Die Digitalisierung der Gesellschaft

Abwanderung von Forscherinnen und Forschern aus Deutschland: und noch ein Gutachten …

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Man hat es wohl bereits etliche Male gelesen oder gehört:

Viele hochqualifizierte Wissenschaftler verlassen Deutschland, wenige kommen her. Ein bislang unveröffentlichtes Gutachten warnt nach Informationen des SPIEGEL vor der Abwanderung der Besten – und zeigt, wo es besser läuft.

Mal wieder bringt SPIEGEL ONLINE einen entsprechenden Beitrag zu den meist, nun ja: ausbaufähigen Arbeitsbedingungen deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Okay, die Message ist angekommen.

Und nun?
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Being a Chair: “Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können …” vs. “Leider …”

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Auch wenn ich nun schon einige Jahre “im Betrieb” bin, so gibt es (glücklicherweise) immer noch Dinge, die zum ersten Mal gemacht werden und sich deshalb auch entsprechend anfühlen. In diesem Falle ist es die Veranstaltung einer Konferenz (genauer gesagt: eines Workshops).
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Drei Veranstaltungen, drei Ebenen, eine Perspektive

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Die vergangene Woche war nicht nur äußerst abwechslungsreich, weil sie drei außergewöhnliche Veranstaltungen bot, sondern sie war auch ein Paradebeispiel für die inzwischen deutlich gewordene Relevanz der sozialwissenschaftlichen Analyse von Internet und Gesellschaft – und wie man sie richtig angeht. Und das ist – bei allen Herausforderungen und Mühen des wissenschaftlichen Alltags – ein Grund zur Freude.

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Digitalisierung: die stille Revolution

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Als der britische König Georg III. im Jahre 1763 mit der Neuordnung seiner nordamerikanischen Kolonien die Wut der Siedler hinaufbeschwor, konnte er wohl kaum ahnen, was er damit in Bewegung setzte: es war nicht weniger als der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte, der Vorlauf zu einer Revolution, die über die zehn Jahre später stattfindende und weltberühmt gewordene Boston Tea Party in die amerikanische Unabhängigkeit mündete. 1789 wurde George Washington als erster Präsidenten der USA vereidigt. In diesem Jahr gewann auch die Französische Revolution an Schwung und mündete nach etlichen Jahren des teilweise extrem blutigen Kampfes in der Gründung der Republik, welche sich durch ihre Wirkung auf unser Demokratieverständnis und unsere Gesellschaft auch heute noch maßgeblich bemerkbar macht. Man kann also ohne weiteres sagen, daß nicht nur die Französische Republik, sondern letztlich wohl ganz Europa sein Selbstverständnis maßgeblich aus den Ereignissen dieser Zeit zieht. Es läßt sich freilich festhalten, daß das republikanische Prinzip die in Europa nicht nur dominierende, sondern auch erfolgreiche Gesellschaftsordnung geworden ist. Es wird maßgeblich mit Freiheit, Liberalität, Rechtssicherheit und Fortschritt in Verbindung gebracht – und zwar so weitgehend, daß – wenn wir uns an den Arabischen Frühling vor einem Jahr erinnern, an Länder wie Ägypten, Libyen und heute auch Syrien – auch heute noch Menschen revolutionär denken und handeln, in dem Bestreben, Freiheit und Demokratie zu erringen. Und daran war ja auch die Digitalisierung nicht ganz unbeteiligt.

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Der Standortfaktor

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Ab und zu werde ich gefragt, warum ich in den letzten Jahren stets in Berlin geblieben bin und keine Jobs außerhalb der Hauptstadt – von Potsdam einmal abgesehen – angenommen habe. Nun, die Antwort ist recht einfach: Das Thema “Internet und Gesellschaft” konnte (und kann) ich hier in Berlin nun mal am besten bearbeiten, so meine Einschätzung. Es ist nämlich keineswegs egal, wo man sitzt und forscht, auch wenn die Loslösung von einem bestimmten Arbeitsort stets als Merkmal der digitalen Arbeitswelt genannt wird. Das mag in Bezug auf einen bestimmten Schreibtisch und dessen Verortung ja durchaus richtig sein – keinesfalls aber in dieser Form auch in Bezug auf eine bestimmte Stadt oder Region. Deshalb kann ich Jennifer Chayes, Microsoft Distinguished Scientist und Managing Director Microsoft Research New England in der Hinsicht aus ganzem Herzen zustimmen:

With labs in seven countries worldwide, we’re always intrigued by how location plays such a critical factor in the development and success of each Microsoft lab. In a way, New York City can be considered a living laboratory, built upon an intellectual foundation of renowned research institutions, an energized collaborative culture, and a hotbed of activity in high tech, financial services, publishing, advertising, art, and design. (…) The only limits are those of our imaginations. If we can dream it, we can build it. And what better place to dream and build than NYC?

