Über das Wissenschaftssystem

Nachwuchsforschende mit Kind als Herausforderung des Wissenschaftssystems in Deutschland? – Fünf Thesen

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Zur Verwirklichung gleichwertiger Zugangschancen zur Wissenschaft wird in letzter Zeit in der Hochschul- und Wissenschaftspolitik häufiger danach gefragt, welche Möglichkeiten zur Realisierung der Lebensentwurf von Wissenschaft mit Kind(ern) bei Nachwuchsforschenden in Deutschland hat. Inwieweit mit der Thematisierung bereits eine Verbesserung erreicht wurde, dazu gibt es sehr unterschiedliche Ansichten, deren Stichhaltigkeit sich allerdings durch empirische Studien prüfen lassen sollte. weiter ›

Wer spricht über “Tabus an der Hochschule”?

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Es gibt eine Reihe von Phänomen an Hochschulen, über die nicht oder nur ‚hinter vorgehaltener Hand’ gesprochen wird. Diese Themen sind „unberührbar“, fast „heilig“, eben ein Tabu, weil deren öffentliche Diskussion an Grundfesten des Wissenschaftssystems rührt. Auf einer Tagung sollen dennoch einige dieser Themen ans Licht gebracht werden. Dies ist die Neunte Jahrestagung der Gesellschaft für Hochschulforschung. weiter ›

Wer hat, dem wird gegeben?

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In der letzten Zeit haben einige Medien darüber berichtet, dass es für die Chancen auf Forschungsgelder vor allem auf die Größe einer Hochschule ankomme – und dass dabei Matthäus-Effekte („Wer hat, dem wird gegeben“) eine zentrale Rolle spielen (z.B. duzMagazin, Der Spiegel).[1] Dabei wurde als erklärtes Ziel der Förderung eigentlich formuliert, dass in der Forschung an Hochschulen mehr und mehr Outputorientierung gelten, also das Prinzip „Geld folgt Leistung“ gestärkt werden soll. Hierfür spielen Modelle der Leistungsorientierten Mittelvergabe (LoM) eine zentrale Rolle. Diese LoM kann – so die gegensätzlichen Thesen – einerseits durch ihre Gestaltung Leistungen belohnen und so Matthäus-Effekte zumindest abmildern, oder sie kann andererseits z.B. durch die dominante Verwendung des Leistungsindikators „Drittmittel“ und damit verbundene Rückkopplungseffekte möglicherweise Matthäus-Effekte noch verstärken. Hier stellt sich also die Frage: Welche Effekte hat die LoM?  weiter ›

Wissenschaftler(in) mit Kind: Im Westen nichts Neues?

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In Stellenanzeigen von Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen, aber auch von forschenden Unternehmen wird seit einiger Zeit unter anderem mit Angeboten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie geworben. Dies ist einzuordnen in seit einiger Zeit häufigere Werbung u.a. für „gemischte Teams“ und „Familienfreundlichkeit“, so auch jüngst beim in der Exzellenzinitiative prämierten „TUM Faculty Tenure Track“-Konzept der TU München[1]. Hierbei wird mehr oder weniger direkt die Erhöhung der Diversität[2] bei der Personalrekrutierung als ein Wettbewerbsvorteil bei (erwartetem) Mangel an hochqualifi­zierten Fachkräften einzusetzen und dabei u.a. Frauen[3] und ausländische Wissenschaftler oder Migranten stärker anzusprechen versucht.[4] Zahlreiche (Groß-)Städte, wie z.B. Bonn oder Freiburg (i.Br.) werben mit ihrer Kinder- bzw. Familien­freundlichkeit als Standortvorteil.[5] Wie es allerdings vor Ort tatsächlich aussieht, erfährt man als angeworbener hoch­quali­fizierter Arbeitnehmer bzw. Wissenschaftler oft erst, wenn man – z.B. für eine attraktive Stelle – bereits umgezogen ist und vor Ort einen Kinderbetreuungsplatz in Anspruch nehmen möchte. weiter ›

Wie das Elternjahr für Promotionsstipendiaten in deutschen Begabtenförderwerken erst durch das BMBF abgeschafft und dann wieder ermöglicht wurde

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Die Möglichkeit der Elternzeit von ein bzw. mehreren Jahren gilt inzwischen für Mütter und immer häufiger auch für Väter als selbstverständlich. (Siehe auch den betr. Blogbeitrag zum “Promovieren mit Kind“). Für Promovierende und insbesondere Promotionsstipendiaten in Begabtenförderwerken ist dies in Deutschland aber bis in die jüngere Vergangenheit keineswegs immer so selbstverständlich (gewesen). Ich möchte Euch daher berichten, wie vor gerade einmal einer Promovierendengeneration das „Elternjahr“ für Promotionsstipendiaten in den deutschen Begabtenförderwerken erst durch das BMBF quasi abgeschafft und nach Protestaktionen dann wieder ermöglicht wurde. Da auf diesem Blog z.T. auch Mißstände beschrieben werden, berichte ich dies zugleich als Fallbeispiel einer (wissenschafts-)politischen Partizipation von Promovierenden in eigener Sache. weiter ›

