. Das Tauschverhältnis bestimmt sich über die Loyalität: Der Souverän (bei uns also das Volk) tauscht für die Loyalität der Beamten seine eigene Loyalität (u.a. in Form von Fürsorge für den statusangemessenen und dauerhaften Lebensunterhalt und die Gesundtheit) ein.
Beamtete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben also eine besondere Verantwortung gegen die Einhaltung der Wahrheit etc. – und gegen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie die Studierenden selbstverständlich auch. Daß in Zeiten der fast nur noch drittmittelbestimmten Reputation diese Verantwortung hintüberfällt … Wer erinnert die Kolleginnen und Kollegen noch daran? Mein Kanzler fragt mich nie, ob meine Studenten was gelernt haben, sondern ob sich der Stand meines Drittmittelkontos weiter so gut entwickelt oder vielleich noch besser. Meine Universität will, daß ich Unternehmer in Drittmitteln werde. Hätte ich das wollen, würde ich heute Unternehmer sein und auf die peinliche W3-Besondung pfeifen. Mehr arbeiten geht nämlich nicht mehr. Nur weniger Freude daran.
Ich bin auch in Grossbritannien und natuerlich gibt es hier noch tenure. Es kann nicht sein dass ich fast 30 bin wenn ich endlich meinen (unbezahlten) Dr. habe und dann auch noch den Rest meines Lebens von Job zu Job geschoben werde, waehrend ich in der freien Wirtschaft auch noch das doppelte verdienen kann. Und zwar 3-4 Jahre frueher. Das mache ich doch nur um irgendwann freier arbeiten zu koennen und meiner Neugier freien Lauf lassen zu koennen. Das geht nur mit tenure/Verbeamtung. Das sieht hier in UK auch nicht anders aus. Oder was reichst du da grandios exzentrisches bei der British Academy ein? Da bin ich mal gespannt.
While I can follow John’s argumentation a critical issue remains the evaluation by “standard criteria”. No matter what you pre-define as eval criteria might not fit the specific situation. The best criteria that would fit all would be joint accountability. That means if you hire a failure your department your research resources and possibly your salary would take a financial hit. This would much more trigger a rigorous vetting of the best candidates in a lose framework of widely accepted scientific criteria. At my university evaluation criteria are fairly non-specific, e.g. national leadership and emerging international leadership in the field for Associate Prof and international leadership for Full Prof.
Such models don’t seem to be possible without more restructuring of the basic financial framework. It would however to some extent highlight what luxury it is to have a dozen full profs for philosophy for whom neither students have much sympathy nore is there a real marketplace. Not that I argue against having such fields of teaching -obviously not- but joint financial accountability would much better reflect the demand.
Ein weiterer Grund ist die Altersversorgung. Professoren werden zwischen 35 und 45 berufen, bis dahin haben sie oft auf halben Stellen und Stipendien gearbeitet, spricht sehr wenig in die Rentenkasse eingezahlt und auch zu wenig Einkommen, um groß vorsorgen zu können.
Die Beamtenpension gleicht das wieder aus. Wenn die nicht existierte, dann wäre eine wissenschaftliche Karriere noch mehr Harakiri, als sie jetzt schon ist.
Zumindest müssten die angestellten Professoren dann eine “Betriebsrente” außerhalb der gesetzlichen Rente bekommen.
Das derzeitige Beamtensystem verhindert in der Tat den internationalen Wettbewerb um Wissenschaftler (dies betrifft vor allem die Ingenieur- und Naturwissenschaften):
1) da Beamte unkuendbar sind werden bei der Besetzung keine Risiken eingegangen. D.h. aeltere Wissenschaftler kurz vor der Berufungsgrenze mit einem laengeren Track-record werden gegenueber juengeren Wissenschaftlern mit besseren (aber weniger) Veroeffentlichungen bevorzugt. Wenn juengere Wissenschaftler dann im Ausland ersteinmal als Professoren gearbeitet haben ist eine Rueckkehr haeufig schwierig (schlechtere Bezahlung und kleineres Forschungsumfeld in Deutschland).
