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Außerfachliche Qualifikationen - Assessment Center in Berufungsverfahren

von Bernd Scholz-Reiter

Organisations- und Managementfähigkeiten werden für eine Professur immer wichtiger. An der Universität Bremen werden sie durch ein Assessment Center getestet.

Außerfachliche Qualifikationen - Assessment Center in Berufungsverfahren © misterQM - photocase.de Auch internationale Spitzenforscher müssen ein Assessment Center durchlaufen
Forschung & Lehre: Warum setzen Sie im Unterschied zu anderen Universitäten in Berufungsverfahren Assessment Center ein?

Bernd Scholz-Reiter: Zunehmend gewinnen für eine Professur neben fachlichen Qualifikationen in Forschung und Lehre außerfachliche Qualifikationen an Bedeutung. Die verstärkte Kooperation zwischen Forschungseinheiten, die steigende Größe von Arbeitsgruppen oder die Leitung von Instituten stellen hohe Ansprüche an Führungskompetenz, Organisations- und Managementfähigkeiten. Auch diese Fähigkeiten sollten in Berufungsverfahren eingeschätzt werden und mit zur Entscheidung beitragen. Zudem entscheidet die Universität Bremen mit jeder Berufung über die langfristige Festlegung von Ressourcen in Millionenhöhe. Deshalb sollte eine Universität ihre Berufungsentscheidungen unter Berücksichtigung möglichst umfassender Informationen treffen. Daher wurde die Überprüfung der außerfachlichen Qulifikation eingeführt, und nach über zehnjähriger Erfahrung lässt sich sagen, dass sie ein wesentlicher Baustein zur Verbesserung von Berufungsverfahren ist.

F&L: Lassen sich Assessment Center, wie sie in Unternehmen üblich sind, auf Berufungsverfahren übertragen? Wie wurden sie angepasst?

Scholz-Reiter: Nein, sie lassen sich nicht ohne weiteres übertragen und wurden entsprechend angepasst. Die Universität arbeitet seit vielen Jahren eng mit Personalberatungen zusammen. In regelmäßigen Feedback-Gesprächen zwischen Universität und Beratern findet nicht nur ein Erfahrungsaustausch statt, sondern es wird auch an der Verbesserung der Assessment-Verfahren, z.B. durch die Aufnahme zusätzlicher oder veränderter Kriterien, gearbeitet. Insgesamt sind die Kriterien bzw. die Prüfdimensionen mit der Universität und inneruniversitär abgesprochen. Vor jedem Berufungsverfahren werden zwischen Dekanat und Personalberatung die Besonderheiten des jeweiligen Berufungsverfahrens abgestimmt. Mitglieder der Berufungskommission können beim Assessment Center anwesend sein.

F&L: Muss ein internationaler Spitzenforscher, den Sie für die Universität Bremen gewinnen wollen, auch ein Assessment Center durchlaufen?

Außerfachliche Qualifikationen - Assessment Center in Berufungsverfahren © Universität Bremen Professor Bernd Scholz-Reiter ist Rektor der Universität Bremen
Scholz-Reiter: Ja, jede Bewerberin und jeder Bewerber, die in einem Berufungsverfahren in die engere Wahl gekommen sind, durchlaufen ein Verfahren zur Einschätzung der überfachlichen Kompetenzen. Die von der Universität Bremen mit der Überprüfung der außerfachlichen Qualifikation überwiegend betraute Firma wendet nach Vorgabe der Universität zwei unterschiedlich intensive Verfahren an; in jedem Fall absolvieren die Bewerber aber ein sog. Assessment. Einer der Fachbereiche praktiziert ein alternatives Verfahren und lässt die Berufungskommission selbst schulen. Welche Variante im Einzelnen gewählt wird, ist nicht entscheidend und steht den Fachbereichen frei. Aber dass ein Verfahren zur Prüfung der außerfachlichen Qualifikation eingesetzt wird, ist Standard und breit akzeptiert.

F&L: Wie werden bei der Kandidatensuche die wissenschaftliche Qualifikation und die durch das Assessment Center ermittelten Kompetenzen gewichtet?

Scholz-Reiter: Selbstverständlich geht es in einem Berufungsverfahren immer darum, die beste Wissenschaftlerin bzw. den besten Wissenschaftler auszuwählen. Zentral ist die fachliche Kompetenz in Forschung und Lehre. Durch ein Assessment erhält die Universität jedoch zusätzliche Informationen, die in der Kommission diskutiert und berücksichtigt werden. Es geht nicht darum, Personen auszuschließen, sondern Personen und ihr Entwicklungspotenzial einzuschätzen. Aber auch die Kandidaten profitieren: es findet in jedem Fall ein vertrauliches Gespräch über die Ergebnisse des Assessment mit Hinweisen zur Weiterentwicklung statt. Die Universität und die oder der Berufene stimmen nach Besetzung ihre Personalentwicklungsmaßnahmen auch aufgrund der Ergebnisse aus dem Assessment Center ab.

Aus Forschung & Lehre :: Oktober 2016

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