Der „Added Value“-Ansatz: Eine Möglichkeit zur Berücksichtigung unterschiedlicher Startbedingungen im Wettbewerb von Hochschulen

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Angesichts einer stärker werdenden Diskussion um die notwendige größere Diversität der Studierendenschaft stellt sich die Frage, welche Auswirkungen dies bei gleichzeitig verstärkt eingesetzten Leistungsanreizen an Hochschulen hat. Eine dabei aufgeworfene Frage ist (so auch zu einem vorangegangenen Blogbeitrag): „Hat dann schon verloren, wer sich aus Überzeugung (oder aufgrund der Ausgangsbedingungen) diesem Ziel verschreibt/verschreiben muss?“  Bzw. könnte man die Frage auch anders formulieren: Sind Nachteile für Hochschulen mit einer inhomogenen Studierendenpopulation im bestehenden Leistungsanreiz-System unvermeidbar? Dieser Beitrag [1] widmet sich schwerpunktmäßig der knappen Darstellung und Diskussion eines Beispiels für ein „gerecht(er)es“ System der leistungsorientierten Mittelvergabe (LOM). Hierfür wird mit dem in Deutschland bisher kaum rezipierten australischen Modell eine Möglichkeit zur Berücksichtigung von Diversität und unterschiedlichen Startbedingungen im Wettbewerb von Hochschulen vorgestellt und seine Übertragbarkeit auf den deutschen Kontext diskutiert. weiter ›

Wie „gerecht“ sind Leistungsanreize an Hochschulen?

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Wenn es um Leistungsbewertungen und Leistungsanreize geht, wird oft auch deren (Leistungs-)Gerechtigkeit[1] diskutiert. Allerdings wird dabei meist auch schnell deutlich, dass sehr unterschiedliche Vorstellungen davon existieren, was als `gerecht´ anzusehen sei, wie nachfolgende Äußerungen veranschaulichen: „Fair ist der Vergleich nur zwischen Hochschulen, die mit Blick auf die Zielsetzungen, ihr Profil und ihre Strukturen wirklich vergleichbar sind.“, so ein Mitarbeiter des CHE zu deren geplantem europäischen Hochschulranking U-Multirank (Federkeil 2009: 7, vgl. auch CHE 2011: 2). Dagegen sagte der ehemalige baden-württembergische Wissenschaftsminister Frankenberg[2]: „Es ist im Leben immer so, dass es keine gleichen Voraussetzungen gibt.“ Was als gerecht wahrgenommen wird, kann sich also selbst zwischen Personen deutlich unterscheiden, die als Protagonisten von Leistungsanreizen im Hochschulbereich gelten. In diesem Beitrag[3] möchte ich daher zur Erweiterung der Argumentationsbasis in die teilweise sehr anekdotische und emotional geführte Diskussion gerechtigkeitstheoretische Überlegungen einbringen, welche die Ursachen für sehr unterschiedliche Wahrnehmungen von Gerechtigkeit etwas erhellen dürften. weiter ›

Wissenschaft oder Wirtschaft? Arbeitsmarktchancen und Perspektiven für Promovierte in Deutschland

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Ein zentrales Ergebnis der Analyse von Promoviertenbefragungen für den Bundes­bericht zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland (BuWiN 2008) war: Promovierte sind durchschnittlich erfolgreicher als Nichtpromo­vierte, und: Sie sind im privaten Sektor erfolgreicher als im Hochschulsektor. Inwiefern sich die Promotion auszahlt, hängt also nicht nur vom Dr.-Titel ab, sondern (neben dem Fach) auch vom Beschäfti­gungssektor. Eine wesentliche Frage für die Promovierten bezüglich ihrer Arbeitsmarkt­chancen lautet daher: Wissenschaft oder Wirtschaft? (siehe ausführlicher dazu: Krempkow 2010a) weiter ›

Über den Autor

Dr. René Krempkow studierte in Dresden und n der Universidad de Salamanca. Nach dem Studium arbeitete er im Bereich Lehrevaluation und Absolventenstudien an der Technischen Universität Dresden und erarbeitete den ersten Landes-Hochschulbericht Sachsen. Seit 2010 ist er Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Hochschulforschung (GfHf). Seit 2013 arbeitet er am FiBS Berlin in Forschungsprojekten zur Hochschul- und Bildungsforschung und der Beratung von Hochschulen und Ministerien.