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Arbeitszeit: Sie wollen an der Uhr drehen

VON MARC BROST UND ELISABETH NIEJAHR

Millionen Arbeitnehmer fordern mehr Zeit für sich selbst. Jetzt berät sogar die Regierung darüber.

Arbeitszeit: Sie wollen an der Uhr drehen© Do.rit - photocase.deViele Arbeitnehmer wünschen sich mehr Flexibilität und Freiheiten bezüglich ihrer Arbeitszeiten
Wenn Nico Schild als kleiner Junge gefragt wurde, wo sein Vater stecke, sagte er: »Papa Streik«. Einmal fand er zu Hause so viele rote Aufkleber mit Werbung für die 35-Stunden-Woche, dass er seinen ganzen Kinderzimmerschrank damit beklebte. Die Sticker stammten aus dem Sommer 1984, als draußen auf den Straßen Zehntausende Arbeiter marschierten - eine Machtprobe, wie es sie in der Nachkriegszeit noch nicht gegeben hatte.

Armin Schild, der Vater von Nico, war damals 23. Ein junger Metallgewerkschafter, der im Morgengrauen Flugblätter an den Werkstoren verteilte und später auf Großdemonstrationen protestierte, bei denen nicht nur für andere Tarifverträge geworben wurde, sondern für ein anderes Lebensgefühl. »Fünf Stunden mehr, für Liebe und Verkehr« war einer der Slogans. Sechs Wochen dauerte der Kampf, dann willigten die Arbeitgeber ein, die Stundenzahl zu senken. Aber in den Jahren danach verbreitete sich eine ganz andere Stimmung: dass die Deutschen wieder mehr arbeiten und sich mehr anstrengen müssten. Die Erinnerung an den großen Streik von 1984 verblasste wie die Farbe der Aufkleber auf Nico Schilds altem Kinderschrank. Bis zu diesem Sommer.

Nico Schild arbeitet bei den Stadtwerken Gießen, er repariert Gasleitungen. Morgens um sieben fährt er mit zwei, drei Kollegen raus zu den Baustellen, meistens müssen schwere unterirdische Rohre erst freigelegt und dann geschweißt werden, und das bei fast jedem Wetter. Ein anstrengender Job ist das, und wenn der 24-Jährige so weitermacht, wird er sich in ein paar Jahren ziemlich sicher den Rücken ruiniert haben. Deswegen will er etwas Neues lernen: An drei Tagen in der Woche besucht er die Abendschule, an den anderen macht er abends Hausaufgaben. Am liebsten würde Nico Schild seine Arbeitszeit daher vorübergehend um ein paar Stunden pro Woche verkürzen. »Dreißig Stunden, das wär's eigentlich«, sagt er. Doch das ist nicht so einfach bei den Stadtwerken. So wie 1984 sein Vater, ringt jetzt auch Nico darum, weniger zu arbeiten.

Wendepunkte bei der Arbeitszeit

1918
Maximal acht Stunden Arbeit pro Tag (an sechs Tagen) werden per Gesetz festgelegt

1956
Der DGB startet eine Kampagne für die Fünftagewoche (»Samstags gehört Vati mir«)

1965
In der Metall- und Elektroindustrie wird die Fünftagewoche eingeführt

Mai 1984
Streikende fordern in Massen die 35-Stunden-Woche

Juni 1984
Einführung der 38,5-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich

1995
35-Stunden-Woche in der Metall- und Elektroindustrie

2004
Rückkehr zur 40-Stunden-Woche für die Beamten des Bundes und der meisten Länder

Massenbewegung fordert andere Arbeitszeiten

Erstmals seit 30 Jahren wollen die Deutschen wieder andere Arbeitszeiten, und wieder ist es eine Massenbewegung. Vier von fünf Beschäftigten in der Metallindustrie wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten, so eine aktuelle Umfrage der IG Metall unter einer halben Million Mitgliedern. Sie wollen nicht generell weniger arbeiten - aber kürzertreten können, wenn es für sie mal nötig ist. Das kann zum Beispiel nach der Geburt der Kinder sein: 82 Prozent aller Männer mit Kindern würden gern Teilzeit arbeiten, jeder dritte Vater hält eine Wochenarbeitszeit von 32 Stunden für ideal. Das fand die Väter gGmbH heraus, eine Unternehmensberatung für familienorientierte Dienstleistungen.

