Wie nützlich sind Rankings?
Michael Hartmann und Richard Münch zählen zu den profiliertesten Kritikern von Hochschulrankings. Detlef Müller-Böling verantwortet in Kooperation mit der ZEIT das wichtigste. Ein Streitgespräch.
Detlef Müller-BölingDETLEF MÜLLER-BÖLING: Sie nützen ihnen, weil Rankings Transparenz schaffen, auf mehreren Ebenen. Mit dem Hochschulranking des CHE...
ZEIT: ...des Centrums für Hochschulentwicklung, das von der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz getragen wird...
MÜLLER-BÖLING: ...können Abiturienten die Studienangebote der Universitäten anhand verschiedener Kriterien vergleichen. Das reicht von wissenschaftsfernen Aspekten wie der Durchschnittsmiete am Studienort über die Bibliotheksausstattung bis zur Betreuung der Studenten. Unser Forschungsranking dagegen misst die Forschungsleistung der Studiengänge. Diese Informationen helfen den Hochschulleitungen oder der Politik, Entscheidungen zu treffen.
MICHAEL HARTMANN: Das sind hohe Ansprüche, welche jedoch keines der mir bekannten Rankings einlöst. Ihnen ist ein Grundproblem gemeinsam: Sie müssen das Bedürfnis der Öffentlichkeit befriedigen, ein extrem komplexes Phänomen - die Leistung einer Universität - überschaubar zu bewerten. Daher vereinfachen sie und erzeugen allenfalls eine Scheintransparenz. Zudem lenken sie die Wissenschaft in eine gefährliche Richtung: Forschung, die sich nicht zählen lässt, verliert an Bedeutung. Professoren stellen weniger die Fragen, die sie interessieren, sondern richten ihre Projekte danach aus, was die Position im Ranking verbessert.
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MÜLLER-BÖLING: Rankings haben den Wettbewerb doch nicht erfunden. Schon immer galt etwa die Juristenausbildung in Heidelberg als besser als die anderer Hochschulen. Solche Urteile gründeten sich früher jedoch allein auf der Reputation. Rankings stellen den Hochschulvergleich auf eine objektivere Basis, indem sie empirische Daten heranziehen. Da gibt es Überraschungen. Die Universität Bremen galt lange Zeit als wissenschaftlich allenfalls zweitrangig. Dass dieses Image nicht mehr mit der Wirklichkeit übereinstimmt, konnten wir mit unseren Daten zeigen. Grundsätzlich gilt: Bevor man zur Pauschalkritik ansetzt, sollte man sich jedes einzelne Ranking genau anschauen, wie leistungsfähig es ist, was es misst und wie es das tut.
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9. September 2010
Universität Würzburg









