Labore des Pioniergeists Von Maren Soehring
Gestern Harvard, heute Dresden-Klotzsche: Was exzellente Forscher in Sachsens Hauptstadt lockt.
© Masur - Wikimedia CommonsDie Zeitschrift "Science" kürte das Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik gerade zum weltweit besten Arbeitsplatz für Forscher außerhalb der USA.Solche Fortschritte spiegelt auch das aktuelle Förderranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft, wo Dresden inzwischen in vielen Sparten zur Spitze gehört. 141,1 Millionen Euro sind in den Jahren 2005 bis 2007 nach Dresden geflossen; mehr Fördergeld bekamen nur Berlin, München, Hannover und traditionelle Wissenschaftsstandorte wie Göttingen, Heidelberg und Karlsruhe. Bei den Ingenieurswissenschaften belegt die TU Dresden inzwischen Platz acht, die Wirtschaftswoche kürte sie zur fünftbesten Uni Deutschlands. Und nach einer Studie der DB Research gehört Sachsens Hauptstadt zu den zehn »forschungsintensivsten« Standorten in Europa. Auch 20 Jahre nach der Wende spüren Wissenschaftler in Dresden Pioniergeist und den Willen, Wissenschaft gemeinsam voranzutreiben.
Zum Beispiel in der Küche von Haus 120, 1. Stock, im Forschungszentrum Rossendorf. Wenn Physiker Ulrich Schramm, Experte für Laser-Teilchenbeschleunigung, dort Kaffee holt, trifft er häufig auf Mediziner aus der Uniklinik. Mit Medizin hatte Schramm bislang wenig zu tun; im Projekt OncoRay sucht er nun gemeinsam mit Ärzten nach Wegen, um Krebs mit laserbeschleunigten Protonenstrahlen zu behandeln. Schramm sagt: »Wer wie ich Grundlagenforschung betreibt, arbeitet anderswo ein Projekt nach dem anderen ab. Hier kann ich mich langfristig auf Fragen der Krebstherapie konzentrieren. Diese Möglichkeit gibt es nur in Dresden.« Er hat vorher in Heidelberg und München gearbeitet. Obwohl er die Alpen vermisst, ist dem 43-Jährigen der Wechsel an die Elbe leicht gefallen - weil das Gesamtpaket stimmt: eine Stadt mit Wissenschaftstradition und bezahlbaren Mie ten, eingebettet in eine grandiose Landschaft. Und mit Hochkultur für jeden. »Zwei meiner drei Kinder singen inzwischen im Semperoper-Chor, und ich genieße die Konzerte«, sagt Schramm. Wie es gelingt, auf einmal im Konzert der weltweit anerkannten Institute zu spielen, zeigt das Beispiel des Max-Planck-Instituts (MPI) für molekulare Zellbiologie und Genetik, gegründet 1998.
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