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Labore des Pioniergeists Von Maren Soehring

Gestern Harvard, heute Dresden-Klotzsche: Was exzellente Forscher in Sachsens Hauptstadt lockt.

Labore des Pioniergeists© Masur - Wikimedia CommonsDie Zeitschrift "Science" kürte das Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik gerade zum weltweit besten Arbeitsplatz für Forscher außerhalb der USA.
Die Teststrecke misst nicht mehr als einen Meter, doch ihre Bedeutung ist unermesslich. Zwei Kisten, verbunden durch vier Kabelstränge, daneben Stefan Krone, 27 Jahre alt, Weltrekordhalter. Seine Entwicklung könnte bald auf der ganzen Welt verbreitet sein. Denn Krone hat das Übertragungstempo in Funknetzwerken geradezu revolutioniert. Für das Überspielen einer ganzen DVD benötigt heutige WLAN-Technik etwa zwölf Minuten. Krone schafft das in fünf Sekunden. Würde der Diplomingenieur Autos aufmotzen, hieße das: In der Zeit, die man bisher benötigte, um von Görlitz nach Gera zu fahren, ist man mit Krone schon einmal um die Erde. Seine Innovation soll Datenkioske ermöglichen, in Flughäfen, auf Bahnhöfen, im Supermarkt. Dort könnte man ganze Spielfilme aufs Handy laden, binnen Sekunden. Dank einer Innovation aus dem Barkhausen-Bau in der Georg-Schumann-Straße 11, Vodafone-Stiftungslehrstuhl. Dank einer Innovation made in Dresden. Hier gestalten mehrere Tausend Wissenschaftler schon heute die Zukunft. Sie beschichten Motor kolben in einem neuen Verfahren, das die Reibung verringert und Kraftstoff spart. Sie entwickeln Rennautos mit Elektroantrieb, forschen an neuen Behandlungsmethoden gegen Krebs und Alzheimer oder bauen Mini-Beamer in Handys ein. Leser können sich bald ihre Tageszeitung auf den »CoolReader« aus Dresden laden, eine Folie, die ähnlich groß und biegsam ist wie eine zugeklappte Zeitung.

Solche Fortschritte spiegelt auch das aktuelle Förderranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft, wo Dresden inzwischen in vielen Sparten zur Spitze gehört. 141,1 Millionen Euro sind in den Jahren 2005 bis 2007 nach Dresden geflossen; mehr Fördergeld bekamen nur Berlin, München, Hannover und traditionelle Wissenschaftsstandorte wie Göttingen, Heidelberg und Karlsruhe. Bei den Ingenieurswissenschaften belegt die TU Dresden inzwischen Platz acht, die Wirtschaftswoche kürte sie zur fünftbesten Uni Deutschlands. Und nach einer Studie der DB Research gehört Sachsens Hauptstadt zu den zehn »forschungsintensivsten« Standorten in Europa. Auch 20 Jahre nach der Wende spüren Wissenschaftler in Dresden Pioniergeist und den Willen, Wissenschaft gemeinsam voranzutreiben.

Zum Beispiel in der Küche von Haus 120, 1. Stock, im Forschungszentrum Rossendorf. Wenn Physiker Ulrich Schramm, Experte für Laser-Teilchenbeschleunigung, dort Kaffee holt, trifft er häufig auf Mediziner aus der Uniklinik. Mit Medizin hatte Schramm bislang wenig zu tun; im Projekt OncoRay sucht er nun gemeinsam mit Ärzten nach Wegen, um Krebs mit laserbeschleunigten Protonenstrahlen zu behandeln. Schramm sagt: »Wer wie ich Grundlagenforschung betreibt, arbeitet anderswo ein Projekt nach dem anderen ab. Hier kann ich mich langfristig auf Fragen der Krebstherapie konzentrieren. Diese Möglichkeit gibt es nur in Dresden.« Er hat vorher in Heidelberg und München gearbeitet. Obwohl er die Alpen vermisst, ist dem 43-Jährigen der Wechsel an die Elbe leicht gefallen - weil das Gesamtpaket stimmt: eine Stadt mit Wissenschaftstradition und bezahlbaren Mie ten, eingebettet in eine grandiose Landschaft. Und mit Hochkultur für jeden. »Zwei meiner drei Kinder singen inzwischen im Semperoper-Chor, und ich genieße die Konzerte«, sagt Schramm. Wie es gelingt, auf einmal im Konzert der weltweit anerkannten Institute zu spielen, zeigt das Beispiel des Max-Planck-Instituts (MPI) für molekulare Zellbiologie und Genetik, gegründet 1998.