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Arbeitsplatz Universitätsklinik - Die Kaderschmieden der Medizin

VON JULIA BECKER

Behandlung komplexer Erkrankungen, Wissensvermittlung an Studenten, Forschen an neuen Heilmethoden: eine Universitätsklinik bietet für Akademiker einen abwechslungsreichen und prestigeträchtigen Arbeitsplatz. Aber sowohl Bewerber als auch die Kliniken selbst müssen sich behaupten.

Arbeitsplatz Universitätsklinik - Die Kaderschmieden der Medizin© TommL - iStockphoto.comUniversitätskliniken dienen neben der medizinischen Behandlung auch der Forschung und Lehre - Ärzte müssen diesen Anforderungen gerecht werden
Sie gilt als Hochburg modernster Medizin: die Universitätsklinik. Hier gibt es neueste Technik, hier lehren Koryphäen aus allen Fachgebieten, hier forschen hochkarätige Teams an neuen Heilmethoden. Häuser wie die Charité in Berlin, eine der größten Universitätskliniken Europas, werden weltweit für ihre Expertise geschätzt. Wer an einer der 34 Hochschulkliniken in Deutschland arbeitet und sich bewährt, hat beste Chancen auf herausgehobene Positionen im Gesundheitssystem. Aber der Weg dorthin erfordert Ehrgeiz, Biss und ein nachsichtiges privates Umfeld - insbesondere als Arzt.

Denn Universitätskliniken müssen mehrere zentrale Aufgaben erfüllen: Sie sind hierzulande dafür verantwortlich, qualifizierten Ärztenachwuchs auszubilden und zugleich Forschung auf höchstem Niveau zu betreiben. Zudem kümmern sich Universitätskliniken mit ihren Hochleistungsabteilungen häufiger um Patienten mit seltenen oder komplexen Erkrankungen: Der Schweregrad der Fälle an Unikliniken ist nach Angaben ihres Bundesverbandes VUD im Schnitt ein Drittel höher als bei nicht-universitären Krankenhäusern. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, arbeiten an deutschen Universitätskliniken hochqualifizierte Kräfte aus ganz verschiedenen Berufszweigen. Im Jahr 2013 waren nach Angaben des Bundesstatistikamtes insgesamt 210.110 Menschen an den Einrichtungen festangestellt, davon 58.363 Akademiker. Unter ihnen sind Mediziner, Psychologen, Naturwissenschaftler, Gesundheitswissenschaftler, Sozialpädagogen, Juristen, Informatiker und Ökonomen. Überdurchschnittlich viele von ihnen tragen einen Doktortitel: Knapp 27 Prozent der Akademiker an Universitätskliniken haben promoviert, in anderen Krankenhäusern liegt die Quote bei 22 Prozent.

Ärztemangel hat Universitätskliniken noch nicht erreicht

Die mit Abstand größte Akademikergruppe an Universitätskliniken stellten im Jahr 2013 die Ärzte mit 28.954 Männern und Frauen. Anders als an privaten oder kommunalen Krankenhäusern versorgen sie nicht nur Patienten, sie haben zudem Verpflichtungen in Lehre und Forschung. Insbesondere durch die Forschung fokussieren sich die Ärzte an Hochschulkliniken zunehmend auf spezielle Teilbereiche der Medizin: "In dem Maße, in dem die Medizin und das Spektrum des medizinischen Wissens komplexer wird, wird auch die Spezialisierung des einzelnen Arztes ausgeprägter", sagt eine Sprecherin des Universitätsklinikums Heidelberg. Damit einher geht auch die Notwendigkeit, dass Ärzte stark interdisziplinär zusammenzuarbeiten - ein Markenzeichen von Universitätskliniken.

Diese fortschreitende Spezialisierung stellt die Universitätskliniken vor eine Herausforderung: "Der Generalist verschwindet und die Spezialisten sind heiß umkämpft", berichtet die Heidelberger Sprecherin. Um an diese hochqualifizierten Ärzte - etwa in der Transplantationschirurgie - heranzukommen, müssten sich die Hochschulkliniken schon etwas einfallen lassen: "Vor zehn Jahren bekamen die Kliniken pro Tag eine Kiste Blindbewerbungen, heute müssen sie die Stellen phantasievoll ausschreiben, um Kandidaten anzulocken." Ähnliches berichtet der Sprecher der Uniklinik RWTH Aachen, Mathias Brandstädter: "Fachärzte sind vor allem in den Schwerpunkt- und Spezialbereichen des Hauses gesucht - etwa in der Neuropathologie."

