Warum protestieren die Studenten in Deutschland? Als deutscher Wissenschaftsflüchtling auf der Insel und ehemaliger Student (für 4 Semester) an der Uni Hamburg erschien mir die Umstellung auf BA und MA enorm vernünftig zu sein (zumindest in den Sozialwissenschaften), doch jetzt scheint mir als sei an deutschen Unis doch einiges falsch gelaufen. Ich freue mich auf Kommentare, aber meine These ist, dass viele Unis anstatt eines BA einfach ein auf 3-Jahre geschrumpftes Diplom konzipiert haben, weil niemand seinem Kollegen auf die Füsse treten wollte: ”Deine Veranstaltung brauchen wir nicht mehr, aber Du könntest doch bitte etwas anderes unterrichten!” Anstatt neu zu konzipieren und Prioritäten zu setzten, haben die Professoren nur umetikettiert und ins drei Jahres-Konzept gepresst. Und dafür soll man bezahlen? Ausnahmsweise scheint mir die Wissenschaftpolitik nicht schuld zu sein, die Unis selbst sind es.
Als Hintergrund: Der BA degree in European Studies umfasst bei uns 4 Jahre – mit einem Jahr im Ausland, etwa in Berlin, Barcelona oder Paris, also auch in UK sind nicht alle BAs 3 lang und Auslandsstudium ist möglich und integriert. Studenten haben durchschnittlich etwa 8 Semesterwochenstunden, also 4 Veranstaltungen zu belegen, die meist mit Essays und/oder Prüfungen bewertet werden. Etwa 20 Studenten pro Kurs und jeder Student hat einen Professoren als persönlichen Tutor für alle Fragen, die das Studium betreffen. Die Gebühren betragen 3225 Pfund, also etwa 3600 Euro, ein Studienkredit sorgt dafür, dass erst nach Ende des Studium gezahlt werden muss. Die Gebührend sind nicht kostendeckend, im Gegensatz zum Postgraduate Studium. Wer neben seinem Studium sehr viel arbeiten muss, macht einfach ein Teilzeitstudium mit reduzierter Studendenzahl und Abendveranstaltungen bei Spezialanbietern wie Birkbeck College oder als Fernstudium bei der Open University.
Ich würde mich sehr über Einschätzungen der Lage, Kommentare und mögliche Reformoptionen freuen.


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Kommentare (28)
Nach meiner Einschätzung zeigen sich bei der BA/MA-Umstellung diverse Phänomene in verschärfter Form, die das deutsche Hochschulsystem seit langer Zeit behindern.
Dazu zählen das sympathisch mit dem Zitat umschriebene Konzept “Kritik unter Kollegen gehört sich nicht!” ebenso wie ein – verständlicherweise – nicht besonder ausgeprägter Reformwille, nebst “im Durchschnitt” moderat ausgeprägter Kompetenz zur “professionellen” Gestaltung von Bildungsangeboten. Ein großer Fehler der Wissenschaftspolitik lag darin, keine “Aufklärungskampagne” gestartet zu haben, im Verlauf derer “den Hochschulen” – präziser: Den Professorinnen und Professoren glaubhaft vermittelt wird, wozu Bologna eigentlich dienen soll. So kursieren die abenteuerlichsten Spekulationen darüber, wo das Ganze eigentlich hinführen soll, und viele halten es für eine bürokratische Pflichtübung, die nach Möglichkeit ohne Veränderung des Inhalts zu absolvieren sei.
Daher: Hut ab vor den Studierenden, die jetzt protestieren. Möge die aktuelle Protestwelle ein Anlass sein, um nochmal die hinter der Reform stehenden Ziele zu verdeutlichen und diejenigen Professorinnen und Professoren zu bestärken, die den Mut haben, kreative Ideen einzubringen. Im Moment fängt Kreativität bereits bei der Idee an, dass ein Bachelor doch nicht zwangsläufig 6 Semester dauern muss, dass nicht jedes Modul durch eine Klausur abgeschlossen werden muss, und dass die Kunst nicht schon darin in Ende findet, vormals durch Rahmenprüfungsordnungen festgelegte Studienprogramme nun mit denselben Inhalten in BA/MA-Struktur zu verpacken.
Es gibt aber auch unzählige Positivbeispiele – diese gehören gelobt, gepriesen und gefördert. “Bologna II” ist ein hervorragendes Stichwort, um im zweiten Anlauf Versäumnisse nachzuholen.
BA/MA = tolle Idee, furchtbare Umsetzung. Jedenfalls was so die Studenten berichten. Wenn man den BAlern im Hörsaal zuhört, staunt man schon, was da an Bürokratie anfällt. Dafür können die Profs dann aber auch wieder nichts. Wenn es die Uni-Leitung nicht hinbekommt ein vernüftiges elektronisches Creditsystem zu schaffen und alles schön traditionell über Prüfungsämter läuft … naja
Fehler dürfen auch nicht mehr sein. Wechseln im Semester weil das Seminar furchtbar ist, schlecht gemacht oder der Dozent einfach nicht kompetent? Geht kaum.
Unsere Uni hat bereits die BA/MA Studiengänge erneut umgebaut. So langsam scheint es zu klappen. Man kann aber nur hoffen, dass die Studenten der letzten Semester/Jahre dabei nicht unter die Räder geraten sind.
[...] Studentenproteste oder was lief beim Bachelor falsch? [...]
