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Why I won’t graduate this year

von Christine Saelzer | Kommentare: 11

Dass auch Graduate Schools keine Garantie dafür sind, in drei oder vier Jahren mit der Promotion durch zu sein, war eine meiner ersten Erkenntnisse hier in Stanford. Ich fand das sympathisch, zumal meine vorangehenden Erwartungen, eine Uni voller Einsteins vorzufinden, damit auf angenehme Weise entkräftet wurden. Statt auf einem Catwalk intelligenter Oberschichtkinder befinde ich mich mitten in einer Flipflop-Subkultur, die auch gerne mal in Jogginghosen und mit nassen Haaren im Seminar sitzt. Ich mag das irgendwie, es ist so unprätentiös.

Why I don’t graduate this yearDiese Woche habe ich noch etwas dazu gelernt. Obwohl es regelmäßige „Dissertation Boot Camps“ gibt, in deren Rahmen man anfangs 100$ bezahlt und diese am Ende der zwei Wochen nur zurück bekommt, wenn man jeden Tag vor 9 Uhr in der Bibliothek erscheint, seinen Internetzugang abschaltet und mindestens 5 Stunden an der Dissertation schreibt, dauert es meistens um die fünf Jahre, ehe die Graduation Hats in die Luft geworfen werden.

Der Zeitpunkt der Promotion ist auch im kompetitiven Amerika keinesfalls nur davon motiviert, eine möglichst kurze Doktorandenzeit vorzuweisen und damit beim künftigen Arbeitgeber Eindruck zu machen oder von der Pole-Position aus ins Bewerbungsgespräch zu starten. Vielmehr wird auch genau geschaut, wo man denn zur Zeit überhaupt hin gehen könnte als frisch promovierter Nachwuchswissenschaftler. Zwei Office Mates hatten eigentlich vor, diesen Sommer ihre Arbeiten zu verteidigen und dann „auf den Markt“ zu gehen. Eine der PhD-Studenten, Anne (im 5. Jahr), meinte dazu: „If I have to think about ‘being on the market’ as someone who has to sell apples and strawberries, just because I had to graduate THIS year, I´d rather chill out and graduate next year.“ (Frei übersetzt: “Wenn für mich ‘auf dem Markt sein’ bedeutet, Äpfel und Erdbeeren zu verkaufen, nur weil ich unbedingt DIESES Jahr meine Promotion abschliessen musste, entspann ich mich doch lieber und graduiere im nächsten Jahr.”) Angesichts der wirtschaftlichen Lage vielleicht gar nicht so ungewöhnlich. Daniel, der seit Herbst in seinem 7. Graduate-School-Jahr ist, wird ebenfalls von seinem Vorhaben abweichen, dieses Jahr abzugeben. Die Jobaussichten seien so schlecht, dass er wohl erstmal ein Jahr im Wald leben und mit bloßen Händen Bären erlegen müsste, um überhaupt etwas zu tun zu haben. Also: noch ein Jahr Graduate School!

Manchmal ist die Entscheidung, noch ein Jahr dran zu hängen, aber auch nicht ganz selbst gewählt: Lisa, im 6. Jahr, wollte eigentlich Ende Mai ihre Arbeit abgeben. Vergangene Woche hat sie sich mit ihrer Betreuerin getroffen, die allen Ernstes ein komplett neues Konzept für Lisas Dissertation vorgeschlagen hat – und sie nachdrücklich aufgefordert hat, diesen Vorschlag umzusetzen, wenn sie sicher sein möchte, dass die Diss auch angenommen wird. Direkt danach haben wir, quasi als Selbsthilfegruppe, eine Liste angelegt:

Why I won’t graduate this year:

  • there are no appealing jobs

  • I like being a graduate student

  • I cannot imagine going to work every day

  • I am not ready to defend yet

  • my advisor needs my work in his research projects

  • all my friends are still here

  • I have to change the subject of my dissertation

  • my analyses screwed up everything

  • I have to procrastinate

Kommentare (11)

  • 26.02.2009 um 12:26 Uhr von Robin Curtis

    “Why I don’t graduate this year” is not idiomatically correct English.
    “Why I won’t graduate this year” or “Why I will not graduate this year” are the only correct options.
    Wieso muß alles plötzlich auf (falsches) englisch sein???????