»Wir alle werden immer älter und arbeiten meistens auch eine viel längere Zeit unseres Lebens - warum also müssen die Menschen in der Zeit zwischen 30 und 45 so viel gleichzeitig erledigen?«, fragt der Familiensoziologe Hans Bertram. In einem noch unveröffentlichten Buch über die »überforderte Generation« beschreibt er, dass die Berufstätigen heute viel weniger Freiraum haben, als ihre Eltern und Großeltern je hatten. Die Kindererziehung nimmt mehr Raum im Leben ein, in immer mehr Ehen finden zwei Berufstätige zusammen. Und dann kommt manchmal auch noch die Pflege der Eltern hinzu. So fehlt es allen vor allem an einem: Zeit. Wir schlafen kürzer. Wir essen schneller. Wir beantworten unsere beruflichen E-Mails auch am Wochenende oder nach Feierabend spät in der Nacht. »Wer es sich leisten kann, flieht aus der Zeit«, sagt der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte. Das erklärt den Boom der Wellnesshotels, der Reisemagazine und die vielen kleinen und großen Gedanken ans Ausbrechen, die jeder Einzelne so mit sich trägt.

Früher gab es zumindest einige Gruppen in der Bevölkerung, die viel Zeit hatten: Kinder, Arbeitslose, Rentner, oft auch Hausfrauen mit erwachsenen Kindern. Und heute? Haben schon Grundschüler einen vollen Kalender, müssen sich Arbeitslose ständig bewerben und qualifizieren, führen viele Rentner eine rastlose Existenz. Hausfrauen gibt es auch immer seltener. Weil so viele Beschäftigte von ihren Chefs nahezu rund um die Uhr mit E-Mails bombardiert werden, forderte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel vor wenigen Tagen sogar ein »Recht auf Feierabend«. Die Deutschen, sagt Karl-Rudolf Korte, brauchten wieder mehr Zeit: zum Leben, für die Kinder und, ja, auch Zeit zum Sterben. »Eine Partei, die Zeit-Reichtum verspricht«, sagt der Politikexperte, »würde sofort gewählt.«

Durchschnittliche Arbeitszeit liegt inzwischen bei 41 Stunden

Jahrzehntelang hat man den Arbeitnehmern gepredigt, dass sie flexibler werden müssten: einen Job annehmen, auch wenn er weit weg in einer andere Stadt liege; am Wochenende arbeiten, wenn es die Deadline des nächsten Projekts so verlange; Überstunden schieben, weil die Konkurrenz aus Fernost ja ebenfalls nicht schlafe. So ist für Vollzeitbeschäftigte die durchschnittliche Arbeitszeit in den vergangenen zehn Jahren wieder gestiegen, sie liegt inzwischen bei 41 Stunden. In einigen Branchen wie der Bauindustrie wird ganz offiziell schon wieder länger gearbeitet; in anderen Bereichen nehmen die Überstunden zu. Jeder Vierte arbeitet inzwischen an Sonn- und Feiertagen. Und dann gibt es noch die drei Millionen Deutschen, die einen Nebenjob haben. Seit der Wiedervereinigung hat sich ihre Zahl verdreifacht. Jetzt aber wollen sehr viele Deutsche ein Stück ihrer Zeit zurück. »Zeitsouveränität« sei das neue Stichwort, sagt Detlev Wetzel, der Chef der IG Metall. »Wir erleben eine Gegenbewegung zur totalen Ökonomisierung des Lebens.« Es ist gewissermaßen die zweite große Welle der Flexibilisierung, die jetzt die Wirtschaft erreicht. In der ersten Welle waren es die Arbeitnehmer, die sich anstrengen und verändern mussten. Nun sind es auf einmal die Arbeitgeber, die sich anstrengen sollen - die neue Arbeitsformen zulassen müssen und ganz andere Arbeitszeiten. Die Frage ist nur, wozu diese bereit sind.