2) durch die Verbeamtung und die evtl. verfallenden Pensionsansprueche findet nur noch ein Wettbewerb um Professoren innerhalb Deutschlands statt. Ein internationaler Wettbewerb wuerde die deutschen Unis zwingen bessere Bedingungen zu schaffen und wuerde auch internationale Wissenschaftler nach Deutschland holen
3) Obwohl die meisten Professoren gute Arbeit leisten gibt es etwa 10-20% die kaum forschen (z.B. in den Naturwissenschaften weniger als ein Artikel pro Jahr). In GB ist in solchen Faellen zum Beispiel eine Kuendigung moeglich (mir sind mehrere Faelle bekannt von Leuten die dann an andere Unis wechseln mussten). Eine Kuendigung in Deutschland waere schwieriger da die Wahrscheinlichkeit in D dann eine Stelle zu finden gering ist. Allerdings koennte man bei geringer Forschung z.B. die Lehr- und Verwaltungsaufgaben erhoehen.
@ Karli
Ich fürchte ich muss Dich enttäuschen. Tenure gibt es an Britischen Universitäten (fast) nicht mehr, jedenfalls nicht für neue Kollegen und das schon seit einiger Zeit. Es gibt zwar noch einige Professoren, die von annudunnemals noch “tenure” haben, aber die Umstellung ist schon einige Zeit her. Mir ist keine Institution bekannt, die sich dem entzogen hat.
Allerdings, und hier das Plus, Entlassungen kommen nur in Extremfällen vor – zum Beispiel wenn ein ganzes Department geschlossen wird oder ein Kollege jegliche Mitarbeit aufgegeben hat. Deshalb kenne ich niemanden, der sich überlegt “oh, wenn ich diese Forschung mache, werde ich möglicherweise entlassen”. Weiteres Plus des britischen Systems: unbefristete Verträge nach 3 Jahren Probezeit (der absolute Regelfall) und das schon mit Anfang 30.
Wie bereits schon häufiger geschrieben finde ich das britische System in dieser Hinsicht sehr viel besser als das US-Amerikanische (und natürlich das Deutsche). Klar ist aber auch, dass es nicht 1-1 auf D übertragbar ist. Wollte man den Beamtenstatus tatsächlich abschaffen, müsste man die Stellung des Mittelbaus weiter stärken. Die Juniorprofessur (mit Tenure-Track!) war zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.
@Marcus
2. Lies dir mal einige Hochschulgesetze der Länder durch. Du wirst feststellen, dass es längst privatrechtliche Vertragsmöglichkeiten auch für Professoren gibt. Ein ausländischer Prof kann auch zehn Jahre in Deutschland arbeiten und sein Gehalt ist dann frei verhandelt worden und er kann so besser dastehen als mancher Beamtenprof.
3. Da widerspricht Christophs Posting ein wenig. Was stimmt nun? Hire and fire auch in GB möglich? Oder nur in Extremfällen?
Ich habe den Eindruck, dass viele das Privileg des Beamtenstatus eher darin sehen, dass am Ende der Laufbahn eine nette Pension steht und die Unkündbarkeit die relativ geringe Entlohnung aufwiegt.
Ich stimme jedoch ProfProof und damit auch John zu, dass das Privileg die Freiheit und Unabhängigkeit ist, die das Beamtenwesen mit sich bringt. Diese Freiheit ist auch dringend erforderlich, will ich mich der Verpflichtung nicht entziehen, die mir durch die Übernahme einer Staats- oder Landesaufgabe auferlegt ist.
