Helle, kreative Köpfe, Wissenschaftler, die nur so sprühen vor Forschungsideen werden dringend benötigt, denn es sind die guten, neuen Ideen, die den wissenschaftlichen Fortschritt ausmachen.
Leider mangelt es jedoch oft, mal ganz abgesehen von Machbarkeit und Finanzierung, an der Umsetzung bzw. dem Abschluss solcher neuen Forschungsideen, und das liegt meiner Meinung nach vor allem am Management des entsprechenden Forschungsprojektes durch den Wissenschaftler selbst.
Wie viele halbfertige oder sogar fertige gute Datensätze bzw. unfertige Publikationsmanuskripte liegen derzeit in irgendwelchen Schubladen, Ordern oder Papierstapeln und verlieren allmählich ihre Aktualität? Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass dies eine ganze Menge ist, und es gibt wahrscheinlich ähnlich viele Gründe dafür, die insbesondere mit einem Mangel an guter Zeiteinteilung sowie zielgerichtetem und effektivem Arbeiten zu tun haben; beides Aspekte des Projektmanagements und gleichzeitig Eigenschaften, die viele Wissenschaftler nicht in die Wiege gelegt bekommen haben. Insofern sind gerade entsprechende Trainingsangebote, die oft unter dem Überbegriff „soft skills“ laufen, sehr wichtig und gehören meiner Meinung nach zu einer guten Wissenschaftlerausbildung unbedingt dazu.
Meine klare Antwort auf die Eingangsfrage daher: Beides gemeinsam! Gute Ideen können in der heutigen hektischen und vielseitigen Wissenschaftslandschaft nur mit einem guten Projektmanagement erfolgreich, also in Form von Publikationsprodukten, abgeschlossen werden und damit die Wissenschaft voranbringen. Falls das nicht gelingt, sind die besten Ideen nutzloser als durchschnittliche oder ergänzende Ideen, die aber zumindest in einer vernünftigen Zeit zu Ende gebracht werden.


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Kommentare (10)
Wichtiger Beitrag. Ich glaube auch daran – eine mittelmäßige Idee plus gutes Projektmanagement bringt mehr als eine tolle Idee und mieses Projektmanagement. Schlechte Ideen können vermutlich auch nicht durch herausragendes Management “gerettet” werden – aber schlechte Ideen dürften viel seltener sein als schlechtes Management… Und “soft skills” im Bereich Projektmanagement braucht “man” immer, egal ob jemand in der Wissenschaft bleibt oder sich später für etwas anderes entscheidet…
Sehr erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass viele Graduate Schools, Promotionsstudiengänge etc. zunehmend solche Kurse anbieten. Auch wenn manches auf den ersten Blick fremd erscheinen mag – einfach hingehen. Niemand wird gezwungen, das Gelernte anzuwenden, aber meistens kommt das dann ganz von selbst…
Hmm, ich stimme zu, würde aber zu bedenken geben, dass eine gute Idee und gutes Projektmanagement nicht unabhängig aufeinander folgen. Man hat nicht einfach eine gute Idee, die man dann “nur noch” realisieren muss.
Gute Ideen setzen zum einen eine gute Vorbereitung voraus, man muss die Domäne intensiv kennen lernen, etwas, wofür man auch eine entsprechende Organisation braucht. Zum anderen sind Ideen selten “singulär”, sondern eine gute Ideen braucht und besteht aus zahlreichen Unterideen (z.B. braucht man für ein gutes Buch nicht nur eine gute Idee für den Plot, sondern auch weitere Ideen für Charaktere, Settings, etc., entsprechend bei Experimenten Umsetzung, Material, etc.). Wenn man sich z.B. das Modell zur Kreativität von Csikszentmihalyi ansieht, dann sieht man, dass es ein Kreislauf ist, der mehrfach durchlaufen wird, und bei jedem der Schritte ist ein entsprechendes Management der Ideen notwendig.
Gutes Projektmanagement (oder weiter gefasst: gutes Ideenmanagement) kann z.B. dazu führen, dass weitere Ideen entsprechend festgehalten werden und verfügbar sind, wenn man sie braucht, dass Ideen mit der Zeit wachsen, bis sie umgesetzt werden können. Das verhindert dann, dass eine gute Idee (”Ich könnte x versuchen”) die aber grad nicht möglich ist (”aber wie löse ich y?”) nicht direkt “weggeworfen” wird. Eine entsprechende Organisation kann über die Zeit dazu führen, dass eine komplexe Idee mit vielen guten Unterideen gebildet wird (”Ich könnte x versuchen, dabei y so lösen, z mit q verhindern, dabei …”). Das geht selten im Kopf oder ohne gute Organisation.
