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Armin Falk erhielt kürzlich 1,3 Mio. Euro Forschungsförderung vom ERC

 

Der Ökonom und Leiter des Laboratoriums für experimentelle Wirschaftsforschung an der Universität Bonn berichtet von dem Gebrauch der Forschungsförderung.

Armin Falk erhielt kürzlich 1,3 Mio. Euro Forschungsförderung vom ERCArmin Falk
Welche Erfahrungen haben Sie mit der Forschungsförderung vom ERC gemacht?

Meine Erfahrungen bislang waren durchweg positiv. Natürlich habe ich aufgrund des Erfolgs mit hoher Wahrscheinlichkeit eine verzerrte Wahrnehmung: aber bisher lief der Prozess erfreulich unbürokratisch und unkompliziert ab. Die Qualität des Auswahlverfahrens ist ungewöhnlich hoch.

Sie werden das Geld zur Entlastung von Lehrverpflichtungsaufgaben ausgeben. Befürworten Sie eine Trennung von Forschung und Lehre?

So pauschal würde ich das nicht sagen. Aber man muss wissen, was man will. Wir stehen in der Forschung international im Wettbewerb mit Kollegen, die eine deutlich geringere Lehrverpflichtung haben.

Wenn Deutschland Anschluss an die Spitze halten bzw. erreichen will, müssen die Bedingungen für die Forschung verbessert werden. Das ist nicht zuletzt eine Frage des zur Verfügung stehenden Zeitbudgets und damit der Lehrverpflichtung. Ich bin aber schon deswegen gegen eine vollständige Trennung von Forschung und Lehre, da insbesondere fortgeschrittene Studenten und Doktoranden an aktuelle Forschungsthemen herangeführt werden müssen. Nur so kann es gelingen, Nachwuchsforscher für die Wissenschaft zu begeistern und sie in die Lage zu versetzen, Ihren eigenen Weg erfolgreich zu gehen. Leider werden die Doktorandenausbildung und die Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses vielfach nicht als Lehrleistung angerechnet; in meinen Augen ein großer Fehler.

Sie haben bereits in den 90er Jahren zum Thema Fairness und Vertrauen in der Wirtschaft geforscht - steckt die deutsche Wirtschaft in einer Vertrauenskrise?

Vertrauenskrise ist ein großes Wort, und ich bin kein Fan von Dramatisierungen. Allerdings ist der gesellschaftliche und ökonomische Wert von Vertrauen in Institutionen wissenschaftlich unumstritten. Länder in denen das Vertrauen in Institutionen stärker ausgeprägt ist, weisen beispielsweise eine bessere wirtschaftliche Dynamik auf. Es ist daher kein geringes Problem, wenn Bürger Vertrauen in die Politik oder den Grundkonsens unseres Wirtschaftssystems verlieren. Die aktuellen Debatten um politischen Wortbruch, spektakuläre Fälle von Steuerhinterziehung oder schamlose Bereicherung von Managern haben daher nicht nur eine moralische sondern auch eine ökonomische Dimension. Dessen sollten sich insbesondere Manager bewusst sein, die ja keine Gelegenheit auslassen, ihre ökonomische Vernunft zu preisen.

Aus Forschung und Lehre :: Mai 2008

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