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Warum nicht Coaching?

von Boris Schmidt | Kommentare: 7

Hoffnung ist ein kostbares Gut. Hoffnung auf schlaue Ideen, bahnbrechende Einfälle und hilfreiche Erkenntnisse. Hoffnung auf Lösungen für das Unlösbare. Hoffnung auf elegante Auswege aus kniffligen Situationen, in denen viele Bewohnerinnen und Bewohner der kleinen Elfenbeinwelt immer wieder stecken: Übermäßige Arbeitsbelastung, mangelnde Vereinbarkeit von Privatleben, Familie und Arbeit, befristete Verträge, unklare und unsichere Karrierewege, schwierige Kommunikations- und Betreuungssituationen, unvereinbar scheinende Ansprüche zwischen Forschung, Lehre und Hochschulmanagement.

Hoffnung ist traditionell Aufgabe der Individuen und nicht des Systems

Trotz alledem die Hoffnung nicht zu verlieren, wird vom System traditionell als alleinige Aufgabe der Individuen angesehen. Jeder und jede für sich möge Zuversicht bewahren und Wege finden. Wer darin scheitert, war eben nicht qualifiziert für die nächste Etage des Elfenbeinturms. Wer sich zu lange an solchen Nebensächlichkeiten aufhält, ebensowenig. So einfach ist das.

Aber wäre es nicht schön, wenn es trotzdem ein wenig Unterstützung und Hilfestellung gäbe, nicht erst wenn die Hoffnung längst verloren scheint, sondern lange bevor es überhaupt dazu kommen kann?
Andererseits – wer gibt schon gerne freiwillig zu, dass es da mehr zu lösen gibt als Formeln und Fälle. Ist es nicht furchtbar peinlich, einen Geschmack von Hoffnungslosigkeit auf der Zunge zu haben?

So gibt es verständliche Vorbehalte, Unterstützung in Anspruch zu nehmen, selbst wenn sie denn angeboten wird. Viele rechnen zudem damit, dass sich die Dinge schon von selbst lösen werden oder nehmen an, dass Phasen von Ratlosigkeit oder gar Verzweiflung zum idealen wissenschaftlichen Weg einfach dazugehören. Das mag sein. Aber es mag auch sein, dass eine gewisse kurzzeitig Begleitung helfen kann, schneller und besser eine passende Lösung zu finden, neue Hoffnung zu schöpfen – und etwas für die eigene Entwicklung zu lernen.

Coaching – eine Trendsportart?

Hierfür gibt es kluge Angebote, die vertraulich stattfinden und keine öffentliche Offenbarung „Ich habe da mal ein Problem…“ abverlangen. Coaching ist eines dieser Angebote. Wer will, kann auch sportliches Coaching in Anspruch nehmen, um höher zu springen oder schneller zu laufen – gemeint ist an dieser Stelle aber das arbeitsbezogene Coaching, in dem es um Lösungen und Unterstützung für Themen rund um den „Arbeitsplatz Hochschule“ geht.

Anlässe für Coaching gibt es in der Hochschule in mehr als ausreichender Zahl. Denn viele Fragen lassen sich eben nicht so leicht auf kollegialer Ebene, mit den Vorgesetzten oder den Betreuenden besprechen, gerade wenn es um heikle Themen geht (von unausgesprochenen Konflikten am Arbeitsplatz über Gedanken an einen Promotions- oder Habilitationsabbruch bis hin zur langfristigen Karriereplanung). Eine Reihe von Hochschulen hat diese Potenziale des Coachings erkannt und bieten in Zusammenarbeit mit qualifizierten Beraterinnen und Beratern Coaching an – zunehmend auch für den wissenschaftlichen Bereich.

Chancen und Risiken – doch am Ende siegt die Hoffnung

20 Nachwuchswissenschaftler/-innen beteiligten sich an einer Interviewstudie, in der Potenziale eines solchen Coachings diskutiert wurden. Was halten sie davon? Glauben sie, dass es ihnen einen Nutzen bringen kann?

Die Chancen für ein Coaching im Hochschulbereich werden in vier Feldern gesehen: Die Außenperspektive des Coachs („Dass mal einer neutral von draußen darauf guckt und mir Tipps gibt.“), die Möglichkeit der Unterstützung dann, wenn sie gebraucht wird („Na, den Coach rufe ich dann an, wenn ich ihn brauche!“), die Expertise des Coachs („Wenigstens der sollte sich doch mit solchen Sachen auskennen, oder?“) und – ein sehr kostbarer Punkt – der geschützte Rahmen für Reflexion („Ich kann das ansprechen, was mir wirklich wichtig ist und weiß, dass es vertraulich bleibt.“).

