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"Exzellenz gibt es nicht zum Nulltarif"

Von Denise Haberger

Die letzte Runde der Exzellenzinitiative ist eingeläutet: Mitte Juni gaben die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat bekannt, welche Programme fortan gefördert werden und welche Hochschulen die zukünftigen "Elite-Universitäten" sind. Fünf Unis sind neu dabei, drei mussten gehen.

"Exzellenz gibt es nicht zum Nulltarif"© knallgrün - photocase.comGewinner und Verlierer der letzten Exzellenz-Runde
Beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) war die Überraschung groß: Trotz hochgelobtem Konzept muss sich das KIT nun vom Titel "Elite-Uni" verabschieden. Weil sich das Exzellenzcluster der Hochschule nicht durchsetzen konnte, fehlte ihr die Voraussetzung für die Weiterförderung als Exzellenz-Universität. Eine große Enttäuschung für KIT-Vizepräsident Professor Detlef Löhe, dennoch werde die Uni den Rückschlag überwinden. "Das Zukunftskonzept wird in allen wesentlichen Elementen weiterverfolgt. Wir werden allerdings den Zeithorizont für die Umsetzung strecken müssen."

Auch die Universitäten Göttingen und Freiburg steigen nach fünf Jahren aus dem Elite-Olymp ab und werden in Zukunft auf die millionenschwere Förderung verzichten müssen. Die Hochschulen aus Mainz und Bochum konnten erst gar nicht mit ihrem Konzept überzeugen. Bochums Rektor Professor Elmar Weiler sieht es gelassen: "Da waren andere eben einen Tick besser."

TU Dresden als erste ostdeutsche Hochschule "Elite-Uni"

Freuen dürfen sich die Universitäten Bremen, Köln und Tübingen, ebenso die Technische Universität Dresden. Als erste Uni aus den neuen Bundesländern konnte sie zur Forschungs-Elite aufschließen. Professor Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU, sieht darin eine Bestätigung für die gute Arbeit seiner Hochschule und blickt optimistisch in die Zukunft: "Mit der Förderung haben wir die Chance, auch international eine der angesehensten Universitäten zu werden."

Rückblick: Was hat die Exzellenzinitiative bisher geschafft?

2004 wollte die damalige Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) mit sogenannten Leuchttürmen der Wissenschaft die deutsche Spitzenforschung international sichtbarer und konkurrenzfähiger machen. Ein Jahr später beschlossen Bund und Länder nach einigen Verhandlungen die Exzellenzinitiative und beauftragten die Deutsche Forschungsgemeinschaft und den Wissenschaftsrat mit der Durchführung. 1,9 Milliarden Euro stellten die Bundesregierung und die Landesregierungen für die ersten beiden Runden (2006 bis 2012) bereit. Die Mittel standen für drei Förderlinien zur Verfügung: Graduiertenschulen (Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses), Exzellenzcluster (Forschung zu relevanten Themen) und Zukunftskonzepte (Ideen zur Entwicklung der universitären Spitzenforschung). Hochschulen, die mit ihrem Zukunftskonzept überzeugen konnten, tragen inoffiziell den Titel "Elite-Universität".
Wie erwartet war auch die Humboldt-Universität Berlin erfolgreich. Nachdem sie beim letzten Mal kurz vor dem Ziel scheiterte, versuchte es die Hochschule ein weiteres Mal und kam mit ihren Ideen schließlich weiter. Präsident Professor Jan-Hendrik Olbertz weiß aber, dass noch viel Arbeit bevorsteht. "Alle Vorhaben müssen bis 2017 nachhaltig sein", sagt er. Die Verpflichtung dazu sieht er bei seiner Uni, aber auch bei der Politik. "Exzellenz gibt es nicht zum Nulltarif", so Olbertz.

Von den "alten Hasen" konnten sich die RWTH Aachen, die Freie Universität Berlin sowie die Universitäten aus Heidelberg und Konstanz im Wettbewerb halten. Auch die beiden Münchner Hochschulen, die Ludwig-Maximilians-Universität und die TU, dürfen ihren Titel weiter tragen.