Fachhochschulen und Unis werden zu geldgierigen, imagesüchtigen, von wirtschaftlichen Interessen gebeutelten Profitorganisationen. Die Quantität steht im Vordergrund, Qualität ist sekundär. Es werden massenhaft Module aus dem Nichts kreiert, welche im Inhalt massiv zu wünschen übrig lassen, unerfahrene, günstigere Dozenten (meist nicht mal Profs oder Dr) werden angestellt, welche keinen blasen Schimmer der jeweiligen Schule haben. Die Schulen befinden sich im Konkurrenzkampf und anscheinend sind ihnen da alle Mittel recht, wie zum Beispiel die Kreation neuer Masterstudiengänge. Hauptsache, die eigene Hochschule bietet auch noch einen konsekutiven oder was auch immer- Master an. Es ist schon längst an der Zeit dagegen anzukämpfen.
Das Problem ist doch, dass die Idee, Studierenden mehr Betreeung und mehr studienbegleitende Prüfungen (und damit studienbegleitendes Feedback über den Stand Ihrer Kenntnisse) zu ermöglichen, eine sehr gute Idee ist, die Annahme aber, dies ohne eine Erhöhung des Lehrpersonals auch nur annähernd sinnvoll umsetzen zu können, einfach aberwitzig ist. Wenn es mehr Lehrende gäbe und deren Lehrbelastung verringert würde (sowie eigene Stellen für die Studierendenadministration geschaffen würden), würden sich meiner Meinung nach viele der beklagten Probleme von selbst lösen.
Ich glaube, dass nur die Übernahme von anderen Systemen (BA/MA) nichts bringt. Da fehlt die Auseinandesetzung mit den wirklichen Problemen der betroffenen (sowohl Studenten als auch Lehrenden). Die Frage ist doch, was die Studenten auf der Hochschule lernen sollen/wollen/müssen.
Hochschulen sind Dienstleister aber auch Richtungsweiser für die Studenten. Dazu nehmen sie auch eine Schlüsselposition bei der zukünftigen Konkurrenzfähigkeit unseres Landes ein (das zu leugnen halte ich für wirkliche Blindheit). Es gibt aber keinen “richtigen” und “wahrhaftigen” Kardinalsweg (so wie es ja über das angebliche “Humbotsche Ideal” oft zu lesen ist). Jede Hochschule wird über kurz oder lang überlegen müssen, wie sie all diesen Anforderungen gerecht wird und jede wird eigene Lösungen finden (oder auch nicht). Und ganz klar wird es große Unterschiede geben, die einigen Hochschulen vielleicht sogar das Aus bringen wird.
Ich denke, dass wir nun genau da sind wo man sein muss um die Zukunft gestalten zu können. Es geht nicht um Bolongna oder BA/MA oder Ministerien gegen Hochschulleitungen oder Professoren gegen Studenten. Es geht um Zukunft. Der Streik kann uns näher zu einer guten Zukunft führen, vielleicht auch nicht. Aber soche Auseinandersetzungen müssen geführt werden um was zu bewegen. Ich bin schon gespannt wie die Hochschullandschaft in 5 Jahren ausieht. Bis dahin allet Jute
Die Bologna-Reform ist ein klassicher Etikettenschwindel. Alles soll besser werden, darf aber nicht mehr kosten. Was ist so falsch an einem längeren Studium? Wer sich im tieferen Sinne des Wortes “bilden” will, der wird die Zeit gut zu nutzen wissen. Machen wir uns doch nichts vor: Die BA-Studiengänge sollen in erster Linie Masse und keineswegs Klasse produzieren, weil die Bildungspolitik meint, Klasse könne man nur mit irrwitzig ökonomisierten “Exzellenz”-Initiativen erreichen! Diese hungern aber unsere Universitäten in der Breite aus und zerstören – wie die personalintensiven Ba-Studiengänge – die Vielfalt unserer wissenschaftlichen Landschaft, weil das Geld immer weniger fließt und gerade kleinere Institute nicht mehr in der Lage sind, für die neuen Studiengänge das notwendige Personal aufzubringen.
Die Fehler der Bologna-Reform quasi pauschal einer angeblich renitenten Professorenschaft anzulasten, wie das manche tun, ist deshalb unangebracht.
Diplomstudiengänge an Universitäten in z.B. Physik, Mathematik oder Elektrotechnik (ich rede mal über das, was ich kenne, und wovon ich glaube, eine Ahnung zu haben) waren bereits hoch strukturiert, haben ein solides Grundlagenwissen vermittelt und haben auch genügend Flexibilität gelassen, was persönliche Studiengestaltung, -dauer oder die Möglichkeit für einen Auslandsaufenthalt angeht.
Die beste Umsetzung von “Bologna” wäre gewesen, mit jedem Diplom ein zweites Zeugnis auszuhändigen, das besagt, dass dieses Diplom einen Master einschließt (die Qualität war im internationalen Vergleich eher höher als die eines Masters). Das wäre dann der Standard-Abschluss für ein wissenschaftliches Studium gewesen. Und diese “theoretisch” ausgebildeten Absolventen wurden auch in der Industrie gerne genommen!
Die praxisnähere Ausbildung in den entsprechenden Fächern hatten wir auch bereits – der Abschluss hieß FH-Diplom und brauchte auch international den Vergleich mit einem Bachelor nicht zu scheuen. Also auch hier flugs ein zweites Zeugnis ausgestellt, und wir haben viele gute und zufriedene Master- und Bachelor-Absolventen.
Es hätte so schön sein können. Das unwürdige Schauspiel, das wir jetzt beobachten dürfen, wo sich Unis mit dubiosen Bachelor-Studiengängen in Konkurrenz zu den Fachhochschulen begeben und das nur, damit die Akademikerquote erhöht wird (reiner Etiketten-Schwindel), ist Mist! Und verbockt haben den sicher nicht die Fachbereiche sondern die Politik.
Ach ja, auch ich verstehe die Studenten, die gegen Bologna-”Reform” und Studiengebühren protestieren – nur mit dem Blogeintrag kann ich mich gar nicht identifizieren.
