18.06.2009 von
Carsten Boesel |
Bald fünfzehn Jahre ist es her, dass der amerikanische National Research Council (NRC) seine Bewertungen von Promotionsprogrammen an US-Universitäten veröffentlicht hat. Der lang ersehnte Nachfolger der 1995er Studie Research-Doctorate Programs in the United States, die in Fachkreisen als seriöse Alternative zu den kommerziellen Rankings gilt, war ursprünglich für 2005 angekündigt. Doch die Veröffentlichung wurde seitdem fast ein Dutzendmal verschoben und droht allmählich zur Farce zu werden, die sich nur noch mit schwarzem Humor ertragen lässt: Anfang Juni wurde eine Session auf der Jahreskonferenz der Association for Institutional Research, in der die neuen Rankings analysiert werden sollten, kurzerhand zur “Leichenschau” deklariert. Denn wenn die Daten irgendwann doch noch publiziert werden sollten, sind sie schon wieder veraltet. weiter ›
21.04.2009 von
Carsten Boesel |
“Amerikanische Verhältnisse” werden oft beschworen, wenn es um die aktuellen Hochschulreformen in Deutschland geht – sei es als leuchtendes Vorbild für Spitzenforschung und internationale Wettbewerbsfähigkeit oder als abschreckendes Beispiel für gnadenlose Konkurrenz, hohe Studiengebühren und die Diktatur des Marktes. Wie die US-Hochschulwelt jedoch wirklich aussieht, interessiert die Wenigsten: Wie so oft, wenn es um Amerika geht, genügen Halbwahrheiten und Unterstellungen, um in hochschulpolitischen Diskussionen zu punkten. Für alle, die genauer hinschauen möchten, liegt seit kurzem erstmals eine deutschsprachige Monografie vor, die die bunt schillernde US-Hochschulwelt umfassend und mit großer Sachkenntnis beleuchtet. weiter ›
27.01.2009 von
Carsten Boesel |
Der Kampf ums Dasein auf dem globalisierten Wissenschaftsmarkt findet heute hauptsächlich mithilfe von Publikationslisten statt: Wem es nicht gelingt, möglichst viele Veröffentlichungen in möglichst einflussreichen Fachzeitschriften zu platzieren, droht der Untergang. Publish or perish lautet das unbarmherzige Mantra, dessen Implikationen Andreas Wimmel in seiner dritten Faustregel zum Überleben in der Wissenschaft in diesem Blog bereits pointiert zur Sprache gebracht hat. Eine davon besteht darin, dass Wissenschaftler einen guten Teil ihrer Zeit damit verbringen, nach Publikationsmöglichkeiten für die eigenen Arbeiten zu suchen. Wer seine Artikel gerne in international zitierten US-Fachzeitschriften unterbringen möchte, sollte dabei einige wichtige Punkte beachten. weiter ›
23.12.2008 von
Carsten Boesel |
Die USA gelten gemeinhin als ein Land, in dem zügig studiert wird. Strukturierte Studiengänge und intensive Betreuung sollen dafür sorgen, dass sich niemand verzettelt oder frustriert aufgibt. Wer nun deshalb denkt, dass man an amerikanischen Universitäten schneller zum Doktortitel kommt als in Deutschland, liegt jedoch gründlich daneben. Das Gegenteil ist häufig der Fall: Nicht selten dauert es zehn Jahre und länger, bis US-Doktoranden ihr Ph.D.-Studium abschließen. Immerhin: Ausländische Promovenden kommen meistens etwas schneller zum Ziel als ihre amerikanischen Kollegen, wie eine neue Studie zeigt. weiter ›
22.11.2008 von
Carsten Boesel |
“Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.” Bonmots wie dieses von Bert Brecht lese ich bisweilen verwundert in den Signaturen geschäftlicher E-Mails und frage mich, weshalb wildfremde Menschen mir als erstes ihr Lebensmotto mitteilen. Nichts gegen Brecht, Gandhi oder Saint-Exupéry, aber philosophische Aussprüche haben in der geschäftlichen Korrespondenz nichts zu suchen. Schon gar nicht, wenn es sich um eine Bewerbung als Doktorand, Postdoc oder Hochschullehrer handelt. Zwar darf bei wissenschaftlichen Auswahlgremien davon ausgegangen werden, dass sie ein kluges Wort zu schätzen wissen, aber wer sich, wie heute üblich, per E-Mail an Universitäten in den USA oder Kanada bewirbt und dabei mit tiefsinnigen Thesen internationaler Geistesgrößen aufwartet, wirkt nicht professionell, sondern peinlich, und muss froh sein, wenn der angehängte Lebenslauf überhaupt geöffnet wird. Und auch im CV selbst, um den es heute gehen soll, lauern noch zahlreiche Fallstricke. weiter ›
15.10.2008 von
Carsten Boesel |
Er gehört zu jeder Bewerbung dazu, nicht nur in Nordamerika: der tabellarische Lebenslauf. Im Englischen heißt dieses wichtige Dokument entweder curriculum vitae (kurz: CV) oder résumé. Doch während die beiden Begriffe in Großbritannien, Europa und anderen Teilen der Welt weitgehend synonym verwendet werden, sind in den USA und Kanada damit in der Regel zwei sehr unterschiedliche Dokumente gemeint. weiter ›
11.09.2008 von
Carsten Boesel |
„Excellent“, „superb“, „outstanding“, „brilliant“: Liest man die Referenzen, mit denen sich Doktoranden, Postdocs und Stipendiaten in den USA um Jobs in der Wissenschaft bewerben, fühlt man sich unweigerlich nach Lake Wobegon versetzt – jenen fiktiven Ort des US-Schriftstellers und Radiomoderators Garrison Keillor, in dem alle Frauen stark, alle Männer gutaussend und alle Kinder überdurchschnittlich sind. Ohne inflationäres Lob und ein Maximum an Superlativen kommt heute im amerikanischen Wissenschaftsbetrieb kein gutes Empfehlungsschreiben („letter of recommendation“) mehr aus. weiter ›