Willkommen! Melden Sie sich an. | Neu hier? Guided Tour |
 
Karrierewege in der Forschung
Schriftgröße: A | A | A
 

Praktisch promovieren Von Katrin Althoetmar

Den Doktortitel erwerben, Berufserfahrung sammeln, wichtige Kontakte für die angestrebte Karriere knüpfen und Geld verdienen: Wie sich das alles verbinden lässt, berichtet Philip Räth (26), der als Doktorand bei IBM arbeitet und erforscht, wie und ob der Einsatz von Sozialer Software für Unternehmen nützlich sein kann.

Praktisch promovierenPhilip Räth beschäftigt sich im Rahmen seiner Doktorarbeit bei IBM mit Social Software
academics: Herr Räth, warum promovieren Sie - und warum in einem Unternehmen?

Philip Räth: Bereits während der Diplomarbeit im Fach BWL an der European Business School (EBS) in Reichartshausen habe ich gemerkt, dass mir wissenschaftliches Arbeiten viel Spaß macht. Außerdem glaube ich, dass ein Doktortitel die beruflichen Perspektiven verbessert. Das Gleiche gilt für eine Promotion im Unternehmen, weil ich dadurch zusätzlich noch Berufserfahrung sammeln kann.

academics: Wie haben Sie und IBM sich gefunden?

Philip Räth: Meine Spezialgebiete sind Knowledge Management und Social Media. IBM hat mit "Lotus Connections" bereits eine Software entwickelt, die verschiedene Komponenten von Social Software auf einer Plattform integriert - da bot sich das Unternehmen als Partner an. Eine Initiativbewerbung meinerseits ist dann bei IBM im Bereich Technical Sales auf Interesse gestoßen.

academics: Worum genau geht es in Ihrer Doktorarbeit?

Philip Räth: Ich beschäftige mich mit Social Software, also mit Systemen, welche die Zusammenarbeit verbessern und fördern sollen. Dazu gehören zum Beispiel Wikis, Weblogs und Social Bookmarking. "Lotus Connections" funktioniert wie eine Art Facebook für Unternehmen: Jeder hat ein eigenes Profil mit Foto und weiteren Angaben über sich und sein Kollegennetzwerk. Dieses Profil weist aber außerdem noch auf Beiträge des Mitarbeiters in Blogs, Wikis und anderen Elementen hin. Ich untersuche, welchen Nutzen Unternehmen und die einzelnen Mitarbeiter von solchen Systemen haben können. Zusätzlich schaue ich mir Firmen an, die Social Software bereits erfolgreich einsetzen, und versuche herauszufinden, auf welche Weise sie diese bei sich eingeführt haben.

academics: Welches Interesse hat IBM an diesem Thema?

Philip Räth: Social Media gewinnt in Unternehmen immer mehr an Bedeutung, ist aber noch ein neues Phänomen, das empirisch bislang kaum erforscht wurde. Viele Kunden von IBM, die sich Gedanken zur Einführung von Lotus Connections machen, wollen natürlich wissen, wie andere an solche Projekte herangegangen sind. Da ist es von Vorteil, wenn in der Beratung Daten aus der Praxis, wie ich sie erhebe, angeführt werden können. IBM profitiert aber auch von meinen theoretischen Überlegungen, beispielsweise kann ich erklären, warum Menschen, die gut vernetzt sind, bessere Arbeit leisten als weniger gut vernetzte.

academics: Da sind wir jetzt aber auf die Erklärung gespannt!

Philip Räth: Diese Annahme beruht auf der Idee, dass jeder Mensch sowohl einen Kreis enger Freunde als auch eine gewisse Anzahl an Bekanntschaften mit eigenem Freundeskreis besitzt. Bekanntschaften fungieren somit als Brücke zu anderen Netzwerken dieser Art. Eine Person mit einer geringen Anzahl an Bekanntschaften wird demzufolge wenig Zugang zu Informationen aus anderen Teilen eines sozialen Systems haben. Sie bleibt länger isoliert von Fortschritten und Veränderung im gesamten System. Übertragen auf den Unternehmenskontext bedeutet dies, dass Mitarbeiter mit einem großen Netzwerk von einem schnelleren Zugang zu neuen Informationen profitieren und somit zum Beispiel bessere Entscheidungen treffen können.