Zur Kooperation verpflichtet - Daten und Fakten zur universitären und außeruniversitären Forschung Von Reinhard Kreckel
Politik, Wirtschaft und Hochschulen sind sich weitgehend einig, dass die Forschung zu stärken sei. Uneins ist man darüber, ob die Universität dabei weiterhin 'Zentrum der Forschung' bleiben oder die universitätsexterne Forschung stärker gefördert werden soll. Eine Analyse der Lage akademischer Forschung innerhalb und außerhalb der Universitäten.
© Andrey Volodin - iStockphoto.comForschung: FuL oder FuE?
Für die erste Konzeption gilt die Maxime: "Wer von der Forschung reden will, darf von der Lehre nicht schweigen." Sie leitet sich vom Humboldt'schen Prinzip der Einheit von Forschung und Lehre her und wird hier kurz als "FuL-Paradigma" bezeichnet. Für das FuL-Paradigma ist der akademische Charakter der Forschung grundlegend. Die Forschung gilt als notwendiger Bestandteil akademischer Persönlichkeitsbildung. Der engen Verknüpfung von freier Forschung und Lehre wird eine hohe Kulturbedeutung beigemessen. Die traditionellen Träger des FuL-Paradigmas sind in Deutschland die Universitäten und die außeruniversitären akademischen Forschungseinrichtungen, um deren Verhältnis zueinander es hier in erster Linie gehen soll.Die zweite Konzeption folgt eher der Maxime: "Wer ökonomischen Erfolg haben will, muss die Forschung fördern". Die dahinter stehende Leitvorstellung ist, dass Forschung und Entwicklung (FuE) - oder genauer: die Innovationsfähigkeit von FuE - der Schlüssel für die Erhaltung und Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft sei. Nicht die akademische Forschung steht somit im Zentrum des FuE-Paradigmas, sondern die industrielle Forschung. Die primäre Aufgabe der Hochschulen ist es aus dieser Sicht, dem FuE-System geeignetes Personal in ausreichender Zahl und Qualität zuzuliefern. Die Frage der Einheit oder Trennung von Forschung und Lehre spielt aus der FuE-Perspektive nur eine nachgeordnete Rolle, z.B. als "weicher" Standortfaktor.
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Freilich hat diese Darstellungsweise einen Haken: Bei der Berechnung wird der sog. FuE-Koeffizient zugrunde gelegt, der für die Hochschulen jeweils nur einen relativ geringen Teil der wissenschaftlichen Aktivitäten als FuE-Tätigkeiten gelten lässt, während der verbleibende Rest ihrer Tätigkeit (vor allem: die Lehre!) nicht als FuE gilt. So werden für die Fachhochschulen lediglich 5 Prozent, für die Kunsthochschulen 15 Prozent der laufenden Grundmittel als FuE-relevant angerechnet, während für die Universitäten der FuEAnteil je nach Fächergruppe zwischen 25 Prozent und 42 Prozent beträgt. Lediglich für die Drittmittelausgaben gilt generell ein 100 Prozent-Koeffizient. Die laufenden Ausgaben der außeruniversitären Forschungseinrichtungen werden dagegen insgesamt zu nahezu 100 Prozent als FuE-Ausgaben ausgewiesen.
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15. Juli 2010
Georg- August-Universität Göttingen