Wir müssen doch gar nicht so weit gehen, um nach Repressalien durch die Politik zu suchen. Da sind doch die ständigen Diskussion mit der Rektorat und Dekanat, warum in der einen oder anderen Veranstaltung immer eine so hoch Durchfallquote ist. Die Politik fordert eine höhere Absolventenquote, das Rektorat oft als Handlanger der Politik reicht diese sinnfreie Forderung ungefiltert über das Dekanat an die Professoren weiter.
Wäre ich angestellt, müsste ich mir die Frage stellen, ob mir meine Position und damit auch die Möglichkeit, meine Familie zu ernähren, wichtiger ist, als meine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft, keinen mit einem akademischen Abschluss auf die Menschheit loszulassen, der oder die nicht die notwendigen Leistungen erbracht hat.
@Christoph Meyer
Die Diskussion ist schon ziemlich verbohrt. Schon die Frage “Müssen Professoren Beamte sein?” leitet ja schon in die gewollte Richtung. Natürlich MÜSSEN sie nicht Beamte sein. Das MUSS eigentlich keine Berufsgruppe sein. Bei Leuten die geschützt werden sollen kann man das sicher auch anders regeln. Jedenfalls ist die Fragestellung ziemlich polemisch (kein Wunder, dass ihr euch so beharkt
).
Besser ist wahrscheinlich zu fragen: Was ist denn falsch daran, dass Professoren Beamte sind?
- Überversorgung mit Gehalt und Pension? – Na klar, unbedingt kürzen und am besten Ungelernte lehren lassen (übrigens kostet ein nichtverbeamteter Professor im Schnitt mehr)
- Sprungbrett zum faul sein? – Ganz bestimmt, spielen alle Profs Beamtenmikado (wie alle anderen Beamten Lehrer, Polizisten usw.), wohl zu viel Prof. Untat gelesen?
- Vorschub zur Gutsherrenmentalität? – Das ist der Beste von allen Beispielen und kann nur von jemanden kommen der noch nicht “draußen” war. Da ist das was einige Profs machen doch Kinderkram gegenüber den richtigen Stieren in den Firmen.
Naja der einzige wirkliche Grund ist hier wohl Neid auf die wenigen “Glücklichen”. So wie bei den Managern. Denen wird (von einigen Ausnahmen abgesehen) bezahlt, was für ihren Job auch angemessen ist (wer glaubt denn, dass die Eigentümer von Firmen was zu verschenken haben?). Nur deshalb machen sie den Job. Profs sind Beamte weil sie für ihren Job unabhängig sein sollen. Deshalb können sie ihren Job gut machen. Kann man abschaffen, muss man aber nicht, da nichts wirklich dagegenen spricht, viel aber dafür.
Das Privileg würden viele gerne haben (erfahrungsgemäß besonders die, die das gerne abschaffen würden), das geht aber nun einmal nicht. Also wird ein doch sehr gewagter Vergleich gerade zum britischen System hergestellt, warum nicht zu Frankreich, China oder Japan oder der Mongolei? Wir sind doch in Deutschland und unterscheiden uns in der Idee von Hochschulen. Also was bringt uns hier mit unseren Randbedingungen voran? Die Abschaffung des Beamtenstatus von Profs?
Der Beamtenstatus ist gerechtfertigt, weil:
Freiheit von Wissenschaft und Forschung durch das GG garantiert wird; kritische Professoren können zwar Mittel verlieren, weniger Chancen auf Drittmittel haben, aber dürfen immer noch shreiben, was sie wollen,
ob das als Angestellte auch so wäre wage ich zu bezweifeln.
Angestelltenstatus bringt Streikrecht mit sich – die Diskussion um den Streik der Erzieherinnen zeigt, dass das im Bildungssystem nicht unbedingt alle gern haben – siehe auch die Diskussion um die Verbeamtung als Lehrer.
