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Antragsflaute

Von Jan-Martin Wiarda

Weniger Hochschulen bewerben sich für Fördermittel.

Antragsflaute© DFG Matthias Kleiner ist Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
Matthias Kleiner gibt sich angetan. 66 Universitäten wollen sich an der zweiten Phase des Exzellenzwettbewerbs beteiligen, teilte der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vor wenigen Tagen mit. Insgesamt 247 Anträge für die Förderung neuer Graduiertenschulen, Exzellenzcluster und universitärer Zukunftskonzepte beabsichtigen sie einzureichen. »Eine rege Beteiligung«, befand Kleiner. Aber in Wirklichkeit ist die Beteiligung alles andere als berauschend.

Ein paar Referenzwerte: 2006 und 2007, während der ersten Phase der Exzellenzinitiative, sind zusammengerechnet über 700 Anträge angekündigt worden. Wobei man fairerweise einige Doppelzählungen abziehen muss, wenn nämlich - was nicht selten vorkam - Hochschulen einen im ersten Anlauf erfolglosen Antrag für einen zweiten Versuch recycelt haben. Da die jetzt laufende zweite Phase des Wettbewerbs nur noch eine Antragsrunde vorsieht, geht das nicht mehr. Auch hat Kleiner recht, wenn er darauf hinweist, dass die 85 Siegeruniversitäten von 2006/2007 ihre Verlängerungsanträge erst im kommenden Jahr einreichen müssen und dies wohl zu nahezu 100 Prozent tun werden. Doch selbst bei großzügigster Auslegung bleibt der Befund: Die Begeisterung der Hochschulen für die Exzellenz-Fördergelder hat dramatisch abgenommen. Und sie wird noch einmal kleiner werden: Von den Universitäten, die 2006 einen Antrag angekündigt hatten, ist ihn am Ende jede siebte schuldig geblieben. Dass die DFG diesmal von einer deutlich niedrigeren Ausfallquote ausgeht, muss man als »programmatischen Optimismus« werten.

Matthias Kleiner freut sich indes demonstrativ weiter. Er sei erleichtert, dass die Universitäten dem Drang widerstanden hätten, »Quantität vor Qualität« zu stellen. Und genau darum werde auch - im Gegensatz vor allem zur Bewerbungsrunde von 2006 - diesmal aus praktisch jeder An tragsankündigung auch ein Antrag erwachsen.

Andere Insider des Wissenschaftsbetriebs äußern sich dagegen ratlos: Scheuen einige Universitäten, übersättigt mit allerlei Sonderprogrammen für Forschung, Lehre und Hochschulbau, die Antragsbürokratie? Haben vor allem die kleineren Hochschulen nach den Erfahrungen der ersten Phase frustriert aufgesteckt, weil - so lautet ein verbreiteter Vorwurf - die Sieger ohnehin von Anfang an feststünden? Und ist es wirklich von Vorteil, wenn am Ende die Professionalität der Antragstellung ein wichtigeres Kriterium zu werden droht als die tatsächlich vorhandene Exzellenz, die damit verkauft werden soll?

Für eine umfassende Bilanz der zweiten Phase der Exzellenzinitiative ist es noch zu früh. Doch ein ganz wesentliches Nebenprodukt der ersten Phase waren die Korrekturen, die sie gerade bei der großen Zahl der erfolglosen Antragsteller ausgelöst hat. Insofern stimmen die jetzt sichtbaren Anzeichen für Exzellenzmüdigkeit der Universitäten äußerst nachdenklich - zumindest was den Wirkungsgrad der Initiative angeht.

Aus DIE ZEIT :: 20.05.2010


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