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Ab in die Entwicklungshilfe

Was studieren, wie qualifizieren, wo bewerben? Wichtige Infos für den Einstieg in die Branche

Ab in die Entwicklungshilfe© Jörg Lantelme - Fotolia.comAuch für Geisteswissenschaftler steigen die Jobchancen in der Entwicklungshilfe

Wer wird gesucht?

Ein typisches Berufsprofil gibt es nicht. Unter den erfolgreichen Bewerbern bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) sind nach wie vor viele Spezialisten wie Ingenieure, Land- und Forstwirte, Ärzte und Wirtschaftswissenschaftler. Zunehmend bieten sich aber auch Jobchancen für Geistes wissenschaftler, die im Studium schon früh Schwerpunkte in der Entwicklungszusammenarbeit gesetzt haben. Inzwischen gibt es zahlreiche Masterstudiengänge mit interdisziplinären Ansätzen, die helfen, das Profil zu schärfen. Gute Englischkenntnisse sind Voraussetzung; punkten kann, wer eine Sprache wie Arabisch oder Chinesisch beherrscht.

Was soll ich studieren?

»Wir empfehlen, bei der Wahl des Studiengangs nicht zu taktisch zu denken «, sagt Thomas Fues vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE). »Man sollte sich nach seinen Neigungen richten. Entwicklungszusammenarbeit kann frustrationsgeladen sein - nur wer sich in seinem Fachgebiet wohlfühlt, bringt langfristig die nötige Motivation mit.«

Wie kann ich mich qualifizieren?

Internationale Erfahrung ist Pflicht. Dazu zählen vor allem Auslandssemester und Praktika in Entwicklungsländern. Ob bei staatlichen Stellen wie der Außenhandelskammer, bei Nichtregierungsorganisationen oder bei kleinen Projekten in der Provinz, ist dabei eher zweitrangig. »Manche Berufseinsteiger haben sehr zielstrebig auf ein Thema oder eine Region hingearbeitet, haben zum Beispiel mehrere Praktika in der Friedensförderung in Nahost gemacht und nebenbei Arabisch gelernt«, sagt Thomas Fues. Das sei ein häufiger, aber nicht der einzige Weg zum Erfolg: »Für viele Projekte wird ausdrücklich ein breiteres Profil gesucht.« Wichtiger Nebeneffekt der Praktika: das Networking. »Man sollte jede Gelegenheit nutzen, mit Praktikern Kontakt aufzunehmen, und sich beraten lassen, wo sie Trends und Chancen auf dem Arbeitsmarkt sehen«, sagt Gesa Grundmann vom Seminar für Ländliche Entwicklung an der Humboldt- Universität in Berlin.

Wie steige ich in den Job ein?

Da immer mehr Aufgaben von Einheimischen übernommen werden können, finden Berufsanfänger den Einstieg am leichtesten in Krisenregionen - und müssen im Zweifel bereit sein, mehrere Jahre in Afghanistan oder im Sudan zu verbringen. »Die Entscheidung für die Entwicklungszusammenarbeit ist mehr als nur eine Berufswahl«, warnt Gesa Grundmann. Interessenten müssen sich fragen: Kann ich mir vorstellen, mit dem Partner und Kindern längerfristig auch in politisch instabilen Ländern zu leben? Oder sogar ganz auf Familie zu verzichten? Besonders für Geisteswissenschaftler ist der Wechsel in andere Branchen nicht einfach. Wer umgekehrt als Quereinsteiger ohne Auslandserfahrung in die Entwicklungszusammenarbeit wechseln möchte, hat es schwer. Zwar wächst die Branche, gleichzeitig aber auch der Andrang auf die Arbeitsplätze. Auf eine ausgeschriebene Stelle kommen in der Regel mehr als 100 Bewerbungen.

Wer sind potenzielle Arbeitgeber?

Neben den Vereinten Nationen und ihren Tochterorganisationen finden sich insbesondere bei staatlichen und halbstaatlichen Institutionen wie GTZ, KfW und dem Deutschen Entwicklungsdienst (DED) sowie bei Consultingfirmen Arbeitsplätze. Viele bieten Traineeprogramme für Uni-Absolventen. In den ersten Jahren arbeitet man meist auf der Basis von Zeitverträgen. Nach einigen Jahren Auslandserfahrung steht der Aufstieg zum Berater mit Leitungsfunktionen an, später kann man Verantwortung für eine Region übernehmen. Anfangs liegen die Gehälter bei circa 30 000 Euro im Jahr, erfahrene Experten erhalten zwischen 60 000 und 100 000 Euro.

Aus DIE ZEIT :: 23.09.2010

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