Natürlich gibt es auch Risiken: Die fehlende Innensicht des Coachs („Ob der das wirklich versteht?“), der hohe finanzielle und zeitliche Aufwand („Ist das nicht wahnsinnig teuer für die Uni?“), Zweifel an der Wirksamkeit („Bringt das wirklich etwas?“) und nicht zuletzt: Die Frage, ob Coaching mit der Hochschulkultur verträglich ist („Muss man hier nicht seine Probleme selber lösen?“).

Unter dem Strich überwiegt die Hoffnung, dass Coaching ein geeignetes Unterstützungsangebot sein kann: Mit 65,3 Prozent werden die Chancen stärker als die Risken bewertet, welche entsprechend bei 34,7 Prozent liegen.

Bewährte Prinzipien auf sich selbst anwenden

Coaching ist derzeit noch Neuland für die Mehrzahl der deutschen Hochschulen und für die meisten Mitglieder ihres forschenden, lehrenden und administrativen Personals. Der Gedanke an Beratung und Expertise an sich hingegen gar nicht. Von jeher haben sich Hochschulen und ihre Mitglieder als beratende Instanzen verstanden und ihre Expertise gerne mit anderen geteilt.

Warum also nicht dieses Prinzip einfach einmal auf sich selbst anwenden? Coaching wird von professionell ausgebildeten Beraterinnen und Beratern angeboten, die über eine spezielle Expertise verfügen: Sie helfen, in schwierigen Situationen und bei Konflikten Lösungen zu finden, auf die „man“ selber nicht gekommen wäre – nicht so schnell, nicht so leicht.

Coaches verkaufen keine Standardlösung, die angeblich jeden, der dafür bezahlt, in nur zwei Stunden von allen Sorgen befreien – die Zeiten von „Chaka-Coaching“ und teuren Massenseminaren sind vorbei. Solides Coaching verspricht Hoffnung auf individuelle Lösungen, auf eine kurzfristige Begleitung und eine neutrale, professionelle Unterstützung für die Herausforderungen des Hochschulalltags. Und davon gibt es wahrlich genug, immer wieder, jeden Tag.

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Die nächste Nachricht aus Schmidts kleiner Elfenbeinwelt erscheint voraussichtlich am 15. Oktober 2009 zum Thema “Promovieren 2010 – wie Pilze suchen… ?”.

Kommentare (7)

  • 20.09.2009 um 18:20 Uhr von Christine Schneider

    Ich empfehle die CoachingAcademie Bielefeld, an der ich schon mehrere wunderbare Coaching-Wochenendseminare erlebt habe.
    http://www.coachingacademie.de/de/coachingacademie/philosophie.html

  • 22.09.2009 um 21:20 Uhr von Daniel

    Ich finde auch das man sich an einen professionellen Coach wenden sollte.

  • 24.09.2009 um 21:21 Uhr von Wilfried Honekamp

    Es muss ja nicht immer ein professioneller Coach sein. Es gibt auch viele kostenlose Mentorenprogramme. So unterstützt beispielsweise der kostenlose Service von MeinPaper.de bei der Veröffentlichung von Fachartikeln. Hilfe beim Peer Review gibt es auch von der Zeitschrift für Nachwuchswissenschaftler.

  • 03.10.2009 um 15:41 Uhr von Michael Gerke

    Ich beglückwünsche Boris Schmidt zur gelungenen Unterbringung eines PR-Artikels zum Coaching!
    Wer mehr über Coaching und Supervision lesen möchte, ziehe das Buch von Stefan Kühl zu Rate (es gibt natürlich auch viele andere, sodass der Hinweis bestimmt nicht als Schleichwerbung zu verstehen ist).

  • 04.10.2009 um 18:06 Uhr von Boris Schmidt

    Vielen Dank für das Kompliment! Und zum Thema „Studien über Coaching“ sowie „Bücher über Coaching“: Es ist gut, dass es seit einigen Jahren wissenschaftliche Forschung über – sagen wir – die Kunst des Kochens gibt, ebenso wie Kochbücher und Ratgeber gern gelesen werden. Wer gut essen will, kommt trotzdem am Ende nicht drum herum, in ein Restaurant, zu Verwandten oder zu Freunden zu gehen oder sich selber an den Herd zu stellen. Mehr oder weniger dies sind auch die Optionen beim Coaching… Also guten Appetit!

  • 30.10.2009 um 13:49 Uhr von Daniel

    Ein Coach ist sehr wichtig finde ich und sollte deswegen immer mit von der Partie sein.

  • 31.10.2009 um 11:07 Uhr von Peter Fuermetz

    Interessante Beiträge zum Thema “Coaching für Wissenschaftler/-innen” finden sich in der Zeitschrift OSC (Organisationsberatung, Supervision, Coaching) Ausgabe 2 / 09.
    http://tinyurl.com/ykkvdon
    (die ist übrigens sowieso empfehlenswert…;-)

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