Die Zukunft der deutschen Universität Von Clemens Albrecht
In den vergangenen Jahrzehnten hat eine Universitätsreform die andere abgelöst. Heute hat ein von außen an die Universitäten herangetragenes ökonomisches Denken, das nicht wenige strukturelle Zwänge entwickelt, das Definitionsmonopol. Bleiben dabei Bildung und Wissenschaft, die Markenzeichen der "klassischen deutschen Universität", auf der Strecke?
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Wissenschaft ist ein autonomes Handlungsfeld, das auf die Generierung neuer Erkenntnisse ausgerichtet ist. Wissenschaft dient nur der Wahrheit - nicht einer politischen Ideologie, nicht einer Nation, einer Religion, nicht der Steigerung des Bruttosozialprodukts oder der Standortsicherung und schon gar nicht der Dividende. Selbstverständlich kann aus ihr jede soziale, ökonomische oder politische Gruppe ihre Vorteile ziehen, aber je unabhängiger von gesellschaftlicher Zweckdienlichkeit Wissenschaft ihrer Wahrheitssuche nachgehen konnte, desto besser erfüllte sie ihre zentrale Aufgabe: durch Erkenntnisse Möglichkeiten für ein besseres menschliches Leben zu schaffen.
Deshalb ist durch die Leitidee Wissenschaft der Handlungshorizont auf ein allgemeines Ziel ausgerichtet. Bildung durch Wissenschaft befähigt die Lehrenden und die Lernenden, über die gegebenen Zustände und Zusammenhänge hinauszudenken, abstrakt, losgelöst von der gesellschaftlichen Wirklichkeit Neues zu antizipieren.
Die neue Leitidee Forschung und Ausbildung dagegen beendet die Epoche der relativen Autonomie, indem sie beide Elemente rückbindet an gesellschaftliche Zwecke: Forschung ist Auftragsforschung, Ausbildung ist Orientierung an Berufsfeldern, die es bereits gibt. Durch Forschung und Ausbildung werden aus autonomen Innovationszentren funktional dienliche Optimierer des Bestehenden.
2. Der materielle Apparat der deutschen Universität ist mager, aber sicher. Der materielle Apparat der Universität in Deutschland ist üppig, aber unsicher. Denn die gegenwärtige Hochschulpolitik verändert die Mittelzuteilung von der fixen Grundausstattung auf Leistungsanreize. Das hat Folgen, die selten bedacht werden.
An Universitäten sitzen in der Regel Menschen, die ehrgeizig sind, etwas erreichen und das Erreichte auch anerkannt wissen wollen. Worauf richtet sich dieser Ehrgeiz, in welchem Feld sucht er Anerkennung? An deutschen Universitäten gibt es außerhalb des spezifischen Fachbedarfs (Mediziner benötigen eine höhere Grundausstattung als Juristen) durch das feste Zuweisungssystem wenig Raum, diesen Ehrgeiz auf den materiellen Apparat zu lenken, weshalb er frei wird für die Sache. Das klingt abstrakt, ich möchte es konkretisieren.
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11. März 2010
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW









