Life-Science-Balance

Tatort Hochschule

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Gerne schauen wir uns zur geistigen Zerstreuung den teilweise realitätsfernen Tatort bzw. Polizeiruf an, welcher Dank Mediathek und unserer Nachteulen, die zuweilen nicht vor um 21 Uhr schlafen gehen, auch öfters unter der Woche abgespielt wird. Ein großes Plus: man kann den Streifen stoppen, um, ohne aufklärerischen Informationsverlust, einem Mantra-folgend immer wieder den dreijährigen Sohn zum Bett zu geleiten.
Im Laufe der Zeit fiel uns auf, dass beim „Tatort“, der auch das Privatleben der Ermittler thematisiert, nur wenige Kommissare (funktionierende) Beziehungen führen oder Familie haben. Ich bin an dieser Stelle zu wenig Tatort-Fan, geschweige denn Experte, um hier fundierte Daten zu präsentieren, aber der Grundtenor ist klar: Es wird zu allen Tag- und Nachtzeiten ermittelt und die wenigsten Protagonisten führen langlebige Beziehungen. Schnell wird deutlich, dass das Familienleben entscheidend zu kurz kommt. Nehmen wir doch mal den Kommissar Sebastian Bootz (Felix Klare; Stuttgarter Tatort) als Beispiel. Er ist einer der wenigen, der Frau und Kinder hat. Nachdem das Familienleben mehr schlecht als recht zu laufen scheint, erkrankt seine Frau und Bootz nimmt sich beruflich etwas zurück. Doch plötzlich wendet sich die Handlung: sie verliebt sich neu, die Familie steht vor dem aus. weiter ›

Wissenschaft im Privaten

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Wir sitzen in Lübeck in einem Café und schauen durch das Fenster auf die Straße. Gegenüber schmücken Blumensträuße das Schaufenster eines Floristen. Gleich daneben offeriert ein Süßwarenhändler Lebkuchenherzen mit der Aufschrift „ Du alter Suffkopp“. Ein Mann läuft rauchend am Fenster des Cafés vorbei. Wir bekommen den Eindruck, dass wir schon viele rauchende Menschen hier gesehen haben. Gleichzeitig sieht man wenige Erwachsene mit Kindern. Gibt es da eine Korrelation? Beeinflusst von unserer wissenschaftlichen Tätigkeit diskutieren wir Gedanken über eine empirische Analyse unserer Hypothese. Wie lange müssten wir hier sitzen um signifikante Daten zu bekommen? Erschrocken stellen wir fest: Hey, wir sitzen hier und chillen und gleich kreisen unsere Gedanken wieder um wissenschaftliche Themen. Ist das normal?

Wissenschaftliche Denkweisen streift man eben nicht einfach am Ausgang des Labors ab. Aber natürlich ist auch irgendwann eine Grenze erreicht. Man muss nicht alles permanent analytisch betrachten und durchforsten.

… by Dorothea und Stefan Meldau

Berufspaare

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“Sprecht Ihr Zuhause eigentlich über Eure Arbeit?” oder “Wenn Ihr zusammen arbeitet, habt Ihr Euch dann Zuhause überhaupt noch was zu sagen?” Diese oder ähnliche Frage bekomme ich oft von Bekannten gestellt. weiter ›

Life-Science-Balance abhängig vom Kinderbetreuungsangebot

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Unser Sohn war noch kein halbes Jahr, da verspürte ich den Drang, wieder forschen zu wollen – zumindest Teilzeit. Anfangs kam uns von Zeit zu Zeit die Oma zur Hilfe, doch dies war keine Dauerlösung. Dann bekamen wir, wie durch Zufall, einen Tagesmutterplatz, in unmittelbarer Nähe zum Institut gelegen, angeboten.

Schon vor der Schwangerschaft stand für uns beide fest, dass ich die Elternzeit von einem Jahr nicht ausreizen würde. Dafür liebte ich meine Wissenschaft zu sehr und schließlich hatte ich nicht all die Strapazen einer Doktorarbeit auf mich genommen, um dann nach 2 Jahren abzubrechen und sang-und klanglos vom Wissenschaftshimmel zu verschwinden.

Dennoch war ich Hin-und hergerissen zwischen Muttergefühlen und Selbstverwirklichung, Fürsorge und meinem eigenen Produktivitätsanspruch. Der Entschluss, unseren Sohn erst mal nur in eine Teilzeitbetreuung von 4h pro Tag zu geben, bot sich als perfekter Kompromiss an. weiter ›

Urlaub

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Wieviel Urlaub kann man sich als Wissenschaftler leisten?
Die durchschnittliche Urlaubszeit während meiner Doktorarbeit betrug 1-2 Wochen pro Jahr, inklusive der Feiertage. Fast jedes Jahr war ich für circa drei Wochen in den USA auf einer Feldstation, zwei Stunden von Las Vegas entfernt (http://www.kisswin.de/karrierewege/blog.html). Die Forschung mitten in der Wüste (Great Basin Desert) stellt einen gewaltigen Kontrast zum Laboralltag in Deutschland dar und bat somit immer eine willkommene Abwechslung. Auch Reisen zu Konferenzen ermöglichten etwas Zerstreuung vom harten Doktorandenalltag, vorausgesetzt ich konnte auch etwas von Land und Leuten kennenlernen und klebte nicht nur tagelang am Konferenzstuhl fest.

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Work-Life-Balance oder Feierabend?

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(Der kursive Text wurde von Stefan beigetragen, der Rest von Doro)

Ich sehe dieses Plakat jeden Tag, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit daran vorbeifahre.
Der Ausdruck im Gesicht des Mannes auf dem Plakat drückt ein wenig Süffisanz aus. Der Text dazu lautet: „Macht Ihr mal Eure work-life balance, ich mache Feierabend“. Ohne näher auf die Definition von work-life balance und Feierabend einzugehen, wird hier eine klare Distanz zwischen beiden Begriffen geschaffen und eine Vorliebe für den Feierabend bekundet. Was zum Feierabend dazu gehört wird natürlich auch auf dem Werbebanner dargestellt.

Erst kürzlich habe ich mit einer Freundin telefoniert und über Gründe für unseren nahezu nicht-existenten Feierabend diskutiert:

Wir Wissenschaftler haben keine klar definierten Arbeitszeiten und Arbeitsaufträge!  Unsere „Arbeit“ hat wortwörtlich kein Ende. Die Projektübergänge sind fließend, es gibt keine „cuts“. Spannende Ergebnisse verführen uns, immer wieder neue Experimente ins Leben zu rufen. Auch fehlgeschlagene Experimente motivieren uns, einen Versuch (in abgewandelter Form) nochmals durchzuführen. Man kommt vom einem ins andere. Die intrinsische Motivation ist hoch und das Projekt wächst und gedeiht (meistens). Oft wird es zum „Baby“, für das ein Herzblutwissenschaftler seine letzten freien Minuten opfert. weiter ›

Über den Autor

Dorothea Meldau untersucht in ihrer Doktorarbeit am Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie in Jena die Zusammensetzung und Funktion der bakteriellen Gemeinschaft in der Rhizosphäre. Stefan Meldau ist Arbeitsgruppenleiter am MPI für Chemische Ökologie in Jena. Dort erforscht er molekulare Mechanismen pflanzlicher Immunreaktionen gegen Fraßschädlinge.