Zudem sollte man immer noch eines bedenken: mit der Reform der Besoldung verdienen “W” Professoren (vor allem W1 und W2) gemessen an anderen “Führungskräften” und an der von ihnen aufgewendeten Arbeit, Zeit , prekären Jobs für ihre Aus- und Weiterbildung nicht gerade viel. Wenigstens der Beamtenstatus kann durchaus Anreiz sein, diesen Weg einzuschlagen.
Und was die Stellenanzeige angeht: d.h., dass ein Bruttogehalt analog W3 bezahlt wird, der erfolgreiche Bewerber jedoch volle Abzüge (Sozialversicherungspflicht usw..) hat, er mithin also netto deutlich weniger Geld verdient als der Kollege mit W3 als Beamter. Gerecht sieht anders aus.
@ micha
interessanter Punkt zum Thema Streikrecht. In der Tat gibt es in GB Gewerkschaften für Lehrende/Forschende (UCU) und, die hat vor zwei Jahren einen großen Streik um höhere Gehälter angezettelt und auch erfolgreich durchgesetzt (nach Jahren unterdurchschnittlichen Wachstums). Allerdings gibt es auch andere Berufsgruppen, über deren Streiks sich der Bürger ärgern könnte (Lokführer, Busfahrer, Kindergärtner, Ärzte). Wollen wir die alle verbeamten, damit sie nicht mehr streiken dürfen? Und vielleicht ist ja auch positiv wenn Wissenchaftler sich stärker organisieren und ihre Interessen gegenüber Hochschulen zu artikulieren. Als Beamte hält man da lieber still und mag sich nicht so recht organisieren.
@ Jan M. und andere
Es mag ja sein, dass es in der Privatwirtschaft schlimmere Bosse gibt und dass der Ordinarius-Patriarch (zum Glück) im Aussterben betriffen ist, aber das Machtgefälle innerhalb des Lehrstuhlsystems zwischen den befristeten Angestellten und dem unkündbaren Lehrstuhlinhaber bleibt und schränkt die wissenschaftliche Freiheit des Mittelbaus ein – egal wie wohlmeinend der Lehrstuhlinhaber ist. Das geht auch anders (siehe GB).
@ die Juristen unter uns
Wieweit ist es eigentlich mit Unabhängigkeit von „Beamten“ gediehen? Sind Beamte nicht verpflichtet Weisungen von Vorgesetzten zu folgen und ihren Wohnsitz zu wecheln? Hat das Loyalitätsgebot nicht auch Kosten? Streikrecht ist nur ein Punkt.
@ micha und die Uni Darmstadt
Meine Befürchtigung ist dass es – wie in Deutschland üblich – keine durchdachte Reform gibt, die den Mittelbau miteinbezieht, sondern die graduelle, unmerkliche Abkehr von beamteten Professoren durch jede einzelne Uni und Land zu Land. Wer zuletzt kommt, der wird nur befristet eingestellt und bekommt keinen Beamtenstatus mehr, während die älteren Wissenschaftler unkündbar auf ihren C-Posten sitzten. Ist das gerecht? Natürlich nicht!
Als Professor in den USA kann ich mich nur wundern wieso hier so ueber den Beamtenstatus gestritten wird.Ohne die Tenure-Moeglichkeit nach 6 Jahren Probezeit haette ich nie eine solche Laufbahn eingeschlagen. Beispiel: Aus Deutschland ist man ja eigenverantwortliche Studenten gewoehnt, hier kann es vorkommen (bei uns so geschehen), dass sich die Eltern von Studenten ueber angeblich unglaublich schlechte Lehre direkt beim Dekan beschweren nur weil ihr Kind kein “A” bekommen wird und damit nicht wie Mami Arzt werden kann.
