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Beiträge aus der Kategorie ‘ Überleben in der Wissenschaft ’

Faustregel 7: Mutiere zum “Postdoctoral Fellow” und ziehe aus in die weite Welt!

von Andreas Wimmel | Kommentare: 21

Ein unbekanntes Wesen namens „Postdoctoral Fellow“ hat Einzug gehalten ins deutsche Wissenschaftssystem und verdankt seine Existenz in erster Linie dem plötzlichen Aussterben der alten C1-Assistentenstellen. Der Juniorprofessor, so die ursprüngliche Idee, sollte in diese Lücke stoßen und ohne Habilitation losforschen und losdozieren dürfen, zumindest bis sein in der Regel befristeter Vertrag ausläuft. Nun ja, wie wir alle wissen ist diese Rechnung dummerweise bislang nicht aufgegangen, da Juniorprofs auch sieben Jahre nach Einführung immer noch eine äußerst seltene und gefährdete Spezies darstellen. weiter ›

Faustregel 6: Wirb Drittmittel ein, auch wenn Du sie eigentlich nicht brauchst!

von Andreas Wimmel | Kommentare: 8

Drittmittel sind in Zeiten der chronischen Unterfinanzierung öffentlicher Hochschulen notgedrungen zum Überlebenselixier der Wissenschaft geworden. Üppige Lehrstuhlausstattungen, die früher aus den Grundetats der Universitäten (Erstmittel) hervorgezaubert wurden, gehören der Vergangenheit an, heutzutage sind sämtliche Mittel vom Reisekostenzuschuss bis zum Exzellenzcluster bei staatlichen oder privaten Förderinstitutionen einzuwerben. Ohne diese externen Zuwendungen läge der Forschungs- und Lehrbetrieb vielerorts bereits lahm, so dass deren Bedeutung nicht nur für die Sicherung des Hochschulwesens insgesamt, sondern auch für persönliche Karriereperspektiven erheblich gestiegen ist. Wer sich im unübersichtlichen Drittmittelparcours nicht zurechtfindet und mit leeren Taschen zum Vorsingen erscheint, hat denkbar schlechte Karten, selbst wenn er ansonsten auf beeindruckende Forschungsleistungen verweisen kann. Zuerst muss mal der an Land gezogene Mammon stimmen, das umfangreiche Fachwissen, das so eine Professur erfordert, kann sich der Kandidat sicher schnell noch anlesen. weiter ›

Faustregel 5: Begrenze und definiere Dein Forschungsfeld eindeutig!

von Andreas Wimmel | Kommentare: 14

„Interdisziplinarität“, also die fächerübergreifende Zusammenarbeit verschiedener Einzeldisziplinen an einer umfassenden Forschungsfrage, gilt heutzutage als Zauberformel moderner Wissenschaft. Wirklich neue und innovative Erkenntnisse, so die These, könnten nur noch an den Schnittstellen zwischen den Fachrichtungen gefunden werden, da in den engen Grenzen der klassischen Einzelwissenschaften die Ernten längst eingefahren seien. Nur wenn man auf den ersten Blick fachfremde Erfahrungen, Theorien und vor allem Methoden geschickt kombiniert und zusammenfügt, könnten komplexe Probleme gelöst werden, an denen die zu spezialisierten Fachkollegen bislang gescheitert waren. weiter ›

Faustregel 4: Konzentriere Dich auf “relevante” und “wichtige” Themen!

von Andreas Wimmel | Kommentar: 1

Institutionen zur Forschungsförderung, wie zum Beispiel die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) oder die Volkswagenstiftung, betonen in der Regel, dass allein die „wissenschaftliche Exzellenz“ von Projektvorschlägen, also der Erkenntnisfortschritt oder die Innovation der zu erwartenden Forschungsergebnisse, ausschlaggebend sei für die Vergabe finanzieller Mittel, und nicht etwa Kategorien wie praktische Anwendbarkeit oder gesellschaftlicher Nutzen. Ganz gleich, wie man zu diesem Leitsatz stehen will, wird mit einem solchen Plädoyer für die Grundlagenforschung in Aussicht gestellt, jede Form von neuem Wissen, das den bis dato gültigen Forschungsstand punktuell korrigiert oder gar in seinen Grundfesten erschüttert, hätte die gleiche Wertigkeit und wäre damit prinzipiell gleich förderungswürdig, ganz unabhängig davon, ob ein wirksamer Impfstoff zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs entwickelt oder die Konstruktion von Geschlechterbeziehungen in französischen Romanen des 19. Jahrhunderts aufgearbeitet werden soll. weiter ›

Faustregel 3: Publiziere, präsentiere, publiziere, präsentiere, publiziere..!

von Andreas Wimmel | Kommentare: 13

Wie ein Bäcker an seinen Brötchen oder ein Schreiner an seinen Schränken gemessen wird, so steht und fällt der Marktwert eines Wissenschaftlers und damit seine Überlebenschance im System zuallererst mit der Qualität und vor allem der Quantität seiner Publikationen und Präsentationen. Zugegeben, eine meterlange Publikationsliste allein stellt keine garantierte Lebensversicherung für den Ruf auf einen Lehrstuhl dar (siehe die anderen Faustregeln), aber ganz sicher gilt, dass man ohne Publikationen auf dem Konto wie ein lebensmüder Lemming auf die Klippen zuläuft und früher oder später abstürzt. weiter ›

Faustregel 2: Sei diplomatisch, der nette Kollege vergisst Deine Kritik nie!

von Andreas Wimmel | Kommentare: 5

Kritik ist eine wichtige Voraussetzung wissenschaftlichen Fortschritts. Nur wenn Theorien und Behauptungen immer wieder angezweifelt und überprüft werden, sei es durch die Anwendung weiterentwickelter Methoden oder die Erhebung neuer Daten, können wir auf Schlussfolgerungen und innovative Ideen hoffen, die über den aktuellen Forschungsstand hinausgehen. Selbst wenn zwischen den Fachdisziplinen immer noch hin und wieder vom Positivismusstreit inspirierte Grabenkämpfe aufbrechen, würden vermutlich die meisten Wissenschaftler diesem allgemeinen Grundsatz kopfnickend zustimmen und sollten demnach dankbar sein für jede konstruktive Kritik an ihrer Forschung, die Schwächen oder Fehlinterpretationen offenlegt. weiter ›

Faustregel 1: Akzeptiere die Spielregeln des Systems und handle danach!

von Andreas Wimmel | Kommentare: 10

Wenn man mit normalen Menschen, die nicht jede nebensächliche Bemerkung gleich kritisch hinterfragen und einen Nagel ohne Blutvergießen in die Wand schlagen können, also mit Nicht-Wissenschaftern, über die akademische Welt redet, hat man oftmals den Eindruck, diese Menschen halten Universitäten und Forschungseinrichtungen für Hochburgen der reinen Vernunft. weiter ›