Ich stimme allen zu, die anprangern, dass bei der BA Umstellung nicht alles optimal lief und das die Belastungen der Studierenden keine Freiheiten mehr für die Verfolgung breitere Interessen und neuer Ideen zulassen.
Allerdings beim Auslandsstudium muss man anmerken, dass dies nicht nur zum sammeln von Punkten, sondern vor allem vielfältiger Erfahrungen da ist. Wenn man dann 1 oder 2 Semester in Deutschland länger studieren muss, sei es drum, die Erfahrungen sind doch deutlich mehr wert, als die Regelstudienzeit – und immerhin werden nun einige Kurse aus dem Ausland anerkannt. Während in den Diplom- oder Magisterstudiengängen es meist gar keine waren!
Außerdem muss ich hier eine Sache noch hinzufügen, dieses vollgepackte BA-Studium haben auch ein wenig die Studierenden selbst zu verantworten. Die Diskussionen seinerzeit um schlecht qualifizierte Absolventen, nur ein halbes Studium etc. waren massiv. Umso wichtiger erschien es vielen Universitäten, die Programme so zu gestalten, dass es eben nicht die Hälfte ist, sondern dass möglichst viel in den 3 Jahren vermittelt werden kann.
Wie wir gesehen haben, sind dabei wohl alle erstmal über das Ziel hinausgeschossen. Aber auch das war wohl Lehrgeld, was alle zahlen mussten (die Arbeitsbelastung ist sowohl für Studierende, als auch die Dozenten angestiegen!).
So lange man sich diese Fehler eingestehen kann und die Freiheit behält das Ganze zu optimieren (trotz Akkreditierungskorsett), haben wenigstens die kommenden Studiensemester etwas davon.
Damit ist noch nicht das Betreuungsproblem gelöst, aber da helfen hoffentlich die aktuellen Proteste ein wenig
Das Problem beim BA/MA ist doch das wieder einmal ein anglo-amerikanisches System völlig sinn- und gedankenlos im kontinental-europäischen Bildungsraum durchgeboxt werden soll. Frei nach dem Motto: Wenn es aus den USA kommt dann muss es ja auch ganz toll sein. Dement-sprechend ignoriert man alle bestehenden Bildungsstrukturen- vor allen Dingen auch solche, die sich als durchaus tauglich erwiesen haben wie z.B. die praxisnahe betriebliche Berufsausbildung zum Gesellen oder Meister, die es in dieser Form weder in den USA noch in UK gibt. Fach- übergreifend kann festgestellt werden das zur Zeit kaum jemand eine annäherende Vorstellung vom Berufsbild und den künftigen Aufgaben eines Bachelors hat und vor allen Dingen wie dieser Abschluss im Verhältnis zu bestehenden, anerkannten Berufsausbildungen stehen! Entsprechend stürzen sich nahezu alle Bachelorabsolventen auf die spärlichen Masterstudienplätze um nich als völlige Bildungverlierer dazustehen! Anstelle einer tatsächlichen Reform der Inhalte wird ein völlig absurder Etikettenschwindel betrieben. Um vom Land oder Bund noch ein bisschen Geld zu kassieren werden da schon mal in der Kaffepause schnell mal Diplomstudiengänge in Bachelor/ Masterstudiengänge umgewidmet.
Das einst auch im europäischen Ausland angesehene System aus praxisnaher Ausbildung an Fachhochschulen und forschungsorientiertem Studium an Universitäten wird derart verwässert – aus Fachhochschulen werden >> Universities of Applied Sciences << so dass am Ende weder Absolventen wissen was ihr Abschluss eigentlich wert ist noch Arbeitgeber wissen wen sie da nun vor sich haben! Sicher ist nur eins. Die ursprünglich anvisierten Ziele – wie Vergleichbarkeit von Abschlüssen, Modularsierung von Ausbildungsgängen, Steigerung der Mobilität/Internationalisierung wurden auf ganzer Breite verfehlt! Für diesen Murks auch noch Studiengebühren zu verlangen ist eine absolute Frechheit! In diesem Sinne heißt für unsere lieben Bildungspolitiker und alle weiteren Verantwortlichen: SETZEN SECHS!
Das Problem ist nicht der Bachelor und Master, das Problem ist der Geldmangel und das mangelnde Interesse an der Umsetzung des Bachelors. Aber auch ein Mangel an Dialog mit den Studierenden.
Meine Erfahrung ist, wenn man die Umstellung als Chance gesehen hat, neue Konzepte zu entwickeln, wurde der Bachelor auch gut in der Umsetzung. Häufig war es aber mehr eine Pflichtübung und total schlecht koordiniert.
Generell kann man aber sagen,dass wenn es vor der Reform schon durch die Dächer reinregnete, die Hörsäle überfüllt waren und es an Fachliteratur mangelte, dann haben sich die Probleme durch den Bachelor verschlimmert, da das Konzept Bachelor viel mehr Betreuung und kleinere Gruppen vorsieht. Das Geld für diese ist aber meistens nicht vorhanden. Viel Stoff in 3 Jahren kann man nur unter guten Bedingungen lernen, nicht wenn man sich erst einen Platz auf dem Fußboden des Hörsaals erkämpfen muss.
An die Finanzierung des Studiums hat auch keiner Gedacht. In den letzten Jahren gingen die Lebenshaltungskosten nach oben, kamen die Studiengebühren, die Anwesenheitspflicht aber man darf trotzdem nur 400€ verdienen bis man Steuern zahlen muss. Wie soll das gehen? In den Niederlanden ist die finanzielle Lage der niederländischen Studierenden viel besser, obwohl es Studiengebühren gibt, weil man den Anspruch auf Wohngeld, Krankenversicherungszuschuss und ein umfassende Studienfinanzierung hat. Und dort wartet man nicht ein halbes Jahr auf sein Geld.