Dann gibt es die anonymen Lehrevaluierungen am Ende jedes Semesters wo jeder seinen Frust ablaesst und die vom Dekanat als wichtige Einschaetzung eines Kollegen angesehen werden.Wenn sich dann zuviel Druck aufbaut, die Eltern des Studenten vielleicht dummerweise Golfkumpel des Kanzlers/Dekans sind, kann man seinen Job schnell wieder los sein, es sei denn man hat Tenure. Ist der Beamtenstatus in D erstmal gefallen, die Studenten dank flaechendeckender Studiengebuehren zu Kunden geworden, koennten solche Szenarien
auch moeglich werden: was in den USA geschieht kommt ja erfaehrungsgemaess irgendwann auch nach D.
Meiner Meinung nach werden in dieser Diskussion zuviele Sachen vermischt:
Tenure heisst nicht zwangslaeufig dass man Manager werden muss und Forschung nur noch indirekt ueber Doktoranden erfolgt. Auch das “Gutsherrenwesen’ kann man von der Tenurefrage entkoppeln.
Das ist das deutsche System wo jeder W3-Professor seinen kleinen Feudalstaat aufbaut mit eigenen Gesetzen, die entsprechenden Begleiterscheinungen haben weniger mit Tenure als mit zuviel
Machtfuelle zu tun. Das sind uebrigens nicht nur Ausnahmen, natuerlich
merkt man das unter Kollegen mit gleichem Status kaum, da wird nur gelaechelt und genetworked um der DFG Geld fuer Pseudokollaborationen abzuschwatzen. Klar gibt es solche Bosse auch ausserhalb der
Uni, aber dort wird man entweder entsprechend hoch entlohnt, musste sich nicht jahrelang durch Universitaeten
und Postdocstellen im Ausland durchboxen und kann vor allem in Wuerde kuendigen, ohne zu befuerchten keine Stelle mehr zu finden.
Hier in den USA wird vieles ueber Committees geregelt und nur einer ist der Department Head, die Professoren haben noch genuegend Zeit um sich selbst “ die Haende schmutzig” zu machen falls sie es denn noch drauf haben.
Das Statement: “Natuerlich ist die Professor das Endziel eines Wissenschaftlers ” find ich ziemlich engstirnig– aber wahrscheinlich wird man so wenn man sich jahrelang beworben und abgerackert hat. Meiner Meinung nach sollte das Ziel sein, dass man das macht was einem liegt, was Spass macht und/oder der Gesellschaft nuetzt und man das ohne Existenzangst durchziehen kann. Das kann auch in einer unbefristeten Forscherstelle oder einer hochbezahlten Stelle ausserhalb der Uni ohne Jobgarantie moeglich sein.
Ich war vor kurzem mit der Frage konfrontiert, ob ich mich auf eine Professur bewerben soll. Ich arbeite erfolgreich in der Wirtschaft und würde auf dieser Professur nicht einmal ein Drittel dessen verdienen, was ich heute bekomme.
Warum also sollte jemand wie ich das also machen, gäbe es nicht eine gewisse Absicherung, die in der Alterssicherung, der Unkündbarkeit und der Möglichkeit besteht, nebenberuflich in gewissem Maße in der Wirtschaft tätig zu bleiben? Außerdem: sollte ein Neu-Professor nach einigen Jahren aus welchen Gründen auch immer seine Stelle verlieren, würde er (gehen wir von einem Einsatzalter von 40-45 Jahren aus) danach in der Wirtschaft nur noch schwer Fuß fassen können. Das Risiko wäre unverhältnismäßig. In England und den USA wird dieses Risiko durch ein ungleich höheres Gehalt ausgeglichen. Ein Freund von mir war Professor an einer Hochschule in England bevor er in die USA und dann nach Kanada wechselte und verdiente bereits vor Jahren das 4-5fachen dessen, was ein Professor in Deutschland verdient. Dazu sei auch bemerkt, dass die akademischen Hürden für Professoren dort weit geringer sind. Von ihm wurde z.B. keine Doktorarbeit verlangt. Er wurde einem sehr eingehenden fachlichen Interview unterzogen, gab eine Lehrprobe ab und hatte den Job. Kurz: ich hätte das englische System sehr viel lieber. Aber solange man nicht bereit ist, Hochschullehrern zu bezahlen, was sie in der Wirtschaft verdienen würden, wird man dieses Manko nur durch ein Beamtenprivileg ausgleichen können – oder zusehen müssen, wie die Hochschulen Sammelbecken für die werden, die es in der wirklichen Welt nicht geschafft haben. Keine wirklich ermutigenden Aussicht für ein Land, das darauf angewisen ist, Forschung und Entwicklung voran zu treiben nachdem es bereits den Kampf als Produktionsstandort verloren hat.
Ich würde sagen Ja !!!
ich glaube das grundproblem lautet nun mal, dass man der wert von wissenschaftlichen erkenntnissen – gerade im bereich sozial- und geisteswissenschaften bzw. grundlagenforschung – oft erst nach jahrzehnten einschätzen kann, wenn überhaupt. das problem ergibt sich also, welche stelle nach welchen kriterien mittel bereitstellt.
Dies könnte man vielleicht dadurch entschärfen, dass
-erstmal durch ein bedingungsloses grundeinkommen eine gewisse materielle basis für individuelle freiheit geschaffen wird. Wissenschaft ist ja gerade in den jungen, potenten jahren stark von neugier, idealimus und ruhmsucht geleitet, nicht von geld, karriere, rationalität, familienplanung, oder der lustigen annahme, dass man später realistische chancen auf C4 hat. Oder was ist eure motivation?
- Weiterhin, dass viel mehr auf dezentrale, freiwillige forschungsnetzwerke gesetzt wird, welche sich weniger nach mitteln, status und zertifikaten als nach bottom-up bewertung von inhaltlichen beiträgen richten.
- dazu wäre eine absolute usmtellung dieses ganzen privaten journal-unfugs notwendig hin zu open access, speziell für alle staatlich geförderte wissensproduktion.
- und noch eine generelle sache betrifft dieses overflow-rauschen, die publish-or-perish störfeuer: es braucht neue kultur & anreizsystem, welche sich nach qualität statt quantität orientieren.
von mir aus der diskurs in mindestens zwei Ebenen getrennt in innerkollegiale sandbox und state of the art artikel. jeder, der irgendeinen häppchen-müll oder bla veröffentlicht und die zeit seiner kollegen raubt müsste angst vor scham und status-verlust bekommen.
- schließlich: viel mehr die elektronischen kommunikationsmittel zur generieung von vernetzungsdynamiken, synergieeffekten, etc. nutzen, welche ja schon im populärwissenschaftlichen bereicht eine enorme informations- und bildungs-offensive losgetreten haben. oder wer würde bestreiten, dass die wikipedia mehr für massenbildung gesorgt hat, als alle Millionen für die VHS in den letzten 50 Jahren?
- dazu ist es aber wiederum notwendig, hierarchien flexibler zu gestalten. nicht wie general motors, sondern eher in der art, wie software-teams an projekten arbeiten: koordination durch kompetenz – und die ist immer zeit- und situationsabhängig.
Das waren jetzt nur ein paar brainstorming-ideen, aber ich wollte mal bißchen aufzeigen wohin die reise gehen könnte.
ihr scheint alle schon zu lange in der mühle zu trotten um euch noch was anderes vorstellen zu können außer bißchen an der hierarchie rumzufummeln – ganz zu schweigen gar für was anderes als den mittelbau, in dem ihr steckt, kämpfen zu wollen. wobei ein teil sich denken dürfte, man hätte ja mittlerweile selbst schon einigen vorsprung gutgemacht und mittlerweile selbst was zu verlieren wenn man nicht irgendwann endlich selbst an die fleischtöpfe käme – diese bruch hört man ja aus der diskussion oben gut heraus.
immer dran denken: wir sind die digital natives, also die erste generation, bei denen die jungen den alten in organisation und vernetzungspotential weit voraus sind …
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