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"Campus de Excelencia Internacional"

Von Christine Arndt

Auch Spanien hat jüngst ein Exzellenzprogramm auf den Weg gebracht. Worin liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur deutschen Exzellenzinitiative? Wie wird das Programm von den spanischen Universitäten angenommen und welches Volumen hat es?

"Campus de Excelencia Internacional"© Kevin George ? iStockphoto.com"Campus de Excelencia Internacional" - worin liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur deutschen Exzellenzinitiative?
In Anlehnung an die deutsche "Exzellenzinitiative" und ihr französisches Pendant "Opération Campus" hatte die spanische Regierung im Jahr 2009 das Programm "Campus de Excelencia Internacional / CEI" aufgelegt. Es gilt als eine der zentralen Maßnahmen des 2008 auf den Weg gebrachten hochschulpolitischen Reformpakets "Estrategia Universidad 2015". Ziel ist es, die spanischen Hochschulen noch weiter an internationale Qualitätsstandards heranzuführen, ihre weltweite Sichtbarkeit und Attraktivität für die besten Wissenschaftler und Nachwuchstalente aus dem Ausland zu erhöhen und die Universitäten durch Wissens- und Technologietransfer stärker für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in die Pflicht zu nehmen.

Bewerberlage

Nachdem die Nachfrage der 77 spanischen Hochschulen bereits bei der ersten Ausschreibung des CEI-Programms im Vorjahr außerordentlich hoch gewesen war, zeigte die zweite Ausschreibungsrunde 2010 eine noch bemerkenswertere Bewerberresonanz: 100 Prozent der öffentlichen und 50 Prozent der privaten Universitäten Spaniens bewarben sich 2010 um Projektförderung. Insgesamt wurden 48 Anträge von 61 Hochschulen eingereicht (32 Neuanträge und 16 Wiederbewerbungen). Auffällig im Vergleich zum Vorjahr war der Anstieg von Gemeinschaftsanträgen mehrerer Hochschulen sowie die Priorisierung grenzüberschreitender und geostrategischer Internationalisierungaspekte (Mittelmeerraum, Atlantik, Portugal, Pyrenäen und Lateinamerika). Darüber hinaus fiel eine im Vergleich zu 2009 stärkere thematische Diversifizierung auf (Energie, Umwelt, Tourismus, nachhaltige Entwicklung, biomedizinische Forschung und Produktion, Agrarund Ernährungswissenschaften, Meeresforschung, Informations- und Kommunikationstechnologie, Kulturerbe etc.).

Auswahlprozess

In einer ersten (nationalen) Auswahlphase wurde im Juni 2010 über die 48 Projektanträge des mit 13,5 Mio. Euro dotierten Unterprogramms "Fortalecimiento" (Unterstützungsmaßnahmen) entschieden. Zugleich traf die nationale Kommission eine Vorauswahl von 22 (aus 48) dem eigentlichen Exzellenzprogramm geltenden Bewerbungen. Die vorausgewählten Universitäten erhielten daraufhin insgesamt zwei Mio. Euro, um ihre Projekte weiter auszuarbeiten. In einer zweiten Phase wurden diese am 19. und 20. Oktober 2010 der internationalen Expertenkommission zur abschließenden Begutachtung vorgelegt.

Auswahlergebnisse

Am Ende der Auswahlsitzung identifizierte die internationale Expertenkommission insgesamt sieben Projekte (sowie eines noch unter Vorbehalt), die das Potenzial aufweisen, am Ende der fünfjährigen Förderzeit "internationale Exzellenz" zu erreichen (CEI internacional). Sieben weiteren Vorhaben beschied sie das Niveau "regionaler Exzellenz" (CEI regional).

Vorbild deutsche Exzellenzinitiative?

Ähnlich wie die deutsche Exzellenzinitiative verfolgt das spanische CEIProgramm die Absicht, durch die Organisation eines zielgerichteten, landesweiten Wettbewerbs und die Bereitstellung substanzieller Fördersummen den besten Hochschulen des Landes den Weg in die internationale Spitzengruppe zu ebnen. Dies soll vornehmlich durch die strategische Zusammenarbeit unterschiedlicher Einrichtungen (Fachbereiche, Institute, ausgegründete Unternehmen) und deren interdisziplinäre Kooperation geschehen. Ziel dieser Cluster-Bildung ist es, international attraktive, dem Wissens- und Technologietransfer verpflichtete Exzellenzzentren zu schaffen, um weltweit die besten Wissenschaftler anzuziehen und sich im internationalen Wettbewerb um die Ansiedlung von Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Campus-Nähe zu bewähren.

Stärker an der französischen "Opération Campus" orientiert ist die Bedeutung, die den Infrastrukturmaßnahmen beigemessen wird. Diese können im Rahmen des CEI-Unterprogramms INNOCAMPUS vom Ministerium für Wissenschaft und Innovation (MICINN) gesondert gefördert werden. Im Unterschied zur deutschen Exzellenzinitiative misst das analoge Programm in Spanien neben der Forschung von Anfang an auch der Qualitätssteigerung der Lehre besondere Bedeutung bei. Das Interesse nahezu sämtlicher Universitäten des Landes an dem CEI-Programm ist ein Hinweis auf den allgemeinen Reformstau, unter dem die spanischen Hochschulen in den letzten Jahren zu leiden hatten.

