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Karrierewege in der Forschung
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Vom Molekül zum Medikament Von Carsten Bösel

Die Molekularbiologin Dr. Heike Neubauer ist Laborleiterin im Biberacher Forschungszentrum des Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim. Ihr erklärtes Ziel: einmal die Entwicklung eines neuen Medikaments von der ersten Idee bis zur Markteinführung zu begleiten.

Forschen für die Menschheit: Vom Molekül zum Medikament© Boehringer IngelheimDas große Ziel für die Molekularbiologin Dr. Heike Neubauer: Wirksame und marktfähige Medikamente zu entwickeln
Eins zu zehntausend. So stehen in der pharmazeutischen Forschung durchschnittlich die Chancen, dass ein untersuchter Wirkstoff tatsächlich einmal zur Anwendung am Patienten kommt. Der Weg dorthin, von der Entdeckung eines ersten Moleküls bis zum marktfähigen Medikament, dauert meistens mehr als ein Jahrzehnt und ist oft von Rückschlägen bis hin zum abrupten Abbruch eines Projekts begleitet, wenn die Arbeitshypothesen durch neue Erkenntnisse plötzlich unhaltbar werden. Auf diesem langen und herausfordernden Weg benötigen Forscher neben ihrer wissenschaftlichen Expertise vor allem Ausdauer, Kreativität und Flexibilität.

Eine, auf die diese Stellenbeschreibung zutrifft, ist Dr. Heike Neubauer. Die 41-Jährige ist seit 2003 Laborleiterin im Biberacher Forschungszentrum des Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim, das weltweit rund 3700 Wissenschaftler, technische Mitarbeiter und Assistenten in der präklinischen Forschung und Entwicklung beschäftigt und 2007 von der Fachzeitschrift Science zum besten Arbeitgeber in der Pharma- und Biopharmabranche gekürt wurde. Heike Neubauers Forschung konzentriert sich auf den Bereich Stoffwechselerkrankungen und die Entdeckung neuer Moleküle, die potenziell als Medikamente gegen Typ-2-Diabetes, erhöhte Blutfettwerte (Dyslipidämie) und Arteriosklerose wirksam sein könnten.

Zum Arbeitsbereich der Molekularbiologin gehört neben der anfänglichen Grundlagenforschung der Aufbau von verschiedenen biologischen Testsystemen zur Optimierung der chemischen Strukturen eines potenziellen Wirkstoffes. Diese Vorversuche sind wichtig für die Medikamentenentwicklung, dem eigentlichen Ziel der Projektarbeit. "Man muss sehr viel leisten und sich immer wieder fragen, ob das Ganze noch Sinn macht und die Hypothesen stimmen", gibt Neubauer zu bedenken. "Von der eigentlichen Projektidee bis hin zur Klinik gibt es große Verluste an Projekten." Doch die Bilanz der Biberacher Stoffwechselforschung kann sich sehen lassen: Mehrere Moleküle im Bereich Diabetes konnten bereits die ersten Hürden nehmen und in die klinische Entwicklungsphase gebracht werden.

Stationen in der universitären und industriellen Forschung

Die Themen Diabetes und Stoffwechselstörungen interessierten die gebürtige Marbacherin bereits während ihres Studiums der Ernährungswissenschaften an der Universität Hohenheim. Ihre Diplomarbeit verfasste sie im niederländischen Groningen und promovierte anschließend in Molekularbiologie am Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen. Es folgten ein Postdoc-Aufenthalt im Schweizer Forschungszentrum von Nestlé sowie drei Jahre als Wissenschaftlerin in der Diabetes-Forschung an der Universität Lausanne, bevor es 2003 zu Boehringer Ingelheim und damit zurück in die industrielle Forschung ging. Heike Neubauer kennt also beide Welten. Das ist ungewöhnlich in Deutschland, wo ein Wechsel von der universitären Forschung in die industrielle und umgekehrt eher die Ausnahme ist.