Insel-Essays

Gehasst, doch effektiv – der britische National Student Survey

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Eigentlich sind britische Universitäten bereits privatisiert, von ihrem rechtlichen Status einmal abgesehen. Sie denken und handeln in vieler Hinsicht marktwirtschaftlich, und das nicht nur bei der Einwerbung von Forschungsgeldern und dem Abschneiden bei der nationalen Forschungsevaluation (REF), sondern immer mehr auch bei der Lehre. weiter ›

Exzellenz-Initiative nach Inselart

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Ich lese die Berichte über die deutsche Exzellenzinitiative aus meiner Inselperspektive mit einer Mischung aus Neid (soviel schönes Geld für Forschung!), aber auch einer gewissen Ernüchterung. Nach der jüngsten Evaluation können sich nun elf deutsche Universitäten erneut und drei nicht mehr exzellent nennen. Gleichzeitig zeigte eine Untersuchung des CHE, dass sich die „E-Unis“ in der Qualität der Lehre nicht vom Rest unterscheiden. Es dürfte dabei bleiben, dass sich die Studentennachfrage in Deutschland weiterhin an anderen Kriterien als der offiziellen (Forschungs-) Exzellenz orientieren wird – dabei ist die Attraktivität für Studenten in vielen Ländern, allen voran die USA, eines der wichtigsten Insignien für eine Top-Universität. weiter ›

Der Browne-Review: Wettbewerb und Privatisierung in Grossbritannien

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Nach der Rettung der Banken und der Konjunktur in den Jahren 2008/09 ist der britische Staat tief in den roten Zahlen und muss sparen: soviel ist klar. Der Browne-Review hat jetzt Vorschläge gemacht wie der Staat 3.5 Milliarden Euro bei den Unis einsparen kann und die Finanzierung der Unis langfristig sicherstellt. Die Lösung ist: Lasst die Studenten zahlen – natürlich mit Darlehen und Stipendien für Studenten aus finanzschwachen Haushalten, aber auch hier liegt der Teufel im Detail und es wird viele geben, die der Schuldenberg nach dem Studium abschrecken wird – vielleicht werden jetzt einige der Briten die europäischen Festlandunis ohne Gebühren entdecken: Europa wir kommen! weiter ›

Diskriminierung von Männern oder Familienförderung? Die Antragsrichtlinien des Europäischen Forschungsrats

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Den Ausschreibungen des Europäischen Wissenschaftsrates für den prestigeträchtigen „Starting Investigator Grant“ ist zu entnehmen, dass das Zeitfenster von 12 Jahren nach Promotion für Antragsteller verlängert werden kann, um Kindererziehungszeiten zu berücksichtigen. So weit so gut. Das wird folgendermassen operationalisiert: Die Antragsfrist für Mütter wird automatisch um 18 Monate verlängert, egal ob das Kind vor oder nach der Promotion geboren wurde. Väter allerdings können Kindererziehungszeiten nur dann anrechnen, wenn sie nachweisen können, dass sie offiziell Elternzeit genommen haben und auch nur nach und nicht wie bei Frauen vor der Promotion. weiter ›

Stellenkürzungen an englischen Unis

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Manchmal wünschte ich mir mit meinen Vorhersagen etwas schlechter zu liegen. Vor etwas weniger als einem Jahr schrieb ich von den kargen Jahren die auf britische Universitäten zukommen (siehe auch London Jitters). Und tatsächlich wird jetzt allerorten nicht nur gespart, sondern auch gekürzt, und zwar auch Professorenstellen. weiter ›

Glücklich überfordert? Der Professur-Schock

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Da müht man sich viele Jahre als Doktorand, WM, Postdoc auf Kurzverträgen, oder knechtet als Assistent, opfert Wochenenden, Freundschaften, Liebesbeziehungen und seine schlanke Linie – und bekommt endlich einen Ruf! Doch das vermeintliche Happy-End, die Oase am Ende der Durststrecke stellt sich erst einmal als gar nicht so paradisisch heraus: weiter ›

Studentenproteste oder was lief beim Bachelor falsch?