Positiv betrachtet zeigt es die hohe Entwicklungsdynamik, die das Hochschulsystem in Spanien mittlerweile an den Tag legt. Das bislang weitgehende Fehlen von nicht primär auf Exzellenz abzielenden nationalen Förderinstrumenten zur Hochschulinternationalisierung führte nicht nur zu einer im Verhältnis zur Anzahl der spanischen Universitäten, Studierenden und Dozenten überproportional hohen Beteiligung Spaniens am ERASMUS- Programm. Es hatte gleichzeitig zur Folge, dass sich die spanische "Exzellenzinitiative", gemessen an ihrem sehr viel selektiveren deutschen Vorbild, eher wie ein allgemeines Hochschulmodernisierungsprogramm ausnimmt. Wohl auch aufgrund der enormen Bewerberresonanz des Vorjahres rückte die Ausschreibung 2010 das ursprünglich angestrebte Messen an internationalen Rankings eher in den Hintergrund, behält es als "Fernziel" aber gleichwohl im Auge. Vorrangig betonte sie nunmehr den strategischen Wert einer stärkeren Diversifizierung, Profilbildung und Internationalisierung des spanischen Hochschulsystems in seiner Gesamtheit.

Neben der rückläufigen demographischen Entwicklung, von der die Bevölkerung "im studierfähigen Alter" in besonderem Maße betroffen ist, trägt auch die prekäre aktuelle Wirtschaftslage Spaniens dazu bei, dass die für ein vergleichsweise bevölkerungsarmes Land recht zahlreichen Universitäten mit ihrem jeweils nahezu sämtliche Fächer umfassenden Lehrangebot perspektivisch weder finanzierbar noch wettbewerbsfähig sind. Mit einem BIP von 1,05 Billionen Euro (2009) ist Spanien die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt, wurde allerdings von der internationalen Finanzkrise besonders hart getroffen. Vor diesem Hintergrund ist das "Campus de Excelencia Internacional"-Programm zugleich Teil integraler Bemühungen der spanischen Regierung um ein neues, auf Nachhaltigkeit setzendes Wirtschaftsmodell, das die risikoreiche spekulative Bauwirtschaft der letzten Jahre hinter sich gelassen hat und nunmehr dezidiert auf die Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts setzt.

Die Finanzierung der spanischen Exzellenzinitiative

Finanziert wird die spanische Exzellenzinitiative in erster Linie aus Mitteln des Bildungsministeriums. Sie erhält flankierende Fördermittel des Ministeriums für Wissenschaft und Innovation. Insgesamt stehen 492,5 Mio. Euro für die ersten beiden Ausschreibungsrunden (2009 und 2010) zur Verfügung. Diese Gelder werden größtenteils in Form von zinslosen Darlehen von der Madrider Zentralregierung über die autonomen Regionen, in denen die ausgezeichneten Hochschulen angesiedelt sind, verteilt. Im Verhältnis dazu ist die deutsche Exzellenzinitiative mit 1,9 Mrd. Euro (2006-2012) sehr viel großzügiger ausgestattet, allerdings darf man - neben den problematischen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen - nicht außer Acht lassen, dass die Anzahl der spanischen Hochschulen (77) deutlich unter der der deutschen (365) liegt. Zudem dürfen nur die 50 öffentlichen Universitäten Spaniens von den Programmmitteln profitieren. Die 27 Privathochschulen sind zwar ebenfalls antragsberechtigt, erhalten aber bei positivem Auswahlergebnis lediglich das prestigeträchtige Qualitätslabel "Campus de Excelencia Internacional".

Perspektiven des spanischen Programms

Die spanische Hochschullandschaft soll nach den drei aufeinanderfolgenden Ausschreibungsrunden der Jahre 2009, 2010 und 2011 über maximal 12 bis 15 international relevante "Leuchtturm-Campi" verfügen und über etwa 10 bis 12 "Campus de Excelencia Internacional" von regionaler Bedeutung. In einer Konsolidierungsphase (2012 bis 2015) sollen die geförderten Projekte durch ein Monitoring-Verfahren begleitet und evaluiert werden. Abhängig von deren Fortschritten können in dieser Zeit z.B. für die Integration weiterer Partner oder Maßnahmen zusätzliche Fördermittel zur Verfügung gestellt werden.

Ungeachtet der vergleichsweise bescheidenen Finanzausstattung der spanischen Exzellenzinitiative steht außer Frage, dass das Prestige-Programm der "Estrategia Universidad 2015" im Begriff ist, das spanische Hochschulsystem nachdrücklich in Richtung einer hier bislang unbekannten, an internationalen Qualitätsstandards orientierten Wettbewerbskultur zu verändern. Insofern kommt dem CEI-Programm eine bemerkenswerte strategische Bedeutung zu. Interessant ist ferner, dass es auf nationale und internationale Zusammenarbeit als Voraussetzung für das Erlangen von Wettbewerbsfähigkeit setzt. Mit Blick auf den Stellenwert, den deutsche Hochschulen den Kooperationsbeziehungen zu Spanien bereits heute beimessen - laut Hochschulkompass der HRK Platz 3 nach Frankreich und Großbritannien - dürften sich in Folge der aktuellen Entwicklungen durchaus vielversprechende neue Perspektiven abzeichnen. Diese könnten, weit über die bestehenden ERASMUS-Partnerschaften hinaus, verstärkt auch die gemeinsame Doktorandenausbildung und Forschung in den Blick nehmen.

Mehr zum Thema: www.educacion.es»


Über die Autorin
Christine Arndt ist Leiterin des DAAD-Informationszentrums in Barcelona.

Aus Forschung und Lehre :: Dezember 2010

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