Und ja, ich stimme zu, dass die Organisation von Kreativität, von der ersten Idee bis zur fertigen Umsetzung, leider zu selten betrieben wird, dabei aber zwingend nötig ist (wer setzt sich schon vor Word und tippt so aus dem Kopf einen Artikel runter, ohne vorherige Organisation des Artikels?).
Super zusammengefasst. Ich kann Herrn Wild und Herrn Schmidt nur zustimmen. Dennoch fehlt ein wichtiger Aspekt: Gute Ideen und gutes Projektmanangement sind eine ideale Kombination, dennoch geht nichts ohne den persönlichen Faktor (es sei denn, man subsummiert ihn unters Management). Man braucht für neue Ideen Überzeugungskraft, Mitstreiter/innen, Durchhaltevermögen und eine interessierte Lobby. Auch darf das Management nicht zu vorgefertigt oder gar platt erscheinen. Alles Eigenschaften, die nicht im Studienbetrieb gelehrt werden. Wie anzunehmen sein könnte, aus durchaus eigennützigen Gründen. Gerade in der Wissenschaft fehlt mittlerweile ein Codex, der die Einzelnen wieder zur Zusammenarbeit ermutigt. Das scheint in Bachelor-Zeiten nicht up-to-date zu sein.
So scheint es. Nur ein Zweifel: ob wirklich gute Ideen und wirklich gute aber in der Schubladen gebliebene Forschungsarbeiten ihre ‘Aktualitaet’ ueberhaupt verlieren koennen? Wenn es so ist, dann waren sie vermutlich gar keine guten Ideen oder Arbeiten. Es sei denn, wir sprechen von einer journalistischen Aktualitaet, von den ‘Beduerfnissen’ (den Wuenschen) der Zeit. Soll die Forschung sie nur erfuellen oder auch in Frage stellen, sie gewissermaßen sprengen?
Ein Talent zur Organisation gehoert sicher dazu, aber eine gute organisierte und durchschnittliche Arbeit bleibt eine nur gut organisierte und immerhin durchschnittliche Arbeit. Sie haelt so zu sagen den Rad der Institution in Bewegung, gibt ihm aber kaum etwas zu mahlen, und stellt ihm sicher keinen jener Stolpersteine, die der heute oft allzu modischen Forschung so wohltuend waeren. Die Faehigkeit zum Projektmanagement darf nicht zum Alibi fuer die Mittelmaessigkeit werden. Der Tauschwert soll, wenigstens hier, nicht die Oberhand auf den Gebrauchswert nehmen. Aber ach, wir reden schon von vergossener Milch…Verzeihung fuer mein wackeliges Deutsch.
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Was ist denn eigentlich eine wirklich gute Idee? Das ist eine Idee, von der man andere Leute überzeugen kann und möglichst viele. Dazu muss die Idee schon in die Zeit und die Landschaft passen. Und um das auszuloten ist es auch ganz besonders wichtig, dass die Idee bei den Anderen ankommt, also aktuell ist und gut gestylt publiziert oder vorgetragen wird. Also ob eine Idee als gut oder schlecht bewertet wird hängt auch im entscheidenen Maß von der Qualität der Vorbereitung der Veröffentlichung (auf welchem Weg auch immer) ab. Und eine gute Vorbereitung bekommt man meist nur hin, wenn man gut organisiert ist. Nichts anderes ist ja ein Projektmanagement, eine Hilfe zur Organisation (oder zur Selbstorganisation).
Ich wage mal eine These: Mindestens 50% der für mittelmäßig befundenen Ideen wären sehr gute Ideen, wenn sie besser vorbereitet, sprich gemanagt gewesen wären und mindestens 50% der Nobelpreisträger sind (neben Ihrer Genialität) sehr sehr gute Projektmanager.
@Boris: Super Beitrag
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Gratulation, das ist ja mal ein wichtiger und allzeit aktueller Beitrag, übrigens egal, ob in der Wissenschaft oder in der Wirtschaft. Wie viele gute Ideen werden vom Markt weggekauft, weil einerseits ihre Zeit noch nicht gekommen ist oder weil es keine richtig guten Promoter dafuer gibt!
An Ideen jedenfalls mangelt es hierzulande wohl kaum, sehr wohl aber an erfahrenen und einfuehlsamen Fuehrungskraeften und an energischen Treibern!
Herzliche Grueße Theo van der Burgt
Ich bin vollkommen einverstanden, gute Ideen sind heute zum Scheitern verurteilt. So war meine Idee nützt niemandem!
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