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"Ich bete, dass es nichts wird"

Interview von Ulrich Schnabel

Ein Professor sagt, warum der Exzellenzrummel schädlich ist.

"Ich bete, dass es nichts wird"© .marqs - photocase.comWarum ein Professor hofft, dass seine Hochschule an der letzten Förderrunde der Exzellenzinitiative nicht beteiligt wird
Dass unser Interviewpartner seinen Namen nicht nennen möchte, ist symptomatisch. Schließlich ist seine Hochschule noch im Rennen um den Titel einer »Exzellenzuniversität«, und wer will dem eigenen Rektor schon öffentlich in den Rücken fallen? Er ist ein kritischer Kopf, der formuliert, was viele seiner Kollegen denken, aber öffentlich nicht zu sagen wagen.

Herr Professor, Ihre Hochschule ist unter den letzten sieben Kandidaten im Exzellenzwettbewerb. Drücken Sie ihr die Daumen?

Nein. Mein Rektor würde zwar blass werden, wenn er das wüsste, aber ich bete dafür, dass es nichts wird mit der dritten Förderlinie. Die Forschung würde darunter leiden.

Leiden? Es gäbe doch mehr Geld, Stellen, Renommee ... Kann das schaden?

Viele Mittel fließen erst einmal in zusätzliche Stabsstellen, die sich um Außendarstellung, Qualitätsmanagement und Ähnliches kümmern. Da wird dann ein neues Uni-Logo entworfen oder der Internetauftritt perfektioniert. Außerdem muss mit dem Geld ja Neues geschaffen werden. Die Exzellenzmittel dürfen nicht in die bestehende Forschung fließen, etwa um dringend benötigte akademische Mitarbeiter zu finanzieren, sondern immer nur in neue Projekte und Professuren.

Kann Neues nicht auch belebend sein?

Natürlich. Das Problem ist nur: Die neuen Stellen werden für fünf Jahre mit Exzellenzmitteln gefördert - und danach müssen sie aus dem Uni-Haushalt weiterfinanziert werden. Es kommt also zu einer Umschichtung, unter der die anderen Fächer leiden.

Dieser interne Wettbewerb ist ja gewollt. Die Unis sollen ihr Profil schärfen.

Davon profitieren aber vor allem jene Fächer, die gerade dem Zeitgeist entsprechen und sich im Antrag gut machen. Die Vielfalt und Breite der Forschung, die bisher die Stärke unseres Systems war, nimmt dadurch ab. Ein Beispiel: Früher erschien die Iranologie vielen verzichtbar. Heute stellt man fest: Es wäre gut, wenn wir mehr über den Iran wüssten.

Das kann aber nicht heißen, dass man ohne Leistungskontrolle die Professoren ihre Steckenpferde reiten lässt.

Vor zehn Jahren war dieses Argument gerechtfertigt. Seither erleben wir allerdings ein permanentes Reformieren an der Hochschule, ständig werden neue Finanzierungsinstrumente eingeführt. Das bewirkt Erschöpfung. Gute Forscher werden ja nicht dadurch kreativer, dass man sie mit administrativen Aufgaben überfrachtet. So gesehen, ist der permanente Wettbewerb kontraproduktiv.

Was würde der Universität eher helfen?

Wir müssten den Mittelbau stärken, die Basis unserer Arbeit. Im vergangenen Jahr erlebten wir de facto eine Mittelkürzung von 5 bis 10 Prozent wegen steigender Energie- und Sachkosten. An diesem Problem ändert ein schickes neues Exzellenzcenter gar nichts. Und wir brauchen langfristige Perspektiven. Warum etwa laufen die DFG-Sonderforschungsbereiche immer für zwölf Jahre? Weil gute Forschung Zeit braucht.


Aus DIE ZEIT :: 06.06.2012

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