Exzellenzinitiative fördert mit insgesamt 2,4 Milliarden Euro

Neben den elf Elite-Unis werden ab November 2012 auch 45 Graduiertenschulen und 43 Exzellenzcluster mit insgesamt 2,4 Milliarden Euro gefördert. 2017 ist dann Schluss. Doch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will sich dafür einsetzen, alle Projekte, die das erste Mal dabei sind, weitere fünf Jahre zu fördern. Voraussetzung dafür ist eine erfolgreiche Evaluation nach fünf Jahren. Die Entscheidung dazu ist allerdings noch offen. Ebenso, wie Forschung zukünftig gefördert werden soll. Eine weitere Exzellenzinitiative ist eher unwahrscheinlich. Die mögliche Abschaffung des Kooperationsverbots wäre eine Möglichkeit. Bisher ist das allerdings Zukunftsmusik.

Erfolg der Exzellenzinitiative kann noch nicht beurteilt werden

Insgesamt wurden in den ersten fünf Jahren 39 Graduiertenschulen, 37 Exzellenzcluster und neun Zukunftskonzepte gefördert. Noch halten sich Experten zurück, die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen verlässlich zu beurteilen. "Die Ziele der Exzellenzinitiative können nicht in kurzer Zeit erreicht werden", sagt Jürgen Egeln vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung. "Das ist kein kurzer Prozess von wenigen Jahren, sondern es braucht viele Jahre."

Im Auftrag der Expertenkommission Forschung und Innovation beschäftigte sich Egeln mit der Forschungssituation an deutschen Hochschulen und betrachtete dabei auch die Exzellenzinitiative. Ein Ergebnis der Studie: Die Wahrnehmung für die öffentliche Forschung ist seitdem deutlich gestiegen, auch international. Das sieht Sabine Behrenbeck vom Wissenschaftsrat ähnlich: "Die Hochschulen, die bisher gefördert wurden, werden mittlerweile im Ausland und bei außeruniversitären Forschungseinrichtungen als Partner auf Augenhöhe wahrgenommen." Außerdem habe sich die Qualität der Forschung und die Wettbewerbsfähigkeit auf internationaler Ebene verbessert, sagt Behrenbeck.

"Exzellenz gibt es nicht zum Nulltarif"
© DFG

Universitäten konkurrieren verstärkt miteinander

Den Wettbewerbsmoment betont auch Jürgen Egeln, meint damit allerdings die verstärkte Konkurrenz der deutschen Universitäten untereinander. "Der Wettbewerbsaspekt wird immer wichtiger und bestimmt mehr und mehr das Handeln der Forscher", so Egeln. Die Hochschulen würden zunehmend um wissenschaftlichen Nachwuchs, um Publikationen und insbesondere um Drittmittel konkurrieren.

Einen großen Kritikpunkt an der Exzellenzinitiative, nämlich den hohen bürokratischen Aufwand, greift auch Egeln auf. "Das Antrags- und Bewertungswesen ist überkandidelt", sagt er. "Die Wissenschaftler müssen viel Zeit für Konzepte verbraten." Professor Jörg Baberowski von der Humboldt-Universität Berlin sprach in einem Interview mit dem Deutschlandfunk sogar von "Wissenschaftszirkus". Es werde nicht die wissenschaftliche Leistung belohnt, sondern nur die Anträge, bemängelte Baberowski. Sabine Behrenbeck widerspricht: bewertet werden die bisherigen Leistungen und die Planungen, ihre Umsetzung wird finanziert. Auch wenn die Antragstellung Aufwand mit sich bringe, gewinne man zusätzliches Geld für immerhin fünf Jahre.

Kritiker befürchten Benachteiligung der Geisteswissenschaften

Auch auf die Kritik, dass bei der Exzellenzinitiative einige Fächergruppen bevorzugt würden, reagiert sie gelassen: "Die Geistes- und Sozialwissenschaften sind in der zweiten Programmphase gemessen an der Zahl der geförderten Anträge nach den Lebenswissenschaften am erfolgreichsten".

Auch wenn es darum geht, nach Ende der Förderung die neu geschaffenen Professuren zu erhalten, sie zu verstetigen, befürchten Kritiker die Benachteiligung der Geistes- und Sozialwissenschaften. Wie Historiker Baberowski: "Entweder übernimmt das jeweilige Bundesland die Verstetigung, oder aber die Universität muss es selber tun, und dann wird gekürzt", sagte er dem Deutschlandfunk. "Und die Zeche zahlen in der Regel die Geisteswissenschaftler." Diese Gefahr sieht Behrenbeck nicht als zwangsläufig an. "Die Universitäten entscheiden selbst, in welchem Umfang und durch welche Umschichtungen sie die geförderten Maßnahmen nach Ablauf der Förderung verstetigen", so Behrenbeck.

academics.de :: Juni 2012

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