In Deutschland hingegen ignoriert man die finanzielle Lage der Studenten. Teilzeitstudium und Stipendien werden viel zu wenig angeboten.
Als Lecturer in Grossbritannien, sehe ich mit Erstaunen, was den Studenten hier geboten wird, mit was sie gefuettert werden, aber auch, wie wenig sie wissen, wenn sie fertig sind. Zumindest in meinem biomedizinischen Institut. Meine Ausbildung in Deutschland war da ganz anders: gruendlich, in verschiedene Richtungen ausgelegt und laenger dauernd. Laenger gedauert hat es vor allem, weil es am Anfang meines Studiums kaum Plaetze fuer viel zu viele Studenten gab. Und besonders viel Mut zum Studium der Biologie wurde uns damals auch nicht gemacht. Wir Studis waren eine anonyme Masse, die vor allem im Grundstudium kaum ein Professor mit Namen kannte.
Hier ist das anders, unser Kurs hat maximal 40 Studenten in einem Jahr, da kennt man bald alle Studenten der drei Jahre mit Namen. Sehr persoenlich, sehr hilfreich fuer die Studenten. Aber die Studenten wissen nicht mehr. Sie wissen weniger. Viel weniger. Und – es ist tatsaechlich mehr ein Unternehmensgedanke der Qualitaetskontrolle, der hier eine tragende Rolle bei der Lehre spielt.
Man muss sich halt fragen, was man von zukuenftigen Wissenschaftlern erwartet? Breiten Wissenschatz, oder fokussiertes Wissen in einem kleinen Bereich? In drei Jahren kann man auch nur entsprechend viel vermitteln!
Vielen Dank für alle Kommentare bisher. Eine Verständnisfrage: Wieviele Wochenstunden hat eigentlich ein BA-Student in Deuschland? Vermutlich gibt es große Unterschiede zwischen Fächern als auch Unis?
Ich habe eben meinen Bachelor of Arts gemacht und studiere nun Master Germanistik im ersten Semester. Ich kann nicht nur viele der Forderungen des Bildungsstreiks nicht verstehen (um deine Frage zu beantworten: ich hatte nie mehr als 12-14 Wochenstunden)…nein, mich machen viele Parolen, viele Forderungen regelrecht wütend.
In Ergänzung zu manchem, was oben bereits zu lesen ist:
- Es ist völlig klar und absehbar, wohin die Umstellung auf die angelsächsischen Studiengänge samt Einführung von Studiengebühren in Deutschland führen wird:
– Weniger Absolventen.
– Geringere Qualifikation der Absolventen.
– Weniger Forschungsleistungen der an den Unis tätigen WissenschaftlerInnen.
– Ein Auseinanderfallen von Lehre und Forschung.
– Geringere Flexibilität beim Wechseln der Universitäten.
Die sehr komplexen Ursachen sind auf wenige Begriffe reduziert wie folgt festzumachen:
– Reduzierung der Absolventenzahl: Einerseits die durch Studiengebühren aufgerichtete soziale Barriere – die in psychologischer Hinsicht vielleicht noch “wirksamer” ist als in monetärer. Außerdem die Reduzierung der Möglichkeit des Hinzuverdienstes durch “Jobben”, da die BA/MA-Studiengänge schlicht arbeitsintensiver sind und außerdem in vielen Studiengängen auch mehr Praktika inkludieren, die ihrerseits oft in den Semesterferien abzuleisten sind.
Andererseits die simple Tatsache, dass die angelsächsischen Studiengänge einen höheren Aufwand an Betreuung erforderlich machen, gleichzeitig von einer Aufstockung des wissenschaftlichen Personals an den Universitäten im Ernst keine Rede sein kann – eher im Gegenteil. Die Folge: Die Universitäten sind genötigt, die Anzahl der Studierenden auf eine mit ihrem Personal kompatible Größe “herunter zu prüfen”. Wozu intern von Seiten der Ministerialbürokratie auch ganz ungeniert geraten wird (jedenfalls in dem Bundesland, in dem ich die Verhältnisse aus meiner eigenen Berufstätigkeit kenne).
– Geringere Qualifikation: In drei Jahren kann man nicht soviel lernen wie in fünf. Genauso wie man in zwölf Jahren Gymnasium eben nicht denselben “Stoff” aufnehmen kann wie in dreizehn. Punktum. Alles andere ist Augenwischerei. Der Bachelor ist auf dem deutschen Arbeitsmarkt außerdem kein für einen Beruf qualifizierender Abschluss. Das weiß im Grunde jeder. Es ist faktisch nur ein Grundstudium, was man da absolviert. Außerdem: Schon wegen der begrenzten personellen Kapazitäten der Unis in Verbindung mit dem erhöhten Betreuungsaufwand (siehe oben) werden bei weitem nicht alle BA-Absolventen in die Master-Studiengänge aufgenommen werden können. In der Folge werden wir noch mehr Taxifahrer mit Universitätsabschluss haben, aber immer weniger akademisch wirklich qualifizierte Absolventen für den entsprechenden Arbeitsmarkt. Mit allen Folgen für unsere Volkswirtschaft.
– Weniger Forschungsleistungen der an den Unis tätigen WissenschaftlerInnen: Siehe oben unter Betreuungsaufwand. Im Übrigen: Schon heute wird bei Stellenausschreibungen aus dem angelsächsischen Raum in immer größerem Umfang der Lektor (”Lecturer”) importiert, der aufgrund seiner Lehrveranstaltungsbelastung eigentlich gar nicht mehr zur Forschung kommen soll. Was nicht nur eine erhebliche Reduktion des wissenschaftlichen Outputs zur Folge hat, sondern viele WissenschaftlerInnen auch auf ein berufliches Abstellgleis schiebt: Bei Bewerbungen zählt vor allem die Publikationsliste.