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Warum protestieren die Studenten in Deutschland? Als deutscher Wissenschaftsflüchtling auf der Insel und ehemaliger Student (für 4 Semester) an der Uni Hamburg erschien mir die Umstellung auf BA und MA enorm vernünftig zu sein (zumindest in den Sozialwissenschaften), doch jetzt scheint mir als sei an deutschen Unis doch einiges falsch gelaufen. Ich freue mich auf Kommentare, aber meine These ist, dass viele Unis anstatt eines BA einfach ein auf 3-Jahre geschrumpftes Diplom konzipiert haben, weil niemand seinem Kollegen auf die Füsse treten wollte: ”Deine Veranstaltung brauchen wir nicht mehr, aber Du könntest doch bitte etwas anderes unterrichten!” Anstatt neu zu konzipieren und Prioritäten zu setzten, haben die Professoren nur umetikettiert und ins drei Jahres-Konzept gepresst. Und dafür soll man bezahlen? Ausnahmsweise scheint mir die Wissenschaftpolitik nicht schuld zu sein, die Unis selbst sind es. weiter ›

Doktor à l’Anglaise

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Gibt es Noten für die Doktorarbeit in Großbritannien? Wozu denn? Wir haben ja Optionen A bis F. A heisst „Bestanden – herzlichen Glückwunsch. F heisst nicht bestanden und versuch gar nicht erst wieder einzureichen und Du bekommst noch nicht einmal einen MPhil zum Trost. De facto gibt es eigentlich nur drei Optionen: Pass (well-done!), pass with minor revisions (das war ja wohl erwartet), major revise and resubmit (Oh nein!). Kein summa, magna oder Hauptsache-Fertig-Note.

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Müssen Professoren Beamte sein?

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Das habe ich mich neulich wieder gefragt, als mir eine Stellenanzeige für eine W3 Professur in Internationale Beziehungen an der TU Darmstadt auffiel. Dort wird eine Position im „aussertariflichen Angestelltenverhältnis“ mit Vergütung in „Anlehnung an die W-Besoldung“ versprochen. Nur Bewerber die zuvor schon Professorenstatus hatten, „können in einem solchen weiterbeschäftigt werden“. Die typische Diskriminierung gegenüber Erberufenden. Doch ist das der schleichende Anfang vom Ende des verbeamteten Professors? Und wenn ja, ist das ein Problem? weiter ›

Die Gutachter – the Good, the Bad, and the Ugly

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Alle maßgeblichen Forschungszeitschriften operieren auf der Basis von Gutachterverfahren. Das typische Verfahren in meiner Disziplin sind zwei bis drei Gutachten, aber ich kenne auch eine Zeitschrift, die bis zu fünf Gutachter befragt. Wer Wissenschaft als Beruf ausüben will, insbesondere wenn eine Professur angestrebt wird, kommt an der konstruktiven Verarbeitung von Gutachterkritik nicht vorbei. Und das ist alles andere als leicht. Trotz aller Bekenntnis zur Kritik und Debatte als Instrument des Erkenntnisforschritts kenne ich kaum einen Wissenschaftler, den nicht eine leichte Angst beim Öffnen der Gutachterkommentare erfasst. weiter ›

Nach der Party jetzt der Kater

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Jahrelang ist der britische Uni-Sektor gewachsen. Mehr Geld vom boomenden Staat um die Studierendenquote zu erhöhen, mehr Geld von Studenten aus der globalisierten Welt die hohe Gebühren zahlten, mehr Forschungsgelder von Staat, Industrie und EU, immer mehr Spenden von den gutverdienenden Alumni, und wachsende Börsen-Gewinne auf die Kapitalanlagen. Das schaffte eine Menge neuer Stellen für Wissenschaftler aus aller Welt. Die Party ist vorbei, alle haben Kater. Jetzt kommt die Fastenzeit. weiter ›

Das perfekte Büro: Statussymbol und Lebens(t)raum

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Es gibt kaum kein größeres Statussymbol als das eigene Büro. Was dem Manager sein Dienstwagen ist dem Wissenschaftler sein Raum zum Denken, Schreiben und was man sonst noch so in Büros machen kann. Logiert man allein, mit anderen Mitarbeitern oder gar im Großraumbüro? Wie groß ist es, wie abgeschieden von Studenten und von welcher Aussicht darf man sich inspirieren lassen? Wie ist die Dekoration und technische Ausstattung? Nirgendwo drückt sich der wahrgenommene Stellenwert der eigenen Person so augenscheinlich aus wie am Büro. So wird oft beträchtliche Energie und Ehrgeiz darauf verwendet, das Beste zu bekommen –  insbesondere wenn das Dienstzimmer Teil der Berufungsverhandlung wird. weiter ›

