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Abschied von der Elite

VON MARION SCHMIDT

Die Politik soll Exzellenz-Unis nicht mehr fördern - ein Fehler.

Abschied von der Elite© mikdam - iStockphoto.comDroht den Elite-Universitäten das Aus?
Mit dem Begriff »Elite« tut man sich in Deutschland schwer. Deshalb wurde die Exzellenzinitiative, mit der Bund und Länder herausragende Forschungsprojekte, Doktorandenprogramme und Zukunftskonzepte von Universitäten mit insgesamt 4,6 Milliarden Euro fördern, schon immer etwas argwöhnisch beäugt. Besonders kritisch gesehen wurde die dritte Förderlinie, in der ganze Unis ausgezeichnet wurden. Sie werden inoffiziell als Elite-Universitäten bezeichnet. Damit soll bald Schluss sein. Der Wissenschaftsrat, das wichtigste wissenschaftspolitische Beratergremium, hat in seinen in der vergangenen Woche vorgelegten Empfehlungen zum Wissenschaftssystem angeregt, diese Förderlinie nicht fortzusetzen. Der Bund solle dafür nach Auslaufen des Wettbewerbs im Jahr 2017 keine Mittel mehr zur Verfügung stellen.

Das wäre nicht nur ein Schlag für die elf Spitzenuniversitäten, die ihre ausgezeichneten Konzepte beenden müssten - es wäre auch ein schlechtes Signal für die Wissenschaft. Die Exzellenzinitiative hat viel Dynamik in das eher träge System gebracht. Sie hat allerdings auch etwas gezeigt, was viele zwar wissen, aber nicht wahrhaben wollen: Es gibt gute, richtig gute und weniger gute Unis in Deutschland. Die Politik muss darauf reagieren und Exzellenz in verschiedenen Bereichen honorieren. Dazu gehören die Lehre und natürlich die Forschung. Wenn Deutschland im internationalen Wettbewerb um exzellente Forscher mithalten will, braucht es einige herausragende Eliteuniversitäten. Anstatt dass der Bund sich ausgerechnet daraus zurückzieht, wäre vielmehr genau das Gegenteil nötig: dass der Bund gerade diese Hochschulen fördert, weil vielen Bundesländern das Geld dazu fehlt.

Die Rückabwicklung der Elite-Unis wäre ein Beleg dafür, wie sehr sich der Wissenschaftsrat von der Politik beeinflussen lässt und wie dadurch mutige Vorschläge weichgespült werden. In einem Entwurf, der im April bekannt wurde, hatte der Rat noch empfohlen, Zukunftskonzepte weiterhin zu fördern. In dem Papier stand auch, Deutschland solle zwei bis fünf Spitzen-Unis auf die vorderen Ränge der internationalen Rankings bringen und insgesamt über 20 bis 25 forschungsstarke Unis verfügen. Diese Passage wurde nach Beratungen mit der Politik gestrichen. Der Rat spricht nun eher verschämt von Profilierung und Differenzierung. Von Elite spricht keiner mehr.

Man muss nicht an Begriffen hängen, wenn der Inhalt stimmt. Aber in diesem Fall offenbart sich ein unschöner Geist: der Geist der Gleichmacherei. Es gibt in der Politik, vor allem im rot-grünen Lager, offenkundig den Wunsch, Unterschiede im Bildungsbereich zu negieren. Forschung aber hat mit Leistung zu tun, mit Wettbewerb - und auch mit Besten Auslese.

Aus DIE ZEIT :: 25.07.2013

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