– Auseinanderfallen von Forschung und Lehre: Die traditionellen Studiengänge waren darauf ausgerichtet, den Dozenten die Möglichkeit zu eröffnen, aus ihrer Forschung heraus Lehrveranstaltungen anzubieten und so den Studierenden die Möglichkeit zu eröffnen, wenigstens einmal in ihrem Leben Wissenschaft gleichsam aus erster Hand kennen zu lernen, ja, im Idealfall womöglich selbst aktiv an ihr zu partizipieren – sich also neben dem “Pflichtprogramm” der Prüfungsordnung freiwillig Studienschwerpunkte zu bilden, die über die reine Rezeption von zu vermittelndem “Stoff” hinausgingen.
In den modularisierten, stark verschulten angelsächsischen Studiengängen ist hierzu nicht einmal theoretisch Platz. Am wenigsten im BA-Bereich. Hier müssen Module in einer durch die Prüfungsordnung vorgegebenen Reihenfolge abgearbeitet werden. Diese Module mit den zu den jeweiligen Modulbeschreibungen passenden Lehrveranstaltungen müssen von den Dozenten pflichtgemäß angeboten werden, damit der Studiengang stattfinden kann. Vom Lehrbeauftragten bis hinauf zum Professor stellt sich daher für die Dozenten nurmehr die Frage: Welche Lehrveranstaltungen werden im kommenden Semester gebraucht, um die anstehenden Module abarbeiten zu können? Was man als WissenschaftlerIn gerade so in seiner Forschung so tut, das interessiert bei der Zusammenstellung des Lehrveranstaltungsprogramms schlicht und einfach nicht mehr. Von der Sparte der Lektoren, die faktisch gar nicht mehr in der Forschung tätig sind (respektive sein können) einmal ganz abgesehen. Mit anderen Worten: In der Folge vermitteln auch die Dozenten immer mehr Wissen aus zweiter Hand, das sie sich selbst nur angelesen haben, mit dem sie originär jedoch nichts mehr zu tun haben. Wer Gegenteiliges behauptet hat einfach keine Ahnung von den heutigen internen universitären Betriebsabläufen. Nebenbei bemerkt: Wenn ein alteingesessener Ordinarius doch einmal auf sein verfassungsmäßiges Recht auf Freiheit der Lehre pocht und – gestützt auf die Arbeitsplatzsicherheit seines Berufsbeamtentums – eine Lehrveranstaltung anbietet, die zwar aus seiner Forschung geschöpft ist, aber in kein anzubietendes Modul passt und im Lehrveranstaltungsprogramm deshalb ganz am Ende unter “Sonstige” oder “Ergänzende Angebote” erscheint, dann läuft er mittlerweile erfahrungsgemäß Gefahr, vor leeren Bänken zu stehen. Weil die strenge Verschulung der modularen BA/MA-Studiengänge die neuen Studierenden-Generationen immer weniger auf die Idee kommen lässt, dass Wissenschaft eigentlich erst dort anfängt, wo das Abarbeiten der Prüfungsordnungen und das Lernen für die nächste Modulprüfung aufhört. Siehe das Elaborat von “Nika” in diesem Blog.
Noch etwas: Es ist inzwischen leider eine traurige Tatsache geworden, dass manche gute Gymnasien in ihrer Oberstufe ein höheres akademisches Niveau besitzen als mancher Universitäts-Studiengang.
– Geringere Flexibilität beim Wechseln der Universitäten: Jede Universität muss schlussendlich mit dem Personal und seinen spezifischen Qualifikationen auskommen, das es nun einmal hat. Jede Universität hat sich deshalb eigene Module und damit eigene modulare Studienstrukturen zurecht geschneidert, die in der Folge nur bedingt kompatibel sind. Da die Vorgabe der politischen Führung natürlich eine genau entgegen gesetzte ist, mussten zwar überall komplizierte, langatmige Paragrafen in den Prüfungsordnungen erdacht werden, die dieser Vorgabe zumindest formaljuristisch Rechnung tragen. In der Praxis weiß aber jeder, dass ein Wechsel innerhalb des BA oder innerhalb des MA nur bedingt möglich ist. Was geschaffen wurde, um leichter von Stockholm nach Palermo, von Riga nach Lissabon wechseln zu können, erschwert es in der Praxis, von Hildesheim nach Hannover, von Stuttgart nach Hohenheim zu wechseln.
Fazit: Man kann nicht Lehre und Forschung wie in Harvard und Oxbridge anbieten, wenn die Rahmenbedingungen und die Strukturen nicht die sind wie in Harvard und Oxbridge.
Ob die von der KMK mittlerweile angestoßene Reform der Reform Abhilfe bringen wird? Man gestatte mir, nach den Erfahrungen mit der deutschen Politik skeptisch zu sein. Wie bei der Gesundheitsreform und der Rechtschreibreform und so manch anderer Reform wird jede neue Landtagsmehrheit ein neues System einführen wollen, bevor auch nur die letzte Reform vollständig implementiert wurde. Am Ende sind dann nur zwei Dinge klar: Es wird für den Steuerzahler teuer. Sehr teuer. Und es funktioniert nicht.
Ansonsten werden wir auf dem Arbeitsmarkt in Zukunft Jahr für Jahr weniger qualifizierte Arbeitskräfte haben. C´est tout.
