Wissenschaft und Fussball passen gut zusammen – gerade in der Politikwissenschaft. Nicht nur sind viele Kollegen begeisterte Fussballfans und hin und wieder auch begeisterte wenn auch nicht unbedingt fähige Fussballer. Fussball hat auch inhaltlich eine Menge Parellelen zum Fach: einerseits ein Kampfspiel, dass dem europäischen Nationalismus ein besseres Ventil bietet als mit Waffen auf einander loszugehen, andererseits, ein Ausdruck der europäischen Einigung mit immer mehr Ausländern (Freie Mobilität von Arbeitnehmern) in heimischen Fussballteams und eine Championsleague die im Prestige die nationalen Ligen überstrahlt.
Und dann spielen Wissenschaftler auch gern selbst Fußball. Bei Kings College London tritt das War Studies Department einmal im Jahr gegen Peace Studies von der Universität von Bradford an – und verliert regelmässig – von wegen die weissen Tauben sind müde! Und an meiner früheren Uni Birkbeck traten wir gegen Teams von anderen “Unternehmen” an, zum Bespiel das “Serious Crime Unit” der Metropolitan Police, die erwartungsgemäss ziemlich hart und unerwarteterweise auch etwas unfair zur Sache gingen. Fussball stärkt besonders im Sieg, aber auch in der Niederlage das Zusammengehörigkeitsgefühl. Und führt zu kleinen Glücksmomenten, zum Beispiel als ich als eingefleischter und relativ unmodern hinten bleibender Verteidiger mein erstes offizielles Tor im Spiel der Züricher Zeitung gegen das Bürgermeisteramt der Stadt Zürich schoß!
Doch obwohl ich nun in der selbstproklamierten Heimat des Fussballs lehre und forsche, gehen meine schönsten Fussballerinnerung auf das alljährliche Lehrstuhlturnier an der Universität zu Köln zurück. Einmal im Jahr traten die vier Lehrstühle am politikwissenschaftlichen Institut und ein Team der studentischen Fachschaft gegeneinander an, dass heisst auf Lehrstuhlseite die Profs (zumindest zwei), WMs und viele manchmal nicht ganz regulär hinzugezogene studentische Hilfskräfte, denn irgendjemand muss ja laufen können – gerade wenn es gegen die Jungspunde der Fachschaft geht. Und die weibliche Hälfte der Wissenschaft war nicht nur auf den Zuschauerrängen vertreten und in der turnierbegleitenden Gastronomie, sondern auch auf dem Platz, da jedes Team eine Mindestzahl an Frauen haben musste. Seitdem glaube ich an die positiven Wirkungen der Quote. Zumindest hätte es sonst mehr Blutgrätschen gegeben.
Und dennoch schien jedes Turnier mit ein oder zwei Verletzten zu enden – übermässiger Ehrgeiz einiger Teilnehmer (welcher Lehrstuhl ist der Beste?!) und zuviele Maulwurfshügel auf dem Platz. Leider kann es so etwas wie ein Lehrstuhlturnier in England nicht geben, da es keine Lehrstühle im deutschen Sinne als kleine Unternehmen gibt und die Paarung Wissenschaftler gegen Studenten würde wohl sehr einseitig im Ergebnis ausfallen- es sei denn wir dürften Doktoranden rekrutieren. Aber vielleicht finden wir noch eine gelungene Konstellation, vielleicht Natur- gegen Sozialwissenschaftler? Oder Ingenieure gegen Philosophen? Da könnte man auch gleich angewandt den Zusammenhang zwischen Fach- und Spielkultur studieren.




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Kommentare (2)
Fußball ist etwas großartiges und bestens dazu geeignet, Menschen zusammenzubringen.
Ich musste gerade spontan an den “Winckelmann-Cup” denken, für den sich Archäologen, aber auch andere Altertumswissenschaftler aus ganz Europa einmal jährlich zusammenfinden. Eine schöne Veranstaltung, bei der es auch immer einige Kriegsverletzungen gibt. Offenbar musste bis jetzt jedes Jahr mindestens einmal der Krankenwagen kommen.
http://www.winckelmann-cup.eu/
Krankenwagen: Die Rache für die Kritik an einem Aufsatz?
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