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Wir brauchen das Recht auf Promotionen!


von MICHAEL PÖTZL

Fachhochschulen sollen anders bleiben, forderte Marion Schmidt. Hier antwortet Michael Pötzl, Präsident der Hochschule Coburg.

Wir brauchen das Recht auf Promotionen!© Dieter Ertel - Hochschule CoburgProf. Dr. Michael Pötzl, Präsident der Hochschule Coburg, fordert ein Promotionsrecht für Fachhochschulen
Ein Eckpfeiler der Hochschullandschaft - das sind die Fachhochschulen 43 Jahre nach ihrer Gründung. Mehr noch: Mit einem Drittel der über 2,5 Millionen Studierenden hierzulande sind sie ein Schwergewicht, mit rund 150 Standorten außerhalb der Metropolen sind sie deutschlandweit präsent. Die meisten bezeichnen sich inzwischen als Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und bringen damit unmissverständlich zum Ausdruck, wofür sie stehen: für ein breites Fächerspektrum und für angewandte Forschung. Nur von den 27.000 Promotionen, die jährlich in Deutschland abgeschlossen werden, fällt ein verschwindend geringer Prozentsatz auf die FHs. Dabei stehen forschungsstarke Fachhochschulen den Universitäten in nichts nach:

1. FHs werben erfolgreich Drittmittel ein

Das Einwerben von Drittmitteln gilt als ein wichtiges Kriterium für Exzellenz. Wer Unis und Fachhochschulen in dieser Disziplin vergleicht, muss das aber sauber tun. Die Menge der eingeworbenen Drittmittel pro Professor allein ist noch kein Maß für Effizienz - berücksichtigt werden muss das dafür zur Verfügung stehende Deputat. Das beträgt an den Unis neun Semesterwochenstunden, an den FHs lediglich eine halbe. Hätten die FH-Professoren dieselbe Zeit zur Einwerbung von Drittmitteln wie ihre Uni-Kollegen, ergäbe sich ein komplett anderes Bild. Die FHs lägen dann 2011 mit 460.000 Euro deutlich höher als die Unis mit 232.000 Euro!

2. FHs können gut Doktoranden betreuen

Mit 24 Prozent ist der Anteil externer Promotionen schon jetzt sehr hoch. Auch das Betreuungsverhältnis in den Ingenieurwissenschaften ist mit 15:1 auf Dauer nicht haltbar. Und der Bedarf an promovierten Ingenieuren steigt! Vor diesem Hintergrund ist es nahezu ausgeschlossen, die Betreuung mit den vom Wissenschaftsrat 2011 geforderten Qualitätsstandards allein durch die Unis sicherzustellen. Ganz abgesehen davon, dass viele Promotionsordnungen der Unis FH-Absolventen nach wie vor keinen barrierefreien Zugang ermöglichen. Die Folge ist, dass den Fachhochschulen und der Wissenschaft insgesamt der Nachwuchs verloren geht.

3. FHs stärken die Regionen

Für die gesellschaftliche Entwicklung sind die Regionen wichtige Motoren. So heißt es nicht nur in den Wirtschaftsministerien der Länder, sondern auch bei Horizont 2020, dem größten europäischen Forschungsprogramm aller Zeiten, das gerade mit Mitteln von über 80 Milliarden Euro gestartet ist. In vielen Regionen Deutschlands sind global agierende mittelständische Hightechunternehmen angesiedelt. Sie sind das Rückgrat der Volkswirtschaft. Für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen sind die regionalen FH-Standorte mit ihren Forschungseinrichtungen wichtige Stützen. Über 60 Prozent der Ingenieurwissenschaftsstudenten sind an FHs eingeschrieben, damit leisten diese schon jetzt einen überragenden Beitrag zur Sicherung hochqualifizierter Fach- und Führungskräfte. Das Promotionsrecht sichert deren Qualifizierung.

4. FHs bieten mehr als Unis

An den FHs gibt es Fachdisziplinen, die gar nicht oder nur sehr vereinzelt an den Unis zu finden sind. Dazu gehören die soziale Arbeit, Gesundheits- und Pflegewissenschaften sowie Medien-, Kommunikations- und Industriedesign. Den wissenschaftlichen Nachwuchs in diesen wichtigen Feldern im geforderten Maß zu generieren ist allein an den Universitäten gar nicht möglich.

5. FHs bleiben sich treu

Das Promotionsrecht und der Fokus auf die Lehre sind kein Widerspruch, sondern ein logischer Schritt. Die FHs fordern ja kein Promotionsrecht mit der Gießkanne, sondern nur dort, wo sich ausgewiesene wissenschaftliche Exzellenz, Infrastruktur und Zeitbudgets finden. Allein in Bayern stehen dazu bereits 40 Forschungsprofessuren an den FHs zur Verfügung. Zudem erfolgt die immer wieder unterstellte Annäherung zwischen Unis und FHs nicht nur in eine Richtung. Ein Beispiel dafür ist die Praxisorientierung an den Unis. Der Wissenschaftsrat hat die strikte Begrenzung der Entwicklungsmöglichkeiten durch die Festlegung auf einen Hochschultypus bereits 2011 für nicht mehr zeitgemäß erklärt. Es ist nun an der Zeit, die Potenziale der FHs endlich auszuschöpfen und das Promotionsrecht dort zu erteilen, wo sich wissenschaftliche Exzellenz etabliert hat. Die Universitäten sollte das nicht beunruhigen, sondern anspornen.

Aus DIE ZEIT :: 29.05.2014

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