(Quelle: technet.com)

Dasselbe kann ich deshalb für Deutschland über Berlin sagen …

Wes Brot ich ess: über die Käuflichkeit von Forschung und andere Sorgen

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Als Wissenschaftler, der an der Entwicklung von Services für den neuen Personalausweis (nPA) beteiligt war und dessen Forschungsgegenstand in ein paar Tagen wieder etwas mehr in den Mittelpunkt der (medialen) Öffentlichkeit rücken wird, wird man gern und schnell von einigen Kritikern in die willenlose Unterstützerecke einsortiert (“Wes Brot ich ess …”). Doch so einfach, wie sich manche die Situation (aus welchen individuellen Gründen auch immer) wünschen, ist sie nicht. Und das liegt nicht nur an der persönlichen Haltung des Wissenschaftlers (also im hiesigen Falle an meiner), sondern auch daran, daß die immer wieder zu vernehmende Idee, wahre inhaltliche Unabhängigkeit nur in Fällen der Unabhängigkeit von Drittmitteln (d.h. durch Verzicht auf „Auftragsforschung“) erreichen zu können, getrost verworfen werden kann. Man könnte eine Diskussion darüber gar ein Luxusproblem nennen, brauchbar für den Fall, daß man gerade keine größeren Probleme hat.
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Zum Tode von Steve Jobs: Herz und Intuition! Alles andere ist zweitrangig

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Nicht umsonst hat Apple-Mitgründer Steve Jobs eine seiner wohl wichtigsten Reden in Stanford, also an einem Ort der Wissenschaft gehalten. Deshalb sollten gerade Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler immer mal wieder innehalten und ihr Handeln, ihre Ausrichtung und ihr Streben reflektieren. Vielleicht gerade jetzt, zum Tode dieses großen Visionärs:

“Eure Zeit ist begrenzt. Vergeudet sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lasst euch nicht von Dogmen einengen – dem Resultat des Denkens anderer. Lasst den Lärm der Stimmen anderer nicht eure innere Stimme ersticken. Das Wichtigste: Folgt eurem Herzen und eurer Intuition, sie wissen bereits, was ihr wirklich werden wollt. Alles andere ist zweitrangig.”

(Quelle: SpOn)

Die Juniorprofessur ist kein PD-Trostpflaster

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Im aktuellen Newsletter des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) entdeckte ich eine interessante Passage zum Thema Berufungsrecht. Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner will das Berufungsrecht aus verschiedenen Gründen nicht den Hochschulen übertragen. In den vergangenen drei Jahren ist er einige Male von den Berufungsvorschlägen abgewichen:

„Als Gründe nannte der Senator Gleichstellungsgesichtspunkte oder die Nichtberücksichtigung der Überqualifikation von Bewerbern auf eine Juniorprofessur seitens der Hochschulen.“

(Quelle: Newsletter DHV 06/2010)

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Ich habe abgelehnt – Gegen “Venture Labor” in der Wissenschaft

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Neulich erreichte auch mich wieder einmal eines dieser “tollen Angebote”, die sich später mit Sicherheit “richtig auszahlen” würden. Ein honoriger Professor (anerkannt, kompetent, rührig und sympathisch, wenngleich auch nicht gerade unkompliziert) fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, etwas “Zeit und Energie” in ein (sehr vages) Vorhaben zu investieren, welches sich spätestens in ca. sechs bis neun Monaten in Form von Honoraren auszahlen würde. Eine Gewähr gäbe es freilich nicht und man müsse in meiner Position ja stets etwas investieren, bevor man (vielleicht) auch etwas herausbekommt. So sei das heutzutage nun mal in der Wissenschaft. Halt so wie im Freiberuflertum. Flexibel und mit Risiko. Da müsse man durch.

Ich habe abgelehnt.

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Ein Konferenzschreck namens Doppel-Q

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Es wurde an dieser Stelle ja schon einiges über wissenschaftliche Konferenzen geschrieben, doch ich denke, daß ein wichtiges Element bisher nicht ausreichend gewürdigt wurde und deshalb erlaube ich mir heute, so kurz vor dem Wochenende, mal einen subjektiv-launigen Beitrag zu diesem Thema.

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Erfolg

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Was ist eigentlich Erfolg in der Wissenschaft? Gemeint sind jetzt nicht Erfolge auf der Metaebene – bessere Gesundheit, Umweltschutz, Mobilität und so weiter. Nein, ganz konkret, bezogen auf den Arbeitsalltag eines Forschers: Was ist (ein) Erfolg?

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Über die Freiheit von der Lehre

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Einer der größten Vorteile des Forscherlebens ist die angenehme Tatsache, dass man auf Forschungspositionen nicht lehren muss. (Selbstverständlich kann man, wenn man will: zu meiner Forschungsarbeit gehört ein freiwilliges Lehrdeputat von zwei Semesterwochenstunden, und das Seminar, welches ich leite, ist ein Forschungsseminar, also keine dröge Druckbetankung ohnehin nur aus purer Not anwesender Studis, die schlicht und ergreifend „den Schein brauchen“ und so lust- wie hirnlos meinen Ausführungen lauschen. Doch dazu später mehr.)

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Die Forschung ist frei

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Auf welche Quintessenz könnte man kommen, wenn man eine erfolgreiche Forschungsphase im Rahmen der Promotion und knapp anderthalb Jahre als Forschungsleiter in einem ambitionierten Vorhaben beschreiben möchte? Man könnte zum Beispiel sagen: Die Forschung ist frei. Und das sind nicht nur ein gesetzliches Postulat sowie eine Binsenweisheit, sondern es ist in jeder Hinsicht richtig. So schön diese Tatsache inhaltlich ist, so schwierig ist es in vielen anderen Bereichen, mit denen sich ein Forscher im Rahmen seiner Arbeit auseinandersetzen muss. (Und damit meine ich nicht nur die allgemein bekannten Herausforderungen, vor die einen manch Uni-Verwaltung stellt.) In loser Folge möchte ich an dieser Stelle die verschiedenen Ausprägungen von Freiheit vorstellen und so einen kleinen Einblick in die digitale Forschungswelt ermöglichen.

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Über den Autor

Dr. phil. Stephan G. Humer ist Forschungsleiter und Begründer des Arbeitsbereichs Internetsoziologie an der Universität der Künste Berlin. Nach Beendigung seines Studiums der Soziologie, Psychologie, Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Freien Universität Berlin im Jahre 2005 folgte dort 2007 die Promotion.