Als Christian Gebauer aus dem Urlaub zurückkam und ihn in den ersten Tagen das Fernweh plagte, machte er für sich eine kleine Rechnung auf: Wie viel Lebensarbeitszeit habe ich? Wie viel Geld verdiene ich in dieser Zeit? Was verliere ich, wenn ich sechs Monate weniger arbeite? Und was bedeuten diese sechs Monate für den Rest meiner Karriere, für den Rest meines Lebens? Auf einmal fühlte es sich gar nicht mehr so schwierig an, für ein halbes Jahr nur noch Teilzeit zu arbeiten. Zumal sein Arbeitgeber ja Leute wie ihn ausdrücklich dazu ermunterte. Gebauer ist Ingenieur bei Bosch in Stuttgart, einem konservativen Unternehmen in einer konservativen Region, so will es zumindest das Klischee. Tatsächlich ist Bosch ziemlich innovativ bei der Personalentwicklung, man hat sehr früh angefangen, für die eigenen Ingenieure alle möglichen Arbeitszeitmodelle auszutüfteln. Das funktioniert, weil man eine entscheidende Regel beherzigt: Wenn du willst, dass deine Mitarbeiter anders arbeiten können, musst du zuerst die eigenen Führungskräfte überzeugen. Leute wie Christian Gebauer.

Gebauer war 43, als ihn der Arbeitsblues packte. Ein Abteilungsleiter im mittleren Management, Vorgesetzter von 35 Leuten. In der Mitarbeiterzeitung las er, dass 125 Führungskräfte gesucht würden, die 125 Tage entweder weniger oder flexibler von zu Hause arbeiten wollten. Gebauer rechnete. Und meldete sich. Sechs Monate lang nur vier Tage pro Woche arbeiten, mit vollem Rückkehrrecht auf die alte Stundenzahl: Das klang verlockend. Inzwischen ist das drei Jahre her, Gebauer hat auf sein Rückkehrrecht verzichtet und arbeitet seitdem nur noch 80 Prozent. Wie sehr viele Führungskräfte bei Bosch: Rund tausend Vorgesetzte haben inzwischen am Arbeitszeitprogramm teilgenommen - nur einer von fünf wollte danach zur alten Stundenzahl zurück.

Christian Gebauer verabschiedet sich jetzt immer am Donnerstagabend von seinen Kollegen und begibt sich auf die Autobahn. Er fährt dann in die Nähe von Basel, wo seine Partnerin mit den drei Kindern lebt. Früher stand er freitags lange im Stau. Heute fährt er entspannt und ist viel schneller da. Freitags, nach dem gemeinsamen Frühstück, wenn die Kinder in der Schule sind, setzt sich Gebauer aufs Rad. Oder er kümmert sich um den Garten. Er hat ganz einfach Zeit für sich. Der Laptop bleibt zugeklappt. Mails liest er nicht. An einem Arbeitstag in der Woche ist Christian Gebauer tatsächlich: weg. »Ich habe damals sehr schnell gemerkt, wie gut mir das tut. Und wie gut es meiner Arbeit tut«, erzählt er. »Ich hatte auf einmal wieder viel mehr Power, viel mehr Ideen.« Auch seinem Arbeitgeber fiel das auf: Obwohl er nur noch 80 Prozent arbeitet, wurde Gebauer befördert. Heute führt er ein Team von 85 Mitarbeitern - und beweist, dass Teilzeitarbeit kein Karrierekiller sein muss.

