Wissenschaft als riskante Berufskarriere Von Vera Müller
Dieser Bundesbericht ist ein Novum. Erstmals hat die Bundesregierung fast alle relevanten Informationen zum Thema wissenschaftlicher Nachwuchs zusammengefasst. Was sind die wesentlichen Ergebnisse?
© nighthawk7 - stock.xchngDas geht aus dem ersten Bundesbericht zur Förderung des Wissenschaftlichen Nachwuchses (BuWiN) hervor, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veröffentlicht hat und der auf Studien und Umfragen von Hochschulforschern aus Halle, Kassel und München basiert.
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Bemerkenswert ist dem Bericht zufolge die unterschiedliche Bezahlung des wissenschaftlichen Nachwuchses: So erhielten im naturwissenschaftlich- technischen Bereich an Universitäten sowohl die Promovierten als auch die Nicht-Promovierten im Durchschnitt eine um mehr als ein Viertel höhere Vergütung als ihre Kollegen in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Beratung und Betreuung findet die Mehrheit der Promovierenden in Deutschland "nicht nur als angemessen, sondern insgesamt auch als zufriedenstellend", wenngleich Unterschiede nach Fächergruppen und Finanzierungsarten bestünden. Etwa ein Drittel wünschte sich eine deutlich bessere Beratungs- und Betreuungsqualität.

Die in dem Bericht analysierten repräsentativen Befragungen zum Hochschullehrerberuf aus den Jahren 1992 und 2007 ergaben, dass die Forschungskooperation, d.h. Projekte mit anderen Wissenschaftlern vor Ort, während der Promotionszeit gestiegen sind und beim wissenschaftlichen Nachwuchs insgesamt der Anteil der Lehraufgaben ein wenig zugenommen hat. Bei den Universitätsprofessoren hingegen fand eine deutliche Verschiebung in Richtung Forschung statt. 13 Prozent der in 2007 befragten Hochschullehrer sahen ihre Präferenz eindeutig in der Forschung (statt 7 Prozent 15 Jahre zuvor) und 65 Prozent in Forschung und Lehre mit stärkerem Akzent in der Forschung (statt 59 Prozent). Inzwischen sei der Anteil der ganz oder überwiegend Lehrorientierten beim wissenschaftlichen Nachwuchs höher als unter der Professorenschaft (29 im Vergleich zu 23 Prozent, 1992 hatten die entsprechenden Werte 28 und 35 Prozent betragen).
Die Chancengerechtigkeit der Geschlechter bildet einen weiteren Eckpfeiler des Berichts. Wenn auch der Anteil der Frauen an den Habilitationen kontinuierlich gestiegen ist, und zwar von 13,8 Prozent (1995) auf 23 Prozent (2005), sind sie bei den Habilitationen noch deutlicher unterrepräsentiert als bei den Promotionen (40 Prozent). Erst wenn Promotions- und Habilitationsphase einmal durchschritten sind, fällt für beide Geschlechter die Chance auf eine Neuberufung annähernd gleich hoch aus (s. Tabelle 2, unten). Auch bei den Juniorprofessuren sind Frauen unterrepräsentiert, wenngleich ihr Anteil im Vergleich zu den übrigen Professuren größer ist (29 Prozent). Einen "unter gleichstellungspolitischen Aspekten sehr bedenklichen Befund" liefert dem Bericht zufolge die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vorgelegte Studie über "Antragsaktivität und -erfolg von Juniorprofessoren bei der DFG", die den Zeitraum von 2002 bis 2005 umfasst und sich auf die Vergabe von Drittmitteln für Forschungszwecke konzentriert. So habe sich beim Vergleich der Antragsbeteiligung in den Geistes- und Sozialwissenschaften gezeigt, dass von den 330 Anträgen auf Einzelförderung, die von Juniorprofessoren als Hauptantragsteller eingereicht wurden, nur 67 von Frauen stammten.

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