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Promovieren mit Kind

Promovierendenmitbestimmung

Kommentar: 1

Aus aktuellem Anlass schreiben wir heute zu einem etwas anders geartetem Thema als bisher (ein klein wenig hat es aber auch mit “Promovieren mit Kind” zu tun). Vor einigen Tagen fand an unserer Universität die erste Promovierendenvollversammlung mit der Wahl eines Promovierendenrats statt. Der Rat wird die Interessen der Promovierenden unter anderem gegenüber der Hochschulleitung vertreten. Er versteht sich als Sprachrohr aller Doktorandinnen und Doktoranden unserer Hochschule. Wir beide haben während unserer bisherigen Doktorandenzeit hier an der Hochschule – schon vor der Schwangerschaft und der Geburt unserer Tochter – Zeit, Energie und Herzblut in die Vorbereitung der Vollversammlung und besonders der Wahl einer Promovierendenvertretung gesteckt. Es war ein langer Weg, bei dem es uns zwischenzeitlich so vorkam, als endete er doch noch in einer Sackgasse. Die vor uns liegenden Hürden schienen unüberwindbar hoch. Vor allem seitdem wir Eltern sind, mussten wir zumindest am Anfang die Prioritäten ganz klar festlegen. Da kamen dann Fragen auf wie: Warum machen wir das eigentlich?. Warum nehmen wir die wenige Freizeit, die junge Eltern ohne Familienanschluss haben, und stecken diese kostbare Zeit in etwas scheinbar Unerreichbares wie eine fest an der Universität installierte Promovierendenmitbestimmung?

Unter anderem, weil uns immer wieder Missstände an der Hochschule bzw. am System auffielen. Wir hatten außerhalb des Lehrstuhls keinen Ansprechpartner, der für uns eingetreten ist, wenn wir Probleme hatten. Der StuRa fühlte sich nicht zuständig, obwohl viele Doktoranden als Studierende eingeschrieben sind und damit offiziell vom StuRA vertreten werden. Für Promovierende mit Arbeitsvertrag ist zudem der Personalrat Ansprechpartner und kann manchmal weiterhelfen. Aber in Belangen wie der Suche nach der Finanzierung der Promotion, Fragen und Problemen zur Krankenversicherung wenn man sich durch ein Stipendium finanziert oder wie man sich einen Arbeitsplatz organisiert, konnte auch der Personalrat nicht helfen. Da brauchte es etwas Neues, was es bisher nicht gegeben hatte. Daher gründeten wir im Oktober 2008 zusammen mit einer Handvoll Promovierender die Freiberger Initiative der Promovierenden – kurz FIP. Nach längerer Anlaufzeit wurde aus ihr nun der Freiberger Promovierendenrat. Er setzt sich zusammen aus Doktoranden, die Erfahrung haben und so mit Rat und Tat weiterhelfen können. Aber natürlich wollen wir noch viel mehr leisten als nur Hilfe zur Selbsthilfe. Wir wollen uns hochschulpolitisch einbringen und die Situation von Promovierenden verbessern. Wir denken, die Zeit ist reif dafür, dass diejenigen, die den Hauptforschungsanteil an den Universitäten stemmen, nicht mehr „ausgebeutet“ werden (z.B.: halbe Stelle mit halber Bezahlung, aber verlangt wird volle Arbeitszeit). Es wird alles seine Zeit brauchen aber vielleicht kommen wir irgendwann zu besseren Verhältnissen, wie sie z.B. in Schweden für Doktoranden existieren (mehr dazu in einem späteren Blog-Beitrag).

Von dem Promovierendenrat als Institution versprechen wir uns zunächst eine bessere Sichtbarkeit und Wahrnehmung von Belangen der Promovierenden. Der Rat ist in Zukunft für die Hochschulleitung und das hiesige Graduiertenzentrum GraFA ein Ansprechpartner, wenn es um Angelegenheiten geht, die Promovierende betreffen. Als zum Beispiel die GraFA 2008 von der TU Bergakademie Freiberg gegründet wurde, ist keiner auf die Idee gekommen, Promovierende nach ihrer Meinung zu fragen. Promovierendenmitbestimmung in den Gremien der GraFA war ebenfalls kein Thema. Man hat einfach drauflosgeplant und die GraFA erstmal als großes Weiterbildungsinstitut konzipiert. Das ist auch nicht verkehrt, wir als Promovierende können so etwas wie z.B. didaktische Weiterbildung gebrauchen. Noch dringender benötigen die meisten von uns aber individuelle Unterstützung. Mit der Wahl des Promovierendenrates wird es einen Ansprechpartner für Doktoranden geben, der viele Kompetenzen in sich vereint. Dieser Rat will weiterhelfen, vermitteln und hofft, auch Dinge langfristig verändern zu können, damit sich die Situation von Promovierenden hier an der Hochschule verbessert. Wer keine Fürsprecher hat, ist im Zweifel „auf Gedeih und Verderb“ seinem Betreuer, der meist auch noch der direkte Vorgesetzte ist, ausgeliefert. Da wollen wir ein zusätzlicher Ansprechpartner sein, der auch Aufklärungsarbeit leisten kann, damit Promovierende ihre Rechte, aber auch ihre Pflichten kennen.

Kommentare (1)

  • 15.02.2012 um 15:06 Uhr von Raphael

    Gute Sache. Hier bei uns haben wir ein ähnliches Problem. Doktoranden auf Mitarbeiterstellen sind zwar in den “normalen” Gremien vertreten, aber die wachsende Anzahl an Promotionsstudenten kommt nirgends so recht unter.

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Über den Autor

Wenke Wilhelms hat nach dem Studium im Rahmen ihrer Promotion mit der Entwicklung eines Inversionsprogramms zur Auswertung magnetotellurischer Messdaten an der TU Bergakademie Freiberg begonnen. Alexander Egeling ist am Lehrstuhl für Forschungs- und Entwicklungsmanagement der TU Bergakademie Freiberg angestellt. Dort promoviert er zum Thema Institutionen der Entlohnungssetzung.