Teilzeit auch für Männer

Inzwischen interessieren sich schon 80 Prozent der männlichen Führungskräfte in Deutschland für flexiblere Arbeitszeiten, zum Beispiel für Teilzeit. Das ergab eine Studie der Unternehmensberatung Bain & Company. Seit 2001 gibt es hierzulande sogar ein Recht auf Teilzeit, es steht im Teilzeit- und Befristungsgesetz. Nur: Kaum ein Mann wagt es, dieses Recht auch einzufordern. Jeder Dritte traut sich laut einer Untersuchung der Unternehmensberatung AT Kearney nicht, das Thema beim Vorgesetzten anzusprechen. »Die meisten Unternehmen sind immer noch so organisiert, als würden ihre Mitarbeiter an der Dampfmaschine stehen«, sagt Andy Keel, der in der Schweiz die Firma Teilzeit-Mann gegründet hat und Betriebe bei der Einführung von Teilzeit berät. »Man gilt als guter Arbeitnehmer, wenn man lange im Büro ist.«

Wie sehr dieses Denken an der Unternehmensspitze vorherrscht, hat Erik Schweitzer, der Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), im Frühjahr erlebt. Da gab er gemeinsam mit der Familienministerin ein großes Interview, in dem er sich für eine Art »Familienarbeitszeit« aussprach - der Vater arbeitet weniger, die Mutter arbeitet mehr. Entsprechend groß war die Unruhe bei den Firmen: Wie der Verbandschef bloß darauf komme, sich in ihre Personalpolitik einzumischen? Wir wollen so etwas nicht!, war das Signal.

Herbert Henzler, einer der großen alten Männer der Deutschland AG, warnt die Deutschen sogar davor, ihr Land in eine Freizeitgesellschaft zu verwandeln. »Es gibt sehr viele junge Menschen in anderen Ländern, die bereit sind, sich richtig reinzuhängen«, sagte der frühere McKinsey-Chef dem Handelsblatt. Dabei übersehen die Skeptiker zwei wichtige Argumente. Erstens: Wenn alle flexibler arbeiteten, wäre das keine Gefahr für den gesellschaftlichen Wohlstand. Er könnte sogar noch steigen, weil die Menschen wieder mehr Kraft für ihre Arbeit hätten. Und zweitens: Wenn mehr Männer weniger arbeiteten, könnten mehr Frauen sich stärker beruflich engagieren. Nicht nur in einfachen Jobs, sondern in Spitzenpositionen. »Auch die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen und die schlechteren Aufstiegschancen von Müttern würden allmählich verschwinden«, sagt Jutta Allmendiger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin. Der neue Kampf um die Arbeitszeit ist auch ein Kampf für die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Allmendinger glaubt, dass die 32-Stunden-Woche schon deswegen kommen wird, weil inzwischen immer mehr junge Arbeitnehmer selbstbewusst Teilzeitstellen, Sabbaticals und Heimarbeit fordern. Das ist neu. Lange waren die Berufseinsteiger diejenigen, die ständig einsatzbereit waren, während die Älteren eher mal absagten, oft wegen ihrer Familien. Heute unterscheiden sich die Arbeitszeitwünsche verschiedener Altersgruppen kaum. Alle wollen selbst darüber bestimmen können, wann sie mehr arbeiten - und wann weniger.

Arbeitszeit den Lebensphasen anpassen

Das Leben, schreibt die Autorin Evelyn Holst, sei »wie eine Bergwanderung. Für jede Phase braucht man ein anderes Tempo, eine andere Gangart, anderes Schuhwerk.« In der zweiten Lebenshälfte zum Beispiel brauchen immer mehr Angestellte heute Zeit, um ihre Angehörigen zu pflegen, und sie müssen oft sehr plötzlich Lösungen finden, können selten planen, wie lange die schwierige Pflegezeit dauern wird. Manchmal ist auch die Scham ein Problem, Pflege ist ein intimes, trauriges Thema, über dessen ganz praktische Details Angehörige oft nicht gern sprechen.

