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Zettelkasten

Kaffee, Coolness, Clementinen

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Der eine hat vor dem Hörsaal auf mich gewartet, der andere lag einfach auf der Straße herum. Und alle wissen immer sofort, welcher Zettel woher stammt. Warum eigentlich? Wir sehen hier den Einkaufszettel als Präsentationsfläche der Persönlichkeit: Die Zettel, die die Welt bedeuten.

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Zuhkunft für Alle! (Eine populistische Miniatur)

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Den Versuch der Mutter, ihr den Schultag mit kleinen Köstlichkeiten zu versüßen, fand Laura durchaus entzückend. weiter ›

Blut und Biohuhn

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Im Anfang war das Wort, und das Wort war eigentlich zwei Wörter und lautete: „Fleckentferner Blut“. Säuberlich notiert auf einem nicht mehr ganz so säuberlichen Zettel lagen die Wörter auf der Straße, begleitet von weiteren Wörtern, deren nächstes lautete: „Tapetenreiniger“. Das klang vielversprechend; ich überwand gewisse ansozialisierte Hemmungen und nahm den Zettel an mich. weiter ›

Schreiben lernen – Z wie: Zum Schluss…

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Über meinem Schreibtisch hängt ein Bild, das ich aus der Zeitung ausgerissen habe. Es zeigt ein Foto mit der Beschriftung: „Der sowjetische Arzt Leonid Rogazow entfernte sich 1961 auf einer einsam gelegenen Polarstation eigenhändig den Blinddarm.“  – Montag muss meine Diss in die Druckerei, und der Text ist noch nicht fertig. weiter ›

Schreiben lernen – H wie häppchenweise zum Happy End (hoffentlich…)

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Für die Arbeit an meiner Dissertation verbleiben 15 Wochen, kurz nach Herbstbeginn werden wohl einzelne Tage die Maßeinheit der Restzeit sein. Man fühlt ihn noch nicht, diesen Herbst – aber das hier muss wohl so etwas wie der Endspurt sein. Nur: wie geht der? weiter ›

Schreiben Lernen – G wie Gliederung

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Ich hatte einen Vogel. Ein, zwei, drei Jahre habe ich jetzt herumgesponnen, mal hier diese Theorie ausprobiert, mal dort verschiedene Gedanken verfolgt. Und in der Silvesternacht ist wieder ein Jahr an sein Ende gekommen, damit auch ein Promotionsjahr. Für mich in diesem Fall sogar nicht irgendeines, sondern das vorletzte. Die Phase des vagabundierenden Herumdenkens muss also jetzt zu einem Ende kommen, dieses Jahr wird das letzte sein. Im ersten Bleigießen meines Lebens habe ich somit natürlich auf ein Zeichen für dieses entscheidende Jahr gehofft. Und dann kam der Vogel, und seine bleischwadenumnebelte Botschaft lautete: Fliege nicht zu hoch hinauf. Höchste Zeit also, gedankliche Höhenflüge zu erden und alles, was man bisher so gesammelt hat, ein wenig zu konzentrieren, zu konsolidieren und: zu gliedern. weiter ›

Schreiben lernen – F wie Fortschritt und die Formulierung von Gedanken

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„Na, kommst Du voran?“ Das Telefonat mit meinem Bruder ist wieder beim unvermeidlichen Thema Doktorarbeit angekommen. Und schon im Ansatz der Frage bekommt seine Stimme einen vorsichtigen, fast mitleidigen Tonfall. Meine Antwort entsprechend ausweichend: „Na ja. Hmm. Vorankommen. Was heißt das denn bei einer Doktorarbeit?“ weiter ›

Schreiben lernen – E wie ergebnisorientierte vs. eruptive Arbeitsweisen

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Angeblich dürfen angehende japanische Sushi-Meister während ihrer Lehrzeit immer nur zuschauen, ohne jemals selbst Reis zu kochen oder Fisch zu schneiden. Wenn sie lange Jahre geschaut und nachvollzogen haben, gelingt ihnen das erste eigene Zubereiten der Reisröllchen perfekt und auf Anhieb. Ich glaube, auf diese Art arbeite ich gerade an meiner Diss. weiter ›

Schreiben lernen – D wie Druck machen! Durchgreifen! Drangsalieren!

