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Auf nach China!

 

Der DAAD vergibt Stipendien für zukünftige Führungskräfte im China-Geschäft. Doch es finden sich kaum Interessenten.

Auf nach China!: DAAD-Stipendien© Gary Tamin ? stock.xchng
"Es könnten mehr Bewerber sein", sagt Klaus Birk, Referatsleiter beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), über das Programm "Sprache und Praxis in China". Für 16 Monate schickt der Austauschdienst seine Stipendiaten voll finanziert zum Sprachkurs und zum Praktikum nach Asien. Führungskräfte für den chinesischen Markt auszubilden, das ist das Ziel. Doch nur 30 bis 40 Bewerber kommen auf die bis zu 12 Plätze, früher waren es einmal doppelt so viele. "Die Wahrscheinlichkeit, genommen zu werden, ist also ziemlich groß."

Woran liegt es, dass weniger Interessenten den Sprung nach China wagen wollen? Klaus Birk kann es sich nur mit der Wirtschaftslage erklären: "Vor einigen Jahren noch stiegen die Leute auch mal zwei Jahre aus dem Beruf aus, um sich weiterzubilden. Das wagt heute kaum mehr jemand."

Dabei bietet "Spache und Praxis in China" gerade Absolventen aus wirtschafts- oder ingenieurswissenschaftlichen Studiengängen einen tiefen Einblick in das chinesische Wirtschaftsleben. Das Programm beginnt mit einem dreiwöchigen Intensiv- Sprachkurs am Sinicum in Bochum, darauf folgen zehn Monate Sprachkurs an der Beijing Foreign Studies University, und im Anschluss arbeiten die Stipendiaten sechs Monate lang in einer deutschen, chinesischen oder internationalen Firma.

Der DAAD sucht keine Sinologen oder Regionalwissenschaftler, sondern Wirtschaftsingenieure, Juristen oder erstmals auch Soziologen - Leute, die noch kein Chinesisch können, aber ein ausgeprägtes Interesse an China haben. Höchstens zwei Jahre darf der Abschluss zurückliegen. "Die Stipendiaten bekommen deutsches und internationales Wirtschaften in China hautnah mit", sagt Klaus Birk. Denn um ihr Praktikum müssen sie sich selbst kümmern, schon während des Sprachkurses in Peking knüpfen sie Kontakte. Einmal pro Woche besuchen sie deutsche oder internationale Unternehmen, gehen zu Vorträgen der Außenhandelskammer oder sprechen mit Architekten.

"In China kann man von 740 Euro sehr gut leben. Die Stipendiaten haben damit mehr Geld als ihre Dozenten an der Uni", sagt Birk. Wer vor der Bewerbung schon im Beruf stand, muss sich trotzdem anpassen, denn die Stipendiaten leben im Wohnheim auf dem Campus. "Aber natürlich im Einzelzimmer mit Bad, der Luxusvariante."

Seit 1996 läuft das Programm, 40 Prozent der Absolventen arbeiten in China, und weitere 40 Prozent sind im China-Geschäft ihrer deutschen Arbeitgeber tätig. "Den Bewerbern sollte daher klar sein, welche Erwartungen sie für ihre persönliche Lebensgestaltung an ihren Aufenthalt haben", sagt Birk.

"Interessenten, die zweimal ins Internet gegangen sind, um sich über China zu informieren, haben keine Chance." Wer es geschafft hat, könne selbstverständlich auch politische Gespräche mit seinen chinesischen Kommilitonen führen, sagt Birk. "Nur mit einem 'Free Tibet'-T-Shirt auf den Tianan men-Platz zu gehen, das ist problematisch."

Die Bewerbungsfristen für "Sprache und Praxis in China" sowie für das Partnerprogramm "Sprache und Praxis in Japan" laufen noch bis zum 31. Januar.

Aus DIE ZEIT :: 08.01.2009

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