Ich bin nach 6 Semestern B.A. in einen Diplomstudiengang geflüchtet. In meinem SoWi-B.A. war die Belastung mit 6-10 Seminaren/VL o.ä. in der Woche plus den zu erbringenden Leistungsnachweisen (Thesenpapiere, Protokolle, Essays, Referate, Klausuren, Hausarbeiten) in jeder Veranstaltung hoch. Regelmäßiges Jobben war nicht möglich/nicht erwünscht. Für den Arbeitsmarkterfolg verhängnisvoll: Eine Schwerpunktsetzung im B.A. war nicht möglich, es mussten verbindlich standardisierte Veranstaltungen aller Studienbereiche besucht werden. B.A.-Absolventen strömen also alle mit der exakt gleichen Grundausbildung auf den angespannten Arbeitsmarkt. Außer einem sechswöchigen Praktikum, das wegen der zeitlichen Belastung kaum zu stemmen war, gab es keine Praxisanbindung. Meine Vertiefung habe ich in meinem Diplom-Studiengang erreicht, studienbegleitende Tätigkeiten 10-15 Stunden in der Woche waren hier kein Problem. Fazit: B.A./Master braucht kein Mensch.
Es wird doch auch Unis geben, die einen vernünftigen BA gestaltet haben (wie sieht es etwa in Konstanz oder an der Jacobs Uni Bremen in Bremen aus?) Was ist vernünftig? Nicht zuviele Semesterwochenstunden (etwa 10), eine gute Mischung aus Pflichtkursen und Wahlkursen zur Spezialisierung (nicht mehr als 50/50 Pflicht), inklusive der Möglichkeit im letzten Jahr eine kleine Forschungsarbeit zu schreiben oder auch vier Jahres BA mit integriertem Auslandsstudium. BA geht auch anders als gymnasiale Oberstufe Reloaded.
Ich bin nicht davon überzeugt, dass so eine vernünftige Struktur notwendigerweise am mangelden Geld scheitert wie einige Kommentare nahelegen. Es scheint mir doch zum großen Teil an den Beharrungskräften an den jeweiligen Unis zu liegen. Aber es stimmt natürlich, dass es gegenwärtig wenige finanzielle Anreize für Unis gibt gute Lehre zu machen und die besten Studenten anzuziehen.
Ich als Bachelor Absolvent habe folgendes festegestellt. Der Bachelor war sehr verschult, es blieb kaum Zeit zum arbeiten oder für ein Praktikum.
Der Stoff wurde zu schnell gelehrt bzw. abgefragt mit der Folge das ich das meiste nach der Prüfung(2-3 Tage) wieder vergessen habe(es war auswendig lernen angesagt).
Dazu kam das ich kaum Schwerpunkte wählen konnte(nur 2 Fächer standen zur Auswahl), die wirkliche Spezialisierung gab es erst im Master.
Leider habe ich für den Master keine Zulassung erhalten weil ich nur die note 2,4 erreicht habe(da ich am Anfang des Studiums Probleme hatte und arbeiten musste) und somit keinen Platz erhalten habe. Andere Hochschulen haben mich abgelehnt da meine Studieninhalte(CP/ECTS) nicht passen(Leistungsumfang).
Jetzt habe ich einen Bachelor, der am Arbeitsmarkt nichts Wert ist und kriege keinen Masterplatz. Folge: 3 Jahre umsonst studiert(sog. Sackgasse Bachelor).
Der “run” auf die Masterplätze wird zunehmen, da der Bachelor am Arbeitsmarkt oft nicht ausreicht(leider gibt es nur für 37,5 % der Studenten einen solchen Platz).
Ich konnte 2 Monate kaum schlafen, der worst case ist eingetreten. Ich werde nun in Ausland gehen müssen, um mein Studium beenden zu können oder ich muss noch einmal von vorne studieren(natürlich kriege ich kein Bafög mehr). Den Bachelor empfinde ich als Zwangsexmatrikulation und solange dieser nicht berufsqualifizierend ist sollte man auch einen Master machen können.
Wir haben in Deutschland das System der dualen Berufsausbildung, Bachelor in dieser jetzigen Form, braucht hier kein Mensch…
Es wäre wünschenswert, wären die Studentenproteste des ausgehenden Jahres 2009 in Europa nicht Ausfluss eines vor 10 Jahren wiederholt ausgerufenen und aus heutiger Sicht abermals gescheiterten Reformation des Humboldtschen Prinzips, sondern ein sich aus freiem selbständigen Denken ergebender zwangsläufiger Schritt, einer vom Konsum noch nicht unterjochten, gar vom Streben nach Glück und Erkenntnis beseelten Generation von jungen Menschen, die nicht bereit sind, sich in einem Wertegefüge dort verorten zu lassen, wo sie von den Profiteuren des seit nunmehr seit über 60 Jahren degenerierenden Systems hinein gedrängt werden.
Während die intellektuelle Elite Deutschlands Wölckchen pafft oder sich, ohne linken Unterbau, längst vom System kassiert, auf den Bestsellerlisten zu übertrumpfen sucht, bleibt dem noch verbliebenen – oder doch neuem? – freien Denken an Universitäten und Hochschulen zu wünschen, sich zu emanzipieren und dem ehernen Gesetz der Oligarchie zu verweigern, zu widersetzen. Freies unabhängiges Denken führt zur Erkenntnis. Alles andere ist Manipulation zu Gunsten der Profiteure, die, so bleibt zu hoffen, es mangels freier Denkerfahrung nicht besser wissen und nur deshalb kassiert wurden und mitdegenerieren. Aber für freies Denken ist es nie zu spät. Doch dazu muss man sich erst einmal befreien (lassen).
Zunaechst einaml darf ich meiner Freude ueber das erstaunlich hohe Niveau der hier veroffetnlichten Beitraege Ausdrcuk verleihen. Das hebt sich sehr positiv von so manch anderem im Internet zur Schau gebotenen Darstellung von Meinungsergussen ab.
