Über meinem Schreibtisch hängt ein Bild, das ich aus der Zeitung ausgerissen habe. Es zeigt ein Foto mit der Beschriftung: „Der sowjetische Arzt Leonid Rogazow entfernte sich 1961 auf einer einsam gelegenen Polarstation eigenhändig den Blinddarm.“ – Montag muss meine Diss in die Druckerei, und der Text ist noch nicht fertig. weiter ›
Beiträge aus der Kategorie ‘ Schreiben lernen ’
Für die Arbeit an meiner Dissertation verbleiben 15 Wochen, kurz nach Herbstbeginn werden wohl einzelne Tage die Maßeinheit der Restzeit sein. Man fühlt ihn noch nicht, diesen Herbst – aber das hier muss wohl so etwas wie der Endspurt sein. Nur: wie geht der? weiter ›
Ich hatte einen Vogel. Ein, zwei, drei Jahre habe ich jetzt herumgesponnen, mal hier diese Theorie ausprobiert, mal dort verschiedene Gedanken verfolgt. Und in der Silvesternacht ist wieder ein Jahr an sein Ende gekommen, damit auch ein Promotionsjahr. Für mich in diesem Fall sogar nicht irgendeines, sondern das vorletzte. Die Phase des vagabundierenden Herumdenkens muss also jetzt zu einem Ende kommen, dieses Jahr wird das letzte sein. Im ersten Bleigießen meines Lebens habe ich somit natürlich auf ein Zeichen für dieses entscheidende Jahr gehofft. Und dann kam der Vogel, und seine bleischwadenumnebelte Botschaft lautete: Fliege nicht zu hoch hinauf. Höchste Zeit also, gedankliche Höhenflüge zu erden und alles, was man bisher so gesammelt hat, ein wenig zu konzentrieren, zu konsolidieren und: zu gliedern. weiter ›
„Na, kommst Du voran?“ Das Telefonat mit meinem Bruder ist wieder beim unvermeidlichen Thema Doktorarbeit angekommen. Und schon im Ansatz der Frage bekommt seine Stimme einen vorsichtigen, fast mitleidigen Tonfall. Meine Antwort entsprechend ausweichend: „Na ja. Hmm. Vorankommen. Was heißt das denn bei einer Doktorarbeit?“ weiter ›
Angeblich dürfen angehende japanische Sushi-Meister während ihrer Lehrzeit immer nur zuschauen, ohne jemals selbst Reis zu kochen oder Fisch zu schneiden. Wenn sie lange Jahre geschaut und nachvollzogen haben, gelingt ihnen das erste eigene Zubereiten der Reisröllchen perfekt und auf Anhieb. Ich glaube, auf diese Art arbeite ich gerade an meiner Diss. weiter ›
Ich bin ein miserabler Chef. Mein Laden ist ein Sauhaufen. Sicher, die Angestellten können sich keinen besseren Chef wünschen: Ich bin großzügig und freimütig gegenüber meinem Bediensteten, ich bin nachsichtig und verständnisvoll, ich habe ein Ohr für ihre Bedürfnisse, auch (oder gerade) wenn sie nicht die Arbeit betreffen. Ich markiere meine Autorität nicht, ich übe nur selten Druck aus, ich lasse meine Leute machen, wie sie wollen und wenn sie nicht wollen, versuche ich nicht mal, sie zu motivieren – es mangelt mir komplett an Führungsqualität. Die Arbeit, für die letzten Endes ich als Chef verantwortlich bin, gerät dabei leicht ins Hintertreffen. weiter ›
Allerorten die gleiche Frage: Hast du dir was vorgenommen für das nächste Jahr? Was willst du besser machen? Was ist dein Plan für 2009? Der brave Doktorand sagt jetzt: Ich will noch mehr, noch strukturierter, noch effizienter, noch zielorientierter promovieren. Alles in den Dienst meiner Diss stellen. Ich sage: So nicht! weiter ›
Jeder Doktorand ein Künstler! Was Promovierende von Belletristen lernen können
16.10.2008 | Kommentare: 2Für die Mehrzahl von uns Doktoranden ist die Dissertation das erste zu schreibende Buch; entsprechend schwer tun sich die meisten. Auf der Frankfurter Buchmesse habe ich ungefähr Milliarden Bücher bestaunen können. Erstaunlicherweise. Denn immer wieder hört man auch aus dem Mund von Literaten, welche Qual das Schreiben bedeutet: „Ich hasse das Schreiben, aber ich liebe es, geschrieben zu haben.“ weiter ›
Da steht man so vor dem Bücherregal und staunt, weil die Fachliteratur weiter reicht als das Auge. Und die Theorien weiter als der Verstand. Dann fängt man an, sich einzuarbeiten, kundig zu machen, Theorien aufzuarbeiten. Man entdeckt große Unterschiede. Und spätestens dann stellt sich die Frage: Was will eigentlich ich glauben? weiter ›
Das Verfassen einer Doktorarbeit besteht allem Vernehmen nach aus drei wesentlichen Vorgängen: Einarbeitung, Datenerhebung und Schreiben. Wo aber endet die Einarbeitung, wann beginnt das Schreiben? Wann weiß ich über mein Thema so weit Bescheid, um richtig anfangen zu dürfen? weiter ›
Aller Anfang ist schwer. Jeden Tag. Mehrmals. Denn: A wie „Anfangen“, das ist eigentlich auch A wie „Ablenkung“, hauptsächlich aber A wie: „Aufhören“. weiter ›
Eine Diss zu schreiben, ist im Prinzip ganz einfach: Man fängt an, danach muss man dranbleiben, da hilft nur Sitzfleisch, und zum Schluss, so zwei-, drei-, vierhundert Seiten später, ist man fertig. Das ist alles! Oder? weiter ›


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