  • 26.02.2009 um 13:07 Uhr von Lord S

    „If I have to think about ‘being on the market’ as someone who has to sell apples and strawberries, just because I had to graduate THIS year, I´d rather chill out and graduate next year.“

    Wäre sehr dankbar für eine Übersetzung dieses Satzes ins Englische! Ich bin zwar Muttersprachler, kann den aber überhaupt nicht verstehen. Vielleicht soll die Anne die Doktorarbeit lieber hinschmeißen, um die Welt der Wissenschaft nicht noch unverständlicher zu machen.

  • 26.02.2009 um 19:50 Uhr von Christine

    Macht euch mal wieder locker. Um nicht noch mehr Muttersprachler-Stolz durch die Verwendung von “falsches englisch” zu verletzen, ist die Überschrift nun angepasst und Annes Satz (den ich aus der Erinnerung aufgeschrieben habe und dessen Verworrenheit sicher zum Teil auf mich zurückgeht) ins Deutsche übertragen, so wie ich ihn verstanden habe.

  • 26.02.2009 um 19:56 Uhr von Franz Huber

    Zu beachten ist, dass an den meisten US graduate schools zuerst viele zeitraubende Seminare besucht werden muessen (meist 2 Jahre lang), und danach die meisten Doktoranden bis zu 50% der Zeit als teaching oder research assistants verbringen. Die Netto-Arbeitszeit an der Doktorarbeit ist dann bedeutend kuerzer…

  • 27.02.2009 um 11:52 Uhr von Lord S

    Danke Christine. Bin jetzt wieder entspannt.

  • 27.02.2009 um 17:34 Uhr von SabiHa

    Liebe Christine,
    ich bin immer wieder dankbar für Einblicke in die amerikanische Eliteunilandschaft, da man mitunter an eher proviniziellen Nicht-Elite- Universitäten als kleiner wissenschaftlicher Mitarbeiter, der sich ab und zu ein paar Stunden für die Diss freischaufeln kann, beinahe in Ehrfurcht erstarrt sobald die Rede auf die graduate schools der ivy league kommt. Danke und bitte weitermachen, allen Unkenrufen zum Trotz!

  • 28.02.2009 um 16:20 Uhr von Mike

    I am curious as to how students can remain at Stanford after five years. In most universities in the States, doctoral candidates are awarded four assistantship years. Almost all get a fifth year (often teaching), but after five years they are on their own unless they’re picked up on some other funding like a prof’s grant.

  • 01.03.2009 um 06:28 Uhr von Christine

    As far as I know, it depends on their funding institution. Those PhD students I know who are in their 6th+ year, do a lot of TAing and other stuff to keep their funding. But they also say that recently, funding institutions tend to have new regulations stating a limit of 5 to 6 years for funding.

  • 02.03.2009 um 20:06 Uhr von FK

    Ich kann hierzu nur den folgenden link beitragen: http://www.phdcomics.com. Die Comics stammen von einem PhD student der diese zum groessten Teil während seiner PhD Zeit geschrieben hat. Da tauchen viele von Christine angesprochenen Themen auf, z.B: warum werde ich nicht diese Jahr fertig und auch das PhD Areiten unendlich lang dauern koennen (die Finanzierung ist dabei wie ja schon angesprochen immer wieder ein Problem).

  • 03.03.2009 um 02:02 Uhr von Christine

    Gute Idee! Der Erfinder der PhD comics hat hier in Stanford seine Diss geschrieben und so haben viele seiner Themen einen Bezug hierher.

  • 05.03.2009 um 23:04 Uhr von FK

    Wow! Das beweisst doch, dass es dann wirklich so ist wie du es in deinem Artikel beschrieben hast und er somit nicht für die Comics übertrieben hat.

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