Eine wachsende Nachfrage an Experten belegen auch die Daten der Bundesagentur für Arbeit: Zwischen 2003 und 2014 stieg die Zahl aller gemeldeten Stellen von Universitätskliniken im Bereich der "hoch komplexen Tätigkeiten", zu denen auch die Arbeit als Arzt zählt, um 23 Prozent auf 318 an. Von einem akuten Ärztemangel, wie er in kommunalen Krankenhäusern zunehmend zu beobachten ist, sprechen die Universitätskliniken jedoch noch nicht. Dafür genießen die Einrichtungen wegen ihrer Expertise und Ausstattung nach wie vor einen zu guten Ruf: "Wir haben längere Wartelisten in allen Bereichen. Das zeigt, dass Ärzte gerne bei uns arbeiten würden", sagt der Dekan des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE), Professor Uwe Koch-Gromus.

Arbeitsbelastung ist höher als an anderen Kliniken

Den zunehmenden Kampf um die besten Köpfe spürt der Hamburger Dekan aber auch: "Alleine in den vergangenen zwei Jahren haben wir in zehn Fällen mit bei uns tätigen Professoren Bleibeverhandlungen geführt, deren hohe wissenschaftliche Qualität auch anderen Fakultäten nicht verborgen geblieben war", berichtet Koch-Gromus. Solche Verhandlungen seien natürlich immer eine teure Angelegenheit - "aber der Wiederaufbau einer bereits erreichten Kompetenz ist unter Umständen noch teurer".

Jede Klinik hat ihre eigenen Schwerpunkte - wobei eine Konzentration auf die Bereiche Neurologie, Onkologie, Kardiologie, Immuntherapie und Entzündungsforschung zu beobachten ist. Mit ihren Portfolios versuchen die Kliniken, sich bestmöglich auf dem umkämpften Markt zu behaupten: "Eines ist klar: Es wird in den nächsten Jahren eine Umstrukturierung und Konzentration in der Hochschulmedizin in Deutschland geben. Vielleicht gibt es in 10 oder 15 Jahren nur noch zehn große Player", sagt Koch Gromus. Da wolle seine Klinik unbedingt dazugehören. Dafür setzt das UKE nach eigenen Angaben auf eine Infrastruktur mit prestigeträchtigen Sonderforschungsbereichen und Kooperationen.

Wichtig sind auch die Drittmittel, die die Kliniken einwerben: "In den vergangenen Jahren konnten wir unsere Drittmittel von 30 Millionen auf knapp 70 Millionen steigern", betont der Hamburger Dekan. Auch die Uniklinik RWTH Aachen hat ihre Drittmittel nach eigenen Angaben zwischen den Jahren 2000 und 2013 nahezu verfünffacht: Sie stiegen von 7,5 Millionen Euro auf 35,73 Millionen Euro an.

Bei allem Prestige, der Arbeitsplatz Universitätsklinik hat auch Schattenseiten: Die Arbeitsbelastung von Ärzten an Universitätskliniken ist höher als an kommunalen oder privaten Krankenhäusern. Patientenversorgung, Lehre und Forschung innerhalb der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit zu schaffen, ist für viele Hochschulmediziner nahezu unmöglich - etliche Überstunden sind die Folge. Bei einer Umfrage des Marburger Bundes gaben 40 Prozent der befragten Ärzte in Unikliniken an, jede Woche 60 bis 79 Arbeitsstunden abzuleisten. An kommunalen Krankenhäusern liegt diese Quote bei 35 Prozent, an privaten Krankenhäusern bei 34 Prozent.

"Schon vor vierzig Jahren gehörte zum Berufsbild des Arztes, keine Zeit zu haben und unter hohem Leistungsdruck zu stehen", sagt Dekan Koch-Gromus. In den vergangenen 20 Jahren habe sich die Lage aber noch verschärft: Die Arbeitsprozesse an Universitätskliniken hätten sich enorm verdichtet, unter anderem wegen des wirtschaftlichen Drucks auf die Einrichtungen. So wirkten sich unter anderem die verkürzten Liegezeiten von Patienten stark auf die Arbeit der Ärzte aus. Verbrachte ein Patient im Jahr 1994 nach Angaben des Bundesstatistikamtes im Schnitt noch 10 Tage in einer Universitätsklinik, waren es 2012 nur noch 7,5 Tage. "Wenn man einen Patienten aufnimmt, mit all den dafür erforderlichen Maßnahmen, muss man eigentlich auch schon mit einplanen, wie man ihn ein paar Tage später wieder entlässt", beschreibt Koch-Gromus die Situation.

Mehr zu den Gehalts- und Karrieremöglichkeiten eines Assistenzarztes finden Sie hier.

academics :: Juni 2014

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