Sigrid Hollschen hat in Bremen ein Projekt erfunden, bei dem pensionierte Polizisten ihren berufstätigen Kollegen bei einem Pflegenotfall schnell und umkompliziert helfen. Hollschen, eine ehemalige Ermittlerin, stürzte im Winter vor drei Jahren frühmorgens beim Joggen und blieb minutenlang im Schnee liegen. Sie konnte sich vor Schmerzen kaum bewegen, lag einsam im menschenleeren Wald. In diesen Minuten fragte sie sich, wie es wäre, jetzt selbst zum Pflegefall zu werden. Würde ihr Mann wissen, was zu tun wäre? Gäbe es neben den offiziellen Stellen jemanden, der sich auskennte - und dem sie und ihr Mann sich öffnen würden? So entstand die Idee für »Hilfe im ersten Angriff«, ihr Beratungsprojekt. Überhaupt ist die Polizei in Bremen ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht nur reicht, flexible Arbeitszeiten zu erlauben - sondern es immer auf die Personen ankommt, die sich dafür einsetzen. In Bremen ist das der oberste Chef. »Bei uns muss eigentlich jedes Arbeitszeitmodell möglich sein«, sagt Lutz Müller, der Polizeipräsident, »bei über zweitausend Mitarbeitern gibt es genug Möglichkeiten, für jeden etwas Passendes zu finden.« Auch seinen eigenen Job, sagt Müller, könne man grundsätzlich in Teilzeit erledigen.

Arbeitnehmer wollen die Souveränität über ihre Zeit zurückgewinnen

Zeitsouveränität ist ein Thema, das auf einmal sehr viele im Land elektrisiert. Für den Dienstag der kommenden Woche hat die Bundeskanzlerin mehrere Gewerkschafts- und Arbeitgeberschefs und sieben Minister zur Klausurtagung nach Meseberg eingeladen, IG-Metall-Chef Wetzel wird Angela Merkel dann auch seine Ideen für flexiblere Arbeitszeiten vorstellen. In der nächsten Tarifrunde will der Gewerkschafter auf jeden Fall neue Arbeitszeitmodelle verhandeln. Einen Tag nach der Klausur von Meseberg veranstalten die Grünen in Berlin einen großen Kongress zur Arbeitszeit. Auch die ersten Städte haben das Thema entdeckt. »Wir wollen einen Kulturwandel«, sagt Klaus Kaminsky, der Oberbürgermeister von Hanau. »Alle gesellschaftlichen Gruppen sollen in ihrer Planung die Zeitwünsche von Familien selbstverständlich berücksichtigen.« In Hanau hat man die Öffnungszeiten des Rathauses, der Kindergärten und Arztpraxen ausgeweitet, Ehrenamtliche betreuen stundenweise fremde Kinder oder entlasten Menschen, die ihre Eltern pflegen.

Im Garten von Armin Schild, dem ehemaligen Kämpfer für die 35-Stunden-Woche, sitzen Vater und Sohn, sie trinken Bier und schauen gemeinsam auf ein paar Bilder von früher. Zum fünfzigsten Geburtstag des Vaters hatte die Familie ein hellbraunes Plakat mit alten Fotos beklebt, das hat Armin Schild noch einmal hervorgeholt. Mittlerweile wirbt er wieder bei vielen Veranstaltungen für flexiblere Arbeitszeiten, innerhalb seiner Organisation und in verschiedenen politischen Runden in Berlin. In den drei Jahrzehnten nach dem großen Streik hat er es bis zum Bezirksleiter der IG Metall gebracht, ist verantwortlich für mehr als 300.000 Gewerkschafter in vier Bundesländern.

Glaubt er, dass nun eine Ära der flexiblen Arbeit anbricht, er seine alten Ziele mit neuen Mitteln erreicht? »Mehr Flexibilität bei der Arbeit gab es bisher immer nur, wenn es den Unternehmen nützte«, sagt Schild. Aber jetzt ändere sich die Stimmung: »Wir erleben wirklich eine Zeitenwende.«

Aus DIE ZEIT :: 28.08.2014

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