Zur Sache: Ich appludiere aus der Ferne, da sich nun endlich Widerstand gegen die vermurkste Bologna-Deformierung regt. Machen wir uns nichts vor: Es geht um die Optimisierung der Verwurstungsmoeglichkeiten junger Schulabsolventen. Dass ein Studium Zeit und Gelegenheit zu kritischer Selbstreflexion, Nachdenken, Studium und eben auch Reifung jenseit des Exerzierraums bieten sollte, ist den neu gen Friedman gewendeten sogenannten christlichen Demokraten nicht mehr zu vermitteln. Schade ist es um die, die meinen, es handele sich um eine noetige und wuenschenswerte europaeische Anpassung – dem europaeischen Austausch dient alldies nur vermeintlich.
Ich habe mit grossem Vergnuegen die Gesprache der Zeit mit dem Regierunsarschloch und den zwei jungen Studierenden gelesen – da entpuppt sich der reaktionaere Charakter der neoliberalen Anpassungsstrategen erst so recht.
Bologna muss gekippt werden und wird gekippt werden.
Zuletzt noch die Frage, warum ausgerechnet das kollabierende anglosaechische Universitaetssystem als Vorbild herhalten muss. Habe selber in den USA, Deutschland und England studiert und in allen drei Laendern als Dozent gearbeitet. Nirgends ist das Niveau aehnlich niedrig und verkommen wie in England, von ein paar der sozialen Elite vorbehaltenen Oberschichtspflaenzchen Einrichtungen einmal abgesehen. Dank Bush befinden sich die USA auf aehnluchem Pfade. Und davon will man lernen ? Was soll das ?
Ich muss gestehen, dass ich wenig mit der ideologisch aufgeladenen Fundamentalkritik an Bologna anfangen kann. Ich lasse mich ja immer wieder von meinem falschen Denken durch die system-kritischen emanzipierten und selbst-reflektierten Richtigdenkern befreien, aber ob das wohl die meisten Studenten interessiert? Meiner Erfahrung nach wollen die meisten Studenten einfach ein durchdachtes Studium nach ihren Neigungen und Berufswünschen, dass sie nicht zeitlich überläd, aber trotzdem fordert, sie nicht alle in die Rolle des zukünftigen Wissenschaftlers presst aber dennoch Wahlfreiheit und Raum zum eigenen Denken lässt. Das geht auch innerhalb eines BAs wie ich in England erfahren durfte. Ich kann nicht glauben, dass es nicht auch in Deutschland Unis mit erfolgreich umgesetzte BA-Programme gibt an denen sich andere orientieren können. Oder sollte es tatsächlich so sein, dass es keinen einzigen zufriedenen Bachelor in Deutschland gibt?
Ich lehre und forsche nun seit über 10 Jahren in den Naturwissenschaften in D und kenne auch Englische und Amerikanische Elite-Unis aus eigener Erfahrung.
Aus meiner Sicht wollen die meisten heutigen Studenten möglichst dünne Bretter bohren. Dieser Eindruck kann auch dadurch entstanden sein, dass einfach viel mehr Studienanfänger jedes Jahr in unserem Fachbereich aufschlagen, als noch vor 10 Jahren. Die Mehrheit davon ist inzwischen kaum noch studierfähig oder -willig. Von daher ist so ein Bachelor gar nicht so schlecht, damit diese Studierenden-Mehrheit es schneller als früher hinter sich hat.
Das oftmals in den Medien kolportierte Zusammenpressen von Diplomstudiengängen findet zumindest in meinem Fach nicht statt, im Gegenteil: Wir mussten bei der Umstellung auf Bachelor/Master sogar noch gehörig Stoff streichen, da die Stundenzahl erheblich sank (wohl um die Studis nicht mehr so wie früher fordern zu müssen). Das wird auch an der Prüfungsanforderungen sichtbar, die in den vergangenen 10 Jahren immer mehr nachließen. Nicht dass das den Studis soviel genützt hätte… s.o.
Aus England habe ich gelernt: Wenn man Elite-Uni sein will, muss man sich auch Elite-Studis angeln. Das geschieht am besten mittels Eingangsprüfungen.
Ein zentrales Problem des hiesigen Bologna Desasters ist doch das es für einen Bachelor Absolventen hierzulande keine Arbeitsplätze gibt. Der daraus resultierende Ansturm auf die wenigen Masterstudienplätze ist somit unausweichlich. Dieses Desaster zeigt auch wie weit sich Politik und Bürokratie bereits vom alltäglichen Leben entfernt haben. Anstelle am grünen Tisch eine Reform zu planen und anschließend noch mit Studiengebühren versehen durchzuboxen wäre es sinnvoller mit allen Beteiligten – sprich Studenten, Lehrende und auch mit potentiellen Arbeitgebern festzulegen wie denn das künftiges Profil eines Bachelorabsolventen aussehen soll. Stattdessen vertraut man lieber auf die Aussagen von sogenannten Beratern a la Roland Berger, McKinsey oder ähnlichen >>Experten<>Reform<< ist aus meiner Sicht eine absolute Frechheit – steht aber im Einklang mit den neo-liberalen Entwicklungen der vergangenen Jahre. Erst mal kassiert bzw zockt man kräftig die Leute ab um anschließend das Leistungsangebot herunterzufahren. Die Deutsche Bahn macht es ja bereits erfolgreich vor! Die Ergebnisse lassen sich sehr gut in Grossbritannien und den USA beobachten. Eine kleine von Papi finanzierte Studentenselite fährt mit dem dicken Auto zum Masterabschluss vor – und ist auch für den anschließenden Berufseinstieg bereits bestens vernetzt, während der Rest in die Röhre schaut. Dies scheint so ziemlich die Idealvorstellung einiger neo-liberaler Veranstwortlicher von der künftigen Elite hierzulande sein.
