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Wissenschaft oder Wirtschaft? Arbeitsmarktchancen und Perspektiven für Promovierte in Deutschland
Posted By René Krempkow On 26.11.2010 @ 15:04 In Aktuelle Themen,Nachrichten aus dem Mittelbau,Promotionsecke,Wir forschen,Wissenslücken | No Comments
Ein zentrales Ergebnis der Analyse von Promoviertenbefragungen für den Bundesbericht zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland (BuWiN 2008) war: Promovierte sind durchschnittlich erfolgreicher als Nichtpromovierte, und: Sie sind im privaten Sektor erfolgreicher als im Hochschulsektor. Inwiefern sich die Promotion auszahlt, hängt also nicht nur vom Dr.-Titel ab, sondern (neben dem Fach) auch vom Beschäftigungssektor. Eine wesentliche Frage für die Promovierten bezüglich ihrer Arbeitsmarktchancen lautet daher: Wissenschaft oder Wirtschaft? (siehe ausführlicher dazu: Krempkow 2010a)
Eine Promotion bedeutet in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern wie z.B. Frankreich weniger die Festlegung auf eine Hochschulkarriere (siehe BuWiN 2008). In Deutschland arbeitet 10 Jahre nach Abschluss der Promotion die Mehrheit außerhalb von Hochschulen. Vermutlich hängt dies auch damit zusammen, dass Promovierte im privaten Sektor im Schnitt höhere Einkommen erzielen und höhere Chancen auf Führungspositionen haben (siehe Grafik).

Grafik: Führungspositionen nach Promotionsfach und Beschäftigungssektor, Quelle: BuWiN (2008: 122)
Allerdings spricht für das Tätigkeitsfeld Hochschule eine höhere Arbeitszufriedenheit. Für die berufliche Zukunftsplanung können aber auch noch andere potenzielle Erfolgsfaktoren zur Entscheidungsfindung in den Blick genommen werden: So sind in Deutschland im privaten Sektor für das Einkommen v.a. Aspekte förderlich, die auch ohne Promotion wichtig sind (Praxiserfahrung, Sozialkompetenzen, Auslandsaufenthalte, Karriereorientierung), aber auch soziobiographische Merkmale (Krempkow/ Pastohr 2006, Krempkow 2010b). Im Hochschulsektor sind für die Arbeitszufriedenheit und eine sichere Position v.a. wissenschaftsinterne Faktoren bedeutsam (Promotionsnote u. -alter, Vernetzung/ Verankerung im Wissenschaftsbetrieb und Publikationen (Enders/ Bornmann 2001). In beiden Sektoren nicht förderlich sind: Geschlecht (weiblich) und niedrige soziale Herkunft. Die Schlussfolgerung, sich an die Arbeitsmarktlage und -anforderungen anzupassen, ist aber keineswegs zwingend (und bei Geschlecht/ sozialer Herkunft kaum möglich). Wer seinen Interessen und Fähigkeiten folgt, könnte sich schließlich auch selbst neue Forschungsfelder oder freiberuflich ein (neues) Arbeitsfeld schaffen.
Eine weitere Möglichkeit wäre, in Nachbarländer wie Frankreich zu gehen. Denn nach Ergebnissen einer Pilotstudie (Schmidt-Küntzel 2007) zur Mobilität deutscher und französischer Wissenschaftler werden in Frankreich insgesamt positivere berufliche Erfahrungen für deutsche Wissenschaftler berichtet als für französische Wissenschaftler in Deutschland. Es gibt allerdings in beiden Ländern Mobilitätshindernisse. So zeigen sich in den Antworten der Befragten auffällig oft Unsicherheiten über die Anrechnung der im Nachbarland erworbenen Rentenansprüche und teilweise bei der Krankenversicherung. Lediglich Wissenschaftler auf Dauerstellen, die zeitweise nach Frankreich abgeordnet werden, haben es wesentlich einfacher. Davon profitiert in Deutschland aber nur eine kleine Minderheit in der Wissenschaft tätiger Promovierter. Die wissenschaftlichen „Auswanderer“ nach Frankreich werden denn auch als „überraschend zahlreich“ beschrieben, wenngleich für eine höhere Repräsentativität der Ergebnisse noch weiterer Forschungsbedarf besteht. Die in Frankreich weitgehend übliche Verbeamtung kann jedoch für bestimmte Gruppen mit längerer Berufserfahrung auch ein Rückschritt sein, da sie meist auf dem Niveau von Berufseinsteigern erfolgt. Von den französischen Wissenschaftlern in Deutschland wird dagegen „insbesondere die Kinderbetreuung in Deutschland als äußerst unzufrieden stellend empfunden“ und als „echtes Hindernis für die Arbeit in Deutschland“ erlebt (Schmidt-Küntzel 2007).
Weiterführende Informationen zum Thema:
- BuWiN (2008): Bundesbericht zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (www.buwin.de [1]).
- Krempkow,René (2010a): Wissenschaft oder Wirtschaft? – Arbeitsmarkt und Perspektiven für Promovierte in Deutschland. In: Forschung 1/2010 (www.universitaetsverlagwebler.de/Forschung.html [2]).
- Krempkow, René (2010b): Was haben sie, was ich nicht hab´? Determinanten beruflichen Erfolges von Hochschulabsolventen. Soziologie heute, Nr. 1/ 2010, 40-42 (http://eurosociology.files.wordpress.com/2010/02/soziologieheute_februarausgabe2010.pdf [3])
- Krempkow, René / Pastohr, Mandy (2006): Was macht Hochschulabsolventen erfolgreich? In: Zeitschrift für Evaluation 01/2006 (www.zfev.de [4]).
- Enders, Jürgen / Bornmann, Lutz (2001): Karriere mit Doktortitel? Campus Verlag: Frankfurt/New York.
- Benno Schmidt-Küntzel : Wissenschaftler zwischen Deutschland und Frankreich, 2007, www.afast-dfgwt.eu [5].
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[4] www.zfev.de: http://www.zfev.de/
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