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Auf in die nächste Pokerrunde

VON LEONIE ACHTNICH

Was die Verzögerung des zentralen Internetportals für die Bewerbung an den Hochschulen bedeutet.

Auf in die nächste Pokerrunde© Kathiy Crescent - Photocase.com

Wie war es bisher?

Mehr als dreißig Jahre lang regelte die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) die Bewerbungsverfahren für alle bundesweit beschränkten Studiengänge. Wer ein durch einen Numerus clausus (NC) beschränktes Fach studieren wollte, musste sich an die Behörde wenden. Im Jahr 2003 wurde den Hochschulen mehr Mitspracherecht bei der Auswahl ihrer Studenten eingeräumt. Das sollte den Wettbewerb zwischen den Hochschulen fördern. Seitdem gibt es lokale Zulassungsbeschränkungen für die meisten NCFächer, Bewerbungen gehen also direkt an die Hochschulen. Die können auch die Richtlinien für ihre Bewerbungen festlegen, Motivationsschreiben anfordern und Bewerbungsgespräche führen. Davon ausgenommen sind Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie, diese Fächer wurden weiter von der ZVS verwaltet. Im Jahr 2008 wurde die Behörde abgeschafft. Jetzt übernimmt die Stiftung für Hochschulzulassung die Aufgabe der ZVS.

Was ist das Problem?

Lokale Zulassungsbeschränkungen können zu einem Studienplatzpoker führen: Die Anwärter versuchen, ihre Chancen auf eine Zusage durch Mehrfachbewerbungen an verschiedenen Hochschulen zu erhöhen. Weil aber nur ein Platz wahrgenommen werden kann, bleiben die anderen bis zum Fristende blockiert und werden dann in zeitaufwendiger Abstimmung für das Nachrückverfahren freigegeben. Das führt aufseiten der Bewerber zu stark verzögerten Zusagen, Wohnungsnot und Studienplatztausch. Wegen der komplizierten Absprache blieben im Wintersemester 2010/11 über 17 000 NC-gebundene Studienplätze unbesetzt, und viele Studenten kamen nicht da an, wo sie hinwollten.

Was soll das Onlineportal leisten?

Das Onlineportal hochschulstart.de ist der Webauftritt der Stiftung für Hochschulzulassung. Das Portal will die Bewerbungen zentral steuern, ohne den Hochschulen ihre Entscheidungskraft zu nehmen. Bis zu zwölf Bewerbungen kann ein Bewerber dort einreichen. Erhält er zwölf Zusagen, kann er sich entscheiden. Damit werden elf Plätze wieder frei und können zügig weitervermittelt werden. Die Rangfolge der Wunschstudienplätze kann auch nachträglich verändert werden. Dieser Mehrfachabgleich erlaubt es, die Wünsche der Bewerber mit den Entscheidungen der Hochschulen zu koordinieren. Die Software wird von T-Systems unter der Beratung des Hochschul-Informations-Systems (HIS) entwickelt und sollte zum Wintersemester 2011/12 in Betrieb genommen werden. Das Angebot richtet sich an alle Erststudienbewerber, wurde dann aber angesichts der knappen Entwicklungszeit zunächst auf die Anwärter für einen Ein-Fach-Bachelor beschränkt. Jetzt hat sich die Inbetriebnahme des Systems ganz verschoben.

Wie läuft es in diesem Jahr?

Das Scheitern des Portals hochschulstart.de ist nur für die Studienbewerber von Belang, die sich auf einen Ein-Fach-Bachelor, auch als Mono- Bachelor bekannt, bewerben wollen. Schließlich hatte das System zuletzt ohnehin nur ihnen eine Verbesserung der Lage versprochen. Jetzt müssen sie sich weiter an den einzelnen Hochschulen bewerben und dann um eine Zusage bangen. Als Hilfe steht ihnen die Studienplatzbörse zur Verfügung. Sie wurde von der Stiftung für Hochschulzulassung bereits in den vergangenen Semestern als Übergangslösung angeboten. Die Studienplatzbörse ermöglicht einen aktualisierten Überblick über die freien Studienplätze. Glücklose Anwärter können sich dann gezielt an den Hochschulen bewerben.

Aus DIE ZEIT :: 20.04.2011

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