@ PBB Ich frage mich immer wieder warum Großbritannien und USA bei Wissenschaftsfragen immer wieder zusammengeworfen werden (”das angelsächsische System”), obwohl es zwischen den beiden System genauso viele Unterschiede gibt wie etwa zwischen GB und den Niederlanden oder den Niederlanden und Deutschland ob auf BA, MA oder PhD Ebene. Ich weiss nicht wo Du deine “Beobachtungen” in Bezug auf UK oder USA her hast, aber korrekt sind sie leider oder vielleicht besser zum Glück nicht.
Lieber Herr Meyer, meine Beobachtungen beziehen sich aus meiner Zusammenarbeit mit F&E Partnern aus UK und den USA im IT Bereich der letzten 10 Jahre sowie der Zusammenarbeit mit Master- und PhD Studenten aus verschiedenen EU Ländern und der USA. Die Fähigkeiten der Absolventen variieren nach meinen Erfahrungen extrem je nach Hochschule/Einrichtung von mangelhaft bis hin zu exzellent. Beim “angelsächsischen System” – bin mir nicht sicher ob ich das deutlich geworden ist – beziehe ich mich eher auf den wirtschaftlichen Aspekt als auf den wissenschaftlichen. Insofern gebe ich Ihnen natürlich Recht das sich die Bildungsysteme unterschiedlich sind.
Meine Kritik bezieht sich auf die Einführung und Umsetzung der Bachelor- und Masterstudiengänge hier in Deutschland. Ein >>Abschluss<< wie der Bachelor für den es hierzulande weder nähere Zielvorstellungen noch Berufperspektiven gibt ist aus meiner Sicht kein Abschluss – sondern wertloses Papier!
Oder anders ausgedrückt – wer hat denn – abgesehen von öffentlichen Einrichtungen – in den vergangenen 5 Jahren in Deutschland Bachelorabsolventen eingestellt?
Im IT Bereich sind mir bislang noch keine deutschen Unternehmen bekannt die im größerem Umfang Bachelors eingestellt hätten.
Daher mein Vorschlag, dass sich bzgl des Bachelors Planer, Ausbilder und Arbeitgeber erst mal über gemeinsame Zielvorstellungen verständigen bevor man mehrere Jahrgänge durchaus motivierter und engagierter Studenten sinnlos verheizt.
Ich denke dass sich alle weiteren Modalitäten – Leistungsanforderungen – Credit Points, Studiengebühren lassen sich sicherlich in sinnvoller Weise regeln wenn überhaupt erst mal klar ist wohin die Reise denn gehen soll. Aber genau am letzteren hapert es beträchtlich.
Wir haben große Probleme mit unserem Abschluss, da lief einiges schief
Ich möchte Jack zustimmen. Auch ich lehre und forsche nun schon drei Jahre, allerdings im Bereich BWL, zusätzliche koordiniere ich einen der neuen konsekutiven Mastestudiengänge an einer der Exzellenzuniversitäten. Bei der Umstellung auf den Bachelor wurde massiv Stoff gestrichen, die Belastung pro Smester ist exakt gleich, und nicht höher, wie oft proklamiert wird. Durch weniger Wahlmöglichkeiten und eine stärkere Kontrolle z.B. der Anwesenheit empfinden die Studenten mehr Druck – es wird aber auch schneller studiert, es gibt weniger Fehlquoten bei Klausuren etc. – all dies kommt den Studenten, der Industrie und nicht zuletzt dem Steuerzahler zu Gute, der hierzulande die universitäte Ausbildung bezahlt. Die wegweisenden Entscheidungen hierüber trifft übrigens die Kultusministerkonferenz bzw. die Regierung des jeweiligen Bundeslandes, die Hochschulen selbst haben bei der Gestaltung der neuen Studien- und Prüfungsordnungen kaum Spielraum.
In den guten Masterstudiengängen gibt es weniger Plätze als interessierte Bachelor-Studierende, das stimmt, aber dafür auch deutlich bessere Studienbedingungen. Das System ist aber auch nicht darauf ausgelegt, dass jeder direkt nach dem Bachelor den Master macht.
Beste Grüße,
Arne
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Ich möchte Jack zustimmen. Auch ich lehre und forsche nun schon drei Jahre, allerdings im Bereich BWL, zusätzliche koordiniere ich einen der neuen konsekutiven Mastestudiengänge an einer der Exzellenzuniversitäten. Bei der Umstellung auf den Bachelor wurde massiv Stoff gestrichen, die Belastung pro Smester ist exakt gleich, und nicht höher, wie oft proklamiert wird. Durch weniger Wahlmöglichkeiten und eine stärkere Kontrolle z.B. der Anwesenheit empfinden die Studenten mehr Druck – es wird aber auch schneller studiert, es gibt weniger Fehlquoten bei Klausuren etc. – all dies kommt den Studenten, der Industrie und nicht zuletzt dem Steuerzahler zu Gute, der hierzulande die universitäte Ausbildung bezahlt. Die wegweisenden Entscheidungen hierüber trifft übrigens die Kultusministerkonferenz bzw. die Regierung des jeweiligen Bundeslandes, die Hochschulen selbst haben bei der Gestaltung der neuen Studien- und Prüfungsordnungen kaum Spielraum.
In den guten Masterstudiengängen gibt es weniger Plätze als interessierte Bachelor-Studierende, das stimmt, aber dafür auch deutlich bessere Studienbedingungen. Das System ist aber auch nicht darauf ausgelegt, dass jeder direkt nach dem Bachelor den Master macht.
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