Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Als Psychologin im Bereich der Geschichte promovieren?

Als Psychologin im Bereich der Geschichte promovieren?© Julien Tromeur - Fotolia.com

Ich studiere Psychologie und werde mein Diplom im Herbst 2010 erlangen. Mein Interesse gilt vor allem der Sexualforschung und -beratung/-therapie. In meiner Diplomarbeit forsche ich dazu auf qualitativem Wege. Meine Frage an Sie betrifft meine Berufsplanung. Ich würde nach dem Studium gerne in dem Bereich arbeiten, gerne auch forschen. Allerdings bin ich erstens schon 35 und zweitens ist das ein Bereich, der in der Psychologie meines Wissens nicht verfolgt wird und auch die qualitativen Methoden versprechen momentan kaum Karrierechancen in der Psychologie.

Allerdings arbeite ich als studentische Hilfskraft an einem Institut in der Historischen Abteilung. Ich hatte dort von der psychologischen zur historischen Abteilung gewechselt, weil dort qualitativ und auch zu sexualwissenschaftlichen Fragen geforscht wird. Nun bestünde eine Möglichkeit, nach meinem Studium dort zu promovieren. Mein Betreuer meinte allerdings, dass ich ja dann in Geschichte promovieren würde und demnach in der Psychologie nicht wahrgenommen würde. Wie schätzen Sie die Lage ein? Ich könnte mir vorstellen, dass das Fach doch eher zweitrangig ist, da ja Sexualwissenschaft sowieso interdisziplinär ausgerichtet ist. Aber was habe ich dann von der Promotion, wenn ich dann danach wieder unangebunden an die "wirkliche" Sexualforschung auf dem Arbeitsmarkt stehe? Dann ist da noch das Problem, der halben Stelle für die Promotion, für die aber meist voll gearbeitet wird. Gibt es denn bessere Finanzierungsmöglichkeiten?

Um Sexualtherapie praktizieren zu können, brauche ich wohl eine Approbation in einem allgemeinen Therapieverfahren und kann dann die Weiterbildung zur Sexualtherapie machen. Das ist alles teuer und langwierig. Hier gibt es vielleicht die Möglichkeit, das auf privater Basis als Sexualberatung zu verwirklichen. Den Titel "Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz" müsste ich ja relativ unkompliziert nach dem Studium vom Gesundheitsamt bekommen. Aber auch hier bräuchte ich erst einmal eine Stelle, um auch Berufserfahrungen sammeln zu können. Können Sie vielleicht zu dem Gebiet etwas schreiben, wie ich am besten vorgehen könnte?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Ihre Frage, ob Sie als Psychologin im Bereich der Geschichte promovieren sollten, lässt sich nur sehr schwer beantworten. Insofern kommt es sehr stark auf die Usancen in Ihrer Fach-Community an. Darüber hinaus ist von wesentlicher Bedeutung, welche Richtung Sie im Rahmen Ihrer späteren Karriereplanung einschlagen möchten. Die Promotion ist vor allem dann angezeigt, wenn Sie eine Karriere an einer Hochschule anstreben.

Darüber hinaus kann eine Promotion von Vorteil sein, wenn Sie beispielsweise eine Führungsposition im Rahmen eines Unternehmens oder in einer Forschungsinstitution anstreben. Konkrete Aussagen, gerade auch hinsichtlich der Entwicklung des Arbeitsmarktes im Bereich der Sexualwissenschaften, können dabei von uns leider nicht getroffen werden. Insofern ist es sehr ratsam, sich beispielsweise einmal mit Ihren Vorgesetzten bzw. Fachkollegen im Bereich der Sexualforschung über die verschiedenen Arbeits- und Berufsfelder in diesem Bereich zu unterhalten, um vor allem auch Ihre speziellen Planungen und Entwicklungen in diesem Zusammenhang einzubeziehen.
Ausgewählte Stellenangebote