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"Unterschiedliche Charaktere sind eine willkommene Bereicherung"

Von Bärbel Broer

Ob Chemikalien, Kunststoffe, Veredlungsprodukte, Pflanzenschutzmittel, Öl oder Gas: In all diesen Bereichen ist BASF tätig. Rund 111.000 Mitarbeiter arbeiten für den Global Player an 370 Produktionsstandorten weltweit. Was erwartet Naturwissenschaftler, die den Berufseinstieg bei diesem Branchenriesen suchen? Dr. Franca Tiarks, promovierte Chemikerin und bei BASF zuständig für die Rekrutierung von Naturwissenschaftlern innerhalb Europas, hat Antworten darauf.

"Unterschiedliche Charaktere sind eine willkommene Bereicherung"© BASFDr. Franca Tiarks ist bei der BASF zuständig für die Rekrutierung von Naturwissenschaftlern im europäischen Bereich
academics.de: Wie beurteilen Sie die Situation am Arbeitsmarkt für Naturwissenschaftler?

Franca Tiarks: BASF hat momentan noch keine großen Schwierigkeiten, Nachwuchskräfte zu finden. Die Suche nach geeigneten Bewerbern gestaltet sich aber zunehmend anspruchsvoller - sowohl wenn es um die Besetzung offener Ausbildungsplätze als auch um die Einstellung von Hochschulabsolventen geht. Für manche Spezialdisziplinen müssen wir manchmal etwas länger suchen, um passende Kandidaten zu finden.

academics.de: Welche Naturwissenschaftler suchen Sie speziell?

Franca Tiarks: Wir suchen Naturwissenschaftler nahezu aller Fachrichtungen und Spezialisierungen, zum Beispiel Chemiker, Physiker, Mathematiker, Biologen, Agrarwissenschaftler oder Geologen.

academics.de: Gibt es bestimmte Disziplinen, in denen bereits Fachkräfte fehlen?

Franca Tiarks: Besonders in den Ingenieurwissenschaften und bei Spezialisten im IT-Umfeld spüren wir den enger werdenden Markt. Auch in BASF-typischen Studienrichtungen wie zum Beispiel Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen beobachten wir einen verstärkten Wettbewerb um die besten Talente. Unser großer Vorteil besteht darin, als global agierendes Unternehmen Fachkräften attraktive Perspektiven bieten zu können. Es gibt kaum ein Land, in dem wir nicht vertreten sind und nach neuen Mitarbeitern suchen. Bereits heute beschäftigen wir Talente aus aller Welt. Bei der BASF SE sind Mitarbeiter aus rund 80 verschiedenen Nationen beschäftigt.

academics.de: Gibt es Branchentrends für Naturwissenschaftler?

Franca Tiarks: Natürlich ist es hilfreich, wenn Bewerber fachlich zu unseren Wachstums- und Technologiefeldern wie z.B. Organische Elektronik, Windenergie, Wasseraufbereitung oder auch weiße Biotechnologie passen. Aber dass momentan bestimmte Studienfächer bevorzugt gesucht werden, kann ich so nicht sagen, da sich diese Schwerpunkte auch schnell wieder ändern.

"Unterschiedliche Charaktere sind eine willkommene Bereicherung" © BASF Das Herz der BASF-Gruppe ist die BASF SE mit ihrem Stammwerk in Ludwigshafen am Rhein. Mit über 160 chemischen Produktionsbetrieben, vielen hundert Labors, Technika, Werkstätten und Büros ist es der größte zusammenhängende Industriekomplex Europas
academics.de: Welche Qualifikationen werden besonders gesucht?

Franca Tiarks: Neben der fachlichen Spezialisierung sind wir bei Hochschulabsolventen vor allem an der Persönlichkeit des Bewerbers interessiert. Dazu zählen Eigenschaften wie Zielstrebigkeit, unternehmerisches Handeln, interkulturelle Orientierung und Kommunikationsfähigkeit. Eine allgemein gültige "Passform" gibt es da nicht: Wir sehen die Vielfalt unterschiedlicher Charaktere in unserem Unternehmen als willkommene Bereicherung. Praktika, Auslandserfahrungen und gute Noten sind aber von Vorteil.

academics.de: Was erwarten Sie von Naturwissenschaftlern, die sich bei Ihnen bewerben?

Franca Tiarks: Von Naturwissenschaftlern, die in der Forschung einsteigen möchten, erwarten wir zusätzlich zu einem überdurchschnittlichen Hochschulabschluss eine erfolgreich abgeschlossene Promotion, in der eine umfassende wissenschaftliche Fragestellung gelöst wurde. Eine interessante Ausrichtung des Promotionsthemas mit Offenheit zur Anwendung sowie eine Erweiterung und Vertiefung des Fachwissens durch einen Postdoc-Aufenthalt im Ausland kann Bewerbungen attraktiver machen. Von Bewerbern, die außerhalb der Forschung bei BASF einsteigen möchten, erwarten wir einen überdurchschnittlichen Hochschulabschluss. Praxisnahe Berufserfahrung beispielsweise in Form von Praktika ist immer von Vorteil.

academics.de: Wie sieht die Gehaltsstruktur bei BASF aus?

