Heimatkunde Von Martin Spiewak
Wissenschaft ist international, die deutschen Universitäten sind es noch nicht. Gerade einmal fünf Prozent ihrer Professoren stammen aus dem Ausland.
© borrisey - stock.xchngAn unseren Hochschulen fehlen Gesichter wie jenes von James Adjaye. Ob Sprache oder Personal, Dienstrecht oder Mentalität: Die Universität ist eine sehr deutsche Angele gen heit geblieben. Selbst
in ihrer wissenschaftlichen Ausrichtung pflegen einige Fächer wie etwa
die Geschichte gern das Heimische.
Viele Ursachen für die zögernde Öffnung gegenüber der Welt haben die Fakultäten nicht selbst zu verantworten. Sie können wenig dafür, dass die Lingua franca der Wissenschaft Englisch ist - die meisten Studenten dieser Sprache aber nicht ausreichend mächtig sind. Dozenten, die nicht fließend Deutsch sprechen, sind hierzulande deshalb noch immer schwer vermittelbar. Auch der Vergleich mit der Max-Planck- Gesellschaft ist unfair. Ihre Institute locken mit Privilegien, die Hochschulen nicht haben, einer hervorragenden technischen Ausstattung etwa oder der Aussicht, sich allein der Forschung widmen zu dürfen.
Der größte Wettbewerbsnachteil der Universität ist jedoch die Bezahlung ihres Personals. Die Gehälter deutscher Hochschullehrer sind international längst nicht mehr konkurrenzfähig. Ein junger Professor verdient heute in Deutschland mitunter weniger als ein Lehrer. Und welcher etablierte Physiker kommt für 6000 Euro im Monat an eine Mas senuni ver si tät in München oder Köln, wenn ihm etwa in der Schweiz fast das Doppelte bezahlt wird und an einer Topuniversität in den USA das Dreifache? Die Exzellenzinitiative ändert daran nur in Ausnahmefällen etwas. Auch die Gehälter der neu zu berufenden Spitzenforscher müssen sich am Professorensold orientieren.
Eine Verbesserung immerhin bringt der Elitewettbewerb. Statt weltweit nach den Besten zu suchen, warteten die Hochschulen bisher ab, wer sich auf eine frei werdende Stelle bewarb. Stellenausschreibungen waren oft nur in Deutsch verfasst. So konnte kein ausländischer Professor ahnen, dass in Germany eine Stelle frei wurde. Nun bemühen sich wenigstens die Exzellenzbereiche darum, ihr Personal auch jenseits der Grenzen zu finden. Sie wissen: Zur internationalen Spitze kann nur gehören, wer selbst international ist. James Adjaye ist dafür der beste Beweis.
Aus DIE ZEIT :: 17.01.2008
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