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Ich bin ein miserabler Chef. Mein Laden ist ein Sauhaufen. Sicher, die Angestellten können sich keinen besseren Chef wünschen: Ich bin großzügig und freimütig gegenüber meinem Bediensteten, ich bin nachsichtig und verständnisvoll, ich habe ein Ohr für ihre Bedürfnisse, auch (oder gerade) wenn sie nicht die Arbeit betreffen. Ich markiere meine Autorität nicht, ich übe nur selten Druck aus, ich lasse meine Leute machen, wie sie wollen und wenn sie nicht wollen, versuche ich nicht mal, sie zu motivieren – es mangelt mir komplett an Führungsqualität. Die Arbeit, für die letzten Endes ich als Chef verantwortlich bin, gerät dabei leicht ins Hintertreffen. weiter ›

Niemals Neuschnee

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Doktoranden sollen forschen, untersuchen und Entdeckungen machen. Was aber, wenn nach einiger Zeit des Forschens und Untersuchens nur die eine große Entdeckung zu machen ist: Dass die eigenen Erkenntnisse schon anderswo gewonnen und veröffentlicht wurden? weiter ›

Ein Jahr ist herum. Das nächste folgt. Pläne? Oh ja!

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Allerorten die gleiche Frage: Hast du dir was vorgenommen für das nächste Jahr? Was willst du besser machen? Was ist dein Plan für 2009? Der brave Doktorand sagt jetzt: Ich will noch mehr, noch strukturierter, noch effizienter, noch zielorientierter promovieren. Alles in den Dienst meiner Diss stellen. Ich sage: So nicht! weiter ›

Jeder Doktorand ein Künstler! Was Promovierende von Belletristen lernen können

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Für die Mehrzahl von uns Doktoranden ist die Dissertation das erste zu schreibende Buch; entsprechend schwer tun sich die meisten. Auf der Frankfurter Buchmesse habe ich ungefähr Milliarden Bücher bestaunen können. Erstaunlicherweise. Denn immer wieder hört man auch aus dem Mund von Literaten, welche Qual das Schreiben bedeutet: „Ich hasse das Schreiben, aber ich liebe es, geschrieben zu haben.“ weiter ›

Schreiben lernen – C wie Credo (und die Communis Opinio…)

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Da steht man so vor dem Bücherregal und staunt, weil die Fachliteratur weiter reicht als das Auge. Und die Theorien weiter als der Verstand. Dann fängt man an, sich einzuarbeiten, kundig zu machen, Theorien aufzuarbeiten. Man entdeckt große Unterschiede. Und spätestens dann stellt sich die Frage: Was will eigentlich ich glauben? weiter ›

Schreiben lernen – B wie Bescheid wissen

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Das Verfassen einer Doktorarbeit besteht allem Vernehmen nach aus drei wesentlichen Vorgängen: Einarbeitung, Datenerhebung und Schreiben. Wo aber endet die Einarbeitung, wann beginnt das Schreiben? Wann weiß ich über mein Thema so weit Bescheid, um richtig anfangen zu dürfen? weiter ›

Schreiben lernen – A wie Anfangen

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Aller Anfang ist schwer. Jeden Tag. Mehrmals. Denn: A wie „Anfangen“, das ist eigentlich auch A wie „Ablenkung“, hauptsächlich aber A wie: „Aufhören“. weiter ›

Schreiben lernen

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Eine Diss zu schreiben, ist im Prinzip ganz einfach: Man fängt an, danach muss man dranbleiben, da hilft nur Sitzfleisch, und zum Schluss, so zwei-, drei-, vierhundert Seiten später, ist man fertig. Das ist alles! Oder? weiter ›

Witterungsbedingte Prokrastination

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Sobald die Temperaturen in die Nähe von 30 Grad Celsius klettern, bin ich unfähig, zu arbeiten. Nicht weil ich unter der Hitze leiden würde – im Gegenteil, eigentlich bin ich eher ein wechselwarmes Tier. weiter ›

Ostfriesland ist schön

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Als gebürtige Nordpflanze weiß ich das auch so, konnte es aber letzte Woche wieder verifizieren: Es gab eine Woche Projektarbeit auf einem kleinen ehemaligen Bauernhof in einem kleinen Wurtendorf namens Ziallerns, spendiert von meinem Doktorvater und Projektleiter. weiter ›

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Über den Autor

Jens Gerdes ist Sprachwissenschaftler und fühlt sich als solcher Theorie und Praxis gleichermaßen verpflichtet: 2012 hat er an der Universität Trier über ein grammatiktheoretisches Thema promoviert.