Vom Horror des Lehren-Lernens

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Es gibt wohl nur wenige (Jung-)Wissenschaftler, die ernstlich glauben, dass sie perfekte Lehrende seien und keinerlei Hilfe von Außen ihre Lehre verbessern könnte. Und doch dürfte es kaum Wissenschaftler in Großbritannien geben, die nicht über die institutionalisierten Versuche stöhnen, sie durch TILL/HE (Teaching in Lifelong Learning/Higher Education) oder PGCAP (Postgraduate Certificate in Academic Practice) zu besseren Lehrenden zu machen. weiter ›

Exzellenz des Spins oder traue keiner Durschnittsnote

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Das Warten ist vorbei: Die Ergebnisse der nationalen Forschungsevaluation – des RAE 2008 - sind da. Oder zumindest jener Teil der Ergebnisse, die sich Qualitätsprofile nennen. Wir wissen jetzt, wieviel Prozent der Forschungsaktivitäten jeder Uni „world-leading“ (4*), „internationally excellent’ (3*), „internationally recognised“ (2*), nationally recognised (1*) und „unclassified/not recognised“ ist. Das reicht, um auf der Basis einer „Durchschnittsnote“ (etwa 3,2) tolle neue Rankings aufzustellen, nach denen Cambridge Oxford knapp übertrumpft hat, die Universität von Cardiff im Vergleich zum RAE 2001 abgestürzt und die Queen Mary in London aufgestiegen ist. weiter ›

The Final Countdown…

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Rezession? Christmas Break? National Student Survey? Alles wichtige Themen an englischen Unis, aber zur Zeit starren alle Akademiker und vor allem die Uni-Präsidenten (Vice-Chancellors!) auf den 18 Dezember. Dann werden die Ergebnisse des RAE veröffentlicht. Das RAE ist die nationale Forschungsevaluation aller englischen Universitäten. Es findet etwa alle sechs Jahre statt und enscheidet nicht nur über das Renommee einer Uni und eines Fachbereichs, sondern auch über die Verteilung von etwa einer Milliarde Pfund pro Jahr – Quality Research Funding. weiter ›

Der Kampf um die Autorenzeile

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Eigentlich ist es eine ganz famose Idee, Artikel oder gar Bücher gemeinsam zu schreiben. Man kann sich fachlich ergänzen, gemeinsam Ideen entwickeln und prüfen und sich die Forschung und das Schreiben aufteilen. Also halbe Arbeit und besseres Ergebnis? Leider funktioniert es in der Praxis nicht halb so gut. Zum einen ist es selten so, das beide oder mehrere Autoren gleichviel einbringen, sondern der eine mehr intellektuell einbringt und arbeitet als der andere – also das Risiko ‚free-riding“. Allerdings ist die Einschätzung wer wievel beigetragen durchaus subjektiv und kann zum Streit am Ende der Arbeit führen. weiter ›

Wissenschaft als Umweltkiller?

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Es soll ja noch Wissenschaftler geben, die glauben, sie seien eigentlich die besseren Menschen: wahrheitsliebend und machtkritisch, sozial engagiert, langfristig denkend und überhaupt an einer nachhaltig-harmonischen Zukunft der Menschheit interessiert. Wenn da nicht die ständige Versuchung von Konferenzen, Workshops und Keynote-Speeches in aller Welt wären! Und da kommt man realistischerweise nur mit dem Klimakiller Flugzeug hin, insbesondere wenn es in die USA geht. weiter ›

London Jitters: Auswirkungen des Finanzcrashs

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Die Unterhaltungen in der Tube (U-Bahn) sind in London gerade etwas anders als sonst. Einerseits weil sich überhaupt unterhalten wird, andererseits weil es sich bei der Unterhaltung zwischen den aschfahlen Anzugträgern um die Auswirkungen des US-Finanzcrashs dreht, insbesondere um die drohenden Massenentlassungen. London lebt von der City – den Gehältern, den Boni und dem Lebensgefühl des „shopping, booze & toys for the boys“. Aber London ist natürlich auch viel mehr als die City weiter ›

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Über den Autor

Christoph Meyer ist Professor für Europäische und Internationale Politik am King's College London und Leiter des Instituts für Europäische und Internationale Studien.