Gute Lehre muss sich lohnen - Ein Plädoyer
Von Andreas Schlüter
Was sind die notwendigen Bedingungen für gute Lehre an den Hochschulen? Würde eine Verdoppelung der Hochschullehrerzahl zu einer Verdoppelung der Qualität führen? Oder müsste man mit einer Veränderung der Strukturen beginnen?
© dra_schwartz - iStockphoto.comMeine These lautet: Qualität in der Lehre ist weniger ein quantitatives Problem. Der Ruf nach mehr Geld für die Hochschulen greift deshalb viel zu kurz. Vielmehr ist die Vernachlässigung der Lehre ein Strukturproblem. Deshalb muss man ihm auch mit Strukturveränderungen begegnen.
Wir kennen die immer wieder erhobene Forderung nach mehr Geld, mehr Personal und einer besseren Ausstattung der Universitäten. Im Schnitt kommen hierzulande 52 Studenten auf einen Professor - eine im internationalen Vergleich mit renommierten Hochschulen führender Industrienationen blamable Zahl. Dort sind es oft nur acht bis zwölf. Die Hochschulrektorenkonferenz hat deshalb jüngst bekräftigt, dass die Betreuungsrelationen in vielen Fächern deutlich verbessert werden müssen, wenn sich die Qualität der Lehre erhöhen soll.
Gewiss ist die Betreuungsrelation ein wichtiger Indikator für die Qualität der Lehre. Zweifellos hat sich der Prüfungsaufwand durch den Übergang vom Diplom- und Magisterstudium zum Bachelor- und Master-Modell so stark erhöht, dass er sich insbesondere in den Massenfächern wie beispielsweise der Betriebswirtschaftslehre kaum mehr bewältigen lässt. Zweifellos ist das Betreuungsverhältnis für alle Beteiligten eine erhebliche Belastung. Die Überzeugung indessen, dass sich die Qualität der Lehre in Deutschland gewissermaßen automatisch verbessert, wenn wir denn nur mehr Personal und mehr Ressourcen dafür hätten, teile ich nicht. Doppelt so viele Professoren bedeuten nicht automatisch eine doppelte Qualität in der Lehre.
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Didaktische Kompetenz
Gute Lehre an der Hochschule ist nämlich ganz wesentlich auch das Produkt von didaktischer Kompetenz. Die Lehre an deutschen Hochschulen krankt maßgeblich daran, dass dieser Zusammenhang ignoriert oder sogar geleugnet wird. Vor kurzem hat die Junge Akademie in ihrem Papier über die Zukunft der Lehre behauptet, dass die Lehre "kein erhebliches Qualifikationsproblem" habe.Nun wäre es sicher verfehlt, dem Großteil deutscher Hochschullehrer die Eignung für den Beruf abzusprechen oder zu glauben, man könne das Problem unverständlicher Vorlesungen mit ein paar Kursen zur Didaktik für den Professor beheben. Dennoch ist zu konstatieren: Eine systematische Qualifizierung des Hochschulpersonals für die Aufgaben in der Lehre und der formale Nachweis entsprechender Fähigkeiten sind in der deutschen Hochschulwelt nicht vorgesehen. Das irritiert nicht zuletzt deshalb, weil Formalqualifikationen in Deutschland ansonsten auch im Wissenschaftssystem eine ganz erhebliche Rolle spielen. Unbeirrt und unerschütterlich verweisen nicht wenige Wissenschaftler darauf, dass ein guter Forscher auch ein guter Lehrer sei - eine These, die sich empirisch nicht belegen lässt. Lediglich Bremen verlangt vom Lehrpersonal an Hochschulen per Gesetz, "ihre pädagogische Eignung durch hochschuldidaktische Fortbildung aufrechtzuerhalten"; alle anderen Hochschulgesetze unterstellen, dass pädagogische Eignung durch Erfahrung allein gewonnen und nachgewiesen werden könne.
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29. Juli 2010
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