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Abgeschlagen

Von Martin Spiewak

Der Nachwuchs deutscher Unis versagt im Europavergleich.

Abgeschlagen: Der Nachwuchs im Europavergleich
Die Konkurrenz war schärfer als in allen anderen Wettbewerben zuvor. Die Chancen, zu gewinnen, standen eins zu dreißig. 9000 Nachwuchswissenschaftler hatten sich um einen Forschungszuschuss beim European Research Council (ERC) beworben; rund 300 haben am Ende den Zuschlag erhalten (Die "Final list" des ERC).

Die Ausschüttung der ERC-Gelder markiert eine doppelte Premiere. Zum ersten Mal konnten sich Grundlagenforscher aus ganz Europa (und Israel) direkt um finanzielle Unterstützung bei der EU bewerben. Anders als früher spielten regionalpolitische oder wirtschaftliche Argumente bei der Vergabe der Mittel keine Rolle. Für die Gutachter zählte allein die wissenschaftliche Qualität. Dass dies gegen Widerstände aus der Kommission gelungen ist, darf sich der Generalsekretär des neuen Gremiums, der Deutsche Ernst-Ludwig Winnacker, als sein Verdienst gutschreiben.

Zugleich erlaubt die jetzt veröffentlichte Entscheidung erstmals einen direkten Vergleich, wie es um die Forschungspotenz der verschiedenen Mitgliedsländer bestellt ist. Im deutschen Fall muss man sagen: stark unterentwickelt. Zwar stammen die meisten siegreichen Anträge von deutschen Wissenschaftlern. Viele von ihnen forschen jedoch im Ausland. Über den größten Geldsegen aus Brüssel dürfen sich die Universitäten aus Großbritannien freuen.

Bezieht man die Zahl der erfolgreichen Vorhaben auf die Größe der Bevölkerung und die für Wissenschaft aufgewendeten Mittel, dann findet sich Deutschland gar im hinteren Drittel der europäischen Champions League wieder. Die Botschaft bestätigt, was man schon von anderen Kennziffern wusste: Für das investierte Geld produzieren die deutschen Wissenschaftseinrichtungen - und das heißt vor allem die Universitäten - viel Breite, aber wenig Spitze. Zwar stellt der Spruch aus Brüssel kein empirisch abgesichertes Urteil dar. Dennoch muss es beunruhigen, dass aus dem kleinen Israel 24 Wissenschaftler ausgezeichnet werden, aus dem großen Deutschland jedoch nur 33.

Gut schnitten jene Nationen ab, die entweder ihre Ausgaben für die Forschung in den vergangenen Jahren bedeutend erhöht haben, wie Finnland und Schweden, oder mit weniger Mitteln konsequent nur die besten Forschungseinrichtungen fördern. Für diese Strategie sind die Niederlande, die Schweiz oder eben die Briten ein Vorbild.

Beide Erfolgsrezepte - mehr Geld, gezielt eingesetzt - bilden auch die Philosophie der deutschen Exzellenzinitiative. Noch konnte die nationale Elitekür keine Wirkung entfalten. Die Ergebnisse des europäischen Wettbewerbs zeigen immerhin, dass Deutschland forschungspolitisch auf dem richtigen Weg ist.

Aus DIE ZEIT :: 31.01.2008

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