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Als Hiwi im Labor

Von Birk Grüling

Als studentische Hilfskräfte am Institut für Geotechnik und Baubetrieb der Technischen Universität Hamburg-Harburg müssen Mira Öllinger und Marie-Christine Liebetrau weder kopieren noch Kaffee kochen. Stattdessen stehen die beiden Studentinnen regelmäßig im Labor. Einblicke in einen anspruchsvollen Hiwi-Job.

Als Hiwi im Labor© asiseeit - iStockphoto.comWer einen Hiwi-Job ergattert, erhält eine Lehrveranstaltung und Bezahlung obendrauf
Der Computer, der an das aktuelle Experiment von Marie-Christine Liebetrau angeschlossen ist, spuckt fast jede Sekunde neue Messwerte aus. Eine seitenlange Exceltabelle liegt vor der angehenden Bauingenieurin. "Wir untersuchen hier das Materialverhalten und die Eigenschaften von granularen Böden", erklärt Liebetrau. Die Materialproben werden in dem Labor oft über Tage hinweg immer wieder starkem Druck ausgesetzt. Aus den so gesammelten Messwerten gewinnen die Forscher am Institut Erkenntnisse über die Eigenschaften der Böden.

Solche Versuche werden in der Geotechnik als höherwertige Experimente bezeichnet, da diese in ihre Durchführung und Auswertung sehr anspruchsvoll sind. Ihr Arbeitgeber, Tim Pucker, ist selbst noch Doktorand. Wie bei fast allen wissenschaftlichen Mitarbeitern des Instituts arbeiten für ihn mehrere Hiwis. "Mit den Ergebnissen aus den Experimenten wird versucht, das Materialverhalten in Stoffmodellen abzubilden." erklärt Mira Öllinger, Masterstudentin in den Bauingenieurwesen.

Geduld ist im Labor wichtig

Neben der Entwicklung von Stoffmodellen fallen bei diesem Hiwi-Job auch Aufträge aus der Wirtschaft in den Aufgabenbereich des Instituts. Bevor ein Bauvorhaben gegründet werden kann, muss zuerst ein Bodengutachten eingeholt werden, gerade bei schwierigeren (Schadens-)Fällen wenden sich Ingenieurbüros und Bauträger oft an die Experten der TU Harburg. "Wir lernen natürlich durch die enge Zusammenarbeit mit Forschern und Unternehmen unglaublich viel", sagt Hiwi Öllinger. Weil von ihren Zahlen durchaus einiges abhängt, bleiben die beiden bei ihren Versuchen nicht unbeaufsichtigt. Die Laborleiter Ingrun Albrecht und Marek Banduch stehen als Ansprechpartner für die Hiwis immer zu Verfügung. "Gerade am Anfang macht man hier keinen Versuch ohne Hilfe. Die Eingewöhnungszeit wird uns Hiwis gelassen", erklärt Liebetrau. An die Arbeit im Labor muss man sich schließlich erst einmal gewöhnen. Die meisten Messgeräte sind nicht nur kompliziert und sehr teuer, sondern die Arbeit teilweise auch frustrierend. Immerhin gelingt selbst schon eingespielten Hiwis wie den beiden längst nicht jeder Versuch. "Ich denke, ich habe eine gute Erfolgsquote von einem Viertel. Geduld sollte man schon mitbringen", lacht sie.

Wie eine bezahlte Lehrveranstaltung

Zu der Eingewöhnungszeit für neue studentische Mitarbeiter gehört auch das theoretische Einarbeiten in die Bodenmechanik und das Erlernen der nötigen Software wie Matlab und Abaqus, einem gängigen FEM-Programm in der Geotechnik. "Unser Hiwi-Job ist manchmal wie eine bezahlte Lehrveranstaltung. Viele Inhalte aus meinem Alltag hier konnte ich in Vorlesungen wieder gebrauchen", sagt Öllinger. Auch die Themen ihrer Bachelorarbeiten sind hier im Institut entstanden. Außerdem gelten für beide sehr flexible Arbeitszeiten. Während der Klausuren oder des Schreibens der Abschlussarbeit kann man sich problemlos freinehmen und die Arbeit später nachholen. Dass mit 8,79 Euro Stundenlohn das Hiwi Gehalt nicht gerade berauschend ist, stört die Beiden nicht so sehr. "Wir arbeiten rund 30 Stunden pro Monat. Dann stimmt die Summe im Ganzen schon", sagt sie. Ob ihre berufliche Zukunft auch in der Forschung liegt, wissen beide noch nicht, aber als eine gute Erfahrung für ihr späteres Berufsleben sehen sie den Hiwi-Job im Labor auf jeden Fall.

academics :: Juli 2013