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peer-reviewed journals – eine Forderung nach double blind-reviewing

Kommentar: 1

Wenn auch der Begriff der Erkenntnis nicht unumstritten ist, so hoffen doch die Wissenschaftler mit ihrer Forschung zu einem faktenbasierten Verständnis unserer Welt beitragen zu können. Damit sollte die Wissenschaft eine trockene und nüchterne Angelegenheit sein – ein angestrebter aber nicht realisierbarer Anspruch, denn sie wird vom Menschen betrieben. Und so ist die noble Wissenschaft längst von einer großen Gefahr bedroht: Politik-assoziierte Faktoren wie Egozentrik, Lobbyismus und Kapitalabhängigkeit stehen dem ideellen Streben nach Wissen diametral gegenüber und führen die elementarsten Werte der Wissenschaft ad absurdum. Da wir offensichtlich das Wesen des Menschen nicht ändern können, müssen wir Strukturen schaffen um die Qualität der Wissenschaft zu wahren.

Das Phänomen der Politisierung der Wissenschaft ist so komplex wie seine vielzähligen Ursachen. Klar ist spätestens seit Adam und Eva, dass nicht jeder vor Gott gleich ist – und auch vor den Editoren und Reviewern diverser Journals scheint Mensch nicht gleich Mensch zu sein, denn Daten werden nicht allein nach ihrer Qualität sondern nach ihrer Herkunft bewertet. Kurz gesagt, nicht jeder kann mit den gleichen Daten gleich gut publizieren. Dies führt unter anderem dazu, dass die Urväter und Big Shots eines Forschungsgebietes oftmals einen Vertrauensvorschuss genießen, der dem wissenschaftlichen Anspruch nicht gerecht wird. In Ausnahmefällen wird allein einzelnen Ikonen die Fähigkeit zugesprochen ein besonders raffiniertes Assay erfolgreich zu beherrschen während unbekanntere Kollegen ein solches kompliziertes Assay nicht publizieren können. Darunter leiden nicht nur die Nachwuchswissenschaftler, welche noch lange nach Etablierung ihrer eigenen Gruppe auf das Wohlwollen ihres Großmeisters angewiesen sind, sondern die ganze Wissenschaftsgemeinschaft da letztendlich nicht mehr der Erkentnissgewinn im Mittelpunkt steht, sondern das Ego.

Neben dem Schutz der Wissenschaftlichkeit bietet der hier vorgeschlagene “peer to peer/double blind” Ansatz insbesonders in den Schützengräben stark umkämpfter Genres einen (wenn auch unzureichenden) Schutz vor potentiellen Folgen eines Interessenkonfliktes. Zwar können Kontrahenten beim Reviewing Process weiterhin Einsicht in die neuste Entwicklung bekommen, diese aber zumindest nicht einer bestimmten Arbeitsgruppe zuordnen. Somit kann eine Neuausrichtungen einer konkurrierenden Gruppe aufgrund immanenter Befunde nicht vor der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse zugeordnet werden.

Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass weibliche Wissenschaftler durch Bekanntgabe ihres Geschlechtes statistisch weniger erfolgreich publizieren (Budden et al, 2007; Double-blind review favours increased representations of female authors). Während sowohl Autoren als auch Reviewer double blind reviewing als einen wünschenswerten weil objektiveren Prozess empfinden (Regehr et al, Journal peer review to blind or not to blind? What authors and reviewers prefer), scheinen die Editoren etablierter Journals wie Nature wenig Interesse zu zeigen, das derzeitige System umzustellen. Die Begründung der Editoren lautet, dass die (einseitige) Kenntniss des Autornamens dem Reviewer hilft, die richtigen Fragen zu stellen. Darüber hinaus folgern sie, dass es somit leichter wird das Manuskript mit vorherigen Publikationen des Autors zu vergleichen und festzustellen ob der Fortschritt publikationswürdig ist. Was ich daraus folgere ist, dass der Bias durch genau diese Argumente belegt wird und dass ein Wissenschaftsjournal ein kommerzielles Unternehmen ist, welches entsprechend wenig Interesse hat kostengünstige Strukturen zu ändern wenn kein Druck ausgeübt wird.

Kommentare (1)

  • 05.06.2008 um 19:16 Uhr von Julia Spies

    Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften sind double-blind-review-Verfahren ein absoluter Muss. Sowohl für Journals als auch für Wissenschaftler. Nur durch solche Publikationen kann Qualität nachgewiesen werden. Und auch nur solche Publikationen zählen bei Stellenbesetzungen. Vermutlich verstehe ich zu wenig von den Naturwissenschaften, aber die Argumente der Journals gegen ein solches Verfahren erscheinen mir wenig stichhaltig. Reicht die Kenntnis des Fachgebiets nicht aus die richtigen Fragen zu stellen? Oder zu beurteilen, ob der innovative Gehalt eines Artikeln diesen publikationswürdig macht?

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