Gemeinschaft als Therapie Von Harro Albrecht
Nicht nur Schnupfen ist ansteckend, sondern auch das Wohlbefinden. Soziale Netzwerke helfen, gesund zu bleiben - und glücklich.
© Pavel Losevsky - Fotolia.com»Menschen, denen man vertraut und mit denen man sich verbunden fühlt, konnten die Hirnregionen besänftigen, die mit Gefahren und verschärfter Aufmerksamkeit zu tun haben«, sagt Coan. Die positive Wirkung des Händchenhaltens zeigte sich aber auch dann, wenn ein Fremder der jeweiligen Probandin zur Seite stand. »Der Effekt ist bei einem Fremden zwar geringer, aber durchaus nachweisbar«, sagt der Wissenschaftler. Und noch etwas fand der Forscher heraus: Am stärksten half die Berührung bei jenen Paaren, die zuvor angegeben haben, miteinander besonders »glücklich« zu sein. Coan hatte in seinem Labor die alte Volksweisheit bewiesen: Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Zweisamkeit hilft: Wunden heilen schneller, Depressionen sind seltener
James Coan ist nur einer von vielen Forschern, die ein altbekanntes Phänomen neu erforschen: die heilsame Kraft der sozialen Beziehung. Mediziner, Hirnforscher und Statistiker finden immer neue Belege dafür, wie Menschen vom Zusammenleben mit anderen profitieren. Den aktuellen Kenntnisstand fasst Coan so zusammen: »Bei Menschen in einer engen Beziehung heilen Wunden schneller, sie werden seltener krank, sind weniger anfällig für Depressionen und Ängste und leben sogar länger« (siehe Seite 32). Demografische Untersuchungen zeigen schon lange, dass Verheiratete im Schnitt gesünder sind und länger leben als Singles. Das Fehlen sozialer Beziehungen, stellte der Soziologe James House bereits 1988 fest, ist ein ebenso hohes Gesundheitsrisiko wie Zigarettenkonsum, hoher Blutdruck, Übergewicht und Bewegungsmangel.Artikel zum Thema
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