Zur ungerechten Verteilung der Studiengebühren
Von Sebastian Mahner
Von Studiengebühren profitieren nicht alle Fächer in gleichem Maße. Das ärgert Studenten und Professoren.
Hans-Peter Burghof, Bankenexperte der Universität HohenheimJe teurer das Fach ist, umso mehr Geld gibt es
"Das ist im Wettbewerb tödlich", sagt Burghof, da zum Beispiel an der Universität Mannheim keine anderen Fächern den Wirtschaftswissenschaftlern etwas wegnähmen. "Wer für sein Studium zahlt, möchte das Geld für sein Studium haben und nicht, dass es für Studierende anderer Studiengänge eingesetzt wird." In Zeiten, in denen Gebührenpolitiker vom Studenten als Kunden sprechen, der in seine Zukunft investiert, klingt das logisch. Doch Hohenheim ist kein Einzelfall. Eine Reihe Unis, besonders in Nordrhein-Westfalen und Baden- Württemberg, verteilt Gebühren zugunsten von Fächern mit höheren Kosten um. Wobei oft die Studenten überfüllter Massenstudiengänge Fächer mitfinanzieren, in denen Studienbedingungen und Berufsaussichten ohnehin besser sind. "Arm subventioniert Reich" statt "Der Kunde ist König" - das könnte die ohnehin mäßige Akzeptanz der Gebühren bei den Studenten weiter untergraben.Artikel zum Thema
Dass umverteilt wird, versteht keiner, zumal Studiengebühren schon schwer genug aufzu bringen sind", ärgert sich Philipp Stiel von der Fachschaft Wirtschaftswissenschaften in Tübingen. Dort gibt es umso mehr Geld, je teurer der Studienplatz ist. Das trägt dazu bei, dass 2008 von den Gebühren, die direkt an die Fachbereiche gehen, pro Hauptfachstudent in der Rechtswissenschaft rund 430 Euro ankommen sollen, in der Chemie und Pharmazie jedoch etwa 660 Euro.

"Die Vorstellung, dass man durch einen kleinen Anteil, den man zahlt, die volle Kundenrolle erhält, ist absurd", sagt Ronge - dabei hatte NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) mit seiner "Geld-zurück-Garantie" für Studiengebühren genau diesen Eindruck erweckt. Natürlich will auch Volker Ronge mit den Gebühren möglichst viel verbessern, aber für die "Studenten als Ganzes".
Wo mehr Geld gebraucht wird, gibt es eine Art Gebühren-Soli - im Sommersemester 2007 zum Beispiel circa 120.000 Euro für Ingenieure und Naturwissenschaftler. Ronges Kollege Alfons Labisch, Rektor der Uni Düsseldorf, spitzt das Prinzip zu: "Wir investieren da, wo es am nötigsten ist." Für ihn Grund genug, im Sommersemester 2007 den Mathematikern und Naturwissenschaftlern eine Finanzspritze von 1,3 Millionen Euro für Laborgeräte und andere Ausstattung zukommen zu lassen. Dadurch wurden etwa 40 Prozent der Einnahmen an ein gutes Viertel aller Studenten verteilt. Die bisher weniger bedachten Fächer würden in "Zukunft auf jeden Fall" auch einbezogen, verspricht Labisch. Wer Gebühren zahlt, muss also hoffen, dass in seiner Studienzeit viel in sein Fach investiert wird.
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