Franca Tiarks: Die BASF SE gestaltet seit etwa zehn Jahren Teile ihrer Vergütung leistungs- und erfolgsabhängig. Die Höhe der jährlichen Einmalzahlungen richtet sich nach der individuellen Leistung des Mitarbeiters und dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Im tariflichen Bereich setzt sich das Monatsentgelt grundsätzlich aus dem monatlichen Tarifentgelt sowie möglichen arbeitsplatz- oder arbeitszeitbezogenen Zulagen und Zuschlägen zusammen. Darüber hinaus erhalten alle Tarifmitarbeiter im November jeden Jahres eine Jahresprämie von 95 Prozent eines Monatsentgelts. Zudem erhalten die Tarifmitarbeiter im Mai die persönliche Erfolgsbeteiligung, deren Höhe vom wirtschaftlichen Erfolg der BASF und der Leistung des Mitarbeiters im Vorjahr abhängt. Im außertariflichen Bereich besteht das Gehalt aus zwei Komponenten, einem festen Monatsentgelt und einem variablen Bonus. Der Bonus ist leistungs- und erfolgsabhängig. Das Volumen für das Gesamtbudget dieses Bonus orientiert sich - wie im Tarifbereich auch - an der Gesamtkapitalrendite der BASF-Gruppe. Die Höhe des individuellen Bonus ist von der Leistung des einzelnen Mitarbeiters abhängig.

Über BASF

Allein in Deutschland arbeiten knapp 50.000 Mitarbeiter für die BASF. Ein Großteil von ihnen am Hauptstandort des Unternehmens in Ludwigshafen. Weltweit sind rund 111.000 Mitarbeiter an 370 Produktionsstandorten für den Branchenriesen tätig. 2011erzielte die BASF einen Umsatz von rund 73,5 Milliarden Euro. Doch auch der Global Player bekommt langsam den Fachkräftemangel zu spüren. Um für Mitarbeiter auch in Zukunft attraktiv zu sein, entsteht derzeit in Ludwigshafen ein Zentrum für Work-Life-Management, in dem unterschiedlichste Angebote für alle Mitarbeiter in den Bereichen Beruf und Familie, Sport und Gesundheitsförderung sowie Sozial- und Pflegeberatung gebündelt werden. Mit diesem - nach eigenen Angaben - bisher einzigartigen Konzept will die BASF noch gezielter auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter in unterschiedlichen Lebensphasen eingehen. Das neue Zentrum für Work-Life-Management wird voraussichtlich im dritten Quartal 2013 eröffnet.
academics.de: Wie sieht der Berufseinstieg für Naturwissenschaftler in Ihrem Unternehmen aus?

Franca Tiarks: Der Großteil der Berufseinsteiger beginnt üblicherweise als Laborleiter in der Forschung. Neben diesem klassischen Arbeitseinstieg finden Naturwissenschaftler mit Berufserfahrung viele weitere Perspektiven: als Experte in der Anwendungstechnik, Analytik und Qualitätsmanagement, Technik und Registrierung, Produktsicherheit und Umweltschutz, im Bereich Wissensmanagement und Patentwesen sowie im Marketing und Vertrieb.

academics.de: Welche Aufstiegschancen haben Naturwissenschaftler bei BASF?

Franca Tiarks: Damit jedem Mitarbeiter die gleichen Möglichkeiten offen stehen, sich weiterzuentwickeln, gibt es bei BASF eine systematische Entwicklungs- und Nachfolgeplanung. Grundlage ist das jährlich stattfindende Mitarbeitergespräch. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Bei der BASF stehen Einsatzgebiete im In- und Ausland offen. Jeder Mitarbeiter kann verschiedene Arbeitsgebiete intensiv kennenlernen: Job Rotation und Job Enrichment sind daher Kernbestandteile der Entwicklung. Wichtig ist aber auch - und das zeigen interne sowie externe Studien -, dass Personalentwicklung nicht nur mit Aufstieg zu tun hat, sondern die persönliche Entwicklung auch andere Wege gehen kann. Konkret: Eine Karriere muss nicht notwendigerweise mit einem hierarchischen Aufstieg verknüpft sein. Hier bekommen Projektverantwortung oder Experten-Karrieren zunehmend Bedeutung.

academics.de: Spielt der Doktortitel für das Gehalt eine Rolle?

Franca Tiarks: Wir legen das Entgelt markt-, funktions- und leistungsorientiert fest. Ein Doktortitel bedeutet daher nicht automatisch einen Gehaltssprung.

academics.de: Was macht BASF, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen zu können?

Franca Tiarks: Um weiterhin im internationalen Wettbewerb erfolgreich zu sein und die besten Köpfe für uns gewinnen und langfristig an das Unternehmen binden zu können, ist es ein besonderes Anliegen von BASF, die Anforderungen des Jobs mit den individuellen Bedürfnissen in Einklang zu bringen. Das heißt: Zum einen fördert BASF die Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort und bietet zum Beispiel die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten oder einen Teil der Tätigkeiten von zu Hause aus zu erledigen, Stichwort Telearbeit bzw. mobiles Arbeiten. Wenn es betrieblich möglich ist, bieten wir auch Freistellungen für einen definierten